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Full text of "Schaufensterkunst [microform]:"

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MASTER 
NEGATIVE 
NO. 95-8241 6 




COPYRIGHT STATEMENT 



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governs the making of photocopies or other reproductions of copyrighted 
materials Including foreign works under certain conditions. In addition, 
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for purposes in excess of "fair use," that user may be Nable for Copyright 
infringement. 

The Columbia University Libraries reserve the right to refuse to accept a 
copying order if, in its judgement, fulfillment of the order would involve 
violation of the Copyright law. 



Author: 



Schottlaender, L. & Co., 
Berlin 

Title: 

Schaufensterkunst 



Place: 

Berlin 

Date: 

[1919] 



MASTER NEGATIVE * 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DIVISION 

BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



ORIGINAL MATERIAL AS FILMED - EXISTING BIBLIOGRAPHIC RECORD 



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Schottiaendor » L & oo.» Berlin. 

Sohaufensterkunst : lehroätze von Elisabeth v. 
Stephani-Hahn nobat bearbeitung der von Verlage 
L. Sohottiaender & oo. ... Berlin C.» geeanunelten 
praktisohen anregungen und ratschlage für den 
dekorateur... Berlin» Sohottiaender [Ol919-j 

200 p. illtis.» inol. plates. diagrs. 30f om. 




RESTRICTIONS ON USE: 



TECHNICAL MICROFORM DATA 



FILM SIZE: 35tfv\vv\ 



TRACKING # : 



REDUCTION RATIO: iSx 



IMAGE PLACEMENT: lA MIa) IB IIB 



DATE FILMED: 3-l(a-Hb 



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Schaufensterkunst 



Lehrsätze von Elisabeth v.Stephani-Hahn 
nebst Bearbeitung öer vom Verlage 
L Schottlaenöer & Co., G.m.b.H. 
BerlinC, gesammelten prak- 
tischen Anregungen unö 
Ratschläge für öen 
Dekorateur 



Mit 442 Abbiiöungen 

hiervon 152 ganze Schaufenster 
unö 290 Einzelheiten. 



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Verlag L. Schottlaenöer & Co., G. m. b. H 

Berlin C. 19 




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Alle Rechte vorbehalten, 

namentlich auch das der Übersetzung in andere Sprachen. 

Nachdruck, auch einzelner Teile, verboten. 

Copyright by L. Schottlaender & Co.. G. m. b. H.. Berlin 1919- 




153.3 




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VORWORT.- 

Dieses Buch geht mit dem Wunsche in die Welt, ein Lehrmeister 
und Berater für junge Künstler des Dekorationsberufes zu werden. 

Die Lehrsätze des Buches sind aus einer langjährigen praktischen 
Arbeit für die Reform der Schaufensterkunst geschöph, und wir 
glauben deshalb berechtigt zu sein, die in ihnen enthaltenen hohen An- 
sprüche an die Leistungsfähigkeit des Dekorateurs stellen zu können. 

In zahlreich beigefügten Abbildungen findet der Leser die praktische 
Verwirklichung der Lehrsätze. 

Die Kunstgesetze, die nun auch den Weg ins Schaufenster gefunden, 
sollen hier, wie in jeder Kunst, nicht die Genialität des Künstlers hemmen, 
sondern im Gegenteil, ihm helfen, Schwierigkeiten zu überwinden, damit 
er seiner Phantasie leicht und unbeschadet freien Lauf lassen kann. 

Ein kleiner geschichtlicher Überblick, der das „gestern" und „heute^ 
des Schaufensters spiegelt, wird dem talentvollen, strebsamen Dekorateur 
ein reiches „morgen" prophezeien. 

So weit es der Platz erlaubte, berühren die Lehrsätze alle Waren- 
gattungen, die sich dem Dekorateur zur Schaufensterdekoration bieten. 
Eine Unterstützung hierzu geben die zahlreichen Einzelheiten im An- 
hang dieses Buches. Vor allem aber ist die Grundlage klar gelegt, die 
für eine künstlerische Arbeit in diesem Berufe die Hauptforderung ist 
Es wird daraus ersichtlich sein, daß der Dekorateur, sobald er die Grund- 
lehren der Schaufensterkunst beherrscht, auch für die einfachen Anforde- 
rungen der kleinen Provinzgeschäfte Hervorragendes leisten kann, und 
daß es ihm dadurch auch erleichtert wird, aus den reichen Dekorationen 
der Großstadt-Schaufenster Anregungen zu schöpfen. So wird er an 
der Kulturarbeit, den Geschmack des Volkes durch gute Schaufenster zu 
heben, teil haben. 

Verlag L, Schottlaender & Co., G. m, b. H. 

Berlin C. 






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Inhalts-Vcrzcichnis. 



Seite 

Das künstlerische Schaufenster als Wirtschaftsfaktor und sein kultureller Wert ... 7 

Künstler und Dekorateur 8 

Was muß der Künstler, was der Dekorateur für die gemeinsame Arbeit in der Schau- 
fensterdekoration wissen? 10 

Wie soll ein Schaufenster beschaffen sein 11 

Was verstehen wir unter einer künstlerischen Schaufensterdekoration 19 

Schaufenster mit Einzelware und Stapelfenster 21 

Farbenharmonie im Schaufenster 33 

Linienharmonie im Schaufenster 36 

Phantasie im Schaufenster 35 

Stoff-Dekorationen im Schaufenster 38 

Konfektion im Schaufenster 47 

Dekoration von Blusen 55 

Kleiderröcke, Unterröcke, Korsetts im Schaufenster 58 

Damenputz im Schaufenster - ßo 

Pelze im Schaufenster 65 

Herrenartikel, Schuhwaren, Handschuhe und Strümpfe im Schaufenster ...".... 68 

Damen -Wäsche im Schaufenster. . . 80 

Tischwäsche, Bett-, Küchenwäsche im Schaufenster 85 

Handarbeiten, Spitzen, Weißwaren im Schaufenster 89 

Sport- und Reise im Schaufenster 93 

Schirme im Schaufenster 95 

Blumen und Früchte im Schaufenster 97 

Kunstgewerbe im Schaufenster loo 

Porzellan-, Kristall-, Galanteriewaren im Schaufenster 107 

Bücher im Schaufenster 112 

Inventur-, Saison-, Total-Ausverkaufs-Schaufenster und Weihnachts-Schaufenster. . . 115 

Die Schaufenster-Beleuchtung 121 

Anhang. 

1. Teil. Verschiedenes 127 

II. Teil. Allerlei praktische Anregungen, Dekorationshilfsmittel und Einzeldekorationen 

von Stoffen, Putz, Wäsche, Jupons, Konfektion, Herrenartikeln usw. ... 151 



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Das künstlerische Schaufenster als Wirtschaftslaktor 

und sein kultureller Wert. 



ie neuzeitliche Schaufenstergestaltung, das 
I j Schaufenster als Schaubühne erlesensten 
-■^-^ Geschmacks, erscheint uns heute schon als 
23 etwas Selbstverständliches. Der Geschäfts- 
mann, durch die große Konkurrenz zu immer größerer 
Reklame gezwungen, konnte nichts Vorteilhafteres tun, als 
dem starken ästhetischen Bedürfnis des Publikums Rech- 
nung tragend, durch künstlerischen Geschmack seiner 
Schaufenster sich einen sicheren Lockreiz zu schaffen. 
Dem Künstler, dem der Auftrag zufiel aus dem ein- 
fachen Warenfenster ein Kunstwerk zu schaffen, ist 
in dieser Arbeit eine neue kulturelle Aufgabe zu- 
gefallen. Kaufmann und Künstler, wenn auch der Eine 
vom materiellen, der Andere vom idealen Standpunkt 
getrieben, sehen hier das Ziel ihres Verlangens durch die 
Erscheinung des „künstlerischen Schaufensters" erreicht. 
Wie leicht gleiten die Worte über das Werden 
dieser neuen Kulturpflanze über das Papier und es 
bedurfte doch 15 Jahre harter Kämpfe, um den Boden 
für die neue Kunst zu beackern. Der Geschäftsmann 
bäumte sich auf gegen das „künstlerische Stilleben" 
des Schaufensters und der Berufsdekorateur revoltierte 
gegen den Künstler, in dem Glauben, dieser unter- 
schätze seine mühevolle Arbeit. Nur die Zeit konnte 
lehren, in welchem Irrtum beide befangen waren. Der 
Kaufmann erkannte sehr bald, wie durch die künst- 
lerisch dekorierten Schaufenster ihm ein neues großes 
Reklamefeld erschlossen wurde und die Auslage der 
Ware in Schönheit, d. h. die Ware durch Kunstgesetze 
zu ihrem höchsten Reiz gebracht, das Publikum zum 
Kaufen mehr animierte als alle Plakate. Die künst- 
lerischen Schaufenster erreichten bald die Zugkraft aller 
Ausstellungen, man ging, sie zu schauen, weil man 
immer neue Anregungen dort erwartete, sei es zur Aus- 
schmückung seiner Häuslichkeit, oder zur Vollendung 
seiner Toilette. Auch ganz neue Bedürfnisse ließ man 
sich durch sie entlocken. Kurz, der Kaufmann mußte 
das künstlerische Schaufenster als Wirtschaftsfaktor 
anerkennen. 

Eben so bald erkannte der gute Dekorateur, daß 
der Künstler nicht gesonnen war, von dem Ruhm seiner 
Arbeit ihm zu nehmen, sondern er durfte seinen Beruf 
in ein neues Licht gehoben sehen. 



Es ist interessant, einmal einen Rückblick auf die 
Entstehungsgeschichte der Schaufenster im allgemeinen 
zu werfen. 

Wir hören und lesen in der Geschichte zuerst von 
den reizvollen Bazaren des Orients und Altertums. 
Diese Bazare bildeten, wie auch noch heute dort, zu- 
gleich Werkstätte, das Lager und die Verkaufsstätte 
des Geschäftsmannes. Wenn auch die leuchtenden 
Farben des Orients den Passanten locken, so bildet 
den Hauptreiz dieser Bazare doch für den Käufer, daß 
er das Wunder der Entstehung der verschiedenartigen 
Waren mit erleben kann. Dies alles spielt sich in 
offenen Zelten und Räumen ab, in denen Menschen 
und Ware nur Schutz vor der Sonne finden, dem feinen 
Staub der Straße aber sind sie preisgegeben. Das 
„Ausstellen der Ware hinter Glas" finden wir erst viel 
viel später und zwar noch bis Anfang des neunzehnten 
Jahrhunderts in sehr primitiver Form. Der Geschäfts- 
mann, der im Erdgeschoß seines Hauses wohnte, be- 
nutzte eins seiner gewöhnlichen Fenster zur Auslage 
einer willkürlichen Auslese seiner Verkaufsware und so 
fanden sich dort, eng aneinander gepreßt, Speisen und 
Toilettegegenstände, Porzellane und sonstige Wirt- 
schaftsartikel. Zur Zeit des reizvollen Rokoko gelang 
es einer geschickten Hand sehr wohl mit der Auslage 
luxuriöser Tändeleien besonderen Reiz in solch kleinem 
„Wohnfenster" zu geben, aber ein Ausstellungssystera 
lag dem niemals zu Grunde. Allmählich gewinnt der 
Architekt Interesse für die Auslage des Geschäftshauses 
und er baut wirkliche Ladenfenster. 

Der Kaufmann zeigt seine Ware in wirklichen 
Ladenfenstern. Aber immer wirbelten noch Waren ver- 
schiedenster Gattung ungeordnet in viel zu reichen 
Mengen durcheinander. Mit dem größeren Fenster 
bekommt der Kaufmann die Lust, so viel wie nur irgend 
möglich im Fenster auszulegen. Mitte des neunzehnten 
Jahrhunderts sind die Fenster schon zu beträchtlicher 
Größe erweitert, man kann von Schaufenstern sprechen 
und nun steigert sich zugleich der Wunsch des Kauf- 
manns, noch viel mehr, ja übermäßig viel Ware aus- 
zulegen. Mit diesem Verlangen ist der Beruf des 
Dekorateurs geboren. Der Verkäufer mußte wohl noch 
lange Zeit das Amt des Dekorateurs übernehmen, denn 



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da ja stets alle Warengattungen, die im Laden käuflich 
sind, im Schaufenster auf einmal gezeigt wurden, so 
ist eine neue Dekoration kaum wegen Abwechslung, 
sondern nur im Reinigungsfall erforderlich, also relativ 
selten. Eine besondere Kraft für die Dekoration zu 
engagieren, erscheint dem Kaufmann deshalb noch 
nicht praktisch. Die Schäden, die sich durch unsach- 
gemäße Aufstellung von Waren aber nach und nach 
herausgestellt, müssen nicht unbedeutend gewesen sein, 
wir finden bald das Auftreten des berufsmäßigen 
Dekorateurs. Und nun beginnt eine wilde Schlacht. 
Der Dekorateur glaubte jetzt zeigen zu müssen, daß 
er mehr konnte als der einstige Verkäufer, der die 
Sachen nur so einfach hinlegte. Aus Taschentüchern 
und Servietten wurden jetzt Mühlen gebaut, die 
Schwämme zu einer Kolossal - Ringkämpferfigur zu- 
sammengeballt, seidene Stoffe verknüllte man zu großen 
und kleinen Fächeratrappen, aus fließender Seide kon- 
struierte man mit Hilfe von Pappwänden Springbrunnen 
mit überlaufendem Wasser, aus Seifen u. dergl. Waren 
wurden Schloßportale gebaut, kurz aus jedem Material 
mußte etwas anderes entstehen als es selbst war. Mit 
ungeheurem Erfolg bei den Geschäftsinhabern und dem 
unverständigen Publikum arbeiteten diese ersten De- 
korateure und wenn wir offen sein wollen, in dieser 
wilden Art arbeiten noch eine ganze Schar Provinz- 
dekorateure. Anfang unseres Jahrhunderts tritt in allen 
Hauptstädten in den großen Kunstläden der Wille zum 
geschmackvollen Fensteraufbau auf, auch Seidenge- 
schäfte wie Liberty in Paris (merkwürdiger Weise nicht 
im Hauptgeschäft in London) versuchen ihre Auslagen 
unter geschmacklicher Kontrolle zu dekorieren. Der 
Kaufmann schwankt jedoch stark, soll er dem alten 



Grundsatz getreu ein wildes, d. h. nur geschäftlich 
zusammengestelltes Durcheinander von vielen Dingen 
ins Schaufenster bringen, oder soll er der geschmack- 
sicheren Hand die Auslese gestatten. Wir sehen diese 
Schwankungen fast 5 Jahre. Da ruft 1904 das größte 
Warenhaus Deutschlands in seinen Musterbau den 
Künstler als künstlerischen Leiter in die Schaufenster- 
dekoration, und nun beginnt der oben erwähnte Kampf. 
Ein Kampf so heftig, daß er dem Sieger ungeheure Er- 
folge versprechen mußte; und so geschah es. Der Maler, 
der in der Schaufensterdekoration mit seinen unbeug- 
samen Kunstgesetzen einzog, siegte über die dort bislang 
getriebene Willkür, und sein Sieg brachte die große 
Reform, an deren Ausbau heute noch emsig gearbeitet 
wird. Talentvolle Dekorateure, Künstler ihres Faches, 
haben in gemeinsamer Arbeit mit dem Maler in jahre- 
langem Mühen die Reform durchgekämpft und es gibt 
wenig Kaufleute, die nicht heute einsehen, welch wirt- 
schaftlichen Erfolg wirklich künstlerisch dekorierte 
Schaufenster tragen. Der Kaufmann scheut sich nicht 
mehr große Opfer für die Dekoration seiner Schau- 
fenster zu bringen, weil er weiß, welcher Wert für 
die Rentabilität seines Geschäfts aus ihnen erwächst. 
Wie schon gesagt ist dem Künstler durch die 
Bereitschaft des Kaufmanns zur künstlerischen Schau- 
fensterdekoration ein neuer Beruf geworden. Kein 
Mittel scheint ihm geeigneter auf das Geschmacks- 
empfinden des Publikums mehr einzuwirken, als das 
gute Schaufenster. Nur das, was sich täglich dem 
Gesichtsfelde des Menschen aufdrängt, beeinflußt seine 
Empfindungen. Gerade durch die Steigerung des Ge- 
schmacks durch die zum Leben unbedingt erforderlichen 
Gebrauchsartikel ist der sicherste Erfolg zu erwarten. 



Künstler und Dekorateur« 




s ist soeben gesagt worden, warum der Sprung 
des Künstlers in die Arbeitswelt des Deko- 
rateurs auf einen undizwar den größten Teil 
dieser Herren, revoltierend gewirkt hat. Diese 
Kämpfe sind überstanden und es wäre Zeitverlust, 
darauf zurück zu greifen. Wir stehen der Tatsache 
gegenüber, daß Künstler und Dekorateur zusammen 
arbeiten müssen und wollen, um das in der Dekoration 
zu erreichen, was wir mit „Kunst" bezeichnen. Aber 
über das „Wie" dieser gemeinsamen Arbeit müssen wir 
einiges Aufklärende bringen. Die Ziele der Deko- 
rationsschulen sind bis heute mit wenig Ausnahmen 



darauf gerichtet, dem Dekorateur so schnell wie mög- 
lich eine große Handgeschicklichkeit beizubringen. 
Ein Ziel, das durchaus lobenswert sein würde, wenn 
andere bei der Dekorateurkunst erforderliche Wissen- 
schaften durch diese, nur auf Geschicklichkeit basierte 
Lehrmethode, nicht häufig vernachlässigt würden. Ich 
nenne einige Hauptmängel, die sich immer wieder bei 
denDekorateuren mancherSchulen zeigen, es sind Mangel 
an Materialempfinden, Mangel an Phantasie und 
Mangel an dem rechten Begriff von künstlerischer 
Dekoration überhaupt. Es fehlt den Dekorateuren 
kurz gesagt die künstlerische Ausbildung, die zu diesem 



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Beruf der Schaufensterdekoration unbedingt erforder- 
lich ist. In wenigen Jahren wird es hoffentlich ge- 
lungen sein, auch bei den Dekorateuren selbst das 
Verlangen nach künstlerischer Ausbildung zu wecken 
und das gemeinsame Arbeiten von Künstler und Deko- 
rateur wird etwas Selbstverständliches werden. 

Worin besteht der Wert der gemeinsamen 
Arbeit von Künstler und Dekorateur? 

Der Künstler sieht in der Schaufensterdekoration 
als Aufgabe die Komposition eines Bildes. Einerlei 
welche Gegenstände ihm zur Gestaltung dieses Bildes 
zur Verfügung stehen, er läßt durch die gesetzmäßig 
geführten Linien und das Ausklingen schöner Farben- 
harmonien ein Kunstwerk entstehen, das auf das Auge 
des Beschauers anlockend wirkt. Da der Künstler zu 
jedem Ding auf dem Erdenrund in einem besonders 
intimen Verhältnis steht, so reizen Gegenstände, die 
dem Laien unscheinbar und uninteressant dünken, ihn 
zu tausend Möglichkeiten in der Dekorationskunst. 
Es gibt überhaupt keinen Gegenstand, dem der Künstler 
nicht Interesse abgewinnen könnte. Das eine Mal ist es 
die Form oder die Farbe, die Leuchtkraft oder Zartheit 
einer Farbe, die starke oder weiche Linie, die einfache 
oder komplizierte Konstruktion eines Gegenstandes, 
ein ander Mal die Schönheit des Materials, die ihn 
begeistert. Kurz ein jedes Ding dringt durch sein Auge 
in seine Welt der Phantasie und dort gestalten sich 
seine Kunstwerke. 

Ob Bildhauer, Architekt, Maler oder Kunst- 
gewerbler durch die Fülle des Ausstellungsmaterials 
zur Herstellung eines Schaufenters angeregt sind, 
immer wird es eine auf die großen Kunstgesetze ge- 
stützte Arbeit sein müssen, wenn ihre Arbeit kfinst- 
lerische Werte zeigen soll. 

Da die Farbenharmonien in der Schaufenster- 
dekorationskunst mit den wichtigsten Faktor bilden 
und die Ausbildung wie das Empfindungsleben, beson- 
ders des Malers, diese Kunst zur höchsten Blüte 
treiben, so werden wir hauptsächlich aus diesem Beruf 
für die Entwicklung der Schaufensterkunst noch viel 
Kräfte brauchen. 

In welches Verhältnis tritt nun die Schaufenster- 
kunst zum Leben des Malers? Wie schon oben 
gesagt, gibt es kein Ding auf dem Erdenrund, zu dem 
der Künstler nicht in einem besonderen Verhältnis 
steht, das soll heißen, seinem Auge ist nichts uninter- 
essant, nichts belanglos. Die jagenden Wolken am 



Himmel schenken ihm täglich neue Formen, der Nebel 
wie die brennende Sonne, der tausendfarbige Schnee 
wie des Regens plätschernde Naß stürmen auf seine 
Phantasie ein. Und ist es oft auch nur ein rotes, 
tanzendes Tonnenwasserzeichen auf endloser traurig 
grauer Flut, für den Maler entstehen daraus Bilder 
über Bilder. Es ist gleich, ob er das Erlebte in 
Farben auf die Leinwand bringt oder ob er dieses 
Farbenerlebnis für das Schaufenster verwertet 

Die nie zu zählende Farbenskala der Blumen-, 
Blätter- und Tierwelt sind das Reich, aus der der 
Künstler seine tägliche Geistesnahrung schöpft. Doch 
nicht nur die Natur, auch Menschenwerke auf der 
Bühne des Lebens machen ihn reich und reicher. 
AUe Werte setzen sich in ihm um in Willen zu 
neuen Taten. Die Gesetze der Kunst ordnen in ihm 
Linie und Farben, daß sie auf der Leinwand oder im 
Schaufenster zu Bildern werden. So gerüstet zur 
Arbeit kommt der Künstler als Maler zum Schaufenster. 
Nun suchen wir den Künstler als Dekorateur, denn 
was der Maler mit farbigem Stift erzählt, muß ja der 
Dekorateur mit weichen und harten Ausstellungswaren 
ausklingen lassen. Die geschickten Hände, das feine 
Materialempfinden, das wir bei dem guten Dekorateur 
als selbstverständliches Werkzeug annehmen, ist für 
eine Kunstleistung, wie sie der Maler zur Ausführung 
seiner Ideen fordert, aber nicht genügend; er fordert 
mehr, es kann nur eine gemeinsame gute Arbeit 
geleistet werden, wenn der Dekorateur ihm kfinst- 
lerisch folgen kann, Harmonien der Linien und Farben 
nachfühlen und sich darin berauschen kann. 

Daß wir noch so wenig Künstler - Dekorateure 
haben, bringt uns den Beweis, man hat die Höhe 
dieser Kunst noch nicht recht erkannt und in den 
Beruf liefen bis jetzt zum größten Teil Frauen und 
Männer ein, die Handwerker — oft geschickte Hand- 
werker, aber nicht Künstler werden konnten. Der 
Beruf des Dekorateurs ist schwer, sehr schwer, beson- 
ders wenn er vielseitig sein und die Handhabung 
aller Waren erfaßt sein soll. Nicht in Monaten 
ist in täglich mühsamer Arbeit die erforderte Hand- 
geschicklichkeit erlernt — diese Kunst will wie jede 
andere Kunst in Jahren erworben werden. 

Nicht arbeitsunlustige oder entgleiste junge Kauf- 
leute, oder eine Jugend, die auf leichten Schwingen 
durch das Leben gehen möchte, sollen in diesen 
Beruf einlaufen, wir brauchen zu dieser Arbeit starke 
künstlerische Kräfte. Diese heranzuziehen, ist Pflicht 
guter Dekorationsschulen. 



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Was miifi der Künstler, was der Dekorateur, für die gemeinsame 
Arbeit in der Schaufensterdelcoration wissen? 



Wie soll ein Schaufenster beschaffen sein? 



s hört sich leicht und schön an : der Maler 
L^ macht eine Si<izze, wie er sich das Schau- 
-■--' fenster denkt und danach kann dann das 
Schaufenster dekoriert werden. Der Vorgang 
zu einer künstlerischen Dekoration ist wohl so, aber 
welches Wissen müssen nun Dekorateur und Maler 
beherrschen, um ein gemeinsames Kunstwerk zu 
schaffen. 

Von der Natur ausgerüstet mit starkem künst- 
lerischen Empfinden, Farben- und Formensinn und einer 
geschickten Hand, so darf der Dekorateur nur in die 
Laufbahn dieses Berufes eintreten. Zu eriernen hat er 
das Dekorieren jeglicher Ware (sofern er sich nicht 
sofort für ein Spezialfach in der Dekorationsbranche 
entschließt im Einzelaufbau wie im Aufbau für die 
Stapelwirkung). Mit unermüdlichem Fleiß hat er zu 
erlernen wie z.B. ein Hemd, eine Bluse und dergl. 
aufzustellen ist, um in übersichtlicher Kontur dennoch 
immer neu in der Linie zu wirken. Der Handhabung [un- 
regelmäßiger Formen ist beim Studieren besondere 
Zeit zu widmen. Die Aufbauten der Ware mit festen 
Konturen veriangen ein anderes Studieren wie die 
Aufbauten der Ware mit weichen Konturen. Blumen, 
Früchte und Kolonialwaren, Glas und Porzellan wollen 
auf ihre Eigenart hin studiert werden, desgl. Stiefel, 
Schirme und Haushaltungsartikel. Es muß eriernt werden, 
wie sich die Raumeinteilung gestalten muß bei Waren 
von sehr verschiedenen Größenverhältnissen, wie z B. in 
Kunstgewerbeschaufenstern, Lederwaren, Haushalts- 
artikeln. Die Konfektionsdekoration veriangt Stilgefühl 
für die Wahl aller Hilfsartikel, die man für die Aus- 
schmückung solcher Fenster benötigt. Die stoffliche wie 
farbige Wahl des Hinter- und Untergrundes für die ver- 
schiedenartigen Waren muß gründlich eriernt werden. 
Ferner die Wirkung der Beleuchtung auf die sehr ver- 
schiedenen Stoffarten, die Wirkung von Spiegel- und 
Ilolzwänden. Und nun die Handwerkerarbeiten, Be- 



spannen der Wände, Aufbauten aus dem verschieden- 
artigsten Material, Handhabung mit Säge und anderem 
Werkzeug, das, wenn auch nicht zur Selbstbetätigung, so 
doch zur Belehrung der Dekorationsdiener eriernt sein 
muß. Das schwerste Studium ist das Verarbeiten der 
verschiedenen Stoffarten nach ihrem Charakter und 
das Verarbeiten derselben ohne Beschädigung. 

Der Maler, der seine Schaufensterphantasien in 
Skizzen niederiegt, hat sich selbstredend diese gleichen 
Kenntnisse anzueignen, wenn ihm auch die Ausbildung 
der Handgeschicklichkeit erspart bleiben kann. Ihm 
liegt es ob, aus den Konturen der Waren immer neue 
Raumgebilde zu erfinden, die alltäglich immer wieder- 
Itehrende Waren dem Publikum in immer neuen 
Reizen vorzuführen. In feinem Materialempfinden hat 
er in seinen Skizzen den Charakter der Stoffe durch 
richtigen Faltenwuri zur Wirkung zu bringen und mit dem 
vorhandenenMaß der Stoffe den Schaufensterraum künst- 
lerisch zu gestalten. Das Kennen aller Stilarten ist für die 
Ausschmückung der Schaufenster unbedingt erforderiich. 
Vor allem ist das Kennen der Farben- und Linien- 
gesetze eine Hauptbedingung. Wie an anderer Stelle 
dieses Buches gesagt ist, ist es für den Künstler 
ganz gleich, ob er ein Bild, einen Buchdeckel oder ein 
Schaufenster komponiert, es ist allemal eine Fläche, die 
er durch Linien und Farben richtig reizvoll gestalten 
soll Je größer sein künstlerisches Können, desto reicher 
an Phantasie wird seine Arbeitsleistung sein. Das 
Schaufenster stellt hohe Ansprüche an die Phantasie 
des Künstlers, da es sich ja größtenteils um stets 
gleiche Ware handelt, von der er neue Bilder zu ge- 
stalten hat. Aus wie reichen Quellen der Natur und 
Menschenkunst der Künstler gewohnt ist für seine 
Welt zu schöpfen, ist schon gesagt. Den Dekorateur 
in den Reichtum dieser Welt immer mehr und mehr 
hineinzuziehen, ist wohl eins der größten Werte der 
Zusammenarbeit von Dekorateur und Künstler. 






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eitdem das Schaufenster ein Kulturfaktor 
geworden ist, entsteht auch fast mit jedem 
neuen Ladenbau eine neue Form von Schau- 
fenster. Angenommen, daß jede Waren- 
gattung ihrem Charakter gemäß eigentlich eine be- 
sondere Raumgestaltung als Schaufenster bedingt, so 
gibt es doch noch unendlich viel Variationsmöglich- 
keiten für jede Raumgestaltung. 

Wir wissen, wie sehr sich die Geschäfte in ihrer 
ganzen inneren Gestaltung nach dem für sie in Betracht 
kommenden Publikum richten. Straßen und ganze Stadt- 
teile tragen dasselbe Gesicht und nicht zum mindesten 
gerade durch die Schaufenster, weil sie auf das hier 
passierende Publikum eingestellt sein müssen. Nicht 
immer die schöneren Größenverhältnisse der Schau- 
fenster eleganterer Stadtteile sind es, die dem Dekorateur 
neue Aufgaben stellen, vor allem soll sich im Schau- 
fenster solcher Stadtteile eine andere Welt spiegeln. 
Die Harmonie zu finden zwischen Ausstellungsobjekten, 
Ausschmückung des Schaufensterraumes und dem vor- 
übergehenden Publikum, das schenkt der Kunst des 
Dekorateurs tausend Möglichkeiten. Hier will ein 
Artikel in vornehmer Einsamkeit als besonders wertvoll 
vorgeführt sein, dort heißt es einen Artikel gleicher 
Gattung in großer Auswahl im Fenster anzubieten. 
Hier würde schon ein Beispiel sein, welch verschieden- 
artige Dekoration für beide Fenster erforderiich ist. 
Der Dekorateur muß genau wissen, was das jeweilige 
Publikum schreckt oder lockt. So verschiedenartig 
der Charakter der Schaufenster auch sein mag, 
bestimmte Forderungen müssen sie alle erfüllen, wenn 
sie den Anspruch auf künstlerischen, und wir können 
zugleich sagen kulturellen Wert erheben. Die Ware 
muß so im Raum, im Schaufenster, stehen, daß sie 
für das Auge des Publikums absolut der Haupt- 
anziehungspunkt des Fensters bildet. Dieses wird 
erreicht, sobald Hintergrund und Untergrund in vor- 
teilhafter Farbenstimmung und richtigem Material 
gewählt sind, ferner die Ausschmückungsgegenstände 
sich nicht durch Form, Farbe oder Sinnlosigkeit auf- 



drängen. Nähere Erläuterungen hierzu werden folgen. 
Wir können nicht sagen. Spiegelwände, Holzwände 
oder Stoffwände sind als Hintergrund im Schaufenster 
zu bevorzugen, allein der Ausstellungsgegenstand 
fordert das Eine oder das Andere. Da Holz- und 
Stoffwände zum Austausch weniger Mühe erfordern, 
als der Transport von Spiegeln und deren Befestigung 
im Fenster, so ist vorzuschlagen, den inneren Ausbau 
des Schaufensters mit Spiegelwänden zu versehen. Es 
muß nur eine Vorrichtung getroffen werden, Holzwände 
und auch Stoffbehänge möglichst mühelos anbringen 
zu können. Eine bestimmte Größe für Schaufenster 
ist nicht festlegbar, auch die Höhenverhältnisse müssen 
sich nach der auszustellenden Ware richten. Die 
Warenhäuser, die bekanntlich dasselbe Raumverhält- 
nis für die verschiedenartigsten Waren haben, sind 
gezwungen, durch innere Umbauten, durch Wände 
und Podeste, dem Schaufenster verschiedene Formen 
zu geben. 

Der Bodenbelag ist am vorteilhaftesten von Lino- 
leum zu wählen, da dasselbe glatte Fläche bietet und 
für den für jede Ware erforderiichen anderen Belag 
aufnehmbar ist. 

Ob im Schaufenster eine Vorrichtung zur Anbringung 
von Stangen anzubringen ist, richtet sich wieder nach 
der Art des Geschäftes. Die Dekoration auf Glasplatten, 
die besonders für Stapelfenster verwandt werden, wird 
mehr und mehr der Dekoration auf Holzaufbauten Platz 
machen, da nur für wenig Ware die Dekoration auf 
Glas vorteilhaft ist. Holzbauten ermöglichen zugleich 
einen Stoffüberzug, der durch eine reizvolle Farbe sehr 
zur Verschönerung des Schaufensters beitragen kann. 
Es ist empfehlenswert Holzformen oder Kisten in den 
verschiedensten Größen zu Aufbauten zur Verfügung 
zu haben, sie ermöglichen unendlich viel Abwechslung 
in der Raumgestaltung. (Siehe Abbildungen im An- 
hang.) Die Decke des Schaufensters, falls sie 
nicht durch Milchglas und Oberbeleuchtung festgelegt' 
ist, kann je nach dem Charakter der Dekoration ver- 
schieden in Mitwirkung gezogen werden. 



10 



Podien auf dem Boden des Schaufensters. 

Das Arrangieren von Waren auf dem ebenen Boden herstellen kann, ohne viel Zeit zu vergeuden. Man 
des Schaufensters ist immer eine schwierige Sache und denke z. B. an kleinere Waren, wie Galanterie- und 
es muß schon ein sehr geschickter Dekorateur sein, Lederwaren, kunstgewerbliche Artikel, Gold- und Silber- 
weicher auf diese Weise eine wirksame Dekoration waren, Parfümerien und andere Toiletteartikel usw. 

11 



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Solche Waren wirken im allgemeinen in einem 
Schaukasten, einer Vitrine, in dem Glasaufsatz eines 
Ladentisches oder auf dem Ladentisch selbst viel besser 
wie im Fenster, aber sie müssen eben auch im Schau- 
fenster vor das Publikum gebracht werden und für 

diesen Zweck sind die ab- 
gebildeten, aus Teilen zu- 
sammengesetzten Erhöh- 
" ungen oder Podien ge- 
schaffen. 




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zusammenstellen. Die Teile sind aus 1 cm starken 
Brettern und kräftiger Pappe hergestellt (die Rund- 
ungen aus Pappe) und mit billigem Stoff bezogen. 
Diese Arbeit braucht nicht allzu sauber zu sein, da 
man ja fast immer, wenn die Gruppe für das Fenster 
zusammengesetzt ist, ein anderes 
Stück Stoff darüber deckt oder 
spannt, in der Farbe, die zu 
den.'auszustellenden Waren paßt. 
Man kann mit Hilfe dieser 
Teile allerlei Stufen und Er- 




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Drei verschiedene Formen. 

Es sind nun drei verschiedene Formen von Teilen 
vorhanden; die eine Form ist ein Viereck, eine andere 
ist eine konkave, die dritte ist eine konvexe Form. 
Wenn auch nun drei verschiedene 
Formen nötig sind, so muß man 
dieselben aber vielfach oft zur Ver- 
fügung haben, von jeder Form viel- 
leicht 10 Stück oder mehr. 

In Abbildung 1 zeigen wir zwei 
Lagen von solchen Formen. Die 
untere Lage besteht aus drei Vierecken und einer kon- 
kaven Form, die obere Lage aus drei konkaven 
Formen. Abbildung 2 zeigt ein anderes Arrangement, 
ebenfalls in 2 Lagen. Die untere besteht aus zwei 
Vierecken und zwei konvexen Stücken, die obere aus 
zwei konkaven Formen. Man sieht daraus, daß die 




höhuugen herstellen und zwar in kürzester Zeit. 

Die Gruppen. 

Unsere Skizzen 3, 4, 5 und 6 zeigen, wie die 
beschriebenen Teile zu Podien für 
Schaustellungszwecke zusammen- 
gestellt sind. Abbildung 3 ist aus 
19 Teilen hergestellt. Die meisten 
sind Vierecke, nur an den beiden 
'-^ Enden 'der unteren Lage sind je 
zwei konvexe Teile verwendet. 
AbbÜdung 4 ist dreiteilig. Die beiden seitlichen 
Gruppen sind für die Ecken des Schaufensters be- 
stimmt, die Mittelgruppe für die Mitte des Fensters. 
Siebenundzwanzig Teile sind zu diesen drei Gruppen 
verwendet. Für Gruppe 5 werden zwanzig Teile ge- 
braucht und für Gruppe 6 vierundzwanzig. 





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konkaven Stücke Viertelkreise sind, die, zusammenge- 
stellt, einen Vollkreis bilden. Die konkaven Teile 
stellen zusammengesetzt ein Viereck dar, aus welchem 
ein Kreis herausgeschnitten ist. 

Größe der Teile. 

Die Teile sind ca. 8 cm hoch. Das Viereck mißt 
auf jeder Seite 25 cm. Die anderen Formen haben die 
gleichen Verhältnisse, d. h. die 
größten Maße sind 25X25 cm, 
dadurch passen die Teile alle 
zusammen und sind auswechsel- 
bar — Aus diesen drei Formen 
kann man Hunderte von Grup- 
pen, alle ausgezeichnet ifür die 
oben erwähnten Zwecke passend, 




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Wenn man nun zwanzig bis dreißig solcher Teile 
zur Verfügung hat, braucht man sich keine Sorge 
darum zu machen, wie man die Dekoration auf dem 
Boden des Schaufensters reizvoll gestalten kann. 
Das Herausnehmen der einzelnen Teile, beim Reinigen 
des Fensters, ist auch viel leichter und einfacher 
als das Herausnehmen eines Stufenbaues, welcher 
aus einem Stück besteht. 



Wir bringen hier einige Ab- 
bildungen, die Beispiele sind, 
wie man mit einfachen Mitteln 
den Schaufensterraum verschie- 
den gestalten kann. 












Deckenbekleidungen. 



In Abbildung I zeigen wir den Grundriß resp. die bespannung in anderer, veränderter Weise nochmals 
aesan,tans.cht der Dekendekoration, deren Ausfahrung zu benutzen, löst man den lavendelblauen glatt ge- 

wie man ihn zu 
Dekorationszwecken 
als Wandbespannung 
verwendet, wird in 
der Mitte der Decken- 
fläche aufgehangen 
und wird derselbe bei 
dieser Dekoration mit 
lavendelblauer leich- 
ter Japonseide glatt 
bespannt. Die wol- 
kenartigen, die glatte 
Mittelfläche umge- 
benden Raffungen, 
welche die noch 
freie übrige Decke 
bespannen, sind 
aus weißem Sei- 
denmull gefertigt, 
und wie es in Ab- 
bildung 2 gezeigt 

wird, durch 
schwarze Kordeln 
in den Ecken ge- 
halten und mit 
herunterhängen- 
den Quasten ver- 
ziert. Um diese 
einfache Decken- 





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Abbildung 2. 




ein. Dieser wird in 
diesem Falle in den 
Schmalseiten desRah- 
mens faltig gekraust 
und sackartig gerafft, 
so daß das Mittelfeld 
wie in Abbildung 3 
nunmehr bedeutend 
tiefer herabhängt als 
die seitlichen Wolken- 
raffungen. Über das 
scharfrote Mittelfeld 
hängt nunmehr noch- 
mals und noch tiefer 
als der vorher- 
gehende rote, ge- 
raffte schwarze 
Chiffon. In den 
vier Ecken des 
Mittelrahmens 
werden wieder 
schwarze Kordeln 
angebracht, die 
sich kreuzweise 
in der untersten 
tiefsten Stellung 
vereinen und dort, 
mit einer Quaste 
zusammengebun- 
den, endigen. 



Schaufenster-Hintergründe. 



Abbildung 1. Wir zeigen hier ein Schaufenster, 
das durch zwei schmale Tapetenwände einen ab- 
geschlossenen Raum bildet. Tapete ist auch benutzt, 
um das Podium und einen Teil des Untergrundes zu 
schmücken. Schwarzes Sammetband gibt der Tapete 
einen weichen, wenn auch starken Abschluß. 

Abbildung 2. Ein zweites Schaufenster mit Tapete 
als Ersatz für Stoffhintergrund. Hier ist die Tapete 
einfarbig gehalten und durch Silhouetten geschmückt. 
Schwarze Sammetbänder und schwarze Sammet- 
quadrate auf dem Fußboden geben dem Fenster eine 
solide Wirkung und täuschen über die primitive Aus- 
hilfe durch Tapete hinweg. 



Abbildung 3. Der Hintergrund zeigt einen vor- 
springenden höheren Sockel. Dieser ist aus Holzleisten 
hergerichtet und hat Bretter als Decke erhalten, sodaß an 
dieser Stelle Gegenstände darauf gestellt werden können. 
Die Höhe des Sockels ist etwas höher als die Hälfte der 
Fensterhöhe. Die Bespannung desselben ist felderartig 
wobei sich die Felder auch noch über die Schaufenster- 
rückwand erstrecken. Untergrund z.B. grün, mit schwarzem 
Sammetband eingefaßt, Seitenwände des Fensters Spie- 
gelwände, worüber in Falten gezogener blauer Chiffon 
gespannt ist. Boden grauer Stoff. Diese Dekoration ist 
sehr vorteilhaft bei Blusen, Ausstellung von Damen- 
wäsche und läßt sich auch für andere Artikel verwenden. 



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Schaufenster-Hintergründe. 




Abbildung 1. 



Abbildung 2. 




Abbildung 4. 




Hinter- 
grfinde 



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Abbildung 6. 



Abbildung 4. Dieser hier abgebildete, leicht herstell- 
bare Schaufensterhintergrund läßt sich zu allerhand 
Dekorationen benutzen. Der Umbau, dessen sockel- und 
nischenhaltige Formen aus der Abbildung ohne weiteres 
ersichtlich sind, wird in seinen Hauptbestandteilen, das 
sind die zwei seitlich vorgeschobenen hohen Eck- 
pfeiler, aus 4 Stück hochgestellten Brettern gebildet, 
welche unter sich durch je zwei halbierte Kinderreifen 
verbunden sind. Diese halben Reifen ergeben die 
halbrunden Nischen. Vor denselben sind zwei läng- 
liche, halbhohe Kisten gestellt, die die Podien bilden. 
Überstehende Holzbrettchen, oben rings um den 
U-förmigen Aufbau angebracht, bilden das Gesims. 
Das Fenster ist mit schwarzem Samt ausgeschlagen, 




Abbildung 8. 




Abbildung 7. 



der gesamte Aufbau in orange Samt gehalten. — 
Schwarze und orangefarbene Kordeln, entgegen- 
gesetzt verwendet, bilden den Besatz. An der 
hinteren Nischenrückwand ein Plakat, Mittelteil 
orange, Schrift und breiter ovaler Rand tiefschwarz. 
Abbildung 5. Der dunkle, glattbezogene Hintergrund 
wird durch helle oder gemusterte Stoffe, die in gleichen 
Abständen faltig an den Wänden herabhängen, unter- 
brochen. — Wirkungsvoll ist eine Zusammenstellung von 
Sammet und Chiffon in der gleichen Farbe. — Hält 
man die glattenFlächen grau, so passen alle lebhaft bunten 
Stoffe zu Überwürfen. Auch die in Abbildungen 6—9 
gezeigten Hintergründe lassen sich zu allerhand Deko- 
rationen verwenden. 




Abbildung 9. 



Abbildung 3. 



Abbildung 5. 



14 



15 






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Schaufenster-Umbau. 

Abbildung 1 stellt einen Schaufenster-Umbau dar, Hierdurch wird eine farbige Beleuchtung erreicht, 

dessen Flächen transparent gehalten sind und dessen Zwischen den Säulen der einzelnen Aufbauten sind, 

Herstellung in einfacher wirkungsvoller Weise ge- freihängend, schwarze Kordelschnüre mit Quasten an- 

schehen kann. Das Schaufenster wird mit schwarzem gebracht. Die Rückwände der einzelnen Abteilungen 



Samt ausgeschlagen und in den Umriß- 
linien mit dunkelgrünen Kordeln verziert. 
Sieben schwarz gebeizte rechteckige 
Podeste bilden die Sockel der Deko- 
ration. Von jedem Sockelpodest aus 
führen vier runde Holzstangen, wie man 
sie zu Dekorationszwecken verwendet, 
senkrecht nach oben. Auf je vier Stangen 
ist ein Holzkasten aufgesetzt, der nach 
der Vorderseite zu mit einer Glasscheibe 
versehen ist. Bei den beiden seitlich 
stehenden Dekorationen, rechts und links, 
ist auch eine Glasscheibe in die sicht- 
bare Seitenwand eingefügt. In diesen 
oberen Kasten werden nach Bedarf ein 
bis zwei elektrische Birnen montiert. 
Aus schwarzem Stoff oder schwarzem 
Papier sind Schablonen geschnitten, die 
je nach Geschmack beliebig, figürlich 
ausgestattet sein können. Im vorliegen- 
den Falle zeigen diese japanische Muster. 
(Andere Motive hierfür wären: Blumen, 
Schiffe, Früchte, Tiere, Phantasiemuster 
usw., alle jedoch als schwarze Silhouetten geschnitten.) 




Abbildung 2. 



zeigen in Falten gezogene Schantung- 
seide, so daß der ganze Beleuchtungs- 
fries von oben nach unten bis hinter die 
schwarzen Podeste eine aus diesem 
Material hergestellte Rückwand erhält. 
Nach Geschmack kann man Farben- 
zusammenstellungen anwenden, z. B. 
lavendelfarbige, mattblaue Beleuchtung, 
die hängenden Kordeln in Cerisefarbe 
und den faltigen Hintergrund in violett 
Schantung. Ferner lassen sich auch 
Einzelkojen durch Verstellen der Einzel- 
podeste bilden, und man kann hierbei 
den beleuchteten Teil der Podeste mit 
schwarzem Sammetband in gleichmäßigen 
Abständen bespannen und dahinter 
weiße Japonseide befestigen, so daß 
man eine schwarz-weiß gestreifte Be- 
leuchtung erhält. Hierbei wird dann 
schwarze Schantungseidenbespannung 
mit weißen Bogenbordüren dekoriert, 
woraus sich der in Abbildung 2 wieder- 
gegebene Effekt ergibt. 
Über die Beleuchtung der Schaufenster erfolgt ein 



Diese Silhouetten werden auf die Glasscheibe geklebt weiteres Kapitel in diesem Buch, 
und hinter dieselbe farbige Japonseide glatt gespannt. 




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Abbildung 1. 



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Dekorations-Hintergründe {fir Waren, welche für Weihnaclifsgesclieiike geeignet sind, 

für kleinere Geschäfte. 



Abbildung 1. Dieser 
Umbau paßt vorzüglich für 
eine Dekoration von Kin- 
dergarderobe, für Spiel- 
waren usw. Von den 
vorderen Ecken nach hinten 
zieht sich ein halbkreis- 
förmiger Ausbau, Latten- 
gerüst mit Rupfen bespannt, 
um die obere Kante zieht 
sich ein schablonierter 
Fries von Tannenzweigen, 
evtl. in Gold- oder Silber- 
farbe. Auf diesem Aufbau 
sitzt in der Mitte eine als 
Weihnachtsmann geklei- 
dete Figur, von rechts 
marschieren eine Anzahl 
Kinderfiguren heran, um 
scheinbar durch den Weih- 
nachtsmann beschenkt zu 
werden, welche nach links 

wieder abmarschieren. 
Diese Kinderfiguren sollen 
modern, aber etwas phan- 
tastisch gekleidet sein, wie 
es aus der Zeichnung un- 
gefähr ersichtlich ist. 

Abbildung 2. Der 
Schaufensterraum ist 
durch ein höheres, die 
halbe Fenstertiefe einneh- 
mendes Podium geteilt 




Abbildung I. 






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Abbildung 2. 




Auf dem Podium steht 
ein geschmückter Tannen- 
baum, daneben Teller mit 
Äpfeln, Nüssen usw. In der 
Nische des Podiumvorder- 
teils kann durch Puppen 
dargestellt, irgend ein auf 
Weihnachten bezügliches 
Thema, Darstellung finden. 
Wenn man das ganze 
Fenster für Waren freibe- 
halten und doch eine außer- 
gewöhnliche Attraktion da- 
rin einrichten will, so ist die 
vorliegende Idee empfeh- 
lenswert. (Abbild. 3.) Die- 
selbe ist folgendermaßen 
auszuführen. An der Hinter- 
wand wird ein Rahmen A 
aufgestellt, welcher so groß 
ist wie diese selbst In 
diesem Rahmen bewegen 
sich zwei Achsen aa, an 
welchen zwei Spindeln b b 
befestigt sind und ein ge- 
rieftes Rad C. Um diese 
Spindeln läuft ein endloser 
Streifen aus Pausleinwand, 
aus Musselin oder dergl., 
dasselbe muß straff ge- 
spannt sein und wird mit 
Silhouetten beklebt Am 
besten klebt man dieselben 



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(Zu nebenstehender Abbildung.) 



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Abbildung 3. 



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17 



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so, daß sie einen Zug bilden, man kann sie von Bilder- lampen plaziert, um das Wandelbild abends transparent 

bogen oder dergl. auf schwarzes Papier durchpausen, wirken zu lassen. Die Spindeln werden durch eine 

wenn man nicht selbst entwerfen kann. Wir geben in Schnur gedreht, welche das geriefte Rad mit dem Motor 

den Skizzen 3 a und 3 b einen solchen Zug. Innerhalb verbindet. Den Rahmen und das Schaufenster selbst 

des endlosen Streifens A werden eine Anzahl Glüh- schmückt man mit Tannengirlanden. 



Dekorations- 
Hintergründe 



L. 





für Waren, 
die für 



Weihnachts- 
Dekorationen 
geeignet sind- 




18 



Was verstehen wir unter einer 

Schaufensterdekoration? 



m die Reform der Schaufenster zu vollziehen, 
mußte der Künstler mit festen Kunstgesetzen 

dort einziehen. Vor dem Wort „Gesetz" ist 

hier nicht zu erschrecken, denn das Erfüllen 
der Gesetze durch Linie und Farbe und richtiger 
Raumgestaltung soll nicht etwa die Genialität des 
Dekorateurs töten und ein Schema für die Dekoration 
der einzelnen Warengattungen vorschreiben. Das Ge- 
setzmäßige kann und soll in diesem Fall die höchste 
Genialität bergen. Wollen wir auch, daß jede Ware 
eine heimliche lockende Sprache zum Beschauer spricht, 
so soll das Schaufenster als Darstellung doch keine 
Literatur treiben und Romane erzählen. Ich denke 
hier an Palastbauten von Servietten und Taschen- 
tüchern, an Springbrunnen von Stoffdekorationen auf 
künstlichem Rasen, auf dem zugleich Gartenbänke und 
Porzellanhunde stehen, ich denke an gemalte Eisberge, 
vor dem pelzverbrämte grinsende Wachsmenschen 
stehen. Diese Romantik haben wir mit dem Einzug 
des Künstlers ins Schaufenster aus demselben ver- 
bannt. Die Ware soll sich selbst, durch sich selbst 
empfehlen, das zu ermöglichen, ist die künstlerische 
Forderung für die Dekoration. Zuerst muß die Ware 
in ihrer Charakteristik erkannt werden, d. h. man muß 
ergründen worin ihre Werte bestehen, dann erst wird 
man Mittel und Wege suchen können, durch die De- 
koration ihre Reize dem Auge des Beschauers näher 
zu bringen. 

Wollten wir heute schon die höchsten küntlerischen 
Ansprüche an die Schaufensterkunst stellen, wir müßten 
für jede Ware einen speziell gebauten Schaufenster- 
raum haben. Kaufmann und Architekt beschreiten 
diese Luxusbahn erst langsam — wir haben das Zu- 
kunftsbild, wie schon gesagt, aber schon vor Augen. 
Bis dahin sind wir gezwungen, den gegebenen Raum 
für die jeweilig auszustellende Ware nutzbar zu machen.. 
Durch eingefügte Wände, durch Podeste läßt sich 
viel erreichen; es gibt für den Künstler tausend 
Möglichkeiten den gegebenen Raum für jede Waren- 
dekoration richtig und reizvoll zu gestalten. 

Wie erreichen wir nun eine künstlerische Schau- 
fensterdekoration ? Die Ware soll in richtiger Höhen- 
lage zum Auge des Beschauers gebracht werden, auf 
passenden Untergrund und Hintergrund. Je nach 
ihrem Wert soll sie als Einzelerscheinung oder in 
Massen zur Wirkung gebracht v/erden. Der Raum 

19 



und alle Ausschmückungsgegenstände sind als Begleit- 
objekte zu betrachten. Die Ware schreibt den Stil 
der Dekoration vor, er ist streng bis ins Kleinste inne 
zu halten. Jede Ware hat sozusagen eine Seele, sie 
leuchtet aus den tausend Lichtern des Kristalls oder 
spricht aus dem Glanz schöner Stoffe usw. Wer 
ersteres auf Holzplatten dekoriert und letztere zu 
Springbrunnen verarbeitet, der hat die Sprache dieser 
scheinbar toten Waren nicht verstanden. Drogenware, 
wie Kaffee und Zucker, veriangen ebensoviel künst- 
lerisches Verständnis zum Aufbau wie kunstgewerbliche 
Gegenstände. Hüllt man diese in einen koketten 
Zauber, so sollen jene in schöner Solidität prangen — 
einfach und großzügig. 

Das noch unüberwindliche Veriangen der Kauf- 
leute, ihre Damenkonfektion auf Wachsfiguren aus- 
gestellt zu sehen, hat uns aus den panoptischen Dar- 
stellungen leider noch nicht heraus bringen können. Für 
den Künstler wird selbst das reizvollst gestellte Schau- 
fenster durch das blöde dreinschauende Wachsgesicht 
der Kleidergruppe als wirkliches Kunstwerk vertieren . . . 
Immerhin muß auch die Aufgabe erfüllt werden, die 
Raumgestaltung mit der Figur in Stil und Farbe io 
Harmonie zu bringen, dazu gehört die Abstimmung 
jeglicher, auch der kleinsten Beigabe im Fenster. 
Ein so von starker Harmonie erfülltes Schaufenster 
muß seine suggestive Kraft zum vorübereilenden 
Publikum spinnen. Es wird den Schritt desselben 
hemmen, der Passant wird schauen und verführt werden 
zu kaufen. 

Die Wahl des richtigen Hintergrundes für eine 
Ware ist die erste Bedingung, mit ihm steht und fällt 
das Fenster wie das Porträt eines Malers, der den 
Hintergrund zu seinem Bildnis zu dunkel oder zu hell, 
zu schwer oder zu fein gewählt hat. Nicht nur füT 
Stoffe und Damentoiletten gilt diese Forderung, jede 
Ware ist von dem Hinter- und Untergrunde, auf dem 
sie gezeigt wird, abhängig. Porzellane, die so ver- 
schieden auf weiß, blau oder gelblichen Ton gestimmt 
sind für ihre Umgebung empfindlich, wie Bronzen in 
ihren vielfältigen Tönungen. Nicht nur die Farbe, auch 
die Stoffart des Hinter- und Untergrundes beeinflußt 
die Ware in ihrem Wert. Chiffonwände hinter Wollstoffe 
gespannt, würde mit diesen nie in Harmonie zu bringen 
sein, während dieselben Wände als Hintergrund edler 
Seidengewebe diese in ihrer Zartheit steigern würden. 



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Diesilhouettierenden Waren sollen dem Beschauer beim 
ersten Blick sagen „meine Linien zeigen dir meine 
Eigenart", die Linien der Konturen müssen folglich 
klar zum Ausdruck gebracht werden. Wieder sind es 
Farbe und Stofflichkeit des Hintergrundes, die richtig 
gewählt sein wollen, diesen Zweck zu erfüllen. Auch 
durch häufige Wiederholung der Linie kann die Auf- 
merksamkeit des Vorübereilenden gebannt werden. 
Wir kommen hierauf noch bei der Besprechung von 



Stapelfenstern zurück. Wir unterscheiden streng zwei 
Arten von Schaufenstern: die Warenauslagen, die 
durcli Form und Linie Interesse wecken und solche 
die durch Farbe anziehen. Die Phantasie des Künst- 
lers soll all die Dinge, die der Kaufmann feil bietet, 
mit einem Zauber umgeben, der den Käufer mit 
suggestiver Kraft zum Kaufen lockt. 

Das ist das Geheimnis einer künstlerischen Schau- 
fensterdekoration. 




\ 



Schaufenster mit Einzelware und Stapelfenster. 




Sl- Wertheim Q. m. b. 5K., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



er Charakter dieser beiden Arten Schau- 
fenster ist streng zu unterscheiden und 
durch die Dekoration zu dokumentieren. 
Eine Raumgestaltung, die heute viel Ware 
zur Ausstellung brachte, kann morgen nicht zur Auf- 
nahme von wenig Ware dienen. Wie schon gesagt, 
wir sehen dem Idealzustand der Schaufensterkultur, 
der jeder Ware das für sie spezifisch erbaute 
Schaufenster bietet, noch harrend entgegen. Der 
Phantasie des Künstlers bleibt es vorläufig überlassen, 
für jede Ware in dem gegebenen Räume einen passen- 
den Aufbau zu finden. Das Fenster mit wenig Ware 
darf nie leer wirken und das oft recht kleine Fenster 
zur Aufnahme großer Warenmengen bestimmt, darf 
nie gedrängt und überfüllt erscheinen. 

Steht uns nur ein großer Raum für die Ausstattung 
z. B. einer Figurine zur Verfügung, sind wir gezwungen 
durch lebhafte Belebung der Wände und des Unter- 
grundes, soweit es die Farbenslimmung der Figurine 
erlaubt, den Raum optisch zu verengen. Mit großem 
Takt können wir aber auch durch Möbel und figür- 
lichen Tand die Ausschmückung des Raumes vor- 
nehmen. Äußerste Vorsicht kann in letzterem Fall 
nie genug gepredigt werden. Versagt hier das Stil- 
gefühl des Dekorateurs, so wird das Schaufenster 
vielleicht Belustigung erwecken, aber niemals Käufer 
anlocken. Geschmacksfehler, die das Schaufenster tragen, 
wird der Beschauer auch von der Bedienung im Ge- 
schäft zu fürchten haben. Für das Ausstellen kleiner 
Gegenstände in einem großen Raum greife man zu 
Einbauten in Fenster durch Podeste und Kisten. Diese 
farbig zu belegen, sauber zu umschnüren, schenkt dem 
Dekorateur reiche Abwechslungsmöglichkeiten, Wert- 
volle Gegenstände besonders zu beleben, wird durch 
Unterlage wertvoller Stoffe leicht erreicht. 

Wie der Schauspieler lernt in langjährigem Studium 
sich richtig im Raum, auf der Bühne zu fühlen, so 
muß man auch dem Dekorateur Zeit gönnen, die 
Ware richtig im Raum zu fühlen. Jede Linie, die die 
Ware durch das Fenster schneidet, ist maßgebend für 
die zweite und dritte Linie im Fenster, die sie ergänzen 
und beleben soll. Ein Tisch, ein Stuhl kann nicht 
willkürlich zur Figurine in den Raum gestellt werden, 
ein Teppich oder Farbeneffekt auf dem Boden nicht 
in willkürlichem Abstand von ihr liegen. Ein Schau- 



fenster mit einer Figurine hat nicht als schön ge- 
schmückter Raum, in dem wie zufällig, eine Figur 
steht, zu wirken, sondern die Figur hat ihr Eigen- 
dasein zu repräsentieren. Alle Ausschmückungen um 
sie herum sollen diskrete Begleitobjekte für sie 
bleiben. Was hier von der Figurine gesagt ist, be- 
zieht sich auch auf alle Einzelwaren. 

Eine ganz andere Empfindung bringen wir dem 
Problem der Ausstattung von Stapelware entgegen. 

Zunächst haben uns die Konturen, die Größen- 
verhältnisse der auszustellenden Waren zu interessieren. 
Wie wirkt der Gegenstand allein, wie in se 
Wiederholung, sollen wir seine Konturen durch Neben- 
einanderstellung oder Übereinanderstellung ver- 
doppeln, vervielfachen ? Ist es für ihn vorteilhaft, das 
ganze Fenster, ob tief, ob hoch, mit ihm zu füllen, 
oder erlaubt sein Charakter dem Beschauer nur Auf- 
sicht. Die sinnlose Auffüllung eines Fensters mit 
Ware, die von weitem gesehen, absolat wertlos ist, 
muß vermieden werden. Die Ware in Massen fest 
zusammen halten, ist ein fester Grundsatz für 
Stapelfenster. Ein zwischen der Stapelung frei- 
gelassener Raum wird stets vorteilhaft wirken, beson- 
ders wenn ihm eine gute Farbe verliehen ist. Der 
farbige Unter- und Hintergrund spielt eine große Rolle 
im Fenster der Stapelware. Dem amerikanischen Bei- 
spiel zu folgen, ganz ungeheure Warenmassen in das 
Schaufenster zu bringen, müssen wir vom künst- 
lerischen Standpunkt abraten. Die imponierende Auf- 
füllung des Fensters gleicht der allgemeinen indiskreten 
lauten Reklame im Lande der Amerikaner, die an 
gegenseitiger Ueberbeleuchtung und an Ueberschreiung 
sich nicht genug tun kann und viel hohe Werte im 
Verkehrsleben tötet. Wir dürfen nicht vergessen, v^ü 
Deutsche sind ein anderes Volk als die Amerikaner, 
unser Interesse will durch andere Mittel gewonnen 
werden, als das des Amerikaners. Die Kriegszeit hat 
gelehrt, wie praktisch und anziehend auch die mit 
wenig Ware dekorierten Stapelfenster waren, und wir 
sollten der Einsicht zusteuern und dem Publikum all- 
mählich kund tun, daß auch die Ankündigung eines 
vorteilhaften Verkaufs nur der Andeutung im Schau- 
fenster und nicht nur einer überlauten Reklame bedarf. 
Das Schaufenster kann auch in dieser Beziehung er- 
zieherisch auf das Publikum wirken. 



f 



20 



21 



Der Auffassung vieler Geschäftsherren, daß das 
Stapelfenster weniger den Kunstgesetzen unterlegen 
ist als den phantasiereichen Gestaltungen anderer 
Fenster, müssen wir energisch entgegentreten. Die 
Harmonie der Linien muß hier sehr stark gefordert 
werden und das Beachten der Konturen jeglicher 
Ware stellt hohe Ansprüche an die Kunst des 
Dekorateurs. 

Nicht nur aus Flaschen, Porzellanen und Metall- 
waren sind große Massenwirkungen zu erzielen, auch 
die allerkleinsten Artikel, wie Kurzwaren, sind durch 
Gruppenbildung der einzelnen kleinen Sachen zu 
großer Wirkung zu bringen. Auch nicht nur Kar- 
tonnagen oder große Gefäße für Kolonialwaren geben 



uns Anregung für große Linienführung, die große 
Auswahl von frischem Gemüse, Obst, Wurst u. dergl. 
muß. den Dekorateur ebenfalls reizen, mächtige 
Stilleben zu schaffen. Natürlich ist der eine Artikel 
schwerer zu verarbeiten wie der andere, auch ist jedem 
Dekorateur ein spezieller Artikel zu dekorieren be- 
sonders sympathisch, das ist Sache für sich. Wir 
wollen mit unseren Ausführungen und Abbildungen 
aber den Beweis bringen, daß es für jeden, auch den 
kleinsten Artikel, eine künstlerische Dekorationsmög- 
lichkeit gibt und daß diejenigen Schaufenster vom 
kaufmännischen wie vom künstlerischen Standpunkt 
die wertvollsten sind, in denen die Ware die Haupt- 
wirkung im Fenster behält. 




^urzwar endekor ation der Sirma Hermann STietz, fBerlin, Mlexanderplatz. 







Schüler §. m. h. 3K., Berlin. (SrähutenHlien.) 




3. M JCenckels, ^Berlin. (Scheren, 31/lesier usw.) 



TU 



23 




WaschpuIver-fDekoration von Hermann Jietz, Berlin, ßeipzigerstraße. 




SfCurzwarenfenster Sl. 'Wertheim Q. m. h. 3i., 'Berlin, ßeipzigerslraße. 

24 




25 




Si. Wertheim S- ">• &• •^•. Berlin, ßeipzigerslraße. 



'^'^'^i^^Am^Mmmmm: 






.;i^*>*.^iKi» 




^. Schmidt, Berlin, Motzstraße. 



ae 




SKurzwaren-^ekoration 31. Wertheim Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 




Strohhutfenster ^(ermann Jietz, Berlin, ßeipzigerstraße. 



27 




^. Wertheim O. m. h. 3K., Berlin, Leipziger straße. ffPorzellan-Wasch-ServiceJ 




) 




Schweißblätter-Dekoration: §ehr- SKeilhuth, J(amburg-fBarmbeck, 




Sl. Wertheim S- m. b. 3(., 'Berlin, leipziger str aß e. (SCunstfleisch.) 

28 



S)ekoration zur „Weißen Woche": SKax Siermann, 5era-3t. 

29 



Ä/^^n.itvrLVgWiSHijflL 



Dekoration 

von 

Slpotheker- 

waren. 




Schaufenster 

von M. fKusche, 

^Karlsruhe, 



SHit Genehmigung 
dt» deutschen IDerkbunde&t 




Schaufenster- 
Dekoration 
von 
Jet'fPackungen, 




ß.5(oltz SVachf., Berlin, Motzstraße. (3)rogen.) 



\ 




30 



SHermann STietz, Berlin, ßeipzigerstraße. (Dekoration von Mundwasser.) 

31 




Sl. Wertheim Q. m. b. 3i., fBerlin, ßeipzigerstraße. (ßebensmittel.) 



Unter den Dekorationen der Kolonialwaren- 
geschäfte zeichnen sich besonders diejenigen aus, 
welche zur Einmache-Saison arrangiert werden. Wir 
haben zwei solcher Dekorationen abgebildet, die Be- 
standteile sind naturgemäß in allen Fällen dieselben, 
eine Anzahl arrangierter Zuckerhüte, Stückenzucker, 
Zimtstangen, feine Einmache - Essige, Spirituosen, 
Gelatine und was sonst noch dazu gehört. 





Ganz ähnlich dekoriert man zur Backsaison, also 
vor den großen Festen, nur kommen dann noch 

Mandeln, Rosinen, Zitronat und ähnliche Backzutaten 

dazu. Der Hintergrund läßt sich aus schön etikettierten 

Konservenbüchsen sehr hübsch arrangieren. 



32 



Farbenharmonie im Schaufenster. 




ie Farbenlehre und ihre Anwendung ist eine 
so große komplizierte Wissenschaft, daß es 
unmöglich ist, in Kürze auch nur annähernd 
ihre Gesetze zu erläutern. Theoretisches 
Studium der Farbenlehre wird besonders für den Laien 
auch selten fruchtbringend wirken, in der Praxis wird 
das Studium der Farbenlehre zum Erlebnis, folglich 
wird es dann im Menschen auch einen nie versiegenden 
Quell bilden. Für die Schaufensterkunst ist das Problem 
der Farbenharmonie ungeheuer wichtig, ist die Farbe 
doch zum größten Teil der elektrische Funke des 
heimlichen Lockrufes für den Beschauer des Schau- 
fensters. Wenn wir hier die Gesetze der Farbenlehre 
streifen, so geschieht es, nicht um damit einen für die 
Schaufensterkunst erforderlichen kleinen Auszug zu 
bringen, es soll die kurze Berührung der Farben- 
probleme und ihre Lösung nur ein Hinweis sein, wie 
unbedingt erforderlich ein intensives Studium der 
Farbenlehre für die Schaufensterkunst ist. 

Wenn wir in Betrachtung ziehen, daß jeder Gegen- 
stand, jede Ware, ob Seide, Sammet, Metall, Glas, 
Porzellan usw. eine Farbe trägt, und diese im Schau- 
fenster zur Geltung kommen soll durch die Mitwirkung 
ihrer Umgebung, die auch stets Farbe enthält, so wird es 
uns klar sein, daß wir wissen müssen, welche Farben 
sich heben, steigern, mithin verschönern, oder auch 
schädigen. Das Studium der Farben muß vom 
Dekorateur so weit getrieben werden, daß er seine 
Experimente nicht nur aus theoretischer Wissenschaft 
bestimmt, sondern aus dem in ihm festgewurzelten 
Farbengefülil. Selbstverständlich ist Farbensinn nur 
zu verfeinern, nicht zu erlernen, es bedarf einer 
inneren Veranlagung für das Farbempfinden, um den 
Farbensinn für künstlerische Verwertung zu schulen. 
Die Redensart bei der Beurteilung schöner oder un- 
schöner Farbeneffekte „das ist Geschmacksache" stürzt 
vor der wissenschaftlich begründeten Theorie der 
Farbenmischung zusammen. Ob ein Mensch in ge- 
wonnener Farbenharmonie mehr zu kalten oder warmen 
Tönen, zu ernsten oder fröhlichen Stimmungen neigt, 
das kann Sache des Geschmackes sein. Mehr als 
wir selbst wissen, ist unser Gefühlsleben der Wirkung 
farblicher Einflüsse um uns herum unterlegen. Jeder 
Mensch erlebt dieses wohl in dem großen Wechsel 
der Natur. Für fein Empfindende kann jedoch schon 



33 



der kleinste Gegenstand durch seinen farblichen Reiz, 
oder durch einen Mißklang die Stimmung beeinflussen. 
Das ist eine nicht zu unwichtig zu nehmende Tat- 
sache im Hinblick auf die Aufgabe der Schaufenster- 
kunst. Auch hier wollen wir hinweisen auf den hohen 
kulturellen Wert farblich guter Eindrücke auf den 
Geschmack und das Gefühlsempfinden der Menschen. 
Das deutsche Volk, im Grunde ernst- und schwer ge- 
stimmt, wie sein fast immer grauer Himmel, hat farblich 
schöne Eindrücke sehr nötig. Leider sehen wir, v^ie 
die einst in alter deutscher Volkskunst blühende 
herrliche Farbenfreude ganz gestorben ist. Mit dem 
Ablegen der farblich schönen Trachten haben vnx ein 
Zurückgehen der Ausschmückung der Häuser innen 
und außen zu verzeichnen. Es bedeutet das eine 
Verarmung des Lebens. Unsere Aufgabe ist es, das 
Leben eines jeden Menschen zu bereichern mit jedem 
Mittel, das sich uns bietet. 

In der Schaufensterdekoration ist es eine Haupt- 
sache, die Ware auf ihre Farbe zu prüfen und diese 
durch Gegenüberstellung anderer Farben in ihrem 
Wert gesteigert zur Aufstellung zu bringen. Hierzu 
ist folgendes Wissen erforderlich: 

Das Gesetz der Komplementärfarben. 

Die Einteilung der Farben in kalte und wa^me 
Tönung. 

Der Einfluß des Tages- und des künstliche« 
Lichtes auf die Farbe und ihre Veränderung. 

Unterschiedliche Farbwirkung der harten und 
weichen Gegenstände. 

Die reine, die gemischte Farbe. 

Erreichung der Farbenharmonie durch Ausgleichung 
oder Schattierung. 

Symbolik der Farben. 

Komplementärfarben sind diejenigen Farben, die 
die größten Gegensätze zu einander bilden und zugleich 
harmonisch zueinander stehen, weil ihre Vereinigung 
weißes Licht erzeugen. 

Wir finden die drei Grundfarben Gelb. Blau, Rot 
nebenstehend mit ihren Komplementärfarben Violett, 
Orange, Grün, kreisförmig geordnet, sodaß sich die 
komplementierenden Farben gegenüber stehen. 

Erweitern wir die Farbenskala der 6 Farben zu 12 
Farben und zwar so, daß eine Steigerung vom Gelb 
zum tiefsten Rot und eine Steigerung vom Gelbgrün 

5 



rSr^^ 




über Blaugrün, zum Blauviolett entsteht, so stehen sich 
folgende Farben in Komplementärwirkung gegenüber: 
Gelbgrün — Purpurviolett 
Grasgrün — Purpur 
Blaugrün — Karmin 
Türkis — Zinnober 
Ultramarin — Orange 
Blauviolett — Gelb. 
Diese Farbenwirkungen können durch viele Schattie- 
rungen noch erweitert werden. 

Kalte Farben sind 
alle diejenigen Far- 
ben, die in die blaue 
Tönung laufen und 
warme Farben, die 
Gelb enthalten. 

Wenn wir sagen, 
die Komplementär- 
farben kontrastieren 
mit einander, so heißt 
das, sie bewirken für- 
einander gesteigerte 

Intensität und Leuchtkraft. Wir werden sie also bei 
der Dekoration suchen, um die Steigerung einer Farbe 
zu erreichen. 

Wollen wir das Gegenteil erreichen, sind wir ge- 
zwungen, Komplementärwirkung zu meiden. Um eine 
perspektivische Farbenwirkung zu erzielen, können wir 
uns dem Gesetz der kalten und warmen Farben nicht 
entziehen. Kalte Farben entfernen sich dem Auge, 
während warme Farben sich dem Auge entgegendrängen. 
In der Dekoration gibt es nun häufig Fälle, wo eine 
Ware in kalter Tönung im Vordergrund des Fensters 
gezeigt werden soll und auch umgekehrt ein Gegen- 
stand in warmer Tönung im Hintergrund Aufstellung 
finden muß. Da ist man zu Hilfsmitteln wie Vermittlungs- 
farben gezwungen, um die rechte Wirkung für die 
Harmonie des Fensters nicht zu verlieren. 

Sobald eine Farbe mit Grau gemischt ist, gehört 
sie nicht mehr zu den reinen primären Farben, sie ist 
dann unklar und ist in ihrer Komplementärwirkung 
abgeschwächt und untersteht neuen Gesetzen. 

Grau ist neutral, aber keineswegs ganz farblos, da 
Grau in allen Farbtönen spielen kann. Wir unter- 
scheiden kaltes und warmes Grau usw. 

Das Licht, Tageslicht, wie künstliches Licht, hat 
großen Einfluß auf die Wirkung der Farben, muß des- 
halb bei der Schaufensterdekoration sehr in Betracht 
gezogen werden. Hierbei spielt das Material der Ware 
eine große Rolle. Eine scharfe Lichtbestrahlung z. B. 
wird einen hellen glänzenden Seidenstoff in seiner Licht- 
heit steigern, während dieselbe Bestrahlung auf dunklem 
Sammet diesen tief und voll in der Farbe erscheinen 



läßt. Durchsichtige Stoffe werden auch das Licht 
nicht anders auffangen, wie feste, glatte Stoffe und bei 
beiden wird das Tageslicht eine andere Wirkung haben, 
als die künstliche Beleuchtung. 

Eine Harmonie der Farben und Schaufenster erzielt 
man durch Ausgleichung und Ergänzung der verschie- 
denen Farben, oder durch Schattierung der gegebenen 
Nuancen. 

Für das Malerauge gibt es Klänge und Akkorde 
der Farben, wie es für das Ohr des Musikers Klänge 

und Akkorde der 
Töne gibt. Der Laie 
wird im allgemeinen 
letztere leichter rich- 
tig empfinden, als 
erstere, weil durch- 
schnittlich die Be- 
gabung für Musik be- 
sonders in Deutsch- 
land eine größere ist, 
als die für Malerei, 
also sagen wir auch 
nur für Farbe. Man wird kaum einen Meinungsstreit 
erleben, ob ein Akkord auf dem Flügel richtig oder 
falsch angeschlagen wurde, aber bei falschen Farben- 
akkorden, die einem Wohnraum entströmen, hört man 
nur zu oft die oben schon erwähnte Redensart, „das 
ist Geschmackssache". 

Wir haben im Farbenkreis die Grundfarben und 
ihre Komplementärfarben angegeben und gesagt, daß ' 
diese sich ergänzen, also in Harmonie zu einander 
stehen, ferner haben wir den erweiterten Farbenkreis 
mit Komplementärfarben genannt. Diese als harmonisch 
zueinanderstehenden Farben dürfen nur einen ganz 
kleinen Anhalt für die Wahl von Farbenzusammen- 
stellungen geben, denn die Hauptsache ist bei jeder 
Farbenmischung, wie viel von jeder Farbe genommen 
wird und in welcher Sättigung diese Farbe steht. Die 
Sättigung, d. h. die Tonstärke der Farbe, ermöglicht uns 
den Eindruck einer Farbe zu stärken oder zu schwächen. 
Bleiben wir in der Dekoration bei einer Farbe in ver- 
schiedenen Tonstärken, so nennen wir es Schattierung. 
Wir können bestimmte Farbenpaare nennen, die in 
gewissen Tonstärken und Abschattierungen in Harmonie 
stehen, aber da es gerade die Nuancen sind, die die 
Farben zueinander treiben, so ist es fast unmöglich, 
theoretisch belehrend zu wirken. 

An einem Beispiel ist dieses vielleicht etwas näher 
erläutert. Rot und Grün sind Komplementärfarben — 
stehen als Ergänzung sich harmonisch gegenüber, aber 
Rot und Grün ist ein weiter Begriff. Nehmen wir ein 
Grasgrün und stellen ihm ein Purpur gegenüber, so 
haben wir einen guten Klang, während Grasgrün in 

34 



Verbindung mit Karmin sehr unschön wirkt. Des- 
gleichen können wir Zinnoberrot nur unter bestimmten 
Tontiefen mit Grün verbinden. 

Gelb ist mit Violett eine gute Kombination, ist das 
Violett aber sehr bläulich, so muß das Gelb auch mehr 
nach Orange gestimmt sein. Orange wird mit Violett 
wieder weniger gut stehen als mit Cyanblau. Orange- 
gelb verlangt Ultramarin. 

Gelb mit Purpur wird immer einen Klang geben, 
indessen weniger mit Spektralrot. 

Rot und Blau stimmen im Volksmund „immer" 
zusammen und Beispiele wie Zinnober mit Hellblau 
können das Gegenteil beweisen. 

Gleiche Beispiele können wir mit Violett und Rot 
bringen. Ist das Rot zu hell oder zu warm, das Violett 
zu kalt, so entstehen Mißklänge. 

Nun kommt es vor allem auch darauf an, in 
welchen Mengen die Farben nebeneinander gebracht 
werden. Die Kunst der orientalischen Teppiche zeigt 
uns, daß die reichste Farbenskala in richtigen Mengen 
zusammengefügt, ein großes geschlossenes Bild geben 
kann. In der Natur können wir an Blumen und 
Schmetterlingen dieselbe Kunst erleben. Unendlich 
reich an guten Farbenklängen ist die altdeutsche, die 
ungarische und russische Volkskunst, auch die nordischen 



Völker waren farbenfreudig und farbensicher in ihrer 
Volkskunst. 

Der Dekorateur soll sich aber nicht nur durch 
farbenfreudige Kombinationen belehren lassen, auch 
die grauen und braunen Farbenharmonien, die wir an 
den Farben der Raubvögel und den feinen Holz- 
schnitten der Japaner beobachten, wollen seine Lehr- 
meister sein. 

Um die tausend Möglichkeiten der Farben- 
kombinationen erschöpfen zu können , bedarf es neben 
einem sehr eingehenden Studium, das Leben in der 
Farbe, nur dann kann man sich einen Quell von 
Wissen und Fühlen anlegen, aus dem man reich 
schöpfen kann. Die Zusammenstellung von Farben 
verlangt außer dem Gefühl für Harmonie auch Takt- 
gefühl und Poesie. Wir wissen, daß in jeder Farbe 
ein Symbol liegt, Rot und Gold schildert uns Pracht 
und Glanz, - Weiß — Feierlichkeit, Bescheidenheit 
und Reinheit, — Grau und Schwarz — Trauer und 
Ernst, — Grün — Fröhlichkeit, Lebensbejahung. Hoff- 
nung, — Blau — Ruhe, Zuverlässigkeit, Einfachheit, 

— Orange — Feurigkeit, — Violett — Würde und Ernst. 

— in hellen Tönen — Zartheit. Wenden wir diese 
Farben im entgegengesetzten Sinn an, entsteht Stil- 
losigkeit und Taktlosigkeit im Schaufenster. 



35 



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Linienharmonie im Schaufenster. 



ie die Farbe, so will die Linie in ihrem 

W Einfluß auf die Einheit und Schönheit des 
Schaufensters wohl verstanden sein. Jede 
Dekoration besteht aus Formen, die die 
Linie geben und aus Farbe. Je nach Charakter der Ware 
herrscht die eine oder die andere vor. Nicht aus- 
geschlossen sind auch Gegenstände, Materialien, bei 
denen Form und Farbe gleichwertig in die Erscheinung 
treten. Die Linie, wie die Farbe wird im Fenster einen 
bestimmten Stil anschlagen, der durchgeführt werden 
muß. Eine Linie bedingt die andere. Wie bei der 
Farbe von Komplementärwirkung, so können wir bei 
der Linie im Schaufenster von Komplementärlinien 
sprechen. Harmonie heißt Ausgleichung, die erste Linie 
eines drapierten Stoffes im Raum will fortgeführt und 
wenn durchbrochen, in komplementärer Richtung zum 
Ausklingen gebracht werden. Tausend Möglichkeiten 
schenkt uns das Gesetz, aber böse Rache wird es 
üben, wo wir dasselbe nicht erfüllten. Ob ein Raum 
groß oder klein, ist gleich, die Unterschiedlichkeit des 
Raumes spielt für das Gesetz keine Rolle. Wer die 
Gesetze am stärksten beherrscht, wem sie sozusagen 
ins Blut übergegangen sind, dem gestatten sie größte 
Freiheiten. In der Kühnheit der Linie und ihrer Aus- 
gleichung liegt oft der ganze Zauber einer Schau- 
fensterdekoration. Kühnheit der Linie ohne Gesetz- 
mäßigkeit ist aber wie ein schlechter Plakatschreiber 
oder auch wie eine wohl nach letzter Mode aber 
stillos gekleidete Frau. 

Die Stoffe in ihrer verschiedenartigen Geschmeidig- 
keit und Starrheit bieten uns ein herrliches Linien- 
problem. Der Charakter des Stoffes gibt uns die erste 
Linie, lassen wir ihn aus der Höhe heruntergleiten, 
muß diese Bewegung des Gleitens und Fließens als 



Stil des Fensters durchgeführt werden. Aus der Mitte 
oder seitlichen Richtung kann die Hauptbewegung 
kommen, das ganze muß sich zum Rhythmus zusammen- 
schließen. Jede Ware bedingt ihren Rhythmus. Ob es 
Stoffe oder Schuhwaren, Kinderspielzeug oder Por- 
zellane sind, die Kontur einer jeden Ware bildet eine 
Linie, die einzeln oder in Massen gesehen als Linie 
in den Raum komponiert werden muß. Der Künstler 
betrachtet das Schaufenster als Fläche, wie seine Lein- 
wand, auf der er ein Stilleben komponieren soH. 
Gleiche Gesetze hat er für dieses wie für jenes zu 
erfüllen. Die Fläche darf keinen toten Punkt auf- 
weisen, richtig geführte Linien müssen den Aufbau 
gestalten. Wir können die Warenmasse im Fenster an 
einem Punkt zusammenhalten oder sie im Raum ver- 
teilen, eine Ausgleichung muß auch im ersteren Fall 
gefunden werden. Will unsere Phantasie den Aufbau 
seitlich im Raum bringen, so muß ein genialer Einfall 
die übrige Leere des Raumes zur Ausgleichung decken. 
Selbstredend muß stets der Stil der auszustellenden 
Ware durchgeführt werden. 

Die weichen unregelmäßigen Formen der Waren 
wie die im Größenverhältnis schlecht zu einander 
passenden Waren sollen durch die Kunst des Dekorateurs 
zu einem gleichen einheitlichen Bilde zusammengeführt 
werden, wie die Ware mit edler Kontur. Wollten wir 
den Rhythmus der Linien der verschiedenen Schau- 
fenster in Musik ausklingen lassen, wir würden Märsche, 
Präludien, Tänze und Fugen hören. Wir dürfen uns 
nicht einbilden, das an den Schaufenstern vorüber- 
wandelnde Publikum nähme den Rhythmus der Linien 
mit weniger frohem Herzen auf als gute Musik und 
im anderen Falle würde es nicht von dannen gejagt 
durch unedle Mißklänge. 



Phantasie im Schaufenster« 



77~ ber die Phantasie im Schaufenster ist an- 

U deutungsweise schon gesprochen worden, 
einige klare Worte dürften über dieses in 
der Schaufensterdekoration so viel mißver- 
standene Wort noch nötig sein. 

Zu Zeiten der Schaufenster -Wettbewerbe kam es 
stark zum Ausdruck, wie die Forderung einer beson- 



ders gut geleisteten Arbeit vom Dekorateur ihn aufs 
Glatteis führte, wo er, wie die Resultate der Wett- 
bewerbe zeigten, oft tüchtig entgleiste. Es war wohl 
die Absicht der Dekorateure, als Zeichen einer fest- 
täglichen Dekoration der „Phantasie" freien Lauf zu 
lassen und mit dieser „Phantasie" war verstanden — 
Romane im Fenster aufzuführen oder wenigstens der- 



36 



gleichen. Ein Teppichfenster wurde zu einer Harems- 
szene ausgebaut, Eisschränke wurden in einer nordischen 
Eislandschaft feilgeboten, unter Palmen von Taschen- 
tüchern errichtet, lächelte in unermüdlicher Freund- 
lichkeit eine Wachsdame, die schöne Wäsche trug; 
ein Siegesgott entstieg dem] Aufbau von Weinflaschen; 
ein fleißiges, wenn auch etwas recht ältliches Wachs- 
gretchen mußte im Leinenfenster zur Schau sitzen. 
Was die Wettbewerbe nicht erzählten, das erfuhren 
wir zur Zeit der „weißen Woche". Die größten Wäsche- 
schlösser kunstvollster Architektur, Gartenszenen und 
noch dergleichen mehr bekunden uns alle, wie oft 
die Dekorateure ihre Kunst mißverstehen, wie miß- 
verstanden von ihnen das Wort Phantasie im Zusammen- 
hang mit der Schaufensterdekoration ist. Nein, Literatur 
darf nicht im Schaufenster getrieben werden, uns 
stehen unendlich viel Mittel zu Gebote, durch edle 
Ausschmückung des Fensterraumes die Ware so heraus- 
zuheben, daß sie durch sich selbst zum Publikum 
spricht. Nur dahin darf unsere Phantasie führen. 
Sollten wir einem schönen Schuh nicht eine Umgebung 
geben, daß seine Eleganz einer schönen Frau würdig 



wäre, sollten wir einen Stoff durch den Fluß seiner 
Linien nicht beredt machen können, daß er zu seinem 
Opfer lockend spricht und ein edles Glas, ein schönes 
Porzellan, wie ist es durch sorgsame und prunkvolle 
Aufstellung zur Festtafel prädestiniert, ohne daß wir 
grinsende starre Wachsmenschen im Frack und weißer 
Weste an seinen Tisch setzen. Es ist für den Künstler 
schwer, — nicht leicht wie der Kaufmann annimmt, mit 
diesen ewig lächelnden Puppen und den verdrehten Glie- 
dern ein geschmackvolles Schaufenster zu bilden. Hier 
schwebt stets die Gefahr des Romanes im Fenster. 
Die Phantasie für dergleichen Fenster muß arbeiten, 
um das Romanhafte zu unterdrücken. Lernen wir 
das uns gegebene Ausstellungsmaterial in seiner Eigen- 
art erst lieben, und begeistert uns seine Form, seine 
Farbe, so wird auch unsere Phantasie richtig einsetzen 
und die ihr gebotenen Wege für die Schaufenster- 
dekoration finden. 

Die Phantasie, aus der Sachlichkeit der Ware 
geboren, ist eins der hohen Ziele der Schaufenster- 
kunst 




^. Wertheim. g. m. b. 3i., 'Berlin, Leipzigerstraße. 



37 






Stoff-Dekorationen im Schaufenster« 




ie unendliche Fülle verschiedener Stoffarten 
schenken dem Dekorateur unzählige De- 
korationsmöglichkeiten. Mit der Reform der 
Schaufensterkunst ist in der Stoffdekoration 
die größte Wandlung geschehen. Vor Jahren wurde 
es dem Dekorateur zum Vorwurf gemacht, wenn er 
im Schaufenster von den auszustellenden Stoffen nicht 
große Wunderbauten von Wasserfällen oder Fächer- 
attrappen erkünstelte. Je wilder die Linien und je wahn- 
sinniger die Idee, die er seinem Aufbau zu Grunde ge- 
legt, desto wertvoller erschien dem Kaufmann sein 
Machwerk Heute sind alle diese „Werte" gestürzt. 
Von dem Dekorateur wird heute unendlich viel mehr 
als nur Handgeschicklichkeit gefordert, nämlich — 
erstens — den auszustellenden Stoff zu empfinden 
und ihn in seiner ganzen Charakteristik zu erfassen 
und dann Mittel und Wege zu finden, ihn in seiner 
ganzen Schönheit zur Auslage zu bringen. Jeder 
Stoff, ob Seide, Wolle, Chiffon oder der härtere 
Waschstoff gewinnt erst an Reiz, wenn er durch leichte, 
schwere, fließende oder kapriziöse Faltenlegung zum 
vibrierenden Leben geweckt wird. Jeder Stoff muß im 
Schaufenster eine heimlich lockende Sprache zu dem 
Vorübergehenden sprechen: „Schau mich an, ich will 
mich unter dem Glanz von tausend Lichtern fließend 
um deine Schultern legen", oder: „Nimm mich mit, ich 
will deinen Körper wie einen leichten Schleier um- 
hüllen, wenn der Sonnenbrand dein festes Gewand 
verjagt." Oder: „Fürchte den Winter nicht, schau wie 
voll und wollig und warm ich dich umschließen könnte." 
„Und hier biete ich dir als verwöhnte Frau alles, was 
den Schmuck deines Kleides erhöhen könnte, den 
passenden Hut, den passenden Schirm, das Täschchen, 
den Pelz und was du nur denken kannst." Viel kleine 
und große Lockrufe müssen den Schritt des Vorüber- 
eilenden hemmen, dann ist die Aufgabe des Schau- 
fensters erreicht. 

Wie können nun aber die scheinbar toten Stoffe 
zum Leben und Sprechen geweckt werden? 

Betrachten wir zuerst einen glänzenden fließenden 
Seidenstoff, der im Schaufenster dekoriert werden soU. 
Um den Glanz der Seide zu erhöhen, muß der 
Hintergrund stumpf gewählt werden und in Farbe dis- 
kret zurücktreten, der Untergrund ebenfalls stumpf 
und schwer wirken. Je nach der Kraft der Farbe des 
glänzenden Stoffes kann die Farbe des Untergrundes 



als Ausgleichung oder Komplementärerscheinung dienen. 
Hier spricht mit, wieviel Raumwirkung dem Untergrund 
belassen bleibt. Nun kommen wir zur eigentlichen 
Dekoration der Seide. Die Schönheit der Seide ist 
in diesem Fall diß fließende Weichheit, es ist demnach 
erforderlich, Dekorationsständer zu wählen, die uns 
ermöglichen, den Seidenstoff in weichen fließenden Falten 
gleiten zu lassen. Gehemmter Faltenlauf oder auf dem 
Untergrund ruhende Faltenmengen würde die Seele 
dieses Stoffes töten. Auch nicht in zu breiter Masse 
darf der Stoff von seiner Hohe herunter gleiten, immer 
von neuem aus der Höhe zur Tiefe muß er fließen, 
wie viele Ströme von Licht und Farbe. Unsere Phan- 
tasie darf in wechselvollem Linienspiel eine Farben- 
harmonie von Bändern zur Belebung des Bildes walten 
lassen und wo es geboten scheint, den Strom von Seide 
mit einer großen Schleife schließen. Soll der Schwer- 
punkt der Dekoration in der Mitte des Fensters liegen 
oder in einem Winkel des Fensters, die Linien müssen 
sich im Raum ausgleichen wie die Farben, kein toter 
Punkt darf im Fenster erscheinen. 

Was hier die fließende Seide vollbringen soll, muß 
in einem anderen Fenster ein derber Wollstoff durch 
die geschickte Hand des Dekorateurs vermögen. Der 
Charakter des Wollstoffes ist schwer und schwer soll 
sein Fall im Faltenwurf sein, schwerfällig seine Linie 
den Raum erfüllen. Nur von hartem .farbigen Hinter- 
grund wird er sich gut abheben oder von tiefem 
Sammet. Hier dürfen nicht Bänder, sondern dicke 
Schnüre mitspielen, will man die Stoffmenge durch einen 
Farbenblitz mal beleben. 

Wieder eine andere Aufgabe stellt die harte Taft- 
seide dem Dekorateur. Sie will in tausend kapriziösen 
Fältchen vom Licht umspielt werden. Auf verschiedenen 
Höhen, auf runden oder eckigen Podesten in reichen 
Massen zusammengehalten dürfen wir sie dekorieren. 
Auch Blumen und Ketten dürfen sich in die Seiden- 
massen drängen. Aber alles muß ein geschlossenes 
Etwas bilden, aus dem kein Teilchen, das in das Bild 
komponiert, wieder entfernt werden könnte, ohne ein 
empfindsames Loch zu reißen. 

Mit viel Zartgefühl wollen durchsichtige Stoffe 
behandelt werden, da das Durchscheinen der Dekorations- 
ständer vermieden werden muß. Meistens genügt es, 
die Ständer zuvor mit etwas Chiffon oder Tüll zu umhängen 
und wenn die vorhandenen Farben es zulassen, macht 



38 



man aus der Not eine Tugend und man bringt einen 
neuen Farbeneffekt zur Durchsicht des Stoffes. Der 
Hintergrund darf solche zarten Gewebe auch nur als 
Hauch umgeben und die farbige Abstimmung einer so 
duftigen Dekoration verlangt großes Taktgefühl. Im 
Geiste des Malers lebt mit dem Bilde solcher Stoff- 
gedichte das Bild lichter Frauengestalten auf, die er 
nur mit hellsten Farben auf die Leinwand bannen 
würde. Und welcher Reichtum von Gedanken löst 
die Schönheit des Stoffes im Künstler aus und 
er trägt Blumengrüße und allerlei Tand in den Duft 
der Stoffe, alles Dinge, die so nahe Beziehung zu- 
einander haben, daß sie nicht fehlen dürfen. Über 
die Psychologie dieser kleinen Ausschmückungssächel- 
chen könnte man wohl ein ganzes Buch schreiben und 
müßte es eigentlich schreiben, sind sie doch der größte 
Verführer zum Bösen in der Dekoration. Was er- 
leben wir täglich für groteske Entgleisungen? Wo muß 
der bronzene „Bismarck" nicht überall Wacht halten, 
wo muß die „Venus" ausharren und der „Diskuswerfer" 
und der „Dornauszieher" und die vielen Hunde und 
Katzen aus Porzellan und anderem Material! Könnten 
doch all diese Figürchen den Dekorateur jedes Mal 

« 

fragen, ^»warum soll ich denn hier stehen und muß ich 
denn gerade hier stehen?" Wir müssen streng warnen, 
die Belebung der Dekoration durch figürlichen Tand 
zu bewerkstelligen, eine sinnlose Wahl solcher Dinge 
stürzt oft die ganze Kunst des Dekorateurs. 

Mit dem Betrachten der Möbelstoff-Dekorationen 
kommen wir auch in ein gefährliches Gebiet. Der 
Dekorateur ist gern geneigt, zu den schweren Möbel- 
stoffen, die nur eine einfache Aufmachung gestatten, 
eine Bank, einen Stuhl oder Tisch zu verwenden Auch 
hier möchte man wünschen, die Möbel wagten die 
Frage: „Muß ich hier stehen?" Der Dekorateur darf 
nie vergessen, das Schaufenster hat kulturelle Auf- 
gaben und ein Stilfehler, der von vielen hundert Augen 
am Tage aufgenommen wird, richtet viel Unheil an. 

Jedes Möbel, das in einem Möbelstoff-Schau- 
fenster verwendet wird, muß zu diesem in engster 
Beziehung stehen und selbstredend darf es auch nur 
als Begleitobjekt im Fenster wirken. Das Verwenden 
von Möbeln im Stoffenster hat noch eine Gefahr, es 
darf nicht vom Stoff umwunden werden, ich erinnere 
an die beliebte Schlinge um Lehne oder Stuhlbein, 
das Möbel kann nur so zu Nutzen gezogen werden, 
indem man den Stoff in natürlichem Faltenwurf darüber- 
gleiten läßt. Zu beachten ist dabei, daß jede Linie 
des Möbels als harte Linie im Raum steht und die 
Stofflinien nicht an jedem beliebigen Platz unter- 
brechen darf. Jede Linie im Schaufenster unterliegt 
den Gesetzen der Harmonie. 



Wir wollen ein Wort über die Dekoration von 
Brokatstoffen sagen. Ihr Charakter kann edel, kann 
aber auch, durch die Verbilligung und die Kopie alter 
Stoffe in schlechter Qualität, sehr unedel sein. Die 
Schwere der Stoffe scheint oft dieselbe, aber die Be- 
rührung derselben wird dem Kenner guter Qualitäten 
sofort den großen Unterschied bekunden, wenn das 
Auge es nicht schon getan hat Der Dekorateur 
darf sich nun nicht verleiten lassen, den kopierten 
billigen Stoff zu einem Schaufensterstilleben zusammen 
zu stellen, daß ein böser Mund in den Ausruf fiele 
»viel Lärm um nichts". Ein edler Brokat soll eine 
Welt von üppigem vornehmem Glanz im Fenster 
spiegeln, Stilmöbel und kostbare Uhren, Vasen, auch 
Bilder dürfen miterzählen, woher der Brokat kan*^ in 
welche Räume er wandern möchte. Zur Attrappe ver- 
arbeiten darf man so edlen Stoff nicht Sind keine 
edlen Möbel zu beschaffen, so baut man von Kisten 
ein mehrstufiges Podest, bezieht es mit Sammet oder 
besser überwirft es mit Sammet und läßt nun den 
Brokat voll darüber gleiten. Anstatt alte goldene Ge- 
fäße, darf man dann durch Blumen eine Feststimmung 
bringen. Die billigeren Stoffe kann man in schweren 
Falten von einer breiten Höhe fallen lassen, vielleicht 
auf ein zweites Podest und als Abwechslung in der 
Linie sind große Kissen zur Mitdekoration gut an- 
gebracht. 

Ein neues Gebiet in der Dekoration ist die Be- 
handlung der schweren Herrengarderoben-Stoffe. Es 
ist eigenartig zu beobachten, wie einzelne Dekorateure 
ein ausgeprägtes Talent für die Dekoration von 
Herren-Konfektion und alles, was in diese Branche 
schlägt, haben. Die Hauptbedingung für die Fenster 
mit Herren-Konfektion ist die solide Einfachheit und 
Ruhe in der Linie zu halten. Jede erkünstelte Koketterie 
muß vermieden werden. Wir bringen einige Ab- 
bildungen, um Anfängern ein paar gute Handgriffe 
für die Aufmachung von Herrenstoffen zu geben. Wie 
die Attrappen im Raum verteilt werden, untersteht den 
Gesetzen der Raumaufteilung eines Schaufensters, die 
wir an einem anderen Platz in diesem Buch _ be- 
sprechen. Das Zusammenhalten der Attrappen ist zu 
empfehlen, da durch viele einzel gestellte einfache 
Attrappen und nur um solche kann es sich bei 
Herrenstoffen handeln, das Fenster langweilig wirkt 
Eine Truhe, über der ein schwerer Stoff in einfachen 
Falten gelegt ist und die auf schwerem farbigen 
Untergrund steht und außer dem Stoff noch den 
passenden Hut, Schuh und Handschuh trägt, ist ein 
kleines Beispiel, daß nicht immer nur Attrappen für 
die Stoffe erforderlich sind. 



39 




Su»tav Cords, Berlin, ßeipziger Straße. 





^Hermann Serson, ^Berlin, Werderstraße. (Dekoration von S;)itien und Spitzenstoffen.) 



i 



Sl. Wertheim. Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



40 




^- Wertheim, Q m b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



41 



6 



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■ v— -■- ^ j.,—^^ p »-->.. - 







5W. Schöneberg, ^Berlin, ßeipzigerslraße. 





Gustav Cords, Berlin, ßeipzigerstraße. 




Seidenhaus SMichels & Co., fBerlin, ßeipzigerslraße. 



S>ekoration von fließenden und schwereren Seidenstoffen. 



42 



43 



6» 




Dekoration von Cretonne und §ardinenstoffcn. 




Sl. 'Wertheim, § m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



44 




il^ustav Cords, Berlin, ßeipzigersfraße. 




^. Wertheim, g. m. b. 3i., Berlin, ßeipzigerstraße. 



45 




Konfektion im Schaufenster. 



Dekoration von Seidenstoffen mit Perlenfontäne in der Mitte. 

In dem Schaufenster, welches oberhalb 
-" ^7~~ schwarz ausgeschlagen sein muß, ist ein halb- 
kreisförmiger Bogen gespannt, von welchem 
die Seidenstoffe, also in Form eines Halbkrei- 
ses, herabfließen, und sich auf dem Boden in 
kleinen, halbkreisförmig aufgestellten Fontä- 
nen verlieren. In der Mitte erhebt sich auf 
schwarzem Untergrunde eine Perlenfontäne, 
aus 5 bis 6 dünnen Ständern bestehend, von 
denen so viel Perlenketten herunterfallen, um 
die Ständergänzlich zu verdecken. Man nimmt 
dazu die gläsernen, weißen, silbrigen und gol- 
denen Behangperlen; die Stoffe am besten 
einfarbig und so abschattiert, daß die dunk- 
leren an den Seiten, die hellen in der Mitte sind. 

Mittel-Dekoration aus Seidenstofien 
und Spifzengeweben, 

(Zu nebenstehender Abbildung.) 
Auf einem hohen verstellbaren Ständer ist 
ein Ring oder Reifen befestigt, über den die 
Stoffe gelegt werden, und von wo sie ringsum 
nach allen Seiten herabfallen. Ein Spitzen- 
sonnenschirm als Kuppeldach krönt das 
Ganze. Von seinen Rispen gehen Spitzen aus, 
die über den Stoffen lose hängend auf die im 
Halbkreis herumgestellten Podien, welche 
Vasen tragen, herabfallen. Ein schwarzer 
Untergrund deckt den Boden. 

4« 





ie große Schwierigkeit, dem Schaufenster mit 
der mehr oder minder immer gleichen Ware 
stets neue Reize und Anziehungskraft zu ver- 
leihen, macht es begreiflich, daß der Deko- 
rateur jedes Dekoj-alions-Hilfsmittel, das die Industrie 
hervorbringt, mit Eifer ergreift und ausprobiert. 

Für die Ausstellung von Konfektion bringt nun die 
Industrie seit den letzten Jahren ein neues Ausstellungs- 
mittel in Gestalt der Wachsfigur. War es zuerst nur 
die plumpe ungelenke Figur mit dem schlecht model- 
lierten Kopf und Händen in brutaler Bemalung, so 
sehen wir heute als „Fortschritt!" dieser Bewegung die 
Wachsfigur häufig als „Typus -Tänzerin" oder die 
„starkgeschminkte Halbweltdame". 

Wie die Erfahrung gelehrt, ist dem Geschäftsmann 
die Wachsfigur ein erwünschtes Hilfsmittel, er hat 
große Kosten nicht gescheut, sie für seine Schaufenster- 
dekoration dem Dekorateur zu bieten. Dieses gebietet 
dem Dekorateur die Erfüllung zweier Pflichten. Erstens 
hat er nun einmal mit der Wachsfigur in der Dekoration 
zu rechnen und deshalb eine möglichst künstlerische 
Form für ihre Verwendung zu finden. Zweitens hat 
er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu 
wirken, daß die heute of i noch unkünstlerische Wachs- 
figur einen hochwertigen Ersatz in nächster Zeit findet. 
Hier soll uns die Arbeit des Dekorateurs mit der 
Verwendung der Wachsfigur in der Dekoration im All- 
gemeinen beschäftigen. 

Die Wachsfigur zwingt das Schaufenster zu zwei 
Stilarten. Entweder wird das Schaufenster ein Figuren- 
bildnis, mit allen Ansprüchen eines solchen, oder es 
wird durch panoptikale Darstellungen ein Bühnenbild. 
Jede andere Verwertung der Wachsfigur im Schaufenster 
ist verfehlt. 

Die Aufstellung einer Wachsfigur im Schaufenster 
in willkürlicher Umgebung anderer Ausstellungsobjekte 
wirkt nicht nur unkünstlerisch, sondern auch unordentlich 
und unlogisch. Wie oben gesagt, der Dekorateur hat 
für die Dekoration der V/achsfigur nur die Wahl zwischen 
dem Stellen des Figurenbildes oder des Bühnenbildes. 
Beide können reich und prächtig, aber auch sehr ein- 
fach ausgestaltet werden. Die auszustellende Toilette 
oder das einfache Gewand werden den Charakter der 
Ausführung bestimmen. 

Das Kleid wird also stets das Leitmotiv für die 
Komposition des Figurenbildnis, das aus ein bis zwei 

47 



Figuren mit wenig Begleitobjekten gedacht ist, fordert 
vor allem einen feinabgestimmten Hinter- und Unter- 
grund und eine fein durchdachte Stellung der Figuren 
zu einer geschlossenen Linie im abgegrenzten Rahmen. 
Der Stil des Kleides ist maßgebend für jedes Teilchen 
im Fenster. 

Hier wäre auch zu beachten, außer der Farben- 
wirkung des Hintergrundes, das richtig gewähhe Stoff- 
material, da die Silhouette der Figuren von diesem 
sehr beeinträchtigt wird. Ist ein Geschäftshaus ge- 
zwungen, im Schaufenster neben den Wachsfiguren 
noch andere Konfektionsstücke zu zeigen, so hat der 
Dekorateur die Figuren als abgegrenztes Bild von 
der übrigen Ausstellungsware zu trennen. Eine be- 
stimmte Regel, wie man ein Gewand aufzustellen hat, 
gibt es nicht, jedes Ausstellungsstück wird dem Deko- 
rateur eine neue Aufgabe stellen, und nur durch die 
strenge Befolgung der Kunstgesetze, die in den Artikeln 
über Stil, Farben- und Linienharmonie erläutert sind, 
wird er die Freiheit zu den größten Abwechselungs- 
möglichkeiten finden. 

Das Schaufenster als Bühnenbild fordert von dem 
Dekorateur eigentlich dieArbeit einesTheater-Regisseurs, 
das Publikum soll durch die gut erwogene Aufstellung 
der mannigfachen Ausstellungsstücke zur Beachtung der 
Hauptstücke gezwungen werden. 

Nicht nur durch gute Farben und richtige Raum- 
verteilung ist hier das Problem zu lösen. Die Figuren 
sprechen durch Gebärden und diese müssen Beachtung 
finden. Den Stil in einem Bühnenbilde bis ins Kleinste 
durchzuführen, fordert große Fachkenntnis und Fein- 
gefühl. Daß nur allererste Geschäfte sich an die 
Lösung solch schwieriger Aufgaben begeben dürfen, 
ist wohl selbstverständlich. 

Wir kommen nun zu der Dekoration der Koofektioa 
ohne WachsHgur. Die Toilette auf Figurine gezogen 
gebietet dem Dekorateur vor allem die Beachtung, der 
Linie und Farbe und die Wirkung des Hinter- und 
Untergrundes. 

Alle Begleitobjekte, die einer Toilette beigegeben 
werden sollen, haben sich in Stil, Farbe und Linie 
dem Bilde einzufügen. Die Aufstellung hat so zu er- 
folgen, daß das Gesamtbild ein großzügiges Stilleben 
bildet, in dem jedes einzelne Stück mit seiner Nach- 
barschaft in Harmonie gebracht ist Solchem Still- 



""^^^y^^^^s^ 



lebenbilde einen begrenzten Abschluß zu geben ist zum Rock oder Mantel, werden dem Fenster stets Ab- 
ratsam, weil es die Wirkung des Bildes erhöht. wechselung geben können. 



Herren-Konfektion. 

Hier wäre Ähnliches wie oben zu sagen. Die 
Strenge und Einfachheit des Stils der Herren-Toiletten 
gibt dem Dekorateur entschieden weniger Abwechs- 
lungsmöglichkeiten in der Dekoration. Wir sehen die 
großen Geschäfte für Herren-Konfektion deshalb auch 
mit festen holzgetäfelten Schaufensterräumen, die ent- 
schieden vornehm wirken. Sobald eine diskrete und 
nicht zu hellfarbige Holzwirkung gewählt ist, werden 
die meisten Herrengarderoben auch in diesem Rahmen 
sich vorteilhaft zeigen lassen. Ist ein solcher Holz- 
einbau aber nicht vorhanden, muß die Art eines Still- 
lebens durch geschlossene Linien dargestellt, auf 
Hintergrund strengsten Stiles empfohlen werden. 

Häßlicher als bei der Damen-Konfektion wirken 
Wachsfiguren in Herrengarderoben-Schaufenstern Stoff 
möglichst in Originalstücken und Hut, Stock, passend 



Kinder-Konfektion. 

Die viel gewünschte fröhliche Kinderstimmung dürfte 
sich vielleicht auch ohne Wachspuppen im Fenster er- 
reichen lassen. Die Kleider auf Figurinen in guter Linie 
aufgestellt und durch gute farbige Effekte der Hinter- und 
Untergrunde belebt, können so viel Stimmung erreichen. 
Spielzeug in ausgesparten Raumteilen, als kleine Still- 
leben, als Vor- oder Zwischenbauten, kann ebenfalls 
für jedes Kindesalter dem Fenster seinen Charakter 
schenken. Für lichte Sommerkleider sind Blumen- 
ranken oder Blumenbalustraden zur Ausschmückung 
zu wählen, auch ein farbenfreudiger Blumen- oder 
mit scherzhaften Figuren bemalter Fries — als Wand- 
abschluß, der in Farbenharmonie natürlich sehr fein 
zum Hintergrund und den Kleidern steht, können wir 
empfehlen. Auch hier gelten die Gesetze für Farben- 
und Linienharmonie. 




Verteilung von 3 Figuren in einem großen Schaufenster. 




^. Wertheim, Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



48 



19 




^Ausstellung im modernen Slil fs. Slbbildang desselben SRaumes S. 37). 





I 



M. Wertheim, g. m. b. 3i., Serlin, ßeipzigeratraße. 



JA. Wertheim, §■ m. b. 3i . Serlin, ßeipzigerstraße. 




5L. Werlheim, g. m. b. 5(., Serlin, £eipzigerstraße. 



50 



51 



^^-'W 1» j^.^....^- -^. J.«. _ 




r 




1). SKanheimer, Berlin, Oberwallstraße. 



Die Aufstellung von Konfektion zu einer festgeschlossenen Gruppe ist besonders für 
kleine Schaufenster ratsam. Die einzelnen Kleidungstücke dürfen aber durch zu starke 
Unterscheidung der Nachbarstücke in der Wirkung ihrer Eigenart nicht beeinträchtigt werden. 

Auf Hintergrund und Untergrund solcher Gruppe ist, da kein Begleitobjekt in dieser 
Dekoration ihre Charakteristik hebt, besonders Gewicht zu legen. (Siehe Artikel „Stil 
im Schaufenster".) 




Hermann SHoffmann, Berlin, Sriedrichstraße. 




C. SL. fKerpich Sne., Serlin. Leipziger straße. 



52 



53 



y 



Jagdsport - Dekoration. 

(Zu untenstehender 
Abbildung.) 

Die Miltelwand des 
Fensters sowie die Sei- 
tenwände werden mit 

einem dunkelgrünen 
Stoffe bespannt, Kübel 
mit Strauchpflanzen zie- 
hen sich im Hinter- 
grunde entlang, um der 
Bank auf dem breiten, 
schwarzen Podium eine 

Art Umrahmung zu 
geben. Allerlei Touris- 
ten- und Jagdartikel 
liegen verstreut umher. 
Ein Wetter- oder Tou- 
ristenmantel liegt auf 
der Bank, neben dem 
ein offener Rucksack 
steht, eine Flinte davor, 
ein Hut unten auf dem 
Podium und verschie- 
dene Rucksäcke. Der 
Boden des Schaufens- 
ters ist entweder mit 
Grasstoff oder mit gelb- 
grauem Tuch ausgelegt. "■^'''"" of Wales-, Berlin. Jriedrichstraße. 

Unter dem Kocher in der Mitte eine runde Fries- Allerlei Kochapparate, Touristenflaschen, Mäntel, Capes 
decke von dunkler Farbe, dunkle Erde vorstellend, und Feldstühle. 





„ 



Dekoration für den 
Auiomobilspori. 

Die ausgestellte Gar- 
derobe ist für den 
Chauffeur bestimmt. Das 
Arrangement ist einfach 
und zweckmäßig. Außer 
dem Pelz, den zwei 
Ueberziehern und zwei 
Jacketts enthält die De- 
koration einige gut dra- 
pierte Plaids und Pelz- 
decken, sowie Fußsäcke, 

Fußdecken, Hand- 
schuhe usw. 





Jagdsport-^ekoration (siehe Jext oben). 



fHermann 3f(offmann, Berlin,' Sriedrichstraße. 



54 



S5 



X 



Dekoration von Blusen« 



lusen wollen wie jeder andere Artikel nach 
[—/ ihrer Eigenart dekoriert werden. Sie gehören 
-^-^ zu den Waren, die durch die Unregelmäßig- 
keit ihrer Konturen und die Vielseitigkeit des 
Materials, aus dem sie hergestellt sind, dem Dekora- 
teur große Schwierigkeit bereiten. Eine Einheit des 
Schaufensterbildes ist aber auch mit diesem Artikel 
zu erreichen. 

Die Büstengestelle, die als Dekoralionsmaterial für 
Blusen zur Verfügung stehen, eignen sich nicht für jede 
Art Bluse. Sobald dieselbe aus sehr durchsichtigem 
und zartem Stoff gearbeitet, wird das Büstengestell zu 
plump sein und den Reiz einer so zarten Bluse nicht 
beweglich genug zur Schau bringen. Wir würden der- 
gleichen Blusen halb liegend, nur mit einem kleinen 
T- Ständer (so genannt, weil er die Form eines großen 
T zeigt) etwas in die Höhe ziehen. Auch ist ein 
höherer T-Ständer brauchbar, um die Bluse in voller 
Höhe aufzustellen, die Bluse würde dann etwas schlaff 
im Fall werden, was sehr weich und reizvoll erscheinen 
kann. Man kann annehmen, daß der Verkauf sehr 
eleganter Blusen vereint ist mit dem Verkauf schöner 
Spitzen und dergleichen schönen Dingen. Der Dekorateur 
muß versuchen der Bluse durch diese Dinge eine edle 
Umgebung zu geben. Blumen in angemessenen Mengen 
und Formen sind zur Ausschmückung hier gestattet, 
auch Bänder und Perlen, doch mit Vorsicht. Wie viel 
Blusen im Fenster gezeigt werden sollen, ist nach ihrem 
Wert zu beurteilen, je wertvoller dieselbe ist, desto 



einsamer darf sie wirken. Viel einfacher ist die aus 
schwerem Stoff gearbeitete Bluse zu dekorieren, ihre 
Kontur wird mehr Linie geben und eine häufige Wieder- 
holung derselben Linie im Fenster erzeugt schon leicht 
eine Wirkung. Aber auch für die steifere Bluse ist der 
Büstenständer nicht immer vorteilhaft. Es ist nicht 
ganz einfach, den Blusenfenstern, die sich durch die 
relativ immer sehr gleichende Ware füllen, stets ein 
neues reizvolles Aussehen zu geben. Eine Aus- 
schmückung solcher Fenster durch viel Beigaben ist 
nicht angebracht, so muß die Phantasie neue Bilder 
schaffen, durch immer neue Raumgestaltung des 
Schaufensters. Podeste und Sockel in allen Formen 
sind zur Aufstellung von Blusen ratsam, sei es für 
Einzelwirkung oder zur Aufnahme von mehreren Blusen 
zur geschlossenen Wirkung. Es ist bei der Aufstellung 
jeder Bluse zu beachten, daß die Ärmel nicht über die 
Taillenlänge hinweg hängen, oder die Ärmel weit ab- 
wärts vom Rumpf der Bluse gezogen werden. Eine 
Bluse mit dem Halsausschnitt nach unten zu zeigen, 
ist selbstredend unmöglich und darf diese Form auch 
nicht bei der Füllung eines Stapelfensters gewählt 
werden. Es ist hoffentlich auch bald ganz über- 
wundener Standpunkt, die Blusen auf Metallstellagen 
an den Wänden hochsteigen zu lassen. Hinter- und 
Untergrund wird für die Aufstellung von Blusen nach 
den in vorhergehend aufgestellten Grundgesetzen zu 
wählen sein, desgleichen unterliegen ihre Gruppierungen 
im Schaufenster den genannten Liniengesetzen. 





Dekoration von wertvolleren Blusen auf Lüsten. 



M 




Stapel-fDekoration von iBlusen. 



Gustav Cords, fBerlin, Leipziger straße. 



56 



57 



8 



^ 



Kleiderröcke, Unterröcke, Korsetts im Schaufenster. 




lle Rockarten gehören zu der silhouettieren- 
den Ware im Schaufenster. Das Hauptaugen- 
merk des Dekorateurs ist deshalb auf die 
zur Geltungbringung der Kontur des Rockes 
zu setzen. Die Kontur des Rockes bedeutet „der 
Schnitt des Rockes und sein Sitz", dieses durch die 
Schaustellung zu verraten, soll Kunst des Dekorateurs 
sein. Die Aufstellung in Linien und Farbenharmonie 
geschieht nach den bekanntgegebenen Gesetzen. 

Rockfiguren mit künstlichen Füßen aufzustellen, 
die wie halbe Menschen wirken, ist durchaus verwerf- 
lich, ebenfalls sollen anderweitige panoptische Effekte 
bei Dekorationen von Kleiderröcken und Unterröcken 
vermieden werden. Die bekannten einfachen Rock- 
ständer und für Unterröcke die Reifenmetallständer 
sind zu empfehlen. Das Material der Röcke wird zu 
ruhiger oder bewegter Linienführung den Dekorateur 
anregen. 

Korsetts. 
Auch die Korsetts verraten ihre Hauptwerte in ihrer 
Linie. Die Mode regiert auch hier über ihre Formen 



und Farben. In der Aufstellung eines Korsetts, auch 
ohne Büste, muß die Konstruktion desselben genau zu 
ersehen sein. Bekanntlich und leider schreibt die 
Mode der Frau die Linie der Taille vor und das mo- 
derne Korsett soll versprechen, den heimlichen Wunsch 
der Modedame zu erfüllen. Da das Korsett zu den 
kleinen Ausstellungsartikeln gehört, so muß bei der 
Füllung eines Schaufensters, wenn es nicht auf ganz 
kleine Dimensionen gestimmt ist, mit einem Linien- 
Rhythmus durch Wiederholung und gute Überschneidung 
der Linien gerechnet werden. Die Dekoration von 
Korsetts muß, da dieselben von den diskreten Toiletten- 
künsten der Frau erzählt, außerordentlich dezent sein. 
Da die Farbe der Korsetts nach neuester Mode in 
uneingeschränkter Skala auftreten, so ist dem Deko- 
rateur eine feine geschmackliche Aufgabe gestellt, 
dem farbigen Korsett die zu ihm passenden an- 
deren Toilettensächelchen in der Dekoration bei- 
zufügen. Unterröcke, Strümpfe, Strumpfbänder bieten 
reiches Material das Korsett-Schaufenster elegant oder 
einfach zu gestalten. 




Seidenhaus 3Hichels & Cie., Berlin, ßeipzigerstraße. 



58 




Sl. 'Wertheim, Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 




3f. 3srae\, Berlin, ^önigstraße. 



59 



Damenputz im Schaufenster* 



ines der beliebtesten Gegenstände für den 

E Dekorateur ist der Hut der Frau. In immer 
neuen Formen, in immer neuen Farben- 
spielen spricht er zu ihm von seiner 
mannigfachen Bestimmung. Und diese Stimmen dem 
Publikum hörbar zu machen, ist eine, wenn auch 
komplizierte, doch sehr reizvolle Aufgabe. Für alle 
Hüte gilt die gleiche Forderung — sie wollen in 
ihrer vollen Kontur zur Geltung kommen, die Kontur 
ist zugleich, wenn auch nicht allein, der Ausdruck 
ihres Charakters — und stellt bestimmte Ansprüche 
an die Raumeinteilung des Schaufensters. Wir brauchen 
keinen Frauenkopf im Fenster, um zu zeigen, wer 
den Hut tragen soll, wie er und wann er getragen 
werden soll. Der leichte Abendhut wird einen anderen 
Rahmen, andere Umgebung brauchen, wie der leichte 
Sommerhut. Sollten wir auch für beide den gleichen 
Reiz der Chiffonwände nicht entbehren wollen, so sucht 
unsere Phantasie durch bunten Tand, die zu der ver- 
wöhnten Frau im Gesellschaftsraum gehören, dem 
Abendhut zu schmei- 
cheln, während z. B. ein 
Sonnenschirm, oder 
auch Vögel aus dem 
heißen Süden (die uns 
die Sonne ins Gedächt- 
nis rufen) neben den 
leichten Sommerhut ge- 
stellt, uns in die Welt 

seiner Bestimmung 
führt. Der Laufhut mit 
seiner strengeren Form, 
verlangt auch in seiner 
Aufstellung strengere 
Linien, will von einfach- 
eren Dingen umgeben 
sein, die vor unserm 
Geist die dezente Klei- 
dung der Frau auf der 
Straße erscheinen läßt. 
Für den Sport jeglicher 
Art werden uns Hüte 
geboten, es kann auch 
hier nicht schwer fallen, 
den Sportcharakter den 
Hut -Schaufenstern zu 



geben. Und so gibt es noch viele Arten von Hüten, 
die jede einen anderen Charakter zeigen. Da die 
Hutlinien relativ recht klein sind, besonders im Ver- 
hältnis größerer Schaufenster, so läuft der Dekorateur 
leicht Gefahr, der Ausschmückung des Raumes zu viel 
Kraft zu schenken. Die Hüte selbst müssen stets 
die Hauptwirkung im Fenster behalten, von welchem 
effektvollen Reiz sie auch umgeben sind. Diejenige 
Farbe, die dem Hut den größten Farbenreiz verleiht, 
sei es die Hutform, oder die Garnierung des Hutes, ist 
für die Bestimmung der Farbenharmonie im Fenster 
tonangebend. 

Zur Aufstellung der Hüte bedient man sich ent- 
weder der bekannten Metallständer, deren Unschönheit 
mit Bändern, Ketten oder Schleiern zu verkleiden sind. 
In besonderen Fällen nehme man Hutständer von Holz 
zierlich gedrechselt und gebe diesen die Farbe der 
Hüte. Eine zarte Verschleierung ist auch für diese 
farbig zum Hut gestimmten Ständer vorteilhaft. Hut- 
schachteln von künstlerischer Ausschmückung sind nebst 




M. IDerlheim S m. b SH.. Berlin, ßeipzigerslraße. 



60 



3S3«fc^-^,«sg:'^-3^eBS«use^T;iffiSKir--« 



anderen kleinen und großen Putzartikeln brauchbare 
Begleitobjekte in den Hut-Schaufenstern. 

Die ungarnierten Hutformen im Schaufenster wollen, 
wenn sie auch selbst weniger Anregung bieten, auch 
nicht reizlos ausgestellt sein. Durch Abteilungen im 
Fenster läßt sich sehr gut eine klare Aufstellung der 
Hutformen ermöglichen und daneben ein phantastisches 
Allerlei, das zur Ausschmückung dieser Hüte dienen 
könnte. 



Putzartikel allein im Schaufenster verlangen außer- 
ordentlich geschickte Hände für ihre Dekoration. Federn 
in ihren harten oder weichen Linien, Reiherschwänze 
und -Stutze, Blumen in ihrer tausendfältigen Verschieden- 
heit in Farbe und Art, Bänder und Nadeln, jedes will 
erkannt und verstanden sein, ehe es verarbeitet wird. 
Linie soll auch das Schaufenster, das mit der kleinsten 
Ware angefüllt ist, haben und desgleichen fordert es 
Farbenharmonie in der Totalwirkung. 




Sl. Wertheim Q. m. b. SH., Serlin, ßeipzigerstraße. 



61 




Dekoration von 3^utformen mit ^arnierartikeln. 




Einteilung des Fensters in 3 Gruppen. 



62 



^ - * ■- 




Sl. Wertheim, Q. m. b. 3i., Berlin, ßeipzigerstraße 




1 

i 



Sl. Wertheim, g. m. b. 31., Serlin, ßeipzigerstraße. 



63 




Pelze im Schaufenster. 



Sl. Wertheim §. m. h. 3i., 'Berlin, Leipziger straße. 




JL. Werlheim Q. m. b. fK., "Berlin, ßeipzigerstraße. 



64 



ur Zeit unserer Großeltern gehörte der Pelz 

Zzu der Ausstattung der Frauen- wie Herren- 
toilette als Luxusgegenstand. Man war zu 
der Zeit entweder in Pelz gehüllt, oder man 
besaß überhaupt keinen Pelz. Die Verarbeitung der 
Mäntel, Schulterkragen und Muffen durch edle Seiden- 
stoffe, oder zarte geschmeidige Futterpelze, Leder und 
feinste Tuche, schienen mit dem Ewigkeitswert der 
guten Pelze wetteifern zu wollen. Ein Pelz galt damals 
gleichsam als Erbstück und wurde als solches liebevoll 
behandelt. 

Unsere Zeit hat ebenfalls herrliche Pelz-Umhüllungen 
für verwöhnte Weltkinder geschaffen, die auch Ewig- 
keitswerte atmen und Erbstücke bilden dürften, doch 
die so schnell jagende Modegöttin schreibt dem 
heutigen Pelz der Weltkinder einen anderen Lebenslauf 
vor, und damit trägt der Pelz einen immer neuen 
Charakter zur Schau, Heute will die Modegöttin die 
Frau mit Pelz ganz umhüllen, morgen legt sie ihr nur 
ein Krägelchen um die Schultern; heute gibt sie ihr 
ein Fußsack ähnliches Gebilde in die Hand als Muff, 
morgen wird dieser als kleines Tönnchen geformt ihr 
geboten. 

All diese vielfältigen Modeschöpfungen werden 
dem Dekorateur für das Schaufenster zur Vermittlung 



zu dem schaulustigen Publikum gereicht. Vielfältig, wie 
die Pelzverarbeitungen der Modekünstler, soll nun 
auch die Kunst der Feilbietung an das Publikum sein. 
Das Gebot der Zeit hat dem edlen Pelz durch den 
in Qualität tiefstehenden, wenn auch chic verarbeiteten 
Pelz eine Konkurrenz für unwissende Augen geschaffen. 
Aus diesen Tatsachen erwachsen dem Dekorateur, der 
seine Kunst ernst nimmt, große Aufgaben der Ge- 
schmacksbildung. Mit feinem Materialempfinden hat 
er den auszustellenden Pelz zu prüfen, wer soll ihn 
tragen, wo soll er getragen werden, wie soll er getragen 
werden. Nicht durch Schaustellungen von Ballsaal- 
szenen oder Eislaufbahnen soll der Pelz aus dem 
Schaufenster zu dem Interessenten sprechen, die Ver- 
einigung mit edlen Stoffen, oder eine einfache sach- 
liche Aufstellung müssen durch die Hand des 
Dekorateurs die richtige Sprache zu dem Beschauer 
finden. Daß jeder Pelz einzeln, auch im Stapel- 
fcnster gezeigt werden muß, dürfte selbstverständlich 
sein. Wie bei jeder edlen Ware ist die Einsamkeit für 
den guten Pelz im Schaufenster Bedingung. Die 
Aufstellung des Pelzes erfolgt je nach Größe und 
Wert auf Figurine, Büste oder Ständer, auch kann 
die Verbindung mit Möbeln in angemessener Weise 
stilvoll und vorteilhaft sein. 




^ritz Schmidt, Berlin, STauentzienstraße 6. 



65 




^. Werthtim, Q. m. h. 3i., Serlin, ßeipzigerstraße 




S. Sldam, Berlin, ßeipzigerstraße. 



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€. Weuheit, tBerlin, ßeipzigerstraße. 



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5. Neuheit, Serlin, ßeipzigerttraße. 



67 



Herrenartikel, Schuhwaren, Handschuhe 
und Strümpfe im Schaufenster. 



Stellung der Herren-Artikel wird immer die vornehmste 
sein. Farbeneffekte liefern die Krawatten zur Genüge 
und wo sie fehlen, wähle man als Hintergrund möglichst 
ernste Farben, wie violett, rostbraun oder ein nicht zu 
leuchtendes Grün u. dergl. Auch schwarzweiß gestreifte 
oder karierte Hintergrundstoffe sind erlaubt, sie dürfen 
nur die Konturen der Ware nicht beeinträchtigen. Auch 



bei Stapelfenstern sind alle Konturen scharf hervw- 
zuheben und keine Ware darf die andere verdecken. 
Die Ware auf Glasplatten wird selbst bei den 
elegant ausgebauten Schaufenstern nicht so edel wirken, 
als auf einem passenden stofflichen Untergrund gelegt, 
desgleichen sind Holzeinbauten ohne Stoffbelag nicht 
vorteilhaft. 



ast hundertfältig sind ihre Formen und Farben; 

Fein emsiges Studium bedaif es, sie alle zu 
erfassen. Wir finden schon viel Ordnung 
in Schaufenstern der Herrenartikel, doch ist 
Ordnung noch keine sachgemäße Dekoration. Wir 
sehen leider noch in großen Spezialgeschäften, wo man 
ein großes Verständnis für diese Ware erwarten müßte, 
wie Krawatten zu allen möglichen Ringelkränzen um 
Stöcke und Stellagen verknautscht werden. Auch Westen 
werden verdreht und mit Taschentüchern wie mit Blu- 
men verziert, Unterjacken über Kopf gestellt, während 
man die Ärmel wieder als Knoten geschlungen nach 
unten hängen läßt. Die Ausstellung der Spezialgeschäfte 
für Herrenartikel sind sehr verschieden, wir finden ganz 
hohe breite Fenster von sehr geringer Tiefe und auch 
Schaufenster für dieselben Artikel in Augenhöhe des 
Beschauers, in ge- 
ringer Breite, Höhe 
und etwas tiefer als 
erstere. Letztere sind 
größtenteils mit brei- 
ten Glasplatten aus- 
gestattet, die in dem 
holzgetäfelten Raum 
als einziges Dekora- 
tionsmaterial gelten 
und die Erstgenann- 
ten sind nur mit 
einer Metallstellage 

ausgebaut. Eine 
dritte Art ist der 
durch Podeste und 

bezogene Kisten 
ausgebaute Schau- 
fensterraum. Alle 
drei Arten können 
gleichwertig künst- 
lerisch dekoriert 
werden. Die Haupt- 
sache bleibt stets 
die richtige Wieder- 
gabe der vielfältigen 
Formen der :;Ware 
in ihrer Eigenart 



und als Schaufensterbild als Ganzes zusammen 
gebracht. Ob das Fenster symmetrisch oder un- 
gleichmäßig aufgebaut wird, ist für die zu befol- 
genden Dekorationsgesetze gleichgültig. Bedingung 
ist, daß die größeren Artikel den Rhythmus des 
Fensters angeben müssen, denen sich alle kleineren 
Formen unterordnen. Sollen weiße Oberhemden mit 
viel anderen dunklen Artikeln im Fenster gezeigt 
werden, so ist zu beachten, daß die weißen Flächen 
eine große Herrschaft bilden und alles dunklere in 
ihrer Umgebung noch dunkler scheinen lassen. Spazier- 
stöcke und Schirme dürfen nicht als Stellage zur Auf- 
nahme von Krawatten in größeren Mengen verwendet 
werden. Die einzelnen Artikel sollen nicht durch un- 
natürliches Ancinanderstecken den Eindruck eines ge- 
klebten Stillebens machen. Eine sehr einfache Auf- 




., 




Sinfache Sfierrenartikel-fDekoration für kleinere Schaufenster. 

68 



S. ^raun & Co., Berlin, 'Unter den Linden. 



69 




C. 3L. fKerpich Söhne, Berlin, ßeipzigerstraße. 




S^. 'Wertheim Q. m. b. 3i., Serlin, £eipzigerstraße. 



70 




£. ^oerder, Berlin, SKurfürstendamm 57. 




3. 'D. Qrünhld, Berlin, ßeipzigerstraße. 



71 





'Gustav Cords Berlin, ßeipzigerstraße. 



6. Sraun & Co., Berlin, linier den Linden. 



ii 




Jiermann Sietz, fBerlin, Leipziger straße. 



72 



73 



10 




3os Förster, Berlin, SJ^otsdamer fPlatz. 




^. Wertheim, S- "»• ^ -^ . Berlin, Leipzigerstraße. 



74 




Stam Strumpf -Spezialhaus, Serlin, ßeipzigerstraße. 




Sustav Cords, Berlin, jGeipzigerstraße. 



75 



10» 



Handschuhe im Schaufenster. 



Je kleiner der Artikel fürs Schaufenster, desto 
schwerer die Aufgabe für den Dekorateur, mit ihm 
eine große geschlossene Wirkung im Fenster zu er- 
zielen und zugleich dem Artikel in seiner Form und 
Qualität Ausdruck zu geben. Der Handschuh ist ein 
für den Dekorateur gefürchtetes Ausstellungsobjekt. 
Die Vielgliederung seiner Form soll gezeigt werden 
und er muß auch die Überschneidungen der Linien für 
die Gesamtwirkung des Fensters vertragen. In den 
kleinen Fenstern der Spezialgeschäfte ist durch ein sorg- 
sames Auslegen der einzelnen Handschuhpaare sehr 
leicht eine gute Linie gebracht, ohne das Hauptinteresse 
vom Handschuh abzulenken. Bei großen Schaufenstern 
mit Stapelaufbauten von Handschuhen besteht die Ge- 
fahr, durch die Monumentalwirkung der zusammenge- 
fügten Handschuhe die Wirkung der eigentlichen Hand- 
schuhform zu verlieren. In dergleichen Fenstern ist mög- 
lichst im Vordergrunde ein Raum zu schaffen, auf dem 
sich eine Fläche mit belegten Einzelpaaren aus der großen 
Masse heraushebt. Mit Hilfe einiger guter Farben- 
effekte als Untergrund, die auch als Trennung wirken 



dürfen, ist diese Wirkung zu erreichen. Die bekannten 
Handschuhattrappen mit Bandschleife auf dem Arm, sind 
nur als Einzelwirkung zu empfehlen. Wie fast jede Ware, 
hebt sich auch der Handschuh von einem Stoffunter- 
grunde am vorteilhaftesten ab. Zu den Stapelbauten 
verwendet man am besten Kistenaufbauten oder Podeste 
in verschiedenen Größen. Die Stoffuntergrunde er- 
leichtern bedeutend das Befestigen der Handschuhe, 
was auf Aufbauten von Glasplatten mit Schwierigkeiten 
verknüpft ist. 

Zur Belebung und Ausschmückung von Handschuh- 
fenstern stehen uns nur farbige Stoffe mit Kanten- 
verzierung und in sehr guter Einordnung auch Ge- 
schenkkasten zur Verfügung. Einen sehr feinen Effekt 
können in guter Linienführung angebrachte kleine 
farbige Preistafeln geben. Auch ein in gutem Plakat- 
stil gemaltes, etwas größeres Plakat, ist auf einem 
fein ausgesparten freien Raum im Fenster erlaubt 

Wie die Handschuhe befestigt und zur Gesamt- 
wirkung übereinander gelegt werden, ist nur durch 
praktisches Studium zu erlernen. 




Volle Stapelung von Handschuhen. 



76 




ß[. Wertheim, g. m. b. 3i., 'Berlin, Moritzplalz. 




Ji. Wertheim, Q. m. b. SK., Berlin, SRosenthalerstraße. 



77 




^. Wertheim, S f"- ^- ^ > Berlin, ßeipzigerstraße. 



Schuhwaren im Schaufenster. 

Ein im Charakter gleich ernste und einfache Auf- rateurs. Weiße Spitzendeciten sind als Unterlage für 
Stellung verlangen die Schuhwaren im Schaufenster. Schuhdecken streng zu meiden, abgesehen davon, 
Die übergroßen Schaufensterräume für Schuhwaren daß sie ihrer Bestimmung nach nicht unter die 
können wir fast als über- 
wundenen Standpunkt be- 
zeichnen. Die Architekten 
haben uns in den neueren 
Schuhgeschäften ausge- 
zeichnete Größenverhält- 
nisse für die Schuhschau- 
fenster geschaffen und den 
Dekorateur zur Beschrän- 
kunggezwungen. Einzelne 
sorgsam auf schönfarbige 
Stoffe gestellte Schuhe 
werden stets genügen, das 
Interesse des Publikums 
von der Leistungsfähigkeit 
des Geschäfts zu über- 
zeugen. Den Bau des 
Schuhes durch richtige 
Aufstellung klar zum Aus- 
druck zu bringen, ist die Schaufenster von Ludwig Bernhard, Serlin. 
Hauptaufgabe des Deko- 




'HERREN -STIEFEL -* SCHUHE 



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Mit Genehmigung des Deultchen Werkbundew. 



Für SchuhwarenhauM SlilUr, Berlin. 



78 



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Füße der Menschen gehören, ist das Material für Panoptische Effekte, ebenso wie Bandschleifendeko- 
Schuhwerk zu fein und die Unruhe des Materials rationen muß der Künstler für jede Art Schuhfenster 
störend für die Klarstellung der Kontur der Schuhe, vermeiden. 





79 



Damen -Wäsche im Schaufenster. 



~~ lie vornehmen Spezial-Wäschegeschäfte be- 

D weisen mit jedem Neubau, dessen Schau- 
fenster nur in geringen Höhen- und Tiefen- 
maßen gehalten sind, daß man auf eine 
Massendeicoration für Wäsche gern verzichten kann. 
Wir haben an anderer Stelle dieses Buches schon den 
Standpunkt vertreten, daß nicht das Viele, sondern 
das Wenige gut dargeboten, dem Publikum das 
beste Zeugnis von der Leistungsfähigkeit eines Ge- 
schäftshauses gibt. Wir wollen bei der Ausstellung 
von Wäsche, diesem überaus empfindlichen Artikel, 
besonders diesen Standpunkt betonen. Die gute Dar- 
bietung der Wäsche soll sich durch Sauberkeit und 
sorgsame Bügelung auszeichnen und jedes Wäsche- 
stück soll in voller Kontur gezeigt werden. Für das 
Auge der Frau ist jedes Fältchen, jede Art des 
Achselbändchens, jedes Spitzchen zu ergründen, wert- 
voll. Dem anspruchsvollen Auge der Frau gerecht zu 
werden, ist die Aufgabe des Dekorateurs. Es könnte 
scheinen, als seien die kleinen, einfach mit ein paar 
großen Glasplatten ausgestatteten Schaufenster leicht 
zu dekorieren. Das ist ein Irrtum. Wäsche gehört zu 
der Ware mit unregelmäßigen weichen Konturen, ihr 
Reiz liegt zum größten Teil in der Kontur, daraus 
ergibt sich die Forderung für den Dekorateur, die 
technische Kunst der Schaufensterdekoration hier 
besonders zu beherrschen. Das Ausprobieren einer 
Aufstellung von Wäscheartikeln in Fenster ist ausge- 
schlossen, die Sauberkeit der Ware würde leiden. 
Das Auge des Dekorateurs muß bei jedem Artikel 
sofort wissen, welche Aufstellung, welche Stütze, welche 
Stellage er verlangt. Die sehr luxuriöse Wäsche wird 
einzeln ausgelegt am vorteilhaftesten gezeigt, die zu 
ihrem Wert passenden Strümpfe und Strumpfbänder 



geben hübsche Ausschmückungsobjekte, die breiten 
geschliffenen Glasplatten sind zur Aufnahme solcher 
Dekoration nicht ungünstig; wertvoller und schöner 
ist eine Unterlage von feinem Stoff. Dieser bietet 
zugleich farbenfreudige Effekte. Die einfacheren 
Wäscheartikel dekoriert man weniger luxuriös, man 
kann, wie im Wäscheschrank, einige Artikel derselben 
Art sauber übereinander legen und darauf sozusagen 
ein Stück als Modell in aufgelöster Form zeigen. 
Diese Art Dekoration würde in großer Wiederholung 
sich auch für Stapelfenster eignen, wenn die Einfach- 
heit des Geschäfts nicht Stellagendekoration bean- 
sprucht. Diese Stellagen-Dekorationen können nie- 
mals die Wäsche gut präsentieren, man erreicht durch 
sie nur eine allgemeine Massenwirkung. Das Auf- 
hängen der Wäsche an Stellagen geschieht vermittelst 
kleiner Klammern, die möglichst durch die Ueber- 
schneidung der Wäschestücke verdeckt werden müssen. 
Unterröcke nehmen im Vergleich zu anderen Wäsche- 
artikeln einen bedeutend größeren Raum ein, es ist 
dieses bei der Komposition der Linien in Betracht zu 
ziehen Aus Strümpfen lassen sich sehr reizvolle 
Einzeldekorationen ausführen, die, besonders in Farbe 
gehalten, dem Fenster viel Abwechselung bieten. Mit 
der Beinattrappe für Strümpfe ist sehr dezent zu 
arbeiten. Sobald sie als realistische Darstellung einer 
Pose benutzt wird, wirkt sie undezent und ist dann 
dem Eindruck des Fensters schädlich. Eine Bein- 
attrappe, zu dessen oberen Abschluß einige zu- 
sammengelegte Strümpfe gelegt sind, wird dagegen 
nur den Eindruck einer sachhchen Vorführung des 
Strumpfes erwecken. Über panoptische Darstellungen 
im Schaufenster haben wir an anderer Stelle dieses 
Buches ausführlich gesprochen. 



80 




Sl. Wertheim, Q, m. b. 3i., 'Berlin, Leipziger straBe. 




31. Wertheim, Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerstraße. 



81 



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Damenwäsche-Dekoration mit abgegrenztem ^igurenbild. 




S. V. ^rünfeld, Serlin, Leipziger str aß e. 



82 




Stapeldekoration mit farbigen Sirumpteffekien. 




Sadearlikel -Dekoration mit abgegrenztem Sigurenbild. 3. "D. QrünUld, Serlin, ßeipzigentraße. 

83 



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6. Sraun & Co., Berlin, llnter den Linden. 





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5. fBraun & Co., Serlin, "Unter den Linden. 



84 






Tisch- und Bettwäsche im Schauienster und Weiße Woche. 




ieder p:anz andere Anforderungen als die 
Fensler mit Damen -Wäsche stellen die 
Schaufenster mit Tisch- und Bettwäsche 
an die Kunst des Dekorateurs. Sind es 
In jenen die unregelmäßigen Konturen, die schwierige 
Probleme zu lösen haben, so sind es in diesen die 
absolut scharfen und regelmäßigen Konturen, die der 
Ware ihren Reiz geben sollen. Eine peinliche Sauber- 
keit und Akkuratesse muß aus diesen Fenstern atmen. 
Hier sind es auch Einzelerscheinungen, die zur 
Wirkung gebracht werden sollen, aber die größte 
Schwierigkeit liegt hier in der Stapelung. Linien, wie 
mit dem Lineal gezogen, müssen bei der Stapelung 
von Tisch- und Bettwäsche durch das Schaufenster 
laufen und die Zwischenräume, die durch farbigen 
Unter- und Hintergrund farbige Reize bieten können, 
müssen wie die Linien der Ware beachtet werden. 
So viel Stapel auch voreinander aufgebaut werden, 
keiner von ihnen darf an Wirltung durcli Nachbar- 
schaft verlieren. Große und kleine Podeste mit 
farbigem Stoffbezug verhelfen solchen Stapelfenstern 
zu eindrucksvoller Wirkung. Küchenwäsche ist wie 
Bettwäsche im Aufbau zu behandeln. Die Ausstellung 
einzelner Decken kann nur auf Tischen in anwend- 
barer Gebrauchsweise geschehen oder auf Platten mit 
Stoffbezug. Für runde Decken sind runde Platten zu 
empfehlen, dieselben können frei aufgestellt oder an 
die Wand gehängt werden. Auch gedeckte Tische 
mit reichem Blumenschmuck sind für die Ausstellung 
besonders schöner Tischgedecke von großer Wirkung. 
Hierzu bedarf es aber größerer Fenster, deren Wände 
für die gleichzeitige Aufnahme anderer Ware aber 
nicht benutzt werden dürfen. 

Die weiße Woche. 

Wollte man alle Kunstaufbauten der „Weißen 
Woche" hier aufführen, so würde man glauben, wir 
wollten mit diesem Kapitel den Leser ins Märchenland 
führen. Pyramiden und Tempel, Säulengänge und 
Bogenbauten, auf deren Höhen Adler und Schwäne 
schützend ihre Schwingen ausbreiten, Nischen in allen 
Höhen, in denen schöne Wachsmädchen in Morgen- 
toiletten wie verzaubert stehen — alles das mußte 
man zur Zeit der weißen Woche in den Geschäfts- 



häusern — aus Wäschestapeln und vielen tausend 
Taschentüchern dargestellt, „erleben". Man muß es 
eigentlich gesehen haben, um es zu glauben, daß man 
so etwas „erleben" kann. Der Sinn der „Weißen 
Woche" ist wohl der, dem Publikum ungeheure Aus- 
wahl an allen möglichen Wäschearten zu präsentieren. 
Dieser großen Auswahl der vielen Wäschearten einen 
besonders reizvollen und reklameartigen Ausstellungs- 
charakter zu geben, ist ein berechtigter Wunsch der 
Geschäftshäuser. Wer hat nun aber die Ideen von 
Tempelbauten aus Wäschestücken geboren? Nicht 
nur in der kleinen Provinzstadt, wie man vermuten 
könnte, glaubt ein unterdrücktes Architektentalent end- 
lich mal Gelegenheit gefunden zu haben, sich auszu- 
toben — nein, auch im Zentrum der Großstadt von 
Berlin, im Zentrum aller kulturellen Geschmacks- 
beweguiig muß man alle Jahre diese Ungeheuerlich- 
keiten erblicken. Schon manche kritische Feder hat 
versucht auf die Sinnlosigkeit solcher Reklamemittel 
hinzuweisen, ist doch ein Publikum, das zum Wäsche- 
einkauf erscheint, wenig begeistert, die schöne Wäsche 
so vergewaltigt zu sehen, aber bis jetzt waren alle 
Kritiken vergeblich. Stellen wir erst einmal fest, daß 
dergleichen Bauten garnichts mit der Kunst von 
Warendekorationen zu tun haben, ein guter Dekorateur 
sich demnach weigern müßte Ware zu schlechten archi- 
tektonischen Gestaltungen aufzubauen. Ein guter Deko- 
rateur braucht mit seiner Phantasie nicht mausern gehen 
in anderen Künsten, seine Welt ist groß genug und 
schenkt ihm genug Möglichkeiten für jede Anforderung 
Ideen in dieser seiner Welt zu finden. Haben wir ia 
Deutschland nicht seit Jahren vorbildlich ausgestattete 
Ausstellungsräume geschaffen? Wo waren die Augen 
der Dekorateure, die dort nicht lernten? Gerade die 
großen Architekten wie Peter Behrens und Bruno Paul 
zeigten ihre Kunst in der Gestaltung von Räumen für 
Ausstellungsgegenstände aller Art in vornehmsten 
ruhigen Linien. Es war schon ein Hochgenuß diese 
Ausstellungsräume zu durchschreiten, weil sie alle 
Harmonien in einem zum Klingen brachten, man wurde 
freudig gestimmt, die Ausstellung zu schauen. 

Dieses Ausstcllungsprinzip ist das einzig würdige 
auch für die „Weiße Woche". Wir können erfreu- 
licherweise Abbildungen bringen, daß auch in Berlin 
dieses Prinzip schon in einem Warenhause befolgt wird. 



85 




Jl. Werlheim, ^. m. b. Ji., Berlin, ßeipzigerstraße. 




Sl' Wertheim, g. m.h. fK, Berlin, ßeipzigerstraße. 




3. V. Srünfeld. Berlin, ßeipzigerstraße. 




Spitzendecken -.Ausstellung. 



87 




^. Wertheim Q. m. b. 31., ^Berlin, ßeipzigersiraße. 




Stapeldekoration mit gedecktem Jisch in Farben der füecke. 



Handarbeiten, Spitzen und Weißwaren im Scliaufenster. 




er Gang durch ein Handarbeitsgeschäft oder 
durch das Handarbeitslager eines großen 
Warenhauses ist meistens Schwindel er- 
regend. Wir hören auch nur zu oft, daß 
die Dame, die unschlüssig zum Einkauf dort erschien, 
entweder unschlüssig wieder den Laden verließ, oder 
auch nicht selten etwas heimbrachte, das eigentlich 
nicht ihre Erwartung erfüllte. Die Erfahrung lehrte, 
daß die unendliche Fülle von Arbeitsmaterial, das teils 
durch unsachgemäße Innendekoration, teils durch das 
Umherliegen von nachbarlichen Verkäufen, auf die 
Käuferin lähmend gewirkt. Psychologisch ist dieser 
lähmende Vorgang in dem nicht ganz geschmacks- 
sicheren Menschenkinde sehr verständlich. Das viele 
Gute und weniger Gute, um nicht Schlechte zu sagen, 
wohnen in den Handarbeitsgeschäften leider recht nah 
bei einander. Aus der Phrase „das Publikum wünscht 
es so" haben wir wohl nur eine versteckte Geschmacks- 
unsicherheit des Geschäfts zu suchen. Wir müssen fest 
auf dem Standpunkt stehen, daß alle Geschäfte, die 
mit ihrer Ware das Feld des Geschmacks streifen, die 
kulturelle Aufgabe fühlen sollen, bildend auf das Publikum 
zu wirken, indem sie our geschmackvolle Ware in den 
Verkauf bringen, ob teuer oder billig. Glaubt das Ge- 
schäft diese Aufgabe nicht durch den Verkauf erfüllen 
zu können, so muß der Dekorateur desto ernster in 
sich die Aufgabe finden, durch Dekoration dieser ge- 
schmacklich so verschieden wertvollen Handarbeiten 
und mit dem dazu gehörenden Rohmaterial kulturell zu 
wirken. Formen und Farben des Handarbeitsmaterials 
werden ihm viel Dekorationsmöglichkeiten für ein 
Schaufenster bieten. Kann er sich an eine Art Aus- 
stellungsobjekt, wie Decken oder Kissen oder dergl., 
halten, so ist die Schwierigkeit, dieselben in Linien- 
und Farbenharmonie zu bringen, nicht so groß, wie 
die Bewältigung der verschiedenen Arten von Hand- 
arbeiten aller Größen und Formen und Qualitäten zu 
einer geschlossenen Wirkung. Die Einteilung von Haupt- 
und Nebenlinien, desgl. von Haupt- und Nebenfarben 
der Ware muß zuerst vorgenommen werden, darnach 
ist Hinter- und Untergrund zu wählen und die Raum- 
einteilung festzulegen. Für kleine Gegenstände sind 
Kistenaufbauten erforderlich. Selbstredend verlangt 
ein solches Fensler guten Stoff als Unterlage und je 
farbiger das Handarbeitsmaterial, desto ruhiger im Ton 
ist derselbe zu wählen. Zusammengehaltenes Roh- 



material, wie unverarbeitete Wollen und Seiden, können 
zur Verstärkung von Farbeneffekten prächtig nutzbar 
gemacht werden. 

Größte Vorsicht und feinstes Verständnis verlangt 
die Dekoration von Spitzen, Spitzenstoffen und Spitzen- 
decken. Je nach ihrem Wert und ihrer Eigenart ver- 
langen sie ihren Stil im Schaufenster durchgeführt 
Stil bedeutet hier nicht die Betonung der Ursprungs- 
länder der betreffenden Spitzen, wenn wir z. B. an 
Point de venise — Reticeila, Valenciennes, Tondem, 
Schlesien und Sachsen denken. Jede Spitze verlangt 
die Gemeinschaft eines bestimmten Stoffes, eine 
bestimmte Verarbeitung, will mit der Vereinigung 
eines bestimmten Schmuckes getragen werden. Als 
Gedeck ruft sie nach dem ihr verwandten 
Porzellan und Silber. Als Kissen verarbeitet, macht 
sie gleiche Ansprüche an ihre Umgebung. Wie viel 
wird In dieser Beziehung noch gesündigt, sieht man 
doch unter dem Schein luxuriöser Kronleuchter, wie auf 
der Straße, nur selten eine Spitze, einen Spitzenkragen, 
auf einem zu ihrem Stil gehörenden Stoff getragen. 
Man kann die stilvolle Anwendung von Spitzen erlernen, 
wie man die Bildhauerkunst und die Malerei erlernen 
kann, aber — nur dann, wenn das Schicksal den gött- 
lichen Funken zum Künstler in einen gelegt hat Ob 
der Dekorateur der Seele der edlen Spitze gerecht 
wird, hängt einzig allein von diesem Fünkchen ab. 
Wir können hier nur ernstlich den Dekorateuren den 
Rat erteilen, sich mit den verschiedenen Stilarten der 
Spitzenkunst zu beschäftigen und auf alten Bildern 
ihre vorbildliche stilvolle Verwendung zu studieren. 
Auch bieten unsere Museen und die Lipperheidesche 
Kunstsammlung im Kunstgewerbe-Museum das beste 
Lehrmaterial. 

Nach der edlen Spitze wollen wir an die Dekoration 
der bescheidenen Weißwaren denken. Jeder luxuriöse 
Aufwand wäre hier trotz Zartheit des Materials nicht 
passend. Was die Geschäfte der Weißwarenbranche 
zum Verkauf und damit ins Schaufenster bringen, ist 
vielseitig. Federboa, Tüllstoffe, Batiste, auch Imitationen 
von Spitzen sollen zart, appetitlich und reizvoll, aber 
nicht prunkvoll dekoriert werden. Die durchsichtigen 
Stoffe unteriegt man am besten mit Chiffon und erzielt, 
sobald dieser farbig gewählt, einen guten Farbeneffekt 
Kleine Artikel, wie Rüschen, Batistkragen und dergl. 
sind auf Ständer zu befestigen, die in beliebigen Höhen 

89 12 



( 



gehalten werden können. Auch 
diese Schaufenster mit den 
vielen kleinen und ungleich 
konturierten Artikeln müssen 
in Linie gehalten werden, es 
ist daher vorteilhaft, gleiche 
Artikel in Gruppen zusammen 
zu stellen und diese zu einer 
Einheit zu verbinden. Die vielen 
Artikel willkürlich nebenein- 
ander ausgelegt, werden Unruhe 
erzeugen und dem Fenster 
leicht einen ungeordneten Aus- 
druck verleihen. Fertige Perl- 
täschchen, auch Bänder und 
künstliche Blumen stehen dem 
Dekorateur zur Gewinnung 
von Farbenharmonien zur Ver- 
fügung. 




^. Wertheim, g.m.h.fK., Berlin. Mit Genehmigung dea deutschen Werkbundes. 

Stapelware, Stickereien in verschiedenen Starben. 





Dekoration für kunstgewerbliche Handarbeiten. 

Die Wände sind einfarbig grau gehalten. Der 
Fußboden und ein Aufbau im Hintergrunde sind 
schwarz bespannt. Kissen, Blusen, Decken usw. 
liegen zwanglos aus. Im Vordergrunde sind bunte 
Garne ausgelegt. 



Dekoration eines Schaukastens mit Handarbeiten. 

Der Schaukasten ist mit einem einfar- 
bigen, mitteldunklen Stoff bespannt. Eine 
reichgestickte Decke fällt von oben herab, 
liegt auf der Mittelglasplatte auf und fällt 
von da wieder herab. Zwei kleinere Decken, 
die eine an der Wand angeheftet, die andere von der 
Glasplatte herabfallend, bilden nebst einer Kaffee- 
wärmerpuppe, sowie einer Kindermütze und Perlen- 
schale die obere Etage. Von der Schale fallen nach 
unten gehend Perlenketten herab. Ein Sofakissen, ein 
Hutnadel - Ständer, ein gesticktes Bild sowie ein 
Toilettenkissen füllen den unteren Raum. 




Julius tBrühl Sohn, Berlin, Geiozigerstraße. 




Sus*av Cords, Serlin, ßeipzigerstrcße. 



91 



12* 




Sport und Reise im Schaufenster. 



Sl. Wertheim, Q. m. b. Si., fBerlin, SRosenthalerstraße. 



Dekoration von Handarbeiten und Kissen. 

Der Raum des Fensters wird durch eine aufgestellte, 
sonst nicht vorhandene Wand nischenartig ausgespart. 
Diese Nische sowie die übrige künstlich hergestellte 
Dekorationswand wird mit schwarzem Samt glatt 
bespannt und durch 

aufgebrachte 
scharfgrüne Holz- 
perlketten in 
Flächen und Kon- 
turierungen zerlegt. 
An den beiden 
inneren Seiten- 
wänden der Nische 

werden geraffte 
Gardinen in pas- 
sender grüner Farbe 

angebracht. 

Die vorhandenen 

Spiegelwände sind 

durch vorgespannte 

Chiffonbahnen 
in ihrer Spiegel- 
wirkung 
abgeschwächt. Auf 



dem Stufenpodest der Nische werden allerlei Hand- 
arbeiten, speziell Kissen mit modernen, bunten Stickereien 
über Dekorationsständern ausgelegt. Seitlich wird die 
Nische von anderen Handarbeiten, speziell Tischdecken 
von kleineren und größeren Formalen, flankiert. 




i» 



usgesprochene Sport- oder Reisefenster 

Averlangen einen sehr ausgeprägten Cha- 
rakter in der Dekoration. Die panop- 
°°°°°«^ tischen Darstellungen, die uns gemalte 
Hintergründe und Wachsmenschen mit verrenkten 
Gliedern vorführen, will ich als bald überv/unden 
bezeichnen. Die Sport-, wie die Ausstattungsgegen- 
stände für die Reise liefern sehr reiches Deko- 
rationsmaterial. 

Sport- und Reiseausstattung verlangen große 
Sachlichkeit in der Linie und Vermeidung aller 
süßlichen Farbeneffekte, nur der Tennissport allein 
gestattet den Damen liebliche Farben als seidene 
Schutzjacken. Dieses muß in allen Sport- und 
Reisefenstern vor allem zum Ausdruck kommen. 
Man vermeide möglichst Artikel der verschiedenen 
Sports in einem Fenster zu vereinen, der Charakter 
des Einzelnen ist dann zu wenig zur Geltung zu 
bringen. Rasen- und Wassersport z. B. vertragen 
sich schlecht in einem Fenster, desgleichen Luft- 
und Tennissport. Es gibt gewisse Dinge, die auch 
die Kunst des Dekorateurs nicht vereinigen kann. 
Sind nur wenig Requisiten für den einzelnen Sport 
vorhanden, so verkleinere man das Schaufenster, 
damit diese als Schaufensterfüllung genügen. Ein 
schneller Wechsel der Schaufensterdekoration ist 
hier günstiger für den Verkauf als eine stillose Aus- 
lage. Reisen wird man zu jeder Jahreszeit mit den- 
selben Koffern und Taschen, der Dekorateur kann 
durch Zuhilfenahme von Reisemäntel, Hut und 
dergleichen Modeartikel die jeweilige Jahreszeit 
aus dem Fenster sprechen lassen. Die Koffer in 
einer Farbe zu halten, ist für ein gutes Reiseschau- 
fenster erforderlich, auch die Qualitäten von Koffer 
und Taschen müssen gleichwertig sein. Bei Stapel- 
Dekorationen können natürlich viele Preislagen in 
verschiedenen Farben gezeigt werden. Reiseplaids 
sind als solche kenntlich im Fenster zu deko- 
rieren, als Hintergrund dürfen sie keinesfalls aus- 
genutzt werden. 



Motiv zur Dekoration für den 
Rasensport. 

Ein großes viereckiges Podium, mit schwarzem Samt 
beschlagen, steht an der Mittelwand, welche in Breite 
des Podiums ungefähr 1 Meter hoch, oben halbkreisförmig 
abgerundet und ebenfalls mit schwarzem Samt bespannt 
ist. Rings um diesen Halbkreis sind Rackets an der 




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Wand befestigt. Auf dem Podium ist eine Tennisbluse 
aufgestellt, daneben liegen Tennisstoffe, welche über das 
vor derh Podium aufgespannte Netz hinüberfallen und 
sich im Vordergrunde auf dem Boden ausbreiten. — Ein 
Rock, Rackets in ihren Pressen, Ballnetzständer, Schuhe, 
Bälle usw. vervollständigen die Dekoration. 




92 



93 




albert Siosenhain, fBerlin, ßeipzigerstraße. 




Rudolph & SRudolph, Berlin, ßeipzigerslraße. 



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im Schaufenster. 




ür die Schirm-Dekoration bedarf man be- 
sonderer Dekorationsutensilien. Der Deko- 
rateur ist absolut von diesen abhängig, da 
der Schirm gelegt nicht genügend zur 
Geltung kommt und das Anlehnen nur in einzelnen 
Fällen geschehen kann. 

Der Regenschirm, aufgerollt wie eine Stocklinie, 
kann nur durch stark eingehaltenen Rhythmus im Fenster 
zur Bildwirkung gelangen. Seine Qualität ist durch 
die Scheibe des Schaufensters schwer erkennbar, so 
wird der Dekorateur dem Fenster am besten durch 
interessante Linienführung eine Reklamewirkung geben. 
Mehr Reiz und Anregung gibt der Sonnenschirm für 
die Schaufensterdekoration. Wie der Sommerhut der 
Dame, haben die Sonnenschirme je nach ihrer Stoffart 
und Verarbeitung ihre feste Bestimmung. Der Deko- 
rateur muß diese kennen, um ihrer im Schaufenster 
gerecht werden -zu können. Eine zu duftige Aus- 
schmückung des Fensters für zu einfache Sonnen- 
schirme, würde diese ärmlich und primitiver wirken 
lassen, als wenn dieselben streng ihrer Eigenart nach 
als „einfache Schirme" in möglichst wenig luxuriöser 
Umgebung stehen. Die Verarbeitung der Schirme in 
ihrer Form spielt bei der Dekoration ebenfalls eine 
große Rolle. Schirme mit Volants schmücken das 
Fenster durch sich selbst mehr als Hartliniierte, 
sie verlangen auch mehr Raum. 
Es ist vorteilhaft, nur wenig 
Exemplare davon auszustellen 
und das Fenster mit hübschen 
Begleitobjekten, die zur Toilette 
einer eleganten Schirmträgerin 
gehören, zu füllen. Ein schöner 
Stoff, in den unsere Phantasie 
diese Schirmträgerin hüllen 
möchte, dazu Täschchen, Hand- 
schuh, alles dem Wert des 
Schirmes angemessen, wird den 
Eindruck des Stiles eines 
solchen Sonnenschirmes wesent- 
lich erhöhen. Fertige Roben, 
oder Figurinen in den Schau- 
fenstern aufzustellen, trägt die 
Gefahr, das Hauptaugenmerk 
des Passanten von den Schirmen 
fort zu ziehen. Eine Ausnahme 
würde gestattet sein durch eine 
Groteske als Darbietung, z. B. 



wenn der Schirm in voller Aufspannung von einer von 
ihm fast verdeckten Trägerin gezeigt würde. Unsere 
Phantasie müßte dann weiter spielen und das Fenster 
entweder durch grauen Chiffon, die Farbe des Regens, 
oder durch leuchtendes Gelb, die Farbe der Sonne, 
umziehen. Eine solche Groteske erlaubt im Fenster 
dann aber keine andere Verkaufsware. Daß jede 
Groteske im Schaufenster eine besonders künstlerische 
Hand verlangt, ist wohl selbstverständlich. 

Sonnen-, wie Regenschirme können in allen Höhen- 
lagen des Fensters angebracht werden, die flache Lage 
auf dem Boden des Schaufensters ist ungünstig. 



Dekoration von Schirmen und Stöcken. 

(Siehe untenstehende Abbildung.) 

Diese Artikel können in den meisten Fällen nicht 
frei hingestellt werden, sondern es gehören zur Aus- 
stellung dieser Gegenstände geeignete Dekorations- 
ständer, die an feste Formen gebunden sind. Über 
die untere Tragstange der Ständer sind Stöcke gelegt, 
mit den Griffen auf dem Boden. An der Rück- 
wand ist eine Sonne aus Schirmen gebildet, deren 
Strahlen (die Schirme) jedesmal auf die Preisbezeich- 
nung hinzeigen. 




95 







^ Wertheim, Q. m. b. 3i„ Serlin, ßeipzigerstraße. 



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3H. Wigdor, Striin, ßtipzigerstraße. 



Blumen und Früchte im Schaufenster. 




lumen und Früchte sind das schönste und 

fast das schwierigste Aussteliungsmaterial. 

Sprechen wir zuerst von den Blumen. 

Tausendfältige Farben liefern sie dem De- 
korateur. Wehe, wenn er die Kraft ihrer Gesetze 
nicht kennt, ihm wird es sonst schwerlich gelingen, 
anstatt ein buntes Durcheinander, eine reizvolle Farben- 
, harmonie zu bringen. Wir könnten annehmen, die 
Natur schenkt uns doch auch so vielfältige Blumen 
und Farben nebeneinander, und selten nur können wir 
sagen; dort schreckt uns eine Disharmonie; und im 
Schaufenster wirken dieselben Effekte der Blumen so 
ganz anders.? Hier sind zwei Faktoren ausschlaggebend. 
In der freien Natur zieht die Atmosphäre ihre Ver- 
bindung durch leichte Luftschleier, und zweitens ist 
, der begrenzte Raum im Schaufenster für den Ausgleich 
vieler Farben hindernd. 

Ein fester Farbenakkord im Fenster angeschlagen, 
gibt dem Dekorateur die beste Leitung für den Fluß 
guter Harmonien. Um diesen Akkord zu treffen, 
dürfen auch schöne Stoffe, Ketten, Bänder und Vasen 
ausgenutzt werden — natürlich mit Beschränkung. 
Aber die Farbenharmonie ist für ein Blumen-Schau- 
fenster ja nicht allein wichtig, fast höheren Wert trägt 
die Blume in ihrer versteckten Seele, deren Tiefe und 
Schönheit sie nur Auserwählten erschließt. Und diese 
Auserwählten sind diejenigen, die die Blumen lieben 
und pflegen, und die ohne sie nicht leben können. 
Jede Blume ist wie ein Mensch, sanft, geschmeidig, 
gutherzig, oder auch stör- 
risch, hart, trotzig oder 
bösartig und sie kann noch 
viele andere menschliche 
Eigenarten verraten. Und 
wie ein Mensch macht sie 
Ansprüche auf ihren be- 
stimmten Raum, Behand- 
lung und Umgebung. Wie 
unmöglich ist es, eine Lilie 
in einem derben Steinkrug 
oder eine Wasserrose in 
eine Porzellanschale zu 
stecken. Die Rose ruft 
nach dem edelsten Kristall, 
die Orchidee nach extra- 
vagantem Kunstglas. Haben 
wir all das nicht zur Ver- 
fügung, dann ist es ein 
Verbrechen, ein Blumen- 
fenster dekorieren zu 



wollen. Ob wir Massen von Blumen zum Verkauf an- 
bieten sollen oder bescheidene Mengen, wird der Baa 
des Schaufensters bestimmen. Die Massen müssen uns 
zu großen Flächenwirkungen führen. Die Schaufenster 
mit kleinen Blumenmengen werden wir durch kleine 
poetische Reize zur Schönheit zu bringen haben. 

Die künstliche Blume darf den Anspruch an solch 
poetische Ausgestaltung nicht machen. Sie hat ja nur 
eine imitierte Seele und das muß das Schaufenster 
auch verkünden. Sachliche Bescheidenheit ist hier die 
Parole für ihre Dekoration. 

Die Früchte im Schaufenster können für ihre 
Darbietung mannigfache Ausdrucksformen verlangen. 

In Massen zum Verkauf geboten, bringen wir sie 
in Kiepen und auf großen, aus Weiden geflochtenen 
Platten, verziert mit frischem Grün und kräftig ge- 
färbtem Untergrund zur Aufstellung. Zum Geschenk 
bestimmt, zum sogenannten Geschenkkorb ausge- 
schmückt, verlieren die Früchte ein Teil ihrer Wirkung 
als solche, der Geschenkkorb im Ganzen gibt den 
Akkord des Fensters an für den Aufbau. Die Farben 
der Früchte bestimmen aber stets den Klang der 
Farben im Fenster. Solchem Geschenkkorb-Fenster 
gibt man einen festlichen Charakter. 

Sollen beide der eben genannten Ideen in einem 
Fenster vereinigt werden, muß auf alle Fälle eine gute 
Teilung des Raumes, durch Ausbau eines Mittelstöckes 
oder durch Vorbau geschaffen werden, auf dem dann 
eine der Ideen abgesondert zur Wirkung kommt. 




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Schaufenster von Schülern der 



97 



höheren 3)ekorations-Schule Berlin. 

iiU Genehmigung de* dmttchen W»Hkkmmin. 

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SKerm. SRothe, ^Berlin, llnter den ßinden. (frische 'Blumen.) 




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^. Wertheim, Q. m. b. 3i., ^Berlin, Leipziger straRe. (^Künstliche Slumen.) 

98 





^. Wertheim. §. m. b. 3i., Berlin, Leipzigerstraße (SKünstliche Slumen.J 



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3f(erm. SRothe, Berlin, 'Unter den ßinden. (Syrische Blumen) 



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13» 






Kunstgewerbe im Schaufenster. 



Ein starkes Gefühl für Materialstil ist für eine 
Dekoration von kfinstlerischen Gegenständen abso- 
lute Vorbedingung. Die Hintergründe für Marmor, 
Broncen, feine Porzellane, Kristall, Gold und Silber zu 



bestimmen, ist sehr schwer, wie schon gesagt, nicht 
nur Kontur und Farbe bestimmen allein die Wahl des 
Hinter- und Untergrundes, sondern auch der Stil und 
Wert des Kunstgegenstandes sind maßgebend. 



s ist eine oft ausgesprochene, aber irrige 

E Ansicht, das Kunstgewerbe dekoriere sich 
durch sich selbst, — weil es aus Kunst- 
gegenständen bestände und jedes Aus- 
stellungsstück an sich schön sei! Könnten wir diese 
Ansicht teilen, so müßten wir den Blumen das gleiche 
Recht zuerkennen. Es ist richtiger zu sagen : je 
edler der Gegenstand, desto schwieriger seine Auf- 
stellung zu einer künstlerischen Schaufensterwirkung. 
Wir müssen den Standpunkt, wie schon oft in diesem 
Buch betont, vertreten, daß wir durch das Schau- 
fenster geschmackbildend wirken wollen. Alle billigen 
Effekte, die bekanntlich leicht erreicht sind, wollen 
wir vermeiden. 

Die kunstgewerblichen Gegenstände, zum größten 
Teil bestimmt, der Ausschmückung eines Raumes zu 
dienen, sind äußerst empfindsam für ihre Umgebung. 
Liegt ihre Schönheit in der Farbe, so will diese nicht 
durch zu scharfe Kontraste gereizt, aber auch nicht 
unterdrückt werden, liegt in der Silhouette ihre Schön- 
heit, so gebietet diese besondere Beachtung. Mit 
diesen Anforderungen tritt jeder Kunstgewerbegegen- 
stand an uns heran, wollen wir ihn ins Schaufenster 
stellen. Aber diese Anforderung zu erfüllen, würde 
den Ansprüchen auch nicht kunstvoller Gegenstände 
nicht übersteigen. Wir haben jedoch in jedem kunst- 
atmenden Gegenstand einen Stil zu suchen und ihm 




SL Wertheim, Q. m. h. 3i., 'Berlin. Mit Genehmigung des deutschen Werkbundes 

SKunstgewerbliche gegenstände, verschieden in Material und ^röße. 

100 



vor allem gerecht zu werden, — das ist die größte 
Hauptsache. Dem Kaufmann sollte es nicht gleich- 
giltig sein, welche Auslese der Dekorateur für das 
Schaufenster unter seinen kunstgewerblichen Gegen- 
ständen macht; besser die Auslese ist klein und gut 
sortiert, als groß und ungeschickt gewählt. Als letzteres 
würden wir z. B. bezeichnen eine Zusammenstellung 
von Fayencen mit chinesischem Porzellan, von 
Marmor -Statuetten mit figürlichen Porzellangruppen 
und dergleichen mehr. Jedes dieser angeführten 
Kunstgegenstände würde zu einem anderen Platz, 
wenn nicht zu einem ganz anderen Raum im Schau- 
fenster — wie in einem Wohnraum — drängen, jedes 
Postament, jedes Möbel, jede Wandbekleidung muß 
bei seiner Aufstellung zu ihm gestimmt sein. 

Wir müssen streng unterscheiden zwischen Luxus- 
oder Gebrauchsgegenstand, — dieselben in einem 
Fenster zu vereinen, ist nicht vorteilhaft. Die Luxus- 
gegenstände geben uns eine große Freiheit für die 
prunkhafte Ausgestaltung des Fensters und gerade alle 
Waren mit großen Kunstwerten dürfen uns zu den 
extravagantesten Ausschmtickungsideen anregen. 
Gebrauchsartikel sind, auch wenn sie als Kunst- 
handwerk gestempelt sind, nur für einfachere Aus- 
schmückung im Fenster prädestiniert. Eine zu große 
Auswahl zu dekorieren ist auch für letztere zu 
vermeiden. 

Zum Kunstgewerbe ge- 
hören bekanntlich nicht 
nur harte Gegenstände, 
sondern auch Malereien, 
Nadelarbeiten, Spitzen und 
dergleichen Artikel. Jede 
dieser Waren hat ihren 
eigenen Charakter und 
vertragen sich auch nicht 
immer'zu einer Dekoration 
vereint. Es gibt grobe 
Malereien z. B., deren Nähe 
eine zarte Spitze in der 
Wirkung schädigen würden 
und andere feine Malereien, 
wie sie jetzt zu schönen 
Frauentoiletten verwandt 
werden, würden mit der 
Spitze vereint, oft be- 
sonders reizvolle Dekora- 
tionen bringen. 



Aufbau zu einem Fenster für Kunstporzellan. • 

Ein Versatzstück von zirka * . bis * 4 Meter Tiefe, kreisförmig gebaut ist und fünf kleine Nischen zeigt — 
dessen Seitenwände im stumpfen Winkel stehen, und Der ganze architektonische Aufbau sowie die Wände sind 
in dem sich an der Vorderseite eine Nische befindet, aus dunkel gebeiztem Holz hergestellt. Der Fußboden. 




ist in der Mitte an der Rückwand des Schaufensters 
aufgestellt. Von beiden Seiten ziehen sich Wände 
schräg auf das Mittelstück zu. In die Nische hinein 
ist ein Podium geschoben, dessen Vorderseite halb- 



die zwei kleinen Podien rechts und links, sowie das 
Innere der großen und der fünf kleinen Nischen wird mit 
schwarzem Sammet ausgeschlagen, wodurch die aus- 
gestellten Gegenstände zu größerer Wirkung gelangen. 



Dekoration für Glas und Kunstgegenstände. 



(Zur Abbildung auf Seite 102.) 



Vier Podienbänke, zwei rechts, zwei links, ziehen 
sich von der Mitte der Rückwand nach vorn nach 
beiden Seiten des Schaufensters hin. Auf den größeren, 
hinteren Podien, rechts und links, sind zwei Versatz- 
stücke, Nischen vorstellend, aufgestellt, welche durch 
eine schmale Wand, vor welcher ein kleines Podium 



mit Lampe steht, miteinander verbunden sind. Dn 
moderner Teetisch mit Service und einem Dekorations- 
schal, auf dessen Ende am Fußboden Vasen {gestellt 
sind, nimmt die Mitte des Raumes ein. Glas, Porzellan 
und Kunstgegenstände sind in gefälliger Anordnung 
auf den Podien und in den Nischen verteilt 



101 




2i2)eÄora/io/i für Sias und fKunstgegenttände. (Jext S. 101.) 





3i. Wertheim. g.m. h. 3i., Serlin, ßeipzigerstraße. 



Dekoration von kunstgewerblichen Artikeln. 



102 



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3)ekoration von kleinen und großen SKunstgegenständen. 



103 



1 




3Canslgewerhe-^ekoralion in japanischem Stil 





Sl. 'Wertheim, g.m.b.Si., Berlin, ßeipzigerstraße. 




Sl. Wertheim Q. m. b. 3i., 'Berlin, ßeipzigerslraße. 



gastao Cords, Berlin. (Zur Osterzeit.) 



104 



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S^riedmann & Weher, SHohenzoUern-SKunstgewerbehaus, Berlin, Leipziger straße. 



Jriedmann & Weber, 

SHohenzoUern- 
3(unstgewerbehaus, 




Berlin, 
Leipziger Straße. 



106 



Porzellan-, Kristall- und Galanteriewaren im Schaufenster. 



etrachten wir mit liebendem Auge das Por- 
VJ zelian, so werden wir nicht einfach erklären, 
-■-^ das Porzellan ist „weiß". Wie der Schnee 
"""""^ für den Maler nie weiß ist, so sieht der 
Porzellan-Liebhaber in dem „Weiß" des Porzellan un- 
endlich viele Farbspiele, die auf den Laien nur unbewußt 
ihre Wirkung ausüben. In der „Farbe" des weißen 
Porzellans liegt ein Teil seines Reizes. Den zu erkennen 
und im Schaufenster zur Geltung zu bringen, ist Auf- 
gabe des Dekorateurs. Die Kraft der Komplementär- 
farben spielt bei dem „Weiß" des Porzellans, das ja, 
wie eben gesagt, nicht weiß, sondern farbig ist, eine 
sehr große Rolle. Nehmen wir an, ein Porzellan-Service 
läuft in seiner Tönung dem grün zu, so wird man mit 
roten Effekten In seiner Nähe (sei es Hinter— Untergrund 
oder Tischdekoration) sehr vorsichtig sein müssen, 
weil sonst der grünliche Ton, der in geringem Tonwert 
vielleicht schön ist, in großer Tonsteigerung das Por- 
zellan-Service verunschönen wird. Dasselbe Experiment 
können wir mit gelblichem Porzellan machen. Violett 
— die Komplementärfarbe zu gelb, würde dieses 
gelblich getönte Porzellan zu einer schweren gelben 
Wirkung treiben. Wählen wir neutrale Töne wie grau 
als Unterlage zu weißem Porzellan, so erleben wir 
ebenfalls Komplementärwirkung, wenn auch in ge- 
schwächtem Maße. Es gibt kein farbloses Grau, — 
wie beim Weiß spielen Farben in seinem Klang mit. 
Wir sprechen im Leben auch schon von Taubengrau, 
Nebelgrau, Gewittergrau, Regengrau, Staubgrau, Stein- 
grau usw. Auch der Tonwerl der Farbe ist bei der 
Wahl des Untergrundes für Porzellan wichtig. Ein 
helles Grau wird im allgemeinen vorteilhafter zum 
Porzellan stehen, als ein dunkleres Grau, aber man 



kann wegen der Verschiedenart des Porzellans keine 
Grundsätze festlegen. 

Für die Dekoration der Kristallwaren lassen 
sich einige feste Grundsätze aufstellen. Da die Schönheit 
des Kristalls in seiner brillantierenden Lichtwirkung 
besteht und diese nur durch Zuführung von starken 
Lichtquellen zu ermöglichen ist, so werden wir das 
beste Mittel, um diesen Zweck zu erreichen, in reicher 
Spiegelung finden. Kristallware auf schön geschliffene 
Spiegelplatten gestellt, inmitten eines Spiegelraumes 
(Schaufenster mit Spiegelwände) wird eine ungeheure 
Wertsteigerung des Kristalls für das Auge ermög- 
lichen. Blumen, frisches Grün und Früchte sind in 
Kristallschalen gefüllt, oder als Girlandenschmuck 
als Farbeneffekte, für die Ausschmückung eines 
Kristall -Schaufensters sehr schön durch ihre male- 
rische Wirkung. 

Die Galanterie-'Waren mit ihrer Materialkorapo- 
sition von Silber mit Glas, Porzellan mit Glas. Kupfer 
mit Glas usw., müssen in fein sortierten Gruppen zur 
Aufstellung im Schaufenster kommen und der Hinter- 
grund wäre nach den am stärksten wirkenden Gegen- 
ständen vor allem passend zu wählen. Ein sehr 
ruhiger, einfarbiger Hintergrund ist wegen der Viel- 
fältigkeit dieser Waren unbedingt notwendig. Glas- 
plattenstellagen sind hier erlaubt, aber ein mit Stoff 
überzogener Kistenaufbau ist zur Aufnahme dieser Waren 
weit vorzuziehen. Das Unterstellen der Glasplatte 
mit Ware wird dadurch auch vermieden. Wie die 
Einordnung der vielen verschiedenen Konturen der 
Waren zu einer geschlossenen Wirkung erreicht werden 
kann, findet der Leser in den Abbildungen dieses Buches 
und in den Ausführungen im Kapitel „Stapelfenster'*. 




SHermann Sietz, Serlin, Leipzigerstraße. 



107 



14« 




^, Wertheim, Q. m. b. 3i., fBerlin, ßeipzigerstraße. 




Sl. Wertheim, Q. m. b. 5i.. fBerlin, ßeipzigerstraße. 




^ * 




3*orzellanSlufbau mit stark ausgeprägter Süitte. 



108 



3*. SRoddatz & Co., Berlin, ßeipzigerstraße. (O^orzellan-SKleinkunst.) 

109 




^. Wertheinu Q. w. h. Di , 'Berlin, ßeipzigerstraße. 




SHermann Sietz, Berlin, ßeipzigerstraße. 



110 




(febr. SHofchen. Berlin, Jerusalemerstraße. 




Sl. Wertheim, §. m. b. 3i., Berlin, ßeipzigerstraße. 



111 



I 



Bücher im Schaufenster. 



ie Dekoration von Büchern im Schaufenster 

D erfordert fast dieselbe Kunst wie das Kunst- 
gewerbe. Durch die große Verschiedenheit 
der Buchumschläge in Farbe und Material 
und der größere Wertunterschied der inneren wie 
äußeren Ausstattungen der Bücher, ist ein Aufbau der- 
selben nur durch das große Verständnis für diese 
Werte zu leiten. Wenn der Wert des Buches es zu- 
läßt, ist eine Gruppenblldung für die Geschlossenheit 
des Gesamtbildes stets vorteilhaft. Sollen nur wert- 
volle Einzelvvcrke zur Auslage kommen, verlangen diese 
eine Isolierung im Raum — jedenfalls eine Trennung 
von anderen Werken von weniger hohem Werte. Als 
Hintergrund sind ruhige, wie auch belebte Stoffe zu 
nehmen, wie der Charakter der Bücher es zuläßt. 
Wir sahen für die Buchhandlungen schon ausgezeich- 
nete architektonisch ausgebaute Schaufenster. Sie sind 
meistens nur klein gehalten und für den Beschauer 
sehr bequem in Augenhöhe gebracht. Die Tiefe ist 
auch nur gering und die Beleuchtung so günstig dem 
Gesichtsfeld des Beschauers verborgen, daß dieser 
sich wie unter einer Schreibtischlampe sitzend, fühlen 
könnte. Unwillkürlich überkommt dem Beschauer bei 
einem solchen Fenster eine große Ruhe, die zum Be- 
trachten von Büchern ja so notwendig ist. Die Mög- 
lichkeit, das Schaufenster ganz auf die Inhaltsnote der 
Bücher zu stimmen, wird wohl einem Dekorateur 
selten geboten werden, denn es würde für ihn eine 
große Literatur-Kenntnis erfordern. Einzelne dicke 
Bände wissenschaftlicher Bücher sind ja leicht durch 
das Symbol der Klug- 



heit „die Eule" sinnvoll 
zu dekorieren, es würde 
auch reizvoll sein. Bü- 
cherpoetischen Inhaltes 
mit poetischem Reiz zu 
umgeben. Ein schönes 
Plakat, gut In das Fen- 
ster komponiert, kann 
zur Verstärkung des 
Eindrucks bestimmter 
Bücher sehr beitragen. 
Auch ein gutes Bild ist 
erlaubt, sobald es in 
Beziehung zu den aus- 
gestellten Büchern steht. 




Sntitteldekoration für ein Sücherschaufensier. 

112 



Um an einem Beispiel dieses zu erläutern: Sollen nur 
Märchenbücher zur Ausstellung in das Schaufenster 
kommen, könnte man durch eins der bekannten Bilder 
„Die Märchenerzählerin", gut in das Fenster komponiert, 
einen Hinweis auf den Charakter der Bücher geben. 
Die Illustrationen solcher Bücher in Sicht gebracht, 
kann auch schon genügen, die Passanten für die 
Bücher zu interessieren. Eine ungeheure Akkuratesse 
ist für jedes Bücherfenster erforderlich. Wenig gute 
Stoffe als Hinter- oder Untergrund für Bücher-Schau- 
fenster zu nehmen, würde sofort den Eindruck von 
Unsauberkeit und Unsorgsamkeit des Geschäftsbetriebes 
bei dem Passanten hinterlassen. Auf die Überschnei- 
dung der Linien im Bücherfenster ist noch hinzuweisen, 
jedes Buch muß erkennbar sein, wenn möglich in 
seinem ganzen Umfang. Bücher in drapierte Stoffe 
zu legen ist nur gestattet, wenn ein ganz besonders 
wertvolles Werk gezeigt werden soll. Der Stoff, der 
mit diesem Werk in Verbindung gebracht wird, hat 
dem Wert und dem Charakter des Buches zu ent- 
sprechen. Ein Werk über Kirchengeschichte oder ein 
kostbar ausgestattetes Buch mit einem schönen antiken 
Kirchenstoff vereint, wird stets wirksam sein. 

Mitteldekoration für ein Bücherschaulenster. 

An der Rückwand bauen sich drei halbkreis- 
förmige, mit schwarzem Samt bezogene Podien auf, 
von welchen das unterste das größte, das oberste das 
kleinste ist. Um das unterste Podium sind Bücher in 
gleicher Größe mit dem Rücken nach außen ge- 
stellt. Die Bücherreihe 



des zweiten Podiums 
zeigt die breite Vor- 
derseite der Bände, 
während das dritte Po- 
dium, seiner geringeren 
Höhe entsprechend, von 
einem Kranz kleinerer 
Bücher, wieder mit dem 
Rücken nach außen, 
umgeben ist. Als Krö- 
nung des Ganzen dient 
eine ausgestopfte Eule, 
welche von zwei mäch- 
tigen Folianten herab- 
sieht. 




Slxel Bankers, Berlin, 3'olsdamerstraße. 

Eine Gardine aus lebhaftem, buntem Stoffe zieht 
sich über die Hälfte des Fensters, an einer Gardinen- 
stange befestigt. Drei verschieden große Podien mit 



Ständer, welcher ein aufgeschlagenes Buch hält, davor 
ein großes, aufgeschlagenes Buch. Verschiedene offene 
und geschlossene Bücher liegen auf dem Boden um- 






Y 




schwarzem Stoffe beschlagen und ein kleines, worauf her. — Der Hintergrund muß mit einfarbigem, zur 
der Globus steht, sind an der freien Seite aufgebaut Gardine passenden, nicht schwarzem Stoffe aus- 
und darauf Bücher gestellt. Vor der Gardine ein kleiner geschlagen sein, ebenso der Fußboden. 

113 15 




SHermann Sielz. ^Berlin, ßeipzigerstraße. 




3)er Nachladen 3Kurfürstendamm, Sl. Junker, Serlin, SKurfürstendamm. 



IM 



Inventur-, Saison-, Total -Ausverkaufs- und 

Weihnachts-Schaufenster- 



ie große Konkurrenz, der die Geschäftswelt 
ausgesetzt ist, wurde für die Schaufenster- 
kunst eine große treibende Kraft. Ist der 
^'«^ °°°°°° i Geschäftsmann schon auf die tägliche 
Lockung guter Schaufenster angewiesen, um das ver- 
wöhnte Publikum zu fesseln, so ist diese in der Zeit der 
großen Saison- und Inventur-Verkäufe besonders wichtig 
geworden. Die praktische Hausfrau versucht ihre Ein- 
käufe möglichst bis zu den Inventur-Ausverkäufen zu 
verschieben und die Modedame wartet auf die Saison- 
Ausstellungen ganz gewohnheitsgemäß, ehe sie ihre 
großen oder kleinen Einkaufspläne abschließt. Die 
Landfrau, die trotz ihrer Abgeschlossenheit oft nicht 
weniger Modeluxus treibt, als die Weltdame der großen 
Stadt, wartet mit ihren Einkaufsreisen zur Großstadt 
auch bis die Ankündigungen der Ausstellungen erfolgt 
sind. Das alles ist dem Geschäftsmann wohl bekannt 
und er scheut deshalb selten große Opfer, die Schau- 
stellungen zu diesen großen Verkäufen so verlockend 
wie möglich zu machen. 

Die Dekorateure haben die Opfer des Geschäftes 
für diese Schaustellungen aber oft mißverstanden aus- 
genutzt. Wie der Ruf zu den Schaufenster -Wettbe- 
werben den Dekorateur aufs Glatteis ruft, so geschieht 
es bei jeder besonderen Veranstaltung im Schau- 
fenster. Etwas besonderes soll und will der Dekora- 
teur bei diesen Gelegenheiten leisten und dieses Be- 
sondere soll seine Phantasie hervorbringen. In diesem 
Buch ist in dem Kapitel „Phantasie im Schaufenster" 
erläutert, was wir unter „Phantasie im Schaufenster" 
zu verstehen haben und welch großes Verkennen dieser 
Worte z. B. aus den üblichen Monumentalbauten der 
„Weißen Woche", aus den panoptischen Romanauf- 
führungen in den Ausstellungsfenstern sprechen. 

Der deutsche Werkbund hat in den letzten 
Jahren uns so hervorragende Ausstellungsmöglich- 
keiten erleben lassen, daß wir uns von diesen 
Ausstellungsbauten nicht oft genug Belehrung holen 
können. Wenn der Ausstattung für Innenräume 
auch andere Gesetze vorgeschrieben sind, wie der 
Schaufensterkunst, so treffen sich doch die Grund- 
forderungen für beide Ausstellungsarten in der un- 
bedingten Beachtung der Sachlichkeit einer Waren- 
dekoration. Jede Ausstellung, in der eine Ware zur 
Darstellung einer Idee vergewaltigt ist, ist als solche 
wertlos. Imponiert sie einerseits dem Publikum durch 
überraschende Effekte, so wird sie anderseits Mißfallen 



erregen wegen Mißachtung der Ware, die beschmutzt 
und ruiniert in irgend einer Form doch dem Publikum 
wieder zum Verkauf einmal angeboten wird — wenigstens 
glaubt dieses das Publikum. 

Von der Unschönheit und Stillosigkeit der archi- 
tektonischen Monumentalbauten wollen wir nicht einmal 
reden. Auch große Verstöße gegen das Taktgefühl 
erleben wir in diesen Sonder-Schaustellungen der Ware 
Amerika hat wohl darin den Gipfel der Geschmack- 
losigkeit erreicht, indem es lebende Bilder ins Schau- 
fenster als Modevorführungen brachte. Wir können 
dort im Schaufenster alle Toilettengeheimnisse einer 
schönen Frau erfahren, denn die lebenden Probier- 
damen müssen sich im Schaufenster vor aller Augen 
entkleiden und sich in immer neue Gewänder hüllen. 
Wir wollen sehr hoffen, daß wir in Deutschland der- 
gleichen Geschmacksverirrungen nie zu bekämpfen 
haben. 

Wir haben verschiedene Arten von Ausstellungen 
zu besprechen. Die Inventur- und Ausverkaufsschan- 
fenster fallen in die Kategorie der Stapelfenster, die 
in diesem Buch in einem Kapitel extra besprochen 
sind. Zu erwähnen wäre nur noch die Ausnutzung 
guter Reklame- Plakate für Inventurverkäufe. Erste Be- 
dingung wäre die gute Einfügung des Plakates in den 
Schaufensterraum zwischen die Ware. Das Plakat muA 
mit in das Bild komponiert sein; es darf weder die 
Ware erdrücken, noch darf die Ware das Plakat be- 
rühren. Farbe und Schrift des Plakates hat den Stil 
der Ware zu tragen. Die Saison-Ausstellangsscluui- 
fenster, ob sie Konfektion oder Porzellan anzeigen, 
bringt man als Totaleindruck am besten in Reklame- 
wirkung und dieses ist folgendermaßen zu erreichen. 
Der äußere Rahmen einer längeren Schaufensterreihe 
ist möglichst einheitlich zu gestalten, damit von weitem 
eine Sonderschaustellung zu erkennen ist Durch 
Stoffbehänge oder Rahmenvorbau ist dergleichen zu 
bewerkstelligen. Ob diese in ihrer Wirkungskraft mit 
in die Komposition des Schaufensterbildes gezogen 
werden können, oder nur als neutraler Rahmen wirken 
müssen, ist von der auszustellenden Ware abhängig. Die 
Wahl einer einheitlichen Umrahmung für viele ver- 
schiedene Gattungen Schaufenster ist nicht ganz ein- 
fach, denn die Umrahmung darf nicht langweilig sein 
und muß zugleich eine reiche dekorative Wirkung 
im inneren Schaufenster gestatten. Die noch oft ge- 
pflegte Sitte, große Plakate an die Schaufenster zu 

15 IS* 



( 



kleben, ist zu bekämpfen, diese beeinträchtigen zu 
sehr die Wirkung der Ware im Fenster. Die großen 
Warenhäuser tragen architektonisch eingefügte Plakat- 
tafeln in der Schaufensterfront und diese zurzeit großer 
Verkäufe mit schönen Plakaten zu schmücken, ist von 
großem Reiz für die Gesamtreklame der Ausstellungs- 
verkäufe. Für Spezialgeschäfte ist die Ausnutzung von 
Straßenplakaten sehr erschwert, da selten die Archi- 
tektur Plakattafeln für diese Geschäftshäuser vorge- 
sehen hat. Es wäre da nur zu raten, oberhalb des 
Schaufensters, eventuell in ganzer Breite des Fensters, 
oder als Fußleiste des Schaufensters ein Plakat (dieses 
kann auf Holz, Blech oder Pappe gemalt sein) im 
vornehmen Stil anzubringen. Um dieses Plakat in 
Beziehung zu der Schaufensterdekoration zu bringen, 
sind kleine Preistafeln in der Farbe des Plakates im 
Fenster zu verwenden. Werden diese kleinen farbigen 
Preistafeln im Schaufenster in guter Linienführung ange- 



bracht, so können sie sogar zur Verschönerung eines 
Fensters sehr beitragen. 

Starke Beleuchtungseffekte zu Reklamezwecken 
für die großen Verkäufe zu verwenden, können mit 
großem Geschmack angebracht, vom geschäftlichen, 
wie vom künstlerischen Standpunkt vorteilhaft sein. 
Ist der Beleuchtungseffekt mit der Ware so zu verein- 
baren, daß derselbe aus dem Schaufenster selbst 
dringen kann, so ist acht zu geben, daß das Auge 
des Beschauers nicht für die Ware geblendet wird. 
Die Lichtreklame in den Straßen bedarf noch großer 
Reform. Eine schöne durchleuchtete Schrift, oder ein 
schön gezeichnetes leuchtendes Symbol wird stets den 
Passanten angenehm berühren und sein Interesse 
wecken. Wir dürfen gewiß sein, in jedem Menschen 
wohnt im Unterbewußtsein eine Empfindung für alles 
Schöne, die Reklame sollte mit dieser Tatsache mehr 
spekulieren. 



Weihnachtsschaufenster. 




k 



Die eigentlichen Weihnachtsschaufenster, d. h. die 
Fenster, die uns die Weihnachtsstimmung bringen, 
haben mit den Weihnachtsverkaufsfenstern eigentlich 
nichts zu tun. Die Verkaufsfenster der schönen Weih- 
nachtsgeschenke fallen zum größten Teil in die Kate- 
gorie der Ausstellungsfenster, von denen wir soeben 
gesagt haben, daß ein einheitlicher Rahmen den Aus- 
stellungscharakter am besten kennzeichnet. Diesen 
Rahmen in einen weihnachtlichen Stil zu bringen, ist 
wohl selbstverständlich und nicht schwer. 

Wir wollen uns hier für die Weihnachtsschaufenster 
als „die Stimmungsmacher" interessieren. 

Viele Wochen vor dem Weihnachtsfest leuchten 
aus den Theaternachrichten die Ankündigung der 
„Märchenspiele". Es muß wohl eine Tradition der 
Kinderwünsche diese selbstverständliche Wiederkehr 
der Märchenspiele fordern, wir genießen sie als Vor- 
boten des Freudenfestes alle Jahre, und fragen nicht 
weiter, woher die Sitte kommt. Ganz heimlich haben 
sich die Märchenspiele nun aber auch als Weihnachts- 
vorboten in die Schaufenster geschlichen, und das 
Schaufenster wird dadurch zeitweise eine kleine Bühne. 
Wir wollen diese Märchenfenster auch nicht Schau- 
fensterdekoration nennen, sie sind wirkliche kleine 
Bühnenwerke. 

Der Kaufmann bringt diese Art Schaufenster aber 
nicht zum Verkauf von Waren zur Ausstellung, er braucht 
sie lediglich zur Reklame. Es geht diesen Schaufenstern 
wie den Bühnen, kaum meldet die Zeitung die „Weih- 
nachtsschaufenster", so strömen zu ihm kleine und 
große und ganz große Kinder, um das Neueste zu 
schauen. Und was wird dort geboten? Alte Märchen, 
moderne Märchen, Christkinds Erscheinen im Walde, 
im Schlitten von weißen Hirschen gezogen, oder der 
Weihnachtsmann in seinem Reich, umgeben von vielen 
roten Gnomen, die sein Säckel füllen. Für alle Gemüter 
gibt es etwas zu schauen. Auch für die Lachmuskeln 
wird gesorgt. Wasserpantomimen und lustige Soldaten- 
szenen, alles liefert die kleine Schaufensterbühne. 
Fragen wir, ob künstlerische Werte in diesen Schau- 
fenstern zu finden sind, so müssen wir sagen ja und 



nein. Ein „nein"^ dürften wir aber nicht gezwungen 
sein zu sagen, denn das Schaufenster soll stets nur 
künstlerische Werte tragen. Also auch die Bühnen- 
bildchen sollen Kultur treiben, den Geschmack bilden 
und fördern — und zwar für die noch unverdorbene 
Empfindung des Kindes. Wann wäre die Aufgabe 
günstiger zu lösen als hier. Kinderaugen sehen alles 
und ein Kindergemüt erfaßt alles schnell und tief. 
Wir tragen Verantwortung mit diesen Weihnachts- 
schaufenstern, als ob wir den Kindern gute oder 
schlechte Bilderbücher geben. Als gutes Bilderbuch 
sollen wir das Schaufenster gestalten, und das geschieht, 
wenn wir folgendes erfüllen: Gute Einwirkung au! 
das Gemütsleben des Kindes in geschmacklich wert- 
voller Form. Es wird eifrig an der „Reform der Spiel- 
puppe" gearbeitet, das Schaufenster muß an dieser 
Bestrebung fleißig mithelfen. Wir wollen die Kinder 
rechtzeitig in das Land der Poesie einführen: hier 
kann das Schaufenster helfen. Farbenfreude wollen 
wir in den Kindern wecken: auch diese Aufgabe läßt 
sich durch die kleinen Bühnen-Schaufenster erfüllen. 

Sind nicht genügend Mittel vorhanden, etwas 
Erstklassiges durch die Weihnachts-Schaufenster zu 
leisten, ist es ratsam von dergleichen Unternehmungen 
abzusehen. 

Die Verkaufspuppen dürfen sich aber auch zu einem 
kleinen Bühnenbilde im Schaufenster vereinen, wenn 
sie hübsch sind. Natürlich wird ihre Ungelenkigkeit 
und ihre Kleidung der Fantasie des Schaufenster- 
künstlers große Beschränkung auferlegen, immerhin 
haben wir schon Beweise gut gelungener Weihnachts- 
Stimmungsfenster aus Verkaufsware. Ganz ohne kleine 
Beihilfen von Dekorationsmaterial wird es natürlich 
keinem gelingen, etwas Künstlerisches zu leisten. Für 
das Kinderherz, müssen wir annehmen, ist die Aus- 
stellung der Spielsachen in dieser Art von Slimmungs- 
fenstern anziehender als die Aufstapelung von viel 
Ware im Schaufenster. Und das Kinderherz soll doch 
wohl in erster Linie durch das Weihnachtsschaufenster 
gewonnen werden, in dem Kmdcrseelchen soll ein 
Wünschen und Begehren laut werden. 



M Wertheim, ^. m. b. ^., fBerlin, ßeipzigerstraße. {'Weihnachtsfenster aus Verkaufsware.J 

116 



117 



jflBAi^^jbA 




SL. Wertheim, Q. m. b. 3i., Berlin, ßeipzigersiraße. (IDeihnachtsfenster aus 'Verkaufsware.J 





Sllbrecht-3)ürer.3f(aus Berlin, ^ronenstraße 18, 



Al 



Sl. Wertheim, Q. m. b. SH., ^Berlin, ßeipzigerstraße. 



118 




^. Wertheim, S. m. b. 3i., Berlin, £eipzigerstraße. 

119 



/\W 




t^ -1; j ' 



Originelle 
Weib na chtsplakate. 

Die Weihnachts- 
schneemänner können 
aus Pappeausgeschnitten, 
mit weissem Fries oder 
Watte bekleidet und dann 
mit gemalten Konturen 
der Arme, Hände, Knöpfe, 
Gesicht versehen oder 
ganz aus Watte als 
regelrechter Körper her- 
gestellt sein. 





Saroiti, Serlin, ßeipzigerstraße. (Zur Osterzeit.) 



Der größte Teil der in diesem Werk verölfentlichten Schaufenster wurde von der 
Firma 2S£kiider &. Laibischi, Berlin photographiert. 



Die Schaufenster-Beleuchtung. 




Oberli'chr 
SDroaae I 



5<:heib§ 



on größtem Einfluß auf die Wirksamkeit und 
Zugkraft jeder Schaufensterdekoration ist 
die technisch richtige und ästhetisch ein- 
wandfreie künstliche Beleuchtung des Schau- 
fensters. Ist doch die Dekoration während eines 
großen Teiles der Hauptgeschäftszeit im Winter allein 
auf sie angewiesen. Ein guter 
Lehrmeister ist das Theater, aller- 
dings mit der Einschränkung, 
daß für das Schaufenster keine 
stimmungsvolle, dämmerige Be- 
leuchtung, sondern nur strahlend 
helle Vollbeleuchtung in Frage 
kommt. Jedenfalls wirkt die aus- 
gestellte Ware am besten, wenn 
die Lichtquelle dem Auge des Be- 
schauers möglichst entzogen ist. 
Hierfür zu sorgen ist nicht erst 
Sache des Dekorateurs, sondern 
schon Aufgabe des Architekten 
bei Anlage des Schaufensters. 
Muß die Lichtquelle im Räume 
des Schaufensters selbst bleiben, 
so tut man gut, sie mit durchscheinenden Stoffen und 
ähnlichen Hilfsmitteln nach außen hin abzublenden. 
Als Lichtspender kommen heutzutage wohl durch- 
weg nur zwei Arten in Frage: Gas und Elektrizität. 
Beide bilden eine gewisse Gefahr für die Feuersicher- 
heit des Hauses; die Art ihrer 
Anlage ist daher fast durchweg 
durch Polizeiverordnung geregelt 
(für Berlin durch Verordnung vom 
1. März 1904). Die wichtigsten 
Gesichtspunkte sind im Folgenden 
behandelt. 




Qlä5:becKe in 5pro56en 



' I 
I I 




"7^ 



Ober 



"Dprosse 



Gasbeleuchtung. 

Offene Flammen (Schnitt- 
brenner) werden heutzutage nicht 
mehr angewandt, da sich das Gas- 
glühlicht, stehend oder hängend, 
die Welt erobert hat. Beide Arten 
haben Vor- und Nachteile, das 
hängende z. B. die günstigere Licht- 
wirkung nach unten, das stehende 



Scheibe 



120 



die vorteilhaftere Ausnutzung des Gasdrucks; die An- 
wendung ist bei beiden gleich. Zur Innenbeleuchtung 
werden, besonders bei schmalen Schaufenstern, noch 
vielfach ein- oder mehrflammige Kronen oder einzelne 
Lyraarme benutzt, die höheren Ansprüchen an wirkungs- 
volle Beleuchtung wenig genügen. In breiten Schau- 
fenstern findet man ein von Pfeiler 
zu Pfeiler gehendes Gasrohr mit 
mehreren daran angebrachten Be- 
leuchtungskörpern. Diese dürfen 
sich nicht ungeschützt inmitten 
der unmittelbar oberhalb der aus- 
gestellten Waren befinden. Sie 
müssen von der Dekoration durch 
eine Glasdecke abgetrennt sein 
(siehe Abbildung 1 und 2). Diese 
Glasdecken bestehen aus klarem 
oder geriffeltem Glas, welches 
das Licht zerstreut und die Blen- 
dung verhindert. Werden die Gas- 
lampen durch einen elektrischen 
Abbildung 1. Fernzünder angezündet, so genügt 

eine untere Gasglocke für jede 
einzelne Flamme. Die Anordnung nach Abbildung 1 
ist vorzuziehen, weil die Luftzirkulation und die Ent- 
lüftung des Schaufensterraumes ungehindert bleibt 
und die Gefahr des Anlaufens und Gefrierens der 
Scheibe vermindert wird. 

Die Lichtwirkung wird durch 
Reflektoren erhöht. Milchglas- 
schirme sind unzureichend, stärker 
wirken silberbelegte Hohlglas- 
schirme, die die Helligkeit steigern, 
ohne das Auge zu blenden. 

Seltener findet sich das Gas- 
licht als Außenbeleuchtung in 
Armaturen ähnlich dem elektri- 
schen Bogenlicht. Zu empfehlen 
ist es nur da, wo die Abmes- 
sungen des , Fensters eine gute 
Innenbeleuchtung nicht zulassen. 
Die Glaskugel wird meist mattiert 
oder aus Milchglas gefertigt, oder 
durch eine Metallüberglocke z. T. 
gegen den Beschauer abgedeckt 

16 




Qlä5-DecKe in Dprossen 
\ \ \ > \ ^ 



Abbildung 2 



121 



Das elektrische Licht. 



Die Außenbeleuchtung der Schaufenster soll 
einen doppelten Zweck erfüllen. Sie dient einmal zur 
Beleuchtung der Waren im Schaufenster und zweitens 
zur Reklamewirkung nach der Straße hin. Für den 
ersteren Zweck ist die Außenbeleuchtung der Innen- 
beleuchtung nicht ebenbürtig. Die Lichtstrahlen treffen 
nur einen Teil des Schaufensterinnenraumes, ein 
großer Teil bleibt im Halbdunkel liegen. 

Es gibt jedoch eine große Zahl Schaufenster- 
anlagen, bei welchen durch die Bauart des Hauses, 
niedriges Gewölbe usw., die Anbringung einer inneren 
Beleuchtung zur Unmöglichkeit gemacht wird. Denn 
diese beansprucht immerhin eine genügende Höhe des 
Schaufensterraumes, damit die Auslage nicht gedrückt 
aussieht. 

Hier ist oft nichts 
anderes möglich, als eine 
Bogenlampen - Außenbe- 
leuchtung. In Abbildung 3 
zeigen wir die gewöhn- 
liche Bogenlampe mit 
Glocken - Armatur. Bei 
dieser fallen die Licht- 
strahlen gleichermaßen 
ins Fenster wie auf die 
Straßenfläche. Abbild. 4 
dagegen zeigt eine Arma- 
Abbiidung 3. ^y^ gjng^ solchen Bogen- 

lampe mit Abbiendung. Bei dieser verbesserten Außen- 
beleuchtung werden die Lichtstrahlen gezwungen, zum 
größten Teil ihren Weg ins Fenster zu nehmen. Nur ein 
Bruchteil der Lichtstrahlen fällt auf die Straße. Es 
dürfte daher zu raten sein, zur Außenbeleuchtung nur 
solche Armaturen zu verwenden. 

Die Bogenlampe hat im Laufe der Jahre manche 
Verbesserung erfahren. Von den Fabriken werden 
Intensiv - Flammenbogenlampen unter verschiedenen 
Namen auf den Markt gebracht. Während die ge- 
wöhnliche Bogenlampe ein fast rein weißes Licht gibt, 
haben die anderen z. T. einen wärmeren, gelblicheren 
oder rötlicheren Ton, der zwar die Farben der Aus- 
lagen etwas verändert, aber häufig zu ihrem Vorteil; 
sie werden z. B. mit Vorliebe von Schlächterläden 
verwandt, weil das im Fenster liegende Fleisch einen 
rosigen, verlockenden Schein erhält. 

In den lezten Jahren ist ein scharfer Wettbewerb 
zwischen Bogenlampen und hochkerzigen Metalldraht- 
lampen entbrannt. Letztere haben den Vorteil, ohne 
Bedienung lange zu brennen, sind aber nicht so effekt- 
voll wie Bogenlampen. Erreicht werden sie in dieser 
Beziehung annähernd durch die Halbwattlampen, einen 
neuen Typus der Metalldrahtlampe, die denn auch 



aus dünnem 




nur in Überglocken oder Armaturen 
Milchglas installiert werden können. 

Alle diese Lichtquellen bieten mehr den Vorteil 
einer schon von weitem auffallenden Wirkung der Ge- 
schäftsfassade als einer guten Beleuchtung der Waren. 
Wo beide Zwecke vereint werden sollen, ist es not- 
wendig, außer den Außenbogenlampen noch eine 
Innenbeleuchtung anzubringen. 

Man greift deshalb immer wieder auf die Beleuch- 
tung der Waren mittels Schaufenster-Innenbeleuchtung 
zurück. 

Hierbei ist dreierlei zu beachten. Erstens: Die 
Lichtquellen sollen im vorderen Drittel des Fensters 
angebracht sein, damit die Bestrahlung des künstlichen 
Lichts von vorn oben her schräg nach unten und hinten 
in das Fenster fallen kann, 
also ziemlich dem gleichen 
Richtungswinkel wie dem 
desTageslichts entspricht. 
Zweitens: Der Ort, wo 
die Lampen hängen sollen, 
ist gegen den Laden zu, 
möglichst auch — durch 
Anbringen einer licht- 
durchlässigen Glasdecke 
— gegen das innere Schau- 
fenster, den eigentlichen 
Warenausstellungs-Raum Abbildung 4. 

zu, dicht abzuschließen. Es muß also möglichst ein 
besonderer ringsum abgeschlossener Raum geschaffen 
werden, der nur dem Zwecke dient, die Beleuchtungs- 
körper aufzunehmen. Nach der Straße zu muß durch 
geeignet angebrachte Ventilationsöffnungen die Mög- 
lichkeit vorhanden sein, diesen Raum gut entlüften zu 
können, damit die erwärmte Luft in das Freie abziehen 
kann. Drittens ist auf eine bequeme Bedienung der 
Lampen Rücksicht zu nehmen. 

Zum ersten Punkt ist zu bemerken, daß es hierbei 
ganz gleichgültig ist, ob die Beleuchtungskörper an 
festen oder schwingenden Pendeln, an quer durch das 
Fenster angebrachten Beleuchtungsstangen oder sonst- 
wie aufgehängt sind. Die Hauptsache bleibt, daß die 
Lichtquellen nicht etwa in der Mitte oder gar noch 
weiter zurückliegend im Fenster aufgehängt werden. 
Bei gut angelegter Beleuchtung muß das Brechen der 
Lichtstrahlen so erfolgen, daß die Kernschatten der aus- 
gestellten Waren aufgehoben werden und nur eine ganz 
geringe Schattenbildung am Boden des Schaufensters 
vorhanden ist. 

Wir unterscheiden bei der Schaufenster -Innen- 
beleuchtung zwei besonders charakteristische Arten, 





Abbildung 5. Aufhängung der Armatur. 



die direkte und die indirekte Beleuchtung. Bei der 
direkten Beleuchtung hängen die Lichtquellen, Glüh- 
körper oder Bogenlampen im Innern des gleichzeitig 
zur Ausstellung der Ware dienenden Schaufenster- 
Raumes, im Gegensatz zur indirekten Beleuchtung, 

bei welcher der 
Waren -Ausstellraum 
von dem nur zur 
Aufnahme der 
Lichtquellen 
dienenden, darüber 
liegenden Lichtraum 
durch eine Glas- 
zwischenwand 
getrennt wird. Es 
werden sich immer 
Schattenecken und 
Schattenkegel bilden 
und den Anblick der 
ausgestellten Ware 
beeinträchtigen. Um 
nun dieser ungünstigen Schattenwirkung entgegen- 
zutreten, können rings im Fenster noch weitere Licht- 
körper verteilt werden. Daß dadurch die Anlage 
und die Unterhaltung der Schaufenster-Beleuchtung 
teuer wird, leuchtet ein. Auch das Anbringen einer 
Rampenbeleuchtung ist kostspielig. Mit dieser er- 
zeugt man zwar viel Beleuchtung der vorderen aus- 
gestellten Waren, jedoch die sich von diesen bildenden 
Schatten fallen auf die dahinter liegenden Gegen- 
stände und verdunkeln sie. Deshalb muß in so be- 
leuchteten Fenstern außer der Rampenbeleuchtung noch 
Oberbeleuchtung angebracht werden, damit auch die 
weiter hinten aufgestellten Objekte zur Geltung kommen. 
Also doppelte Beleuchtung, daher doppelte Kosten. 

Die ideale Schaufenster- Beleuchtung ist die in- 
direkte Beleuchtung. Die zwischen dem Lampenraum 
und dem Ausstellungsraum angebrachte Glasdecke mit 
Mattglasscheiben bringt eine gleichmäßige und ruhige, 
die Augen des Publikums nicht blendende Lichtfülle 
in das Fenster. Aus dem Gesagten ist die Lichtfülle 
eines indirekt beleuchteten Fensters sofort verständlich. 
Bei dieser Anordnung wird meist Bogenlicht in ge- 
eigneten Armaturen oder hochkerzige Metalldrahtlampen 
gebrannt. Abbildung 5 veranschaulicht das Schema einer 
indirekten Beleuchtung. Die Bogenlampe ist mit einem 
Reflektor versehen, welcher die Lichtstrahlen zweck- 
entsprechend verteilt. 

Von den oben erwähnten drei Gesichtspunkten, 
die bei der Anlage der inneren, indirekten Schaufenster- 
beleuchtung nicht übersehen werden sollten, sind für die 
beiden zuletzt Genannten, den gesondert angebrachten 
Beleuchtungs-Abschlußraum und die leicht zugängig 



gemachte Bedienung der Lampen, nachstehende Finger- 
zeige zu beachten 

Insbesondere beim Bogenlicht sollen die Licht- 
quellen teils aus praktischen, teils aus feuerpolizeilichen 
Gründen und Vorschriften durch eine Glasdecke von 
den ausgestellten Waren vollständig getrennt sein. 

Die beigegebene Abbildung 6 zeigt den oberen Ab- 
schluß eines modernen Schaufensters. Die Ansicht ist 
von dem Laden aus nach der Straße zu gedacht. Die 
Lampen hängen in einem feuersicher abgeschlossenen 
Oberlichtraum. Die fassetierten Kassettenscheiben C 
verdecken die Lampen von der Straße aus. Die kleinen 
Glaskassetten in den Oberlichttüren D sind in Kupfer- 
sprossen gefaßt. Das unten liegende Fenster ist durch 
die Glasdecke B von A vollkommen getrennt 

Die Wirkung des durch die Glasdecke fallenden 
Lichts ist hervorragend. Dadurch, daß die Licht- 
quellen dem Publikum unsichtbar sind, macht sich das 
dem Auge in milder, wohltuender Weise bemerkbar. 
Das Fenster erstrahlt in ruhig wirkendem Licht Kein 
störendes Augenblenden hemmt den Blick auf die Waren. 

Eine andere gute Art indirekter Beleuchtung ist 
folgende: Die obere Decke des Schaufensters ist voll- 
kommen durch Mattglasscheiben abgedeckt. Darüber, 
also in dem Räume über dem Fenster, brennen, un- 
sichtbar von der Straße, Bogenlampen ohne Glocken. 
und zwar in einem Fenster von ca 250 cm Breite vier 
Lampen. Diese Anordnung, welche ein sehr schönes, 
gleichmäßiges Licht im Fenster gibt ist jedoch nur 
bei sehr hohen Räumen anwendbar, weil der über 
dem Schaufenster liegende Raum den Beieuchtungs- 
kasten aufnimmt 

Dieser Kasten läuft seitlich auf Schienen und läßt 
sich daher weiter nach vorn, der Mitte oder nach 
hinten herausstellen (siehe Abbildung 7). 

Eine seltener benutzte Beleuchtungsart der Schau- 
fenster ist die Soffitten- und Rampen -Beleuchtung. 



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Abbildung 6. 



122 



Auch diese gehört in die Rubrik der indirekten 
Beleuchtungsart; sie ist nur da anwendbar, wo aus- 
schließlich Glühlampen benutzt werden sollen. 

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Abbildung 8 zeigt ein so beleuchtetes Schaufenster 
von der Straße aus. Die seitlichen Leisten und vorderen 
Glas-Prismenkassetten am Sockel des Fensters ver- 
decken die Rampenbeleuchtung. 

Abbildung 9 
veranschau- 
licht den Blick 
aus dem Keller 

durch die 
Schaufenster- 
bodenöffnung 

nach der 
oberen Erdge- 
schoß - Schau- 
fensterscheibe. 
Hier sind die 

Rampen- 
beleuchtungen 
zu sehen. Die 
einzelnen Lam- 
pen haben aus 
praktischen 
Gründen die Form von Röhren, so daß sie, liegend 
montiert, wenig Platz beanspruchen. 

Abbildung 10 gibt eine 
Rampenbeleuchtung mit 
Reflektoren wieder. In 
einem Kasten aus Metall, 
der innen mit gerifftem 
Spiegelglas belegt oder 

weiß gestrichen oder 
emailliert und nach außen 
durch eine Glasplatte ab- 
geschlossen ist, befinden 

sich die Glühlampen. 
Diese Konstruktion ent- 
spricht auch den Vor- 
schriften der Polizei und 
ist überall stehend oder 
liegend anzubringen. 



Abbildung 7. 



Abbildung 8. Unterer Teil des Fensters (v( n der Straße). 



Für direkte Schau- 
fenster - Innenbeleuchtung 
kommt das Bogenlicht 
nicht in Frage, 
sondern nur Glüh- 
lampen von ver- 
hältnismäßig 
niedriger Kerzen- 
stärke. Die Be- 
leuchtungskörper 
werden in so 
mannigfachen 
Formen und Stil- 





Abbildung 10. 
124 



arten angeboten, daß es unmöglich ist, eine vollständige 
Übersicht zu geben. Vom einfachsten Schnurpendel 
bis zur reichsten Bronze- oder Kristallkrone reicht die 
Auswahl. Jedenfalls sollte noch mehr als bisher darauf 
gesehen werden, die Lichtquelle selbst gegen das Auge 
abzublenden. Da diese Art der Beleuchtung gerade für 
solche Geschäfte vorzugsweise in Frage kommt, denen 
nicht die großen Mittel der Warenhäuser zur Ver- 
fügung stehen, so sei im Folgenden eine Anleitung 
gegeben, um einen guten Beleuchtungskörper selbst 
herzustellen. 

Es läßt sich hierzu jede beliebige im Schaufenster- 
Raum installierte, an einem Pendel aufgehängte Glüh- 
lampe verwenden. Zur Selbstanfertigung des Licht- 
schirmes werden gebraucht: 2 Ringe aus galvanisiertem 
Eisendrabt von zirka 1 mm Querschnitt und je 50 cm 
Umfang, d. i. zirka 17cm Durchmesser und 1 Ring gleichen 
Materials von 45 cm Umfang, d. i. zirka 14 cm Durch- 
messer. Ferner werden benötigt 80 cm weißer Chiffon 
oder leichte Japonseide. Hiervon wird eine Bahn zirka 
13 cm breit und eine srolche zirka 5 cm breit geschnitten. 
Beide Längskanten werden mit schmalen Hohlsäumen 
versehen und darin die Drahtringe eingeschoben. Der 
reichlich geschnittene Stoff ergibt von selbst eine 

faltenreiche Riefelung im 

gespannten, d. h. ge- 
brauchsfähigen Zustande 
des stoffbezogenen Schir- 
mes. Der schmale Seiden- 
streifen wird in gleicher 
Weise mit einem Hohl- 
saum für den unteren Ring 
versehen, dieser einge- 
zogen und die andere 
obere Längskante an den 
mittelsten Ring angenäht. 

Geschickte Hände arbeiten 
wohl auch die ganze seit- 
liche Faltenbespannung 
aus einem Stück vom 
oberen nach dem unteren 
Ring und fügen zuletzt 
den mittleren, schmaleren 
Ring ein, wodurch 

die gleiche 
Glockenform er- 
zielt wird wie bei 
, der erst beschrie- 
benen Arbeit. Die 
untere Fläche des 
bisjetzt noch offe- 
nen Körpers wird 
glatt, ohne Falten, 




PBiaoaiaiaiaBigBEiiBHEiiaiaBBaQiBEi 



: I v V 



•^"^ — \ — V \ ■> V 



Abbildung 9. 



mit Stoff des gleichen Materials bespannt. Zum Schluß 
werden 4 Schnüre an dem oberen Ring befestigt, und 
der ganze Beleuchtungskörper nunmehr, von der Decke 
herabhängend und die Glühbirne umschließend, auf- 




Abbildung 11. 



gehangen. Zur reicheren Verzierung können dann noch 
Ketten aus Glas- oder Holzperlen angebracht werden 
(siehe Abbildung 11). 



Eine andere Form der Ausführung gibt Abbildung 12- 
Sie i>esteht aus 6 oder 8 gespannten Teilen, das Gestell 
aus einer entsprechenden Anzahl geschwungener Drähte. 
Die Ausführung ist aus der Abbildung ohne weiteres 
ersichtlich. 

Zur Innenbeleuch- 
tung gehören auch 
vorübergehend im 
Rahmen der Deko- 
ration verwandte 
Beleuchtungskörper, 
z. B. Tischlampen, 
ferner auch Gelegen- 
Iheitsdekorationen, 
insbesondere zu 
Weihnachten. Letz- 
tere erfordern wegen 
der Feuersgefahr be- 
sondere Sorgfalt 
und sind deshalb in 

dem Abschnitt 
über Verhütung von 

Schaufenster- 
bränden behandelt. 




Abbildonc 12. 



Verhütting von Schaulensterbränden. 



In den meisten Fällen entstehen Schaufenster- und 
Ladenbrände aus Unachtsamkeit des Personals, dem 
die Arbeiten an der Heizungs- und Beleuchtungsanlage 
obliegt. Der Dekorateur darf sich unter keinen Um- 
ständen eine derartig fahrlässige Handlungsweise zu 
Schulden kommen lassen. Er soll von der elektrischen 
Kraft, dem elektrischen Licht, sowie von deren ord- 
nungsgemäßer Verlegung und Bedienung soviel Kennt- 
nis besitzen, daß er kleine Defekte schnell und vor- 
schriftsmäßig beseitigen kann. Durch das Studium 
leicht faßlicher Lehrbücher über die praktische An- 
wendung der Elektrizität kann er sich die Grundlagen 
dieser Kenntnis verschaffen. 

Schaufensterbrände sind besonders häufig um 
Weihnachten; die phantastischen Weihnachtsdekora- 
tionen mit ihren Lichteffekten sind oft die Ursache, 
meistens veranlaßt durch eine nicht sachgemässe In- 
stallierung des elektrischen Lichtes. Wenn der Deko- 
rateur diese Arbeit nicht versteht, so soll er sie einem 
Berufselektriker überlassen. Es gibt gewöhnlich so 
viel leicht brennbares Zeug in einer Weihnachtsdeko- 
ration, daß jedes Mittel anzuwenden ist und keine 
Kosten zu scheuen sind, um die Gefahr soweit 
irgend möglich einzuschränken. Die Holzrahmen, das 
Seidenpapier, das trockene Tannengrün, Puppen und 



Spielzeug, das alle^ brennt wie Zunder; ein Funke 
nur, durch Kurzschluss entstanden, und die ganze 
Dekoration steht in Flammen, und damit vielleicht der 
ganze Laden. 

In größeren Städten halten die Feuerpolizei und 
die Inspektoren der Feuerversicherung Wache über ge- 
fährliche Schaustellungen ; Anhäufung von leicht brenn- 
barem Material wird vielfach verboten. In anderen 
Fällen müssen Dekorationen, welche mit großen Kosten 
und mit vieler Mühe hergestellt waren, ohne weiteres 
aus den Schaufenstern genommen werden; auch Deko- 
rationen von Lichthöfen werden beanstandet 

Gerade zur Weihnachtszeit, in welcher der Andrang 
des Publikums besonders gross zu sein pflegt, soll 
man auf Löschgeräte und chemische Feuerlöscher be- 
sonders achten. Diese sollen stets zur Hand und in 
Ordnung sein. Man achte auch darauf, daß die Not- 
ausgänge, Treppen usw. nicht durch Waren, Kisten 
oder dergl. versperrt sind. Man unterrichte auch das 
Personal, wie es sich bei einem etwa ausbrechenden 
Feuer zu benehmen hat, und veranstalte öfters einen 
Probe-Alarm. 

Manche Dekorateure tun ein Übriges und im- 
prägnieren das Material, welches zur Schaufenster- 
dekoration benutzt wird. Dies läßt sich aber nicht 



iSS*iV.Tiff»iiiS»M-fi'-'-'i'*''^"^-*-"-^' -' ': 



-^'^•*^*^^ 



mit Allem und Jedem vornehmen. Jedenfalls aber wollen 
wir für vorkommende Fälle ein solches Imprägnierungs- 
mittel an dieser Stelle nennen. Es besteht aus 

Schwefelsaurem Ammoniaksalz 135 Gramm 

Borsaure Soda 15 „ 

Borsäure 5 „ 

Wasser 1000 

Dies ist für Holz, Papier, Seide, Baumwollen- und 
Wollenstoffe anzuwenden. Die mit dieser Flüssigkeit 
behandelten Stoffe geraten nicht leicht in Brand, sondern 
kohlen nur ohne eine offene Flamme zu geben. 

Außer Leichtsinn ist jedoch auch oft Unkenntnis 
die Ursache von Schaufensterbränden. 

Die nachstehenden Ausführungen aus der Feder 
eines bekannten Feuerwehrfachmannes, des Brand- 
inspektors G. Jost, dürfen daher die Aufmerksamkeit 
für sich in Anspruch nehmen. Er schreibt: 

„Es sind mir aus meiner Praxis viele Brandfälle 
bekannt geworden, die es verdienen, zur Warnung 
mitgeteilt zu werden, da ihre Kenntnis vielleicht dazu 
beiträgt, daß in der Anbringung elektrischer Glühbirnen 
vorsichtiger verfahren wird. So ist mir z. B. ein Fall 
bekannt, in dem ein Seidenwarenhändler in seinem 
Fenster eine Glühbirne direkt auf ein Stück schwarzer 
Seide gelegt hatte. Der Erfolg war der, daß in *das 
Stück ein dreifingerbreites Loch brannte. Seidescheint 
überhaupt besonders empfindlich für derartige 
Einwirkungen zu sein. So wurde ein schwarz- 
seidenes Kostüm derart aufgehängt, daß es in Berührung 
mit einer Glühbirne kam. Nach einiger Zeit stellte man 
Brandgeruch fest, und es fand sich, daß ein Teil des 
Kostüms stark verkohlt war. In einem Geschäfte, in 
dem u. a. Zelluloidwaren feilgeboten wurden, er- 
eignete sich der Fall, daß ein Ball dieser Masse da- 
durch in Brand geriet, daß er zu dicht bei einer Glüh- 
birne gelagert war. 

Bemerkt sei, daß sich verschieden gefärbte Lampen, 
ebenso wie verschieden gefärbte Stoffe, in Bezug auf 
die Feuersgefahr verschiedenartig verhalten. So werden 
dunkel gefärbte Birnen stets bedeutend heißer 
als helle, und ein Versuch ergab, daß grüne Lam- 
pen etwa dreimal, rote zweimal so heiß werden 
als weiße. Bezüglich der Stoffe ist festgestellt, daß 
schwarzer Stoff sich schneller entzündet als heller. Damit 
soll aber durchaus nicht gesagt sein, daß helle Stoffe 
sich durch längeres Zusammenliegen mit eingeschalteten 
Glühbirnen etwa nicht entzünden können. 

Auch bei Bogenlampen lauert bei Unachtsamkeit 
die Gefahr Wie viel große Feuer sind schon durch 



ein winziges, glühendes Kohlenteilchen entstanden, das 
beim Einsetzen von neuen Kohlen oder schlecht auf- 
sitzenden Tellern aus der Glocke gesprungen und in 
leicht feuerfangende Stoffe gefallen war. Der Arbeiter, 
dem die Unterhaltung der Lampen übertragen ist, wendet 
seine Aufmerksamkeit diesen zu und übersieht in den 
meisten Fällen die gefährliche Nähe von Brennstoffen." 

Schutzmittel gegen Feuersgefahr. 

Mit der unvermeidlichen Aufstapelung mehr oder 
weniger feuergefährlicher Waren und leicht brennbarer 
Gegenstände, wie sie durch die Ausdehnung der 
modernen Geschäftshäuser bedingt wird, ist auch die 
Gefahr bei Ausbruch eines Brandes erheblich gestiegen. 

Durch verschiedene größere Brände in den letzten 
Jahren sahen sich die Behörden veranlaßt, noch mehr 
als seither bei Geschäftsbauten, in denen sich ein 
Massenverkehr von Menschen abwickelt, die weit- 
gehendste Anwendung feuersicherer Bauweisen zu 
verlangen. Diese Vorschrift legt dem Geschäfts- 
inhaber sowie dem Bauherrn größere Beschränkungen 
auf in Bezug auf Raumausnutzung und Freiheit in 
seiner Verwendung bei der Anlage der Fenster und des 
Ladens. Eine einschneidende, oft nachteilig empfundene 
Vorschrift ist die, welche verlangt, daß das Schau- 
fenster nach dem Laden zu feuersicher abgeschlossen 
sein muß, um die Ausbreitung eines im Schaufenster 
entstandenen Brandes zu verhindern. Wird hierzu 
nicht ein feuersicheres und zugleich sehr lichtdurch- 
lässiges Material verwendet, so wird dem Laden selbst 
die bedeutendste natürliche Lichtquelle entzogen. Bei 
neueren Schaufenster-Anlagen hat man hierauf Bedacht 
genommen. 

Man stellt deswegen nur den unteren, etvva zwei 
bis zweieinhalb Meter hohen Teil der Schaufenster- 
seiten- und Rückwände aus festem, lichtundurchlässigem 
Material, z. B. Holz, Rabitz, Gipsdielen, Holz mit Spiegel- 
belag oder dergleichen her. Dagegen wird der obere 
Teil bis zur Decke zweckmäßig mit einer feuersicheren, 
lichtdurchlässigen Elektro-Verglasung versehen. Durch 
diese Verglasung erreicht man, daß das Tageslicht un- 
gehindert ins Ladeninnere dringen kann, denn die 
feuersichere Fassung besteht nur aus ganz schmalen 
Kupferrippen (etwa 2 mm breit). Elektroglas hat schon 
in ganz einfacher Ausführung von rheinischem Klar- 
glas, aus Glastäfelchen lOmallOcm zusammengesetzt, 
ein gefälliges Aussehen, es kann aber auch jede andere 
Glassorte, wie Facettgläser usw., auch beinahe jede 
Kunstverglasung in dieser Technik ausgeführt werden. 



126 



Anhang LTeiL 



Ein guter Rat für Anfänger. 



s ist der Ehrgeiz vieler junger Schaufenster- 
1-^ dekorateure, bei einer grossen Firma in einer 
-* — ^ grossen Stadt zu arbeiten. Dies erscheint den 
meisten als der Gipfel des Erreichbaren, und 
mancher junge Mann träumt schon von einer Stellung 
als Chefdekorateur eines Warenhauses mit einem Riesen- 
salär. Wir wollen hier nicht den Enthusiasmus der 
jungen Leute mit einem kalten Wasserstrahl begiessen, 
aber es wäre gut, die Sache einmal im richtigen Lichte 
zu betrachten. 

Der Durchschnittsdekorateur steht sich jedoch viel 
besser bei einer grösseren Firma in einer Mittelstadt, als 
bei einer Firma in einer Grosstadt. Das Salär ist meist 
gut, die Stellung sicher, die Arbeit ist nicht zu aufreibend, 
und die Ausgaben sind geringer. 

Die Saläre, welche den Dekorateuren in den ganz 
grossen Geschäften gezahlt werden, werden, wenn man 
sie hört, in der Regel recht übertrieben dargestellt. Ver- 
hältnismässig sind sie kleiner, als die der Dekorateure 
in kleineren Plätzen. Gewiss gibt es einige, aber nur 
einige Dekorateure in jeder grossen Stadt, die allerdings 
sehr hohe Saläre beziehen, aber wie viele mit kleinem 
Gehalt kommen auf diese wenigen. Der Grund dafür 
ist leicht ersichtlich. Von überall her ziehen sich Deko- 
rateure nach den grossen Städten. Wenn ein Dekorateur 
in einer Provinzstadt ausser Stellung ist, glaubt er, dass 
in Berlin Tausende von Dekorateuren gebraucht würden, 
und dass es deshalb leicht sein müsste, dort eine 
Stellung zu finden. Genau so wie er denken aber 
hundert andere auch. Das Angebot von Dekorateuren 
ist daher in Berlin und anderen Grosstädten ein sehr 
grosses, und deshalb sind die Saläre nicht hoch, sondern 
eher massig. 

Viele glauben auch, dass sie bei der Arbeit in einem 
grossen Warenhause sehr viel hinzu lernen könnten. 
Auch das ist häufig eine Täuschung. Bevor der junge 
Dekorateur noch recht warm im Hause geworden ist, 
hat sein Vorgesetzter meist herausgefunden, welche Arbeit 
ihm am besten liegt, und was er am besten kann. Viel- 
leicht ist es das Dekorieren von Herrengarderobe, oder 



das Arrangieren der Schaukästen, und was es audi sein 
mag, er wird, so lange er in der Stellung bleibt, nun immer 
nur für die eine Arbeit verwandt werden. Natürlich gibt 
es auch Ausnahmen, in denen der Chefdekorateur ein 
persönliches Interesse an dem neuen Gehilfen gewinnt 
und ihm Gelegenheit gibt, sich in den verschiedenen 
Zweigen der Dekorationskunst auszubilden. Im allge- 
meinen sind aber die Chefdekorateure in den Riesen- 
geschäften vielbeschäftigte Herren und haben selten Zeit 
und Müsse, auch selten Lust, Anfänger zu unterrichten 
und zu unterweisen. So betrachten und benutzen sie 
dieselben nur als Handlanger. In neun von zehn Fällen 
kann ein Dekorateur jahrelang in einem der grossen 
Geschäfte arbeiten, und wenn er abgeht, kann er nicht 
mehr als beim Antritt. Er lernt einen Handgriff, eine 
Arbeit durch und durch, aber weiter nichts. 

Wenn ein junger Mann die Schaufensterdekoration 
erlernen will, so hat er dazu vielmehr Gel^enheit, vk-enn 
er die Fenster in einem guten Geschäft einer Provinzial- 
Stadt zu versehen hat, als wenn er unter einem Chef- 
dekorateur in einem Riesenbasar einer Grosstadt art>eitet. 
Auch in einem kleinen Geschäft erlernt er nach und 
nach die Handgriffe der Kunst. Er ist häufiger auf sidi 
selbst angewiesen, und das stärkt sein eigenes Erfindungs- 
vermögen. Er wird Entwürfe machen, Ideen entwickeln, 
Hintergründe konstruieren, die Waren auswählen und 
seine Aufmerksamkeit so vielen verschiedenen Einzelheiten 
und Arbeitsmethoden zuzuwenden haben, dass er sich, 
wenn er nur Talent hat, nach und nach zu einem vor- 
züglichen Dekorateur entwickelt. Wenn sein Salär auch 
nicht die Höhe erreicht, wie das dem Dekorateur in der 
Grosstadt nachgesagte, so sind auch die Lebensverhältnisse 
billiger, die Gelegenheit zur Verschwendung seltener. 
Und es erscheint deshalb alles in allem, dass die Vorzüge 
einer Anstellung in einem Warenhaus einer Grosstadt 
für eine jüngere Kraft nur massige sind. Von der kleinen 
Anzahl der Dekorateure in grossen, gut salarierten 
Stellungen werden immer einige als Beispiele angeführt; 
von den vielen Hunderten, welche nur als Handlanger 
für jene fungieren, spricht man fast niemals. 



127 




Abbildung 1. 



Das Handwerkszeug des Dekorateurs. 

Die unentbehrlichsten Werkzeuge des Dekorateurs 
sind: Hammer, Stecknadeln, Phantasie und geschickte 
Finger, Erstere lassen sich käuflich erwerben. Letztere 
beiden jedoch nicht, doch sind sie 
mindestens so wichtig wie die ersten. 
Ausser den im Handwerkskasten be- 
findlichen Zangen, Hammer, Säge usw., 
die sämtlich in ihrer Grösse und 
Qualität dem persönlichen Geschmack 
jedes Dekorateurs überlassen bleiben 
müssen, gebraucht derselbe vor allen 
Dingen einen praktischen, handlichen 
Dekorationshammer. Wir zeigen einen 
solchen in Abbildung 1 und bemerken 
hierzu, dass die vordere runde, ko- 
nische Spitze desselben magnetisch sein soll, um kleine 
Nägel, Stifte, Stahlstecknadeln bequem damit aufheben 
zu können. 

Vom Gebrauch des sogenannten Universal-Hammers 
(ein vernickeltes Werkzeug, welches in seiner Gestalt 
Hammer, Zange, Schraubenzieher usw. in einem Stück 
vereint, raten wir ab. 

In Abbildung 2 bringen wir ein Stecknadelkissen, 
das der Dekorateur an seinem Rock trägt. Wir würden 
empfehlen, Stahlstecknadeln und keine Messingstecknadeln 
zu verwenden, da erstere kein so grosses Loch im Stoff 
hinterlassen und auch weitaus stabiler sind. Man soll 
den Stoff stets nur mit der Spitze der Nadel fassen und 
niemals die ganze Nadel hinei^istechen 

Als Metermass soll ein zusammenlegbarer Zoll- 
stock benutzt werden 
und kein weiches Band- 
mass, wie es in den 

Schneiderstuben ge- 
braucht wird. Am prak- 
tischsten ist ein Zollstock 
von 2 Meter Länge 
(zusammengelegt zirka 
12 Zentimeter lang), 
welcher auf einer Seite 
mit Zentimeter-, auf der 
andern Seite mit Zoll- 
Einteilung versehen ist. 

An Zangen werden 
vor allen Dingen be- 
nötigt eine Kneifzange, 
eine Rund- und eine 
Flachzange, sowie ein 
Vorschneider. Letzterer 
ist für das Arbeiten mit 
und an elektrischen 
Abbildung 4. Drähten geeignet 





Abbildun«; 2. 



Der Schraubenzieher soll einen möglichst langen 
Handgriff besitzen. Mit einem solchen Instrument arbeitet 
es sich dreimal so schnell, als wenn der Schraubenzieher 
nur mit kurzem Stiel versehen ist. 

Von der Anschaffung der billigsten 
Qualitäten der Handwerkszeuge ist 
entschieden abzuraten. Diese sind meist 
aus Eisen und nicht gehärtet oder aus 
Stahl gefertigt und haben nur spiele- 
rischen aber keinen dauernden Ge- 
brauchswert. Je besser das Handwerks- 
zeug ist, je schneller und besser geht 
die Arbeit von statten. 

Für die Säge wähle man einen 
spitzen und eiren breiten sogenannten 
Fuchsschwanz. Eine Zimmermanns- 
oder Tischlersäge ist meist unnötig und nur im Arbeits- 
raum, nicht aber im Fenster bei der Dekoration zu 
gebrauchen. 

Der Arbeitsraum des Dekorateurs. 

Jeder Dekorateur soll und muss einen der Grösse 
des Geschäfts angepassten Arbeitsraum haben. Es muss 
sein Hauptbestreben sein, diesen Raum und seinen Inhalt 
in der peinlichsten Ordnung zu erhalten. Jedes Stück 
und jeder Gegenstand müssen sofort nach dem Gebrauch 
wieder an den für sie vorgesehenen Platz untergebracht 
werden. Es sollen staubsichere Schränke für die Wachs- 
köpfe usw. vorhanden sein, praktische Regale für die 
Metallstangen der Stellagen, gute Behälter für Spiegel 
und Glasplatten und genügender Raum für Büsten und 
Figuren. Zur Arbeitseinrichtung dieses Raumes gehören 
ausser den fertigen At- 
trappen Büsten, Figuren, 

Stellagen, womöglich 
eine kleine Hobelbank, 
Säge, Hammer, ein Beil; 
Vorrätean umsponnenem 
Kupferdraht für elek- 
trische Beleuchtung usw. 
Alle Gegenstände müssen 
sorgfältig untergebracht 
und aufgehoben werden, 
damit dieselben sich 
erstens besser erhalten, 
und zweitens dem Deko- 
rateur keine Zeit mit 
dem Suchen irgend einer 
notwendigen Sache ver- 
loren geht. Im Deko- 
rationsraum muss eben- 
soviel Ordnung und 
Sauberkeit herrschen als 
im Fenster selbst 




Abbildung 3. 



128 



2,—t.;-;:_-B4#.<-. 



Die Dekorateure in grösseren Geschäften tragen 
über ihre bürgerliche Kleidung einen Übermantel aus 
leichtem Leinen- oder Schirting-Stoff. Derselbe hat 
obere äussere Brusttaschen, sowie grössere aufgesetzte 
Seitentaschen, in welchen bequem kleinere Gegenstände 
untergebracht werden können. Ein Gürtel schliesst in 
der Hüfte den Mantel, an den Ärmelvorderteilen sind 
Riegel angebracht, die den Ärmel fest an das Hand- 
gelenk schliessen lassen. In Abbildung 3 sehen wir 
einen solchen Mantel im Gebrauch. Bei dieser Ab- 
bildung trägt der Dekorateur die oben genannten Filz- 
überziehschuhe, sowie an der linken Brustseite ein 
Stecknadelkissen. Dieses aus Stoff, am besten ist Velvet 
hierzu zu verwenden, selbst leicht zu fertigende Kissen 
sollte jeder Dekorateur bei der Arbeit verwenden. Es ist 
gespickt mit Stecknadeln und da der Dekorateur diese 
dann stets und in genügender Zahl zur Hand hat, erspart 
dies kleine Objekt viel Zeit und Arbeit, welche sonst mit 
dem Suchen und Greifen nach den Stecknadeln unnötig 
verschwendet wird. Das Kissen wird mit Sägespänen 
gefüllt und ist zirka 12—15 Zentimeter im Geviert grOss. 
Oben an einer Ecke bekommt es eine feste Bandschlaufe, 
damit es an einen Knopf angehängt oder durch eine 
Sicherheitsnadel festgesteckt werden kann. Siehe Ab- 
bildung 2. In Abbildung 4 zeigen wir eine praktische 
Arbeitsschürze für den Dekorateur. 

Der Handwerkskasten des Dekorateurs. 

Bei der vorgeschrittenen Dekorationskunst ist es 
unbedingt notwendig, dass sich jeder Dekorateur einen 
transportablen Handwerkskasten einrichtet, in welchem 
sein Handwerkszeug und alle anderen Utensilien ent- 
halten sind. 

Dieser Kasten wird viel Zeit mit Hin- und Herlaufen 
nach einzelnen Utensilien ersparen. Wir bringen bei- 



stehend die Abbildung eines solchen Handwericslasiens 
(Abbildung 5), wie er eventuell eingerichtet sein kann. 
Der Kasten hat zwei Einsätze, der erste Einsatz enthalt 
in verschiedenen Fächern Stecknadeln, Nägel, Kamm- 
zwecken, Drahtstifte, Schrauben, alles in diversen'ürössen 




Abbildung 5. Handwerkskasten des Dekunitrnrs. 

und Farben. Der zweite Einsatz enthält Haken, Ring- 
schrauben, Ringe, Bohrer, eine Ahle zum Vorstechen der 
Schraubenlöcher, eine kleine Feile, ein .Metermass, Kreide 
usw. Der Boden des Kastens hat Raum für grössere 
Gegenstände, z. B. Hammer, Flachzange, Kneifzange, 
Draht, verschiedene Streifchen Holz usw. 

Der Kasten ist mit einem Schloss versehen und mit 
einem Riemen zum bequemen Tragen ausgestatte: In 
grösseren Geschäftshäusern mit mehreren Stockwerken 
empfiehlt es sich, an einem bestimmten Platze eine 
Tafel anzubringen, auf welcher die Dekorateure ihren 
jeweiligen Aufenthalt angeben. Auf diese Weise w.rd 
viel Umhersuchen und Zeitverlust vermieden, falls etwas 
aus dem Fenster genommen werden soll. 



Der Eingang zum Schaufenster. 



Der Eingang zum Schaufenster ist seitlich, möglichst 
dicht neben der Schaufensterscheibe am zweckmässigsten 
anzubringen. Durch diese Anordnung ist es dem Deko- 
rateur möglich, nicht allein die Gesamtwirkung der ent- 
stehenden Dekoration ständig vor Augen zu haben und 
die Wirkung zu kontrollieren, Fehler auszugleichen und 
zu verbessern, sondern er kann auch von hier aus die 
von der Kundschaft etwa verlangten Schaufensterstücke 
leichter erreichen, entfernen und wieder durch andere 
ergänzen Dieser praktischsten aller Eingangsanlagen 
zu dem Schaufenster steht aber meist der Platzmangel 
des Innenraumes der Geschäftslokale hindernd im Wege. 



Es bleibt dann nichts weiter übrig, als den Eingang, 
wie bei den meisten der bereits vorhandenen Schaufenster 
bestehend, an deren Hinterfront zu verl^en. 

Neuere Schaufensteranlagen, in grösseren Häusern, 
welche das Kellergeschoss mit zur Benutzung ein- 
beziehen können, hatten sich versenkbare Schaufenster- 
einbauten anlegen lassen. Hier wurde die gesamte 
Dekoration, unsichtbar vom Publikum, oft auch in den 
Nachtstunden, vollständig fertig im heruntergelassenen 
Schaufenster gestellt und nach Beendigung der Arbeit 
an das Tageslicht gehoben Der Vorteil ist der freie, 
unbehinderte Arbeitsraum in dem leeren, nur den ar- 



129 



17 



beitenden Dekorateuren zur Verfügung stehenden Keller- 
geschoss. Dieser Vorteil ist jedoch in Anbetracht der 
teuren Raum Verschwendung und der kostspieligen Anlage 
nur ein geringfügiger gewesen und man findet diese 
Schaufenster- Anlagen nur noch selten. 

Ein besonderes Augenmerk muss auf die absolute 
Staubdichtigkeit und möglichste Luftdichtigkeit des 
eingebauten Schaufensters gelegt werden. Die meisten 
der Anlagen erfüllen diesen Zweck nicht und treten dann 
sehr oft allerlei Ubelstände auf, wie Anlaufen der Glas- 
scheiben und gefrieren derselben im Herbst und Winter, 
unsauber aussehende, staubbedeckte Warenausstellungen 
und dergl. mehr. Der einmal vorhandene Fehler ist nur 
mit grösseren Geldopfern an Umbauten und Reparaturen 
auszurotten. Es sollte daher jeder Geschäftsmann gleich 
bei der ersten Anlage seiner Schaufensterumbauten da- 



rauf achten, dass der mit der Ausführung der Arbeiten 
betraute Tischler die Fenster staubdicht liefert, die ge- 
ringen Mehrkosten für eine solche Konstruktion und 
Arbeit wiegt bei Weitem den späteren Ärger über fehler- 
hafte und falsche Anlagen dieser Art auf Falsche Spar- 
samkeit durch Übertragung, dieser Arbeiten an billigere 
aber unfachmännisch vorgebildete Tischler ist hierbei 
nicht am Platze. 

Die Türen selbst sollen möglichst zweiflügelig ohne 
Zwischenpfosten sein. Einflügelige Türen mit Zwischen- 
stücken sind unpraktisch und störend bei der Arbeit; 
das Fenster soll sich so weit wie irgend möglich frei 
öffnen lassen. Die Türen sollen in Staubfalzen schliessen 
und mit Pasquill -Verschluss versehen sein. Schnapp- 
schlösser, Vorreiber und Kugel verschlusse sind zu ver- 
werfen. 



Regeln für die Schaufenster kleinerer Geschähe. 



Das Schaufenster — der beste Verkäufer. 



Aber noch etwas anderes, ebenso Wesenswertes 
kommt bei dem Schaufenster in Betracht und wird doch 
oft übersehen. Die Organisation desselben. Es gibt 
grössere Geschäfte, die feststehende Dekorationspläne für 
ihre Schaufenster aufgestellt haben. Montags wird Schau- 
fenster Nr. 1, Dienstags Nr. 2, Mittwochs Nr. 3 usf., also 
nach ganz bestimmtem Schema dekoriert, von welchem 
Prinzip unter keinen Umständen abgegangen wird. Andere 
Betriebe dekorieren wieder nur alle drei bis vier Wochen. 
Diese wollen das Publikum durch die gleichmässige De- 
koration heranziehen, so wie man z. B. durch ein dauern- 
des Inserat sich in das Gedächtnis der Leser einprägt. 

Beide Wege mögen etwas für sich haben, das Rich- 
tige aber bieten sie unbedingt beide nicht. Die Schau- 
fenster sollen im modernen Detailgeschäft in erster 
Linie Verkäufer sein 

Die Bedingungen für erhöhten Absatz der Waren, 
welche doch die Grundlage eines jeden geschäftlichen 
Unternehmens sind, sind nicht immer die gleichen. 
Wilterungsumschwung, eine plötzlich auftauchende Mode- 
neuheit, sowie andere äussere Erscheinungen können oft 
in wenigen Stunden die Tendenz des ganzen Geschäftes 
ändern und teilweise so beeinflussen, dass der Detaillist 
unbedingt gezwungen ist, derselben zu folgen. Man denke 
sich z. B. in die Gesellschaftssaison hinein. Ueber Nacht 
fällt der erste Schnee, alles ist mit der weissen Decke be- 
legt, und die Wintersportler sehen ihre heisseslen Wünsche 
bereits in Erfüllung gegangen. Wintersportgeräte und 
-bekleidung sind mit einem Male zum bevorzugten Ar- 



tikel geworden und müssten, der Nachfrage entsprechend, 
dekoriert werden. Nun ist aber gerade erst gestern die 
Gesellschaftsauslage fertig geworden, unmöglich kann sie 
wieder herausgenommen werden, und man hört zumeist 
auch diesbezügliche Hinweise. Das ist grundfalsch. Die 
Auslage muss sogar unter allen Umständen heraus- 
genommen werden, einerlei, wann sie fertiggeworden ist. 
Wenn das Schaufenster Verkäufer sein soll, so muss es 
eben der gegenwärtigen Situation immer und unter 
allen Umständen Rechnung tragen, und es ist ein Be- 
weis für ein modern und gut geleitetes Geschäft, wenn 
bei Regen sofort Regenschirme, bei Schneewetter sofort 
Wintersportartikel, Gummischuhe, Regenmäntel und der- 
gleichen mehr in der Dekoration erscheinen, und wenn 
nebenher in den Aushängen durch grosse, klar geschrie- 
bene Plakate auf sie aufmerksam gemacht wird. 

« 
Und was für den Winter gesagt wird, das gilt auch 

für unzählige Situationen der heissen Jahreszeit. Sonnen- 
schirme, helle Sommerkleider, Lüsterröcke, das alles sind 
neben anderen Artikel, die von der Temperatur und der 
Konjunktur der Zeit wesentlich beeinflusst werden und 
für deren Absatz die zeitgemässe, schnelle Dekoration 
sehr viel tun kann. 

Wer daher wünscht, dass sein erster Verkäufer immer 
tadellos funktioniert, der suche in erster Beziehung für 
seine gründliche Erziehung zu sorgen, für eine Erziehung, 
die auf alle vorkommenden Fälle des Geschäftslebens 
reagiert. 



ßL X 



Reinlichkeit und Sauberkeit im Fenster. Das Schau- 
fenster wird häufig als das Auge, als das Gesicht des 
Ladens bezeichnet, und wie man sich täglich einmal 
wenigstens das Gesicht wäscht, so sollte auch das Fenster 
immer absolut sauber von aussen und von innen ge- 
halten werden. 

Wie gross oder wie klein das Schaufenster ist, es 
sollte abgeschlossen sein durch Holz- oder Glaswände. 
Dadurch wird ein Einstauben der Ware verhindert. 

Man überfülle das Fenster nicht und dekoriere auch 
nicht unnütz hoch hinauf, wo kein Mensch hinschaut 
und kein Licht hinfällt 

Wenn es irgendwie angeht, dekoriere man Waren 
einer Art, zu einer Zeit, zu einem Preis in jedem Fenster. 
Für kleine Fenster ist dies besonders zu empfehlen. Der 
eine Preis, die eine Gattung Ware wird mehr Verkäufe 
erzielen als eine gemischte Dekoration. 

Man sehe immer auf saubere, wenn auch einfache 
Preiskarten. Kein Geschäftsmann, der mit Mittelpublikum 
rechnet, sollte Waren ohne Preiskarten ausstellen. Ohne 
solche geht mancher eventuelle Käufer weiter. 

Wenn irgend möglich, vermeide man es, Waren 
vor der Türe oder dem Fenster auszustellen. Es macht 
eine Menge Arbeit, abends und morgens oder bei ein- 



tretendem Regen die Ware herein- und herauszunehmen, 
die Ware leidet bedeutend, und die Arbeit und Zeit wäre 
viel besser auf eine gute Schaufenster- und Innendeko- 
ration zu verwenden. 

Wie lange soll eine Dekoration im 
Fenster bleiben? 

Eine gute Dekoration kann so lange im Fenster 
bleiben, als sie das Publikum anzieht. Dies ist leicht zu 
beobachten und sollte den einzig richtigen Massstab für 
die Dauer einer Dekoration abgeben. Natürlich darf man 
auch die beste Dekoration nicht zu lange stehen lassen, 
sondern muss wechseln, teils um die Dekoration der 
Zeitungsreklame anzupassen, teils um die Waren frisch 
zu erhalten. Es hängt auch von der Anzahl der Fenster 
ab, welche die Firma zur Verfügung hat Oefteres Wech- 
seln der Dekoration ist jedoch stets zu empfehlen. Jeden- 
falls aber soll auch die beste Dekoration niemals länger 
als höchstens eine Woche im Fenster verbleiben. Deko- 
rationen mit zarten Stoffen, Blusen, feiner Battistwäsche 
usw. sollen nach Möglichkeit nicht länger als 4 Tage im 
Fenster stehen, um nicht dem Ansehen der Ware und 
damit der Zugkraft des Fensters zu schaden. 



Sollen die Schaufenster während des Dekorierens 

verhängt sein oder nicht? 



Diese Frage ist oft besprochen worden, ohne 
dass man zu einer entscheidenden Meinung da- 
rüber kam. 

Wir haben schon viele Meinungen zu dieser Frage 
gehört, dafür und dagegen, und wollen sie noch- 
mals kurz besprechen. 

Es wird behauptet, dass durch das Verhängen der 
Fenster die Ladenfront zu tot erscheine, als ob das Ge- 
schäft geschlossen wäre; wenn die Vorhänge hoch sind, 
sieht man das Leben und die Tätigkeit. Nun, die meisten 
Geschäfte haben mehr als ein Fenster, und in einem wird 
gewöhnlich nur zur Zeit dekoriert. Es wird auch gesagt, 
dass die Technik des Dekorierens das Interesse des 
Publikums in hohem Masse erregt, und dass ein Reklame- 
wert darin liegt; doch dieser Reklamewert ist nicht immer 
wertvoll Dann wird ferner behauptet, dass dadurch der 
Laden oft verdunkelt wird; auch dieses Argument ist in 
vielen Fällen begründet, aber Dekorateure dürfen auch 
nach Schluss des Geschäfts arbeiten, und auch dieser 
Grund wird dadurch hinfällig. 



130 



131 



Es sind noch zwei andere Punkte, welche für das 
Dekorieren bei un verhängtem Fenster anzuführen wären 
Der erste ist der, dass es nun einmal bei manchen Ge- 
schäften Mode geworden ist, wenn auch nur, um es eben 
anders zu machen als die Konkurrenz. Wir haben in 
Berlin eine grosse Firma mit mehreren Geschäftshäusern, 
die seit Jahren die meisten Dekorationen bei unverhängtem 
Fenster ausführen lässt. Der andere Grund ist der, dass 
manche Dekorateure sich gern im Fenster sehen lassen, 
es schmeichelt ihrer Eitelkeit, sich und ihre Geschicklich- 
keit von der Menge bewundert zu sehen. Manche Chefs 
überlassen die ganze Sache dem Geschmack ihrer Deko- 
rateure, andere folgen ihren eigenen Grundsätzen. 

Die Mehrzahl ist aber für das Verhängen der Fenster 
während des Dekorierens. 

Und das ist auch nach unserer Meinung das richtige. 
Das Publikum soll die Dekoration nicht eher sehen, 
bevor sie fix und fertig ist. Die Schaufenster sollen nur 
in fertigem Zustande gezeigt werden, genau wie die 
Dekoration der Bühne im Theater. Wo sieht man je 

17» 



den Wechsel der Szenerie bei offener oder unverdunkelter 
Bühne? Die ganze Illusion, in welche man durch das 
Stück versetzt wird, geht verloren, wenn die Theater- 
arbeiter in überhastiger Tätigkeit die verschiedenen Ver- 
satzstücke, z. B. ein Rosenbeet von Pappe, eine schwere 
Marmorbank von Papiermache, die imitierten Möbel, vor 
den Augen des Publikums auf die offene Bühne schleppen. 
Genau so ist es mit dem Schaufenster. Zunächst ist 
auch gerade die Technik des Dekorierens nicht hübsch 
und anmutig, und wenn den Passanten gestattet ist, das 
Schaufenster in seiner, na sagen wir: Nacktheit zu sehen. 



mit zernagelten Ständern, alten Kisten und Kasten, Pappe, 
Werkzeugen, Leitern, selbstgefertigten, praktischen, aber 
unansehnlichen Stellagen usw., und dazwischen der 
Dekorateur vielleicht in Hemdärmeln, in unbequemster 
Stellung auf der Leiter hockend, dann wird ihnen stets, 
wenn sie später das fertig dekorierte Fenster betrachten, 
der Anblick des Chaos in das Gedächtnis zurückkommen. 
Vielleicht sagt der eine oder andere dann: „Und diese 
schöne Dekoration verdeckt all diesen Plunderkram." 

Demnach: die Vorhänge hoch am Sonntag Nach- 
mittag, und dieVorhänge herunter während des Dekorierens. 



Schaufensterschutz gegen Sonnenstrahlen. 

Der Übelstand, dass die zur Schau gestellten Gegen- gebracht werden kann, besteht im wesentlichen aus 

stände an Farbe durch die Einwirkung des Lichtes ver- einer Welle, auf welche sich der Stoff aufwickelt und 

Heren, — wie man kurzweg sagt „verschi essen" — ist nicht aus an der Wand fest angebrachten Ausstellstangen. Für 

aus der Welt zu schaffen. Jedes Licht wirkt bleichend gewöhnliche Fälle bei kleinen Fenstern und bei oft 

auf die Farben. wechselnder Dekoration wird diese Ausführung be- 

Es ist deshalb schon viel versucht worden, einen scheidenen Ansprüchen genügen. Wenn das Fenster 

unbedingten Schutz gegen die verheerenden Wirkungen des auch noch von der Seite einfallenden Strahlen ausgesetzt 

Sonnenlichtes und der dadurch erzeugten Wärme, welche ist, ist das Anbringen von ein resp. zwei dreieckigen 



den Prozess des Verschiessens wesentlich fördert, zu erfinden. 
Alle diese Mittel schwächen jedoch nur das Übel ab 
und bilden keineswegs ein Radikalmittel dagegen. 

Um einen angemessenen Schutz zu besitzen, muss 
der Dekorateur wissen, dass die am Morgen oder Abend 
einfallenden Strahlen nicht so verheerend auf die Farben 
wirken, wie die Strahlen der mittäglichen Sonne. Des- 
halb ist nicht jedes Mittel für alle Geschäftsinhaber gleich 
gut, sondern es will von Fall zu Fall bedacht sein und 
entsprechend der Lage der Schaufenster angewandt werden. 
Dann kommt es noch darauf an, trotz der Schutzmass- 
regel die ausgelegten Waren nicht dem Auge des Publi- 
kums zu entziehen. Für die Geschäfte, welche nur auf 
kurze Tageszeiten mit der Sonne zu rechnen haben, 
genügt in den meisten Fällen das Herablassen eines 
im Innern des Fensters angebrachten Rouleaus oder 
das Vorhängen von abgepassten Stoffplanen vor dem 
Fenster. 

, Bin den weitaus meisten Fällen wird jedoch eine 

Markise oder Wetter- 
rouleau notwendig wer- 
den. Auch hierin gibt es 
eine Anzahl verschie- 
dener Ausführungsarten. 
Die gewöhnliche 
Markise (Abbildung 1), 
Abbildung 1. die vou Tapezierern an- 




Zwickeln an jeder Seite zu empfehlen, welche vor dem 
Heraufziehen der Markise mittels Haken und Öse innen an 
den über die ganze breite laufenden Stoff angehakt werden. 

Eine andere Form von Sonnen-Markisen (Abbildung 2) 
ist derart konstruiert, dass an einer oberen Welle eine An- 
zahl je der Breite des Fensters entsprechende Leinen- 
streifen angebracht sind, die jeder für sich an ihren 
unteren Enden kurze Eisenstäbe tragen. Beim Herab- 
lassen dieser Streifen werden die Eisen in eine am unteren 
Ende des Fensters vorgesehene Schiene eingehakt und 
dort am bestimmten Platz befestigt. Die Leinenstreifen 
haben an ihren oberen Enden eine gleiche Vorkehrung, 
welche gestattet, diese hart am Fenster heruntergeführten 
Streifen um ihre vertikalen Achsen zu drehen. Eine Stange 
mit Handgriff verbindet die einzelnen Teile untereinander. 

Hierdurch kann man durch Bewegen der Streifen gegen 
die Richtung der ein- 
fallenden Sonnenstrahlen 
diese abfangen und dem 
Fenster den nötigen 
Schutz geben. Die Stel- 
lung der Markise muss 
daher mit der fort- 
schreitenden Bewegung 
der Sonnenstrahlen öfter 
durch einen Angestellten 
geregelt werden. Abbildung 2, 




■ 



132 



Einen besonderen Vorteil bietet ein Markisenstoff 
mit dunklem Innengrund (Abbildung 3). Die dunkle 
Innenfläche absorbiert die Sonnenstrahlen besser als ein 
beiderseitig heller Stoff und lässt das Glas des Schau- 
fensters nicht spie- 
geln. Die Aussen- 
seite soll mög- 
lichst naturfarben 
sein; helle Farben 

reflektieren am 
besten die Sonnen- 

wärmestrahlen 
(Abbildung 4). 

Die Praxis hat 
eine Anzahl Sys- 
teme für Markisen 
geschaffen, welche 
durch ihre Ausführung allen Anforderungen genügen. 
Zuerst erwähnt sei die Rollmarkise, welche mittelst 
Winkelzahnradgetriebe, stehender Welle und Aufroll- 
apparat oder Kasten bedient wird (Abbildung 3). Durch 
geeignete Spannvorrichlung, der Stahlrohrwelle, ist es mög- 
lich, Stoffdächer bis ca. 25 m Länge ohne Unterbrechung 
herzustellen, welche sich leicht auf und abkurbeln lassen. 
Für Anlagen über 12 m Länge kommt eine Fallschutz- 




Abbildung 3. 




Abbildung 5. 

Vorrichtung in Anwendung, welche bei Reissen der Spann- 
stange die Walze auffängt und somit sicheren Schutz 
gegen Unfälle bietet. 

Für kleinere Anlagen bis zu 7 m Länge ist die Feder- 
markise empfehlenswert Die Vorzüge liegen, abgesehen 
von dem sehr geringen Preis, in der leichten und schnellen 



Bedienung solcher Anlage. Mit einer Hakenstange wird 
das Stoffdach in die Ausfallstellung herabgezogen und 
hier, sowie auch in jeder anderen gewünschten Stellung 
durch eine automatische Sperrung festgehalten. Da bd 
diesen Markisen die 
Winkelzahnräder, 
stehende Welle und 
Aufrollapparat fort- 
fallen, lassen sie 
sich selbst bei sehr 
beschränktem Platz 
überall anbringen 
und auch leicht ver- 
steckteinbauen (Ab- 
bildung 5). 

Bei kleinen An- 
lagen bis zu 3,50 m 
Länge, für welche nur ein geringer Preis gezahlt werden 
kann, ist das Gurtsystem sehr beliebt, weil trotz der 
einfachen Konstruktion die Markise exakt und leicht 
arbeitet. Der Gurt rollt sich auf eine kleine Trommd 
und wird durch eine Klemme oder einen Gurtselbstauf- 
roller festgehalten. 

Jede Markise muss sich leicht herab- und hinauf- 
ziehen lassen; wenn sie hochgezogen ist, soll sie über- 
haupt nicht mehr zu sehen sein, sondern muss hinter 
einem Gesims oder dem Firmenschild verschwinden, 
durch welches sie auch gegen Sturm und R^en ge- 
schützt wird, sie darf nicht, wenn herabgelassen, in der 




Abbildung 4. 




Abbildung 6. 

Mitte herunter hängen, darf auch nicht von jedem plötz- 
lichen Windstoss in die Höhe gerissen werden usw. 

Die Markisenabbildungen 3 und 4 stellen das 
bei uns viel gebrauchte Kurbelsystem dar, welches so 
ziemlich alle die genannten Bedingungen erfüllt Ein 
grosser Vorzug ist der Metallschaft, welcher die durch die 



133 



idMM^ 



Kurbel veranlasste Drehung auf die Rolle überträgt, so 
dass die Markise sich glatt und gleichmässig auf- und 
abrollt, zugleich mit den Seitenteilen. 

Diese Seitenteile sind in vielen Fällen unentbehr- 
lich, dieselben können so aufgenommen werden, wie 
in Abbildung 3 (aufgeschlagen) oder wie in Abbil- 
dung 4, in der die Seitenteile nach der alten Manier 
als besonderes Stück auf festem dreieckigen Eisenrahmen 
montiert, besonders eingehängt und wieder entfernt 
werden können. 

Die beiden Abbildungen 5 und 6 zeigen die Anlage 
einer wirklich guten Markisen-Konstruktion, wie sie bei. 
jeder Neuanschaffung verlangt werden sollte. 

Hierbei ist zwischen Fensterrahmen und Oberlicht 
ein von aussen unsichtbarer Kasten angebracht, der zur 
Aufnahme des aufgerollten Markisenstoffes dient. Die 



Vorderleiste der Markise bildet im aufgerollten Zustande 
gleichzeitig den wettersicheren Verschluss des Schlitzes 
für die Durchlassöffnung. In dem sicheren Schutz des 
Kastens ist die Markise stets vor Nässe und anderen zer- 
störenden Witterungseinflüssen geschützt und bleibt dort 
auch über die Wintermonate sicher liegen. 

Die vielfach benutzten Holzdraht -Rouleaux, welche 
ausschliesslich im Innern des Fensters direkt hinter der 
Scheibe zur Benutzung kommen, bieten keinen Schutz 
vor Sonnenstrahlen. Dieselben sind nur dann als solcher 
anzusprechen, wenn sie ganz tiberwebt geliefert werden. 
In den weitaus meisten Fällen werden jedoch nur einfach 
gewebte Holzdraht-Rouleaux gefragt und geliefert. Diese 
erfüllen nur den Zweck, das Schaufenster- Innere dem 
Beschauen durch das Publikum zu entziehen. Als Sonnen- 
schutz sind sie nicht zu empfehlen. 



Das Beschlagen und Gefrieren der Schaufenster. 



Die Ursache, dass mangelhaft gebaute Fenster über- 
haupt beschlagen können, ist den meisten Menschen nicht 
genügend bekannt. Das Beschlagen und Gefrieren tritt 
nicht infolge der Erwärmung des Innenraumes ein, wie 
häufig angenommen wird, im Gegenteil, die Erwärmung 
der Luft an sich wirkt dem Wasserniederschlag ent- 
gegen. Aber mit der Erwärmung ist in der Regel eine 
Vermehrung des Wassergehalts verbunden, und hier ist 
der Grund der Erscheinung zu suchen. Das Wasser — 
in der Form von unsichtbarem Dampf — wird geliefert 
einmal von der Ausdünstung des Menschen aus Lunge 
und Haut und zweitens von dem künstlichen Licht. Letz- 
teres bildet eine Hauptquelle des Wassers. Die Luft kann 
bei 0" nicht mehr als 5 g Wasserdampf pro Kubikmeter 
aufnehmen; mit höherer Temperatur steigert sich der Be- 
trag; bei 20» C — das ist unsere mittlere Wohnstuben- 
temperatur im Winter — kann ein Kubikmeter Luft 17 g 
aufnehmen. Luft wird (wissenschaftlich) gesättigt mit 
Wasser oder Dampf genannt, wenn sie bei einer bestimm- 
ten Temperatur soviel enthält, als sie aufnehmen kann. 
Wird gesättigte Luft von 0» auf 20« erhitzt, so wird sie 
sehr trocken, da sie bei dieser Temperatur noch weitere 
12 g Wasser aufnehmen könnte. Wird hingegen ge- 
sättigte Luft von 20 '^ R auf O" abgekühlt, so müssen sich 
12 g Dampf als Wassertropfen niederschlagen; findet die 
Abkühlung der Luft an einem kalten Körper, z. B. am 
Fenster, statt, so muss an diesem ein Niederschlag erfolgen. 

Es ergibt sich hieraus, dass in Geschäftslokalen, in 
denen elektrisches Licht gebrannt wird, der Uebelstand 
in geringerem Masse auftreten wird als in Geschäften, 
die Gaslicht verwenden. Aber auch die Heizungsform, 
Oefen, Damplheizung usw., übt einen wesentlichen Ein- 
fluss auf den Feuchtigkeitsgehalt der Luft aus. 



Will man das Übel an der Wurzel packen, so muss 
die bauliche Anlage des Schaufensters von vorne herein 
richtig ausgeführt sein. Einen wesentlichen Unterschied 
macht es, ob das Fenster gegen den Verkaufsraum ab- 
geschlossen ist oder ' offen gegen ihn liegt. Beim ab- 
geschlossenen Schaufenster besteht ein grosser Temperatur- 
unterschied zwischen Fensterscheibe und Rückwand. 
Daher ist für eine gute Luftzirkulation im Fensterraum 
Sorge zu tragen. Zu diesem Zweck befinden sich am 
Sockel des Fensters und unter dem Fenstersturz Öffnungen. 
Die Öffnungen am Sockel haben die Form von Rosetten 
oder Schlitzen, die mittels eines Schiebers geschlossen 
werden können. Leider wird oft verabsäumt, diesen 
Schieber auch hin und wieder zu betätigen und gangbar 
zu erhalten, so dass er sich schliesslich im Laufe der 
Jahre festklemmt. Durch diese unteren Öffnungen strömt 
dauernd kalte, frische Luft ins Fenster. Da dieser Luft- 
strom leicht Staub von der Strasse mit sich führen kann, 
der den Waren schädlich wird, so werden die Öffnungen 
bei sorgfältigen Fensteranlagen durch Deckleisten in ge- 
eigneter Konstruktion hiergegen geschützt. 

Noch wichtiger jedoch als die untere Ventilations- 
leiste ist die richtige Gestaltung der oben am Schaufenster- 
glas anzubringenden Luftklappen. Hierfür kommen allein 
genügend breite, in Scharnieren bewegliche Luftklappen 
in Betracht. Bei diesen oberen Öffnungen handelt es 
sich, um ein Beschlagen zu verhindern, wieder darum, 
ob die Öffnungsklappen richtig wirkend montiert werden. 
Das beste wäre, wenn die Klappen mit den Scliarnier- 
bändern nicht am unteren, sondern am oberen Rahmen- 
stück befestigt werden könnten (Abbildung 7a und 8), 
weil sie sich dann bis zur Decke aufziehen lassen und 
auch, wenn sie nicht ganz geöffnet sind, der aufsteigende 



warme Luftstrom seinen Weg ungehindert ins Freie 
nehmen kann. Dieser Forderung steht jedoch das Be- 
denken entgegen, dass Regen und Schnee ungehindert 
ins Schaufenster eindringen würde, wenn einmal das 
rechtzeitige Schliessen der Klappen unterbliebe. So wird 
denn meistens die Anordnung nach Abbildung 7 b und 9 
angetroffen. Liegt dann die Klappe (wie bei Abbildung 9) 
sehr dicht unter der Schaufensterdecke und erlaubt der 




aufgehende ein- oder mehrflügelige Tür mit Baskül- 
Verschluss in Frage. Zur Sicherheit soll auch diese 
noch mit Staubfalzen versehen werden. 

Nach dem Laden offene Schaufenster 

sind dem Beschlagen der Scheibe ebenfalls ausgesetzt 
Das Übel kann durch fortgesetztes starkes Erwärmen der 



OficJf 





tot; 






^ ■ 









Abbildung 7. 



Abbildung 8. 



.Abbildung 9. 



Stellhebel nur em massiges Offnen, so stossen sich aller- im Uden befindlichen Luft vermindert werden welche 

dmgs d,e aufsteigenden Luftströme an der Klappe, werden dadurch austrocknet und die an der Schau fenst^heibe 

nach hmten und nach innen abgelenkt und nur ein sich zeigenden Wasserpartikelchen aufsaugt 

gennger Teil der schlechten Luft findet mühsam den Der übelstand des Anlaufens und Gefrierens der 

um 1 ^Jir. T^ '"''''* ""'"' '"' ""^' "''^^'^* ^"^^'^^^" ^^"^^- -*^ -h vornehmlich am 

um d.e geöffnete Klappe genügend freier Raum bleibt, frühen Morgen, beim Öffnen des Geschäfts, nachdem 



um den Luftströmungen eine leichte Umspülung der 
schrägen Klappe zu ermöglichen. Sonst bewirkt der 
zurückbleibende Teil den feuchten Niederschlag an der 
Schaufensterglasscheibe, welcher in kalten Nächten dann 
zu Eis gefriert und am Tage nicht abtaut Alle Gegen- 
mittel sind nur von geringem, vorüber- 
gehendem Werte. Das Aufstellen von 
durchlöchertem Gasrohr an der Scheibe, 
aus dessen Öffnungen kleine Gasflämmchen 
brennen, oder das Aufstellen eines elek- 
trisch betriebenen Ventilators oder der- 
gleichen veranlassen wohl ein zeitweiliges 
Nachlassen des Übels, können jedoch 
nicht verhindern, dass dasselbe sich am 
nächsten Morgen von neuem, meist in 
verstärktem Masse, zeigt. Ausserdem be- 
steht bei den Gasflämmchen die Gefahr, 
dass die Scheibe leicht platzt. 

Ferner kommt in Betracht, dass der 
Schaufenster-Einbau so gut wie irgend an- 
gängig luftdicht gearbeitet ist. Hierbei wird 
meist nicht genug Obacht auf dicht 
schliessende Türen gegeben. Es ist 
unzweckmässig, vielleicht aus Raum- 
ersparnisrücksichten Schiebetüren an- 
zubringen. Diese können niemals dicht 
schliessen, weder luft- noch staubdicht. 
Für die Anforderungen an ein gut 
gebautes Schaufenster kommt nur die 




Abbildung 10 



134 




die Nachtfröste zur Abkühlung der Aussenseite des Schau- 
fensters beigetragen haben. Bei eingefrorenen Fenstern 
benutze man im Hintergrund der Dekoration einen 
Ventilator, der mit seinen Flügeln parallel gegen die 
Schaufensterglasscheibe gestellt wird (Abbildung 10). 
Die starke Luftströmung bringt zuerst in 
der Richtung der direkt auffallenden Wind- 
strahlen das Eis und den Niederschlag 
zum Verdunsten und verhilft zuletzt zu 
einer vollkommen klaren Glasscheibe, 
worauf der Motor abgestellt werden 
kann. Natüriich muss der erzeugte Luft- 
wirbel frei und ungehindert auf die 
Scheibe treffen und darf nicht durch da- 
zwischen stehende Dekorationen abgelenkt 
werden. 

Das Beschlagen der Fenster lässt sich 
manchmal auch dadurch vermeiden, dass 
man in jedes Schaufenster flache Schalen 
stellt, welche zur Hälfte mit Chlorkalzium 
gefüllt sind (Abbildung 1 \\ Das Chlorkal- 
zium hat die Eigentümlichkeit, jede Feuch- 
tigkeit mit grosser Begierde aufzu- 
saugen, wodurch das Beschlagen der 
Scheiben verhütet wird. Alle drei Tage 
wird das benutzte Chlorkalzium durch 
frisches ersetzt und das gebrauchte bd 
massiger Wärme getrocknet, um wi< 
verwendet zu werden. 



\ 



Das Spiegeln der Schaufensterscheiben 



ist ein oft schwer empfundenes Übel, welches sich nicht 
nur in den Sommermonaten, sondern fast durchweg auch 
in Winterszeiten störend bemerkbar macht. 

Dieses Widerspiegeln der dem Fenster gegenüber- 
liegenden Gebäudefronten, Schmuckplätze u. a. m. lässt 
sich nicht ganz vermeiden. Um dieUrsachen des störenden 
Uebelstandes zu erklären, genügt es, darauf hinzuweisen, 
dass eben jedes Glas mit glatter, polierter Oberfläche 
von Natur aus einen Spiegel darstellt, der umso inten- 
siver wirkt, je mehr er mit seiner Unterfläche, bei Schau- 
fenstern mit dem dahinterliegenden Ausstellungsraum, 
die Spiegelungsmöglichkeit unterstützt. Das Naturgesetz 
verlangt zur Erhöhung der Spiegelung einen tiefen, dunklen 
Untergrund. So sehen wir zum Beispiel bei Waldseen, 
die eine genügende Wassertiefe haben und welche meist 
an sich klares, reines Wasser besitzen, eine oft wunder- 
bare Wiedergabe der die Ufer umsäumenden Waldland- 
schaft. Hier wirkt die klare, stille, wie poliert erscheinende 
Wasseroberfläche als Spiegel, und so ist die Wasser- 
spiegelung der Ausgangspunkt gewesen, den menschlichen 
Geist zur Erfindung des künstlichen Spiegels anzuregen. 
Bei Gewässern mit leicht bewegter Oberfläche dagegen 
wird sich niemals eine klare Spiegelung bilden, ebenso 
wie sie bei Gewässern mit niedrigerem, hellerem Unter- 
grund nur schwer, jedenfalls aber nur in bedeutend 
vermindertem Masse zustande kommen kann. 

Dieselben Prinzipien, die uns die Natur zeigt, müssen 
auch angewendet werden bei der Anfertigung künstlicher 
Spiegel resp. im umgekehrten Falle bei der möglichst 
weitgehenden Vermeidung der Spiegelwirkung. 

In unserer Besprechung haben wir es nur mit der 
Erörterung der letzten Frage zu tun. 

Es ist nach den einführenden Sätzen klar, dass ein 
Fenster mit einer Schaufensterscheibe von nicht ebener, 
polierter Oberfläche, wie sie zum Beis|5iel Rohglas oder 
Ornamentglas zeigt, absolut keine Spiegelung hervor- 
rufen würde. Im praktischen Gebrauch ist jedoch von 
der Anwendung dieser Art Gläser abzusehen, weil hier- 
durch auch das Aussehen der hinter der Schaufenster- 
scheibe ausgestellten Waren leiden würde. Die Waren 
würden teils als Zerrbilder, teils unklar, unscharf, teils 
vielleicht gar nicht sichtbar sein. Es muss also ein anderer 
Ausweg gesucht werden, um die niemals ganz zu ver- 
meidende Spiegelung nach Möglichkeit abzuschwächen. 

Bei Schaufenstern, welche mit Sonnenschutz-Markisen 
versehen sind, lässt sich durch teilweises Herablassen 
derselben das Uebel schon bedeutend mildern. Markisen 
aus doppelt gewebtem Stoff: Oberfläche hell, Unterfläche 
dunkelblau, sogenannter Umbrastoff, haben beste Erfolge 
gezeitigt Bei Schaufenstern, die auf der Schattenseite 



einer Strasse liegen, die also eines Markisenschutzes 
eigentlich entbehren sollten, ist dem Übelstande schon 
schwerer beizukommen. 

Der einfachste Weg hierzu ist ebenfalls durch das 
Anbringen einer in diesem Buch beschriebenen Markisen- 
Ausrüstung gegeben. Dient dieselbe dabei auch nicht 
dem Abhalten der Sonnenstrahlung, so behebt sie doch 
zum grössten Teil die üblen Spiegelerscheinungen. Es 
kommt weiter der hinter der Sclieibe liegende Aus- 
stellungsraum in Betracht. 

Wie wir ausgeführt haben, ist die Spiegelung grösser, 
je dunkler der Untergrund ist, demnach dürfte ein 
Fenster, welches ganz hell dekoriert ist, z. B. mit Gardinen, 
weisser Ware usw. viel weniger Spiegelung hervorrufen 
als das gleiche Fenster, dekoriert mit schwarzer Konfektion 
oder dergleichen. 

Nun lässt sich eine Dekoration von Waren nicht 
immer diesem Gesichtspunkt entsprechend herstellen. 
Der erfahrene Dekorateur wird daher dunkle Waren im 
Vordergrund, helle Ware dagegen im Hintergrund des 
Fensters aufstellen. Auch das Anbringen von Gardinen 
als Abschluss der Dekoration oder als Bezug der im 
Hintergrund des Fensters an den Türen desselben be- 
findlichen Glasscheiben, bewirkt eine Spiegelabschwächung. 

Ein Anbringen von künstlichen Spiegeln an den 
Wänden und im Hintergrund des Fensters ist möglichst 
zu vermeiden, denn diese Spiegel erhöhen naturgemäss 
die Erscheinungsgründe. Wo bereits Spiegel vorhanden 
sind, sollen dieselben mit einer Mull- oder Chiffon- 
Ueberspannung versehen werden, was nicht allein die 
üblen Erscheinungen abhält, sondern auch reizvoll aussieht. 

An Stelle einer Markise kann auch eine andere Ab- 
deckung angebracht werden. Die Herstellung einer Ab- 
dachung aus Eisenkonstruktion mit Prismen -Verglasung 
ist hierbei erwähnenswert, doch stellen sich die An- 
schaffungskosten einer solchen wesentlich höher als die 
Anschaffung einer Sonnenmarkise aus Stoff. 

Auch Glas in technisch richtiger Anwendung ver- 
hütet, so zweifelhaft es vielleicht auch zuerst klingen 
möge, das Spiegeln und Blenden der Schaufenster. 

Diese richtige Anwendungsform finden wir jedoch 
nur bei der Verwendung von Schutzbaldachinen oder 
Oberlichten aus Prismenglas. 

Die hochentwickelte Prismenindustrie ist mit der 
Zeit vollständig mitgegangen. Sie hat durch Versuche 
profitiert und gibt nunmehr ein Mittel an die Hand zur 
Vermeidung des Spiegeins der Schaufensterscheiben bei- 
zutragen. Da jedoch der Kostenaufwand für eine solche 
Anlage immerhin ziemlich hoch zu stehen kommt, dürfte 
sich die Anwendung dieser Glaskonstruktionen nur in 



136 



■""^^--r^^gfl 




vereinzelten Fällen ermöglichen lassen. Trotzdem wollen 
wir dieselbe der Auslührlichkeit dieser wichtigen Frage 
w^en, an dieser Stelle besprechen. 

Die Prismen- 
Verglasung 
versucht dem 
Übel dadurch 
zu begegnen, 

indem sie 
möglichst viel 
Licht in den 
Hintergrund 
des Fensters 
bringt und den 
Schatten mög- 
lichst zu ver- 
mindern sucht 
Dieses System 
soll durch die 
beifolgende Ab- 
bildung klar ge- 
macht werden. Über dem Schaufenster befindet sich 
ein schräg befestigter Baldachin aus Prismenverglasung (B). 
Derselbe fängt alle senkrecht wie auch schräg einfallenden 
Sonnen- resp. Lichtstrahlen auf 
und wirft dieselben in voller 
Lichtstärke — durch die Eigen- 
schaft der Prismengläser her- 
vorgerufen — in einem Winkel 
von 30 Grad in das Innere 
des Schaufensters, so dass der 
Hintergrund des Fensters gut 
erhellt wird. Der Baldachin 
soll so eingerichtet sein, dass 
er hochgeklappt werden kann. 

Die Sache ist aber für deutsche 
Verhältnisse nicht leicht anzu- 
wenden. Die meisten Städte 
haben zunächst Polizeiverord- 
nungen, welche das Hinaus- 
ragen von Schildern, Laternen 
und dergl. über den Bürgersteig 
verbieten oder wenigstens be- 
schränken. Nun wird allerdings 
behauptet, dass der Baldachin 
eigentlich eine Art Glasmarkise 
ist, die ja auch, wenn aus Stoff 
bestehend und nicht gebraucht, 
hochgezogen wird. 

Weiteres über das Verhüten 
des „Blenden" f indel der Leser in 
dem Artikel „Schaufensterechutz 
gegen Sonnenstrahlen". (S. 132.) 






Eleganter, 
leicht anzufertigender Schaufenster- Vorhang. 

Es tritt sehr oft an den Dekorateur oder GescUlls- 
Inhaber die Frage heran, was für ein Vorhang zum 
Verdecken der Waren im Fenster benutzt werden solL 
Meist werden ja wohl hochziehbare Rouleaux in Stoff oder 
Holzdraht benutzt werden. Dieselben wirken jedoch im 
Ruhezustand nicht elegant genug. Wir bringen nun eine 
Anleitung zu einem auch im emporgezogenen Zustande 
sehr effektvoll wirkenden Vorhang, der, aus Seide 
oder Tuch hergestellt, 
leicht selbst angefertigt 
werden kann. Auch 
Satin ist zur Herstel- 
lung zu benutzen. 

Benötigt werden 
zwei Stoffbahnen, die 
zirka je drei Stoffbreiten 
gross sind. Es ist darauf 
zu achten, dass diese ein- 
zelnen Schals in derMitte "AbbildMR I. 
des Fensters übereinander greifen und nicht etwa nur zu- 
sammenstossen. In Abbildung 1 ist bei AB der Überschlag 
kenntlich gemacht. Aus dieser Abbildung ist auch die Zug- 
einrichtung ersichtlich. An 
einer oberen Holzzarge, die 
zirka 10 cm stark ist, sind die 
beiden Stoffbahnen festgestiftet. 

An der Seite des Zuges sind 
von links nach rechts Porzellan- 
ringe angebracht und zwar 
3-2-1—2 Ringe. Die Innen- 
seite desVorhanges ist gleichfalis 
mit kleinen Ringen, diese aus 
Messing, besetzt, und zwar so, 
dass je eine halbe Ellipsen- 
form durch die Ringe gebildet 
wird. Die Ringe sind unge&hr 
15 cm von einander entfernt 

Am Ende des Stoffes ist eine 
Schnurenleiste befestigt und 
diese durch dazwischen g^enähte 
Bleikugeln beschwert. Dies ge- 
währleistet ein gutes Funktio- 
nieren beim Niederlassen. Die 
Schnuren zum Aufziehen wer- 
den, wie aus der Skizze ersicht- 
lich, durch die Ringe gezogen 
und alle links an einem Zug- 
band vereinigt. Abbildung 2 
und 3 veranschaulichen die 
el^iante Wirkung des hoch- 
gezogenen Vorhangs. 

18 



^SLli 



Allerlei praktische Winke und Ratschläge für den Dekorateur. 



Wie färbt man elektrische Glühbirnen? 

Man stellt folgende Mischung her: 
Weisser Schellack . . 90 Gramm Benzol . 4 Gramm 
Gepulv. Kolophonium 30 „ Alkohol 300 „ 

Dieser Mischung setzt man genügend Anilinfarbe zu, 
bis die gewünschte Farbe entstanden ist. 

Dann reinigt man die Birne gründlich in Alkohol 
und taucht sie in die Mischung. 

Ein anderes Rezept: Zuerst gründhches Reinigen der 
Birne, dann überstreiche man diese mit Eiweiss und lasse 
es gründlich trocknen. Hierauf löst man Anilinfarbe in 
Kollodium und trägt dieses auf die Birne mit weichem 
Pinsel auf. 

Wie lötet man Messing? 

Es gehört dazu eine ziemliche Geschicklichkeit. Zu- 
nächst reinigt man die Teile gründlich. Dann macht man 
sich eine Löte aus Messingfeilspänen, denen man ein 
wenig Zink zusetzt Dieses schmilzt man mittels eines 
Lötrohres, und es ist notwendig, dass die Löte die zu- 
sammenzulötenden Stellen vollständig füllt, da sonst die 
Sache nicht hält. Je mehr Zink den Messingspänen zu- 
gesetzt wird, um so leichter schmilzt die Löte, aber die 
Stelle markiert sich auch leicht weiss am Messing. 

Politur für Nickelstellagen. 

Es gibt eine Menge Präparate für diesen Zweck, 
diese sind alle ziemlich billig und zufriedenstellend. Wir 
geben aber trotzdem folgendes Rezept: 

Man nimmt 60 Gramm fein gepulverte Kreide und 
mischt diese mit 15 Gramm Quecksilber. Oder man 
nimmt gleiche Teile von niedergeschlagenem kohlenstoff- 
haltigem Eisen und gepulverter Kreide. Dieses mischt 
man mit Wasser zu einem Teige. 

Grünliche Politur für Messingstellagen. 

Zunächst gründliche Reinigung. Dann mischt man 

Steinsalz 300 Gramm 

Schwefelsaures Kupfer . 300 „ 
Ammoniaksalz .... 240 „ 

Essigsäure 120 „ 

Essig 240 „ 

Abgestandenes Bier . . 300 „ 

Wasser 4 Liter 

Dann löst man eine Kleinigkeit von Schwefel-Pott- 
asche und bestreicht die Teile dünn damit. Hierauf lässt 
man sie gründlich trocknen und trägt danach obige 
Mischung auf. Zum Schluss lackiert man die Teile noch 
mit farblosem Lack (Vernis). 



Guter Anstrich iür harte Hölzer. 

Helle Eichenfarbe. Dunkle Eichenfarbe. 

Roh Sienna ... 1 kg Roh Sienna . . . *,« kg 
Roh Umbra . . . V« kg Roh Umbra . . . *U kg 
Gesott. Leinsamenöl 2 1 Gesott. Leinsamenöl 2 1 
Besten braunen Lack I 1 Besten braunen Lack 1 I 
Terpentinöl ... 2 1 Terpentinöl ... 2 1 

Für Mahagonifarbe eignen sich weisse Holzen 
Pappel, Birke oder dergleichen am besten. Die folgende 
Formel ergibt eine gute Mahagoni Imitation: 
Gebrannte Sienna V2 kg Gesottenes Leinsamenöl 2 1 
Rosenrot . . . V* kg Bester brauner Lack . 1 1 
Tropfschwarz . Vs kg Terpentinöl .... 2 1 

Veränderte Quantität des Tropfschwarz macht die 
Farbe heller oder dunkler. 



Silberglänzende Tannenzapfen für 
Weihnachtsdekorationen. 

Silberglänzende Tannenzapfen kann man herstellen, 
indem man sie in eine konzentrierte Lösung von Bitter- 
salz oder Alaun taucht und hierauf trocknen lässt. Durch 
wiederholtes Eintauchen und Trocknen wird die schein- 
bare Frostschicht intensiver. Will man Zapfen bron- 
zieren, vergolden oder versilbern, so löst man weiches 
Harz in Benzin oder man verdünnt gewöhnlichen Öl- 
lack in Benzin. Mit dieser Lösung rührt man das überall 
erhältliche Bronze-, Gold- oder Silberpulver an und be- 
streicht dann mit einem Pinsel oder Wattebäuschchen 
die Zapfen und lässt sie trocknen. Man verwende säure- 
freien Lack, oder verrühre denselben mit etwas trocknem 
Kalkpulver und lässt ihn setzen, wodurch er ebenfalls 
säurefrei wird. 



Wie kann man total eingeschmutzte Fenster- 
scheiben reinigen? 

Man bestreiche beide Seiten der Scheiben mit ver- 
dünnter Schwefelsäure. Nach etwa 30 Minuten spüle 
man sie ab, und zwar mit geschlämmter Kreide und 
Wasser. Als ein ganz unfehlbares Mittel wird empfohlen : 
Für 10 Pfg. englische Schwefelsäure und für 10 Pfg. 
Salpetersäure werden in einem Glase gemischt und mit 
der dreifachen Menge Wasser verdünnt. Diese Mischung 
wischt man über die Scheiben und lässt sie dort etwa 
eine Minute wirken. Dann streut man etwas pulveri- 
sierte Schlämmkreide über die Scheibe, reibt mit trockenem 
Lappen nach und spült vor dem Trocknen mit Spiritus- 
wasser. 



138 



Wie kann man leichte Schrammen aus Glas 

enl fernen? 

Man löse 30 Gramm weissen Wachs in einem halben 
Liter Terpentin, indem man das Gefäss, welches beides 
enthält, über einer Flamme erwärmt und trägt es dann 
mit einem weichen Lappen auf die Stellen, welche 
Schrammen aufweisen. Wenn diese auch nicht ganz ver- 
schwinden, so wird doch die Glasoberfläche dadurch 
bedeutend verbessert. 

Ein gutes Rezept, um Glas zu reinigen, ist folgendes: 
Man mische 30 Gramm pulverisierte Kreide, 30 Gramm 
Alkohol und 30 Gramm Ammoniakwasser in einen 
halben Liter reinen Wassers, trägt es mit einem weichen 
Lappen auf, lässt trocknen und wischt dann mit einem 
Lederlappen ab. Kleine Schrammen entstehen durch 
Hitze oder durch Kratzen oder Stösse, und wenn diese 
vernachlässigt werden, so verbreiten sie sich bald weiter. 
Eine gute Methode, ihre Vergrösserung aufzuhalten, ist, 
dass man an jedem Ende der Schramme einen kurzen 
Gegenstrich, im rechten Winkel zu der Schramme T 
laufend macht, und zwar mit einem Glaserdiamant. Alles 
Gesagte bezieht sich nicht nur auf Fensterscheiben, sondern 
auch auf Glasschaukästen, Glasladentische usw. 

Wie kann man gewöhnlichen Hölzern eine 
Mahagoni-Farbe geben? 

Zunächst muss die Oberfläche des betreffenden Holzes 
ganz glatt gemacht und dann mit verdünnter Salpeter- 
säure behandelt werden, welche gut in das Holz resp. 
in die Faser eingerieben werden muss. Dann präpariert 
man eine Lösung von 50 Gramm Drachenblut in einem 
halben Liter Alkohol, die Lösung wird filtriert und ein 
Drittel ihres Gewichts kohlensaures Natrium dazu gegeben. 

Diese Mischung wird mit einem Pinsel auf das Holz 
gestrichen, und dies wird wiederholt, bis der Anstrich 
das Aussehen von Mahagoni hat. Den Glanz erzielt 
man durch Reiben mit einer kleinen Quantität von 
kaltem Leinöl, mittels eines wollenen Lappens. 

Wie kann man eine Goldbronze herstellen? 

Eine recht brauchbare Goldbronze oder Aluminium- 
farbe kann man sich billig herstellen, indem man klaren 
Firnis mit soviel Gold- oder Aluminiumpulver mischt, 
dass eine Pasta entsteht. Diese Pasta wird dann zum 
Pinselgebrauch mit Terpentin verdünnt und lässt sich 
gut auf Holz, Gips usw. verwenden. 

Die Verwendung des Blattgoldes. 

Blattgold-Bücher dürfen niemals der Feuchtigkeit 
ausgesetzt sein. Das Beste ist, Blattgold vor dem Gebrauch 
etwas anzuwärmen, da dann die Blätter sich viel leichter 

189 



lösen lassen. Mattes Blattgold ist für Aussenarbeiten 
nicht zu verwenden, da dasselbe dem Wetter nicht so 
stand hält wie das blanke Gold. Mattgold ist eine Le- 
gierung von Gold und Silber, letzteres wird leicht durch 
schädliche Einflüsse verdorben und schwarz. Für Aussen- 
gebrauch ist das blanke Blattgold das beste von allen. 

Blattgold sollte auf einen Grund gelegt werden, 
welcher annähernd der Farbe des Blattgoldes gleichkommt, 
wie z. B. auf Rotgelb; Weiss geht auch, aber Chromgdb 
ist besser und wird fast allgemein angewandt 

Blattgold bildet immer eine sehr dauerhafte Ver- 
goldung. Man erhält ein besseres Resultat, wenn man 
erst eine Lage von Blattzinn oder Blattaluminium unter- 
legt. Wenn man eine Vergoldungsarbeit vorhat, welche 
man lackieren muss, ehe sie ganz trocken ist, benutze 
man Schellack-Eiweiss. Man darf aber in dem Falle 
keine fette Ölfarbe für den Grund unter dem Gold an- 
wenden, sondern muss eine solche aus Firnis herstellen. 

Blattgold auf Spiegelglas wirkt viel besser, wie auf 
gewöhnlichem Glas. Ebenso wirkt Blattgold auf emer 
guten Grundfarbe besser als auf weniger guter Farbe. 
Buchstaben in Blattgold sehen am besten aus, wenn man 
dieselben durch eine feine schwarze Linie konturiert 



Imprägniermittel für Holz. 

Imprägniermittel, welche Holz ganz un verbrennbar 
machen, gibt es nicht, dagegen gibt es verschiedene, 
nach deren Anwendung Holz nur ganz langsam verkohlt 
und nicht in heller Flamme brennt. Von Fachleuten 
werden folgende Mittel empfohlen : Man imprägniert oder 
durchsättigt das Holz mit Alaun, Borax, Wasserglas oder 
Eisenvitriol. Man streicht es mit einer heissgesättigten 
Lösung von 3 Teilen Alaun und 1 Teil Eisenvitriol, darauf 
mit einer Mischung von verdünnter Eisenvitriollösung 
und Töpferton. Ein anderer feuerfester Holzanstrich 
besteht aus einer Mischung von 33,3 Teilen schwefel- 
saurem Ammoniak, 66,§ Teilen Gips und 100 Teilen Wasser. 



Wie bessert man schadhafte Stellen 
an Spiegeln aus? 

Ganz und gar lassen sich solche Stellen wohl nicht 
beseitigen, aber doch soweit, dass nur eine schwache 
Spur davon übrig bleibt Um sie ganz verschwinden 
zu machen, wäre ein Neubelegen der ganzen Spiegel- 
scheibe notwendig. Man reibt die beh-effenden Stellen, 
denen der Belag fehlt, mit einem Bäuschchen Watte, 
welches man vorher in Benzin taucht, damit keinerlei 
Fett- oder Staubteile daran haften. Man wiederhole dies 
einige Male. Hierauf überstreicht man sie mittels eines 
Pinsels mit einer ganz dünnen und ganz weissen Lösung 

18* 



von arabischem Gummi, klebt vorher zurecht geschnittenes 
Stanniol darauf und drückt solches durch Überstreichen 
mit einem Falzbein auf der Glasfläche fest. 

Wie poliert man Möbel aui? 

Alle polierten Hölzer, Nussbaum, Mahagoni, Poli- 
sander usw. müssen im Verlauf von einigen Jahren auf- 
poliert werden. Dies ist leicht zu bewerkstelligen durch 
kräftiges Reiben mit einem weichen Leinenlappen oder 
Flanell, welches in eines der folgenden Politurmittel 
eingetaucht worden ist: 360 Gramm gekochtes Lein- 
samenöl, 360 Gramm Terpentinöl, 360 Gramm Weinessig, 
gut durchschütteln vor dem Gebrauch, oder 30 Gramm 
Chlorwasserstoffsäure, 480 Gramm rohes Leinsamenöl, 
30 Gramm Terpentinöl, 1450 Gramm Benzin, ebenfalls 
gut durchschütteln, oder 2880 Gramm gelbes Wachs, 
900 Gramm Terpentinöl. Das Wachs wird geschabt 
und über Nacht eingeweicht; dann tut man den Topf, 
in dem sich Terpentinöl und Wachs befindet, in heisses 
Wasser. Inzwischen präpariert man folgende Lösung: 
60 Gramm Perlasche, 120 Gramm Schmierseife, I Liter 
heisses Wasser. Man mische beide Lösungen gründlich, 
bis sie durchaus ineinander aufgegangen sind. 

Wie reinigt man am besten natürliches oder 
gebeiztes, nicht poliertes Holzwerk? 

Man mische zirka 1,60 Gramm Chloroform, eben- 
soviel Äther, 180 Gramm Benzin, und genug Leinsamenöl, 
dass die ganze Mischung 360 Gramm ergibt. Dies trage 
man auf und reibe dann trocken mit einem wollenen 
Lappen nach. 

Wie reinigt man 
mit Ölfarbe gestrichenes Holzwerk? 

Ölige Reinigungsmittel genügen da nicht; auch die 
häufige Anwendung von Seifenwasser ist nicht ratsam. 
Man nehme einen weichen Flanellappen, welcher erst 
in warmes Wasser getaucht, dann beinahe wieder trocken 
gewrungen worden ist. Diesen taucht man in gepulverte 
Kreide. Nachdem man das Holzwerk damit gereinigt 
hat, poliere man mit einem trockenen Lappen nach. 

Wie bohrt man ein Loch durch eine Glasplatte ? 

Man mache eine Lösung von 30 Gramm Kampfer, 
45 Gramm Terpentinspiritus und 30 Gramm Äther. 



Man halte die Bohrspitze gut mit dieser Mischung be- 
feuchtet. Die scharfe Ecke einer frisch gebrochenen 
Feilenspitze ist als Bohrer ausgezeichnet. 

Eine andere Methode um Löcher in Glas zu bohren : 
Erhitze den Bohrer bis zur Weissglühhitze und tauche 
ihn dann in Quecksilber, wodurch er sehr hart wird; 
darauf wird Spitze und Fläche recht glatt geschliffen. 
Während man bohrt, befeuchtet man den Bohrer mit 
einer gesättigten Lösung von Kampfer und Terpentinöl. 
Es bohrt sich dann leicht durch Glas. 

Weissen Stoff aufzufrischen. 

Weisser Filz oder Flanell wird jetzt häufig als Flur- 
belag für Schaufenster gebraucht. Solcher Stoff wird 
natürlich leicht ein wenig „schmuddelig", und man kann 
denselben nicht deshalb wechseln. Da ist es zweck- 
mässig, ein wenig pulverisierte Kreide darüber zu streuen 
und dieselbe dann abzubürsten. (Etwas Roggenmehl tut 
es übrigens auch.) Der Stoff wird danach weiss und wie neu. 

Wie entfernt man Glasbuchstaben 
von Schaufensterscheiben ? 

Buchstaben aus Glas, Porzellan oder Metall entfernt 
man von Schaufensterscheiben auf folgende Weise: Man 
taucht einen kleinen Schwamm in eine Lösung von Ätz- 
soda oder Pottasche und drückt damit wiederholt auf 
die Buchstaben, besonders ringsherum auf die Kanten. 
Wenn der Zement (oder das Klebematerial) mit dem die 
Buchstaben befestigt sind, erweicht ist, hilft man nach, 
indem man mit der Spitze eines Taschenmessers die 
Buchstaben zu heben versucht und dabei stets mit dem 
Schwamm nachfeuchtet, bis die Lösung die Buchstaben 
unterhalb ganz benetzt hat, dann sind sie leicht und ohne 
zu brechen abzunehmen. 

Feuerfestes Papier für Dekorationszwecke. 

Ein einfaches und billiges Mittel, um weisses Papier 
feuerfest zu machen, ist folgendes : Man löst eine Quan- 
tität pulverisierten blauen Vitriol und Alaun in Wasser, 
taucht das Papier oder den Stoff mehrere Stunden lang 
in die Lösung und lässt dann trocknen. Für farbiges 
Papier oder Stoff ist das Mittel nicht anzuwenden, da 
die Farben ausgehen. 



Wichtige Regeln für Dekorateure. 



Man sei stets übervorsichtig bei der Ver- 
wendung von elektrischen Drähten und Birnen im 
Fenster und probiere erst sorgfältig, ob auch kein Teil 
defekt ist. 

Im allgemeinen sollen die grossen ornamentalen 
oder architektonischen Aufbauten vermieden werden, 



namentlich aber die Zusammenstellung solcher aus Waren 
und Artikeln, deren eigentlicher Zwec k dieser Verwendung 
diametral entgegenläuft Wenn man Wachsfiguren be- 
nutzt, gebe man denselben eine möglichst ungezwungene 
und natürliche Stellung. Man sieht oft Wachsfiguren 
von einer widerlichen Steifheit und Gezwungenheit 



140 



Auch beachte man, dass die Kleidungsstücke für die 
Figuren in den richtigen Grössen ausgewählt werden 
und ordentlich sitzen. 

Jede Überfüilung des Fensters ist ängstlich 
zu vermeiden. Ausser bei Kurzwaren und dergl. benutze 
man auch nicht zu vielerlei Waren in einer Dekoration. 

Mechanische Effekte in den Schaufenstern sind 
eigentlich nur noch zur Weihnachtssaison zulässig, 
verfehlen dann aber selten ihre Wirkung. 

Man verwende Preiskarten, wenn es irgend angängig 
ist. achte aber streng darauf, dass nur saubere Karten in das 
Fenster kommen, auch müssen dieselben im Stil der Deko- 
ration gehalten und von guten Proportionen sein. 



Man lasse vor jeder Dekoration die Scheibe 
von innen und von aussen putzen. 

Man beobachte die Wirkung der Dekoration auf 
das Publikum und frage in der betreffenden Abteilung 
nach. Vielleicht war die Dekoration gut, aber befand 
sich nicht im richtigen Fenster, vielleicht war sie noch 
nicht oder nicht mehr ganz saisongemäss 

Jedenfalls sollte man sich dafür interessieren, ob 
eine Dekoration ihren Hauptzweck erfüllt hat oder nicht 

Man halte sich einen Abreisskalender, an dem 
man die Tage, welche besondere Dekorationen verlangen, 
vorher markiert. Tage von Konventionen oder lokalen 
Festen usw. 



Dekorations-Register. 



System in der Arbeit sollte für jeden Dekorateur 
eine Hauptbedingung sein, man erleichtert sich die Sache 
wesentlich dadurch, und man wird nie Erfolg haben, 
wenn die Arbeit und die Arbeitenden nicht systematisch 
zusammengehen. Man muss wissen, was man dekorieren 
will, womit man dekorieren will und wie man dekorieren 
will, bevor man die Arbeit selbst anfängt. 

Jeder Dekorateur sollte soviel zeichnen können, um 
den ungefähren Plan einer Dekoration zu entwerfen, und 
er muss auch einen Kostenanschlag machen können. 

Man sollte auf alle Fälle ein Dekorationsregister 
anlegen in einem speziell dazu eingerichteten Buch. 
In einer Rubrik die Nummer des Schaufensters, in der 
nä:hsten die ausgestellte Ware oder Branche, in den darauf- 
folgenden Rubriken die Daten derTage, während welchen die 
Dekoration ausgestellt war. Durch ein solches Register 
werden namentlich in grossen Geschäften, Waren- 
häusern etc. viele Streitigkeiten und Zwistigkeiten 



vermieden resp. geschlichtet Man halte aber dieses 
Register stets in guter Ordnung und zwar schon einige 



Kenster 


Waren 


Datum 


Waren 


Datnt 


1 
2 
3 


Schuhwaren 


vom 

4.-10. 
Sept. 


Glas. Porzellan 


\ ■>rn 
10.-15. 
Sept. 

6.-U. 
Sept. 

Toni 
8-10. 
Sept. 


Putzwaren 


vom 
4.-6. 
Sept 


Kleiderstoffe 


Gardinen 
Möbelstoffe 
Tischdecken etc. 


vom 

2.-8. 
Sept. 

usw. 


Galanteriewaren 



Zeit vorher, um die Abteilungschefs rechtzeitig in Kennt- 
nis zu setzen, damit sie ihre auszustellenden Waren in 
Bereitschaft halten. 



Das Reparieren von Wachsköpfen. 



Vielfach wurde an uns die Frage 
nach einer gründlichen Anweisung 
zur Selbstreparatur von beschä 
digten resp. unansehnlich gewor- 
denen Wachsköpfen gestellt Im 
allgemeinen raten wir dazu, diese 
schwierige Arbeit doch liebereinem 
Fachmann zu überlassen, um nicht 
teureWachssachen durch misslungene 
Reparaturen gänzlich unbrauchbar zu 
machen. Aber es kommen Fälle vor, 
wo dies zu umständlich oder zu 
zeilraubend ist, und für solche 
Fälle wollen wir hier die Arbeit 
beschreiben. 




Das nötige Werkzeug. 

141 



Wenn z. B ein Kopf zerbrochen 
ist, sammle man zunächst alle Stücke, 
und wenn dieselben unsauber sind, 
reinige man sie sorgfältig mit einem 
Leinentuch, welches in einer Flüssig- 
keit angefeuchtet ist, die aus gleichen 
Teilen Benzin, Terpentin und Kerosin 
besteht. Dann setzt man die Teile 
sorgfältig zusammen, indem man 
Nadeln oder Draht in die Bruch- 
kanten steckt und hierauf die Teile 
zusammendrückt Abbildung I zdgt 
zwei Stücke mit den Nadeln vor dem 
Zusammensetzen, Abbildung 2 zeigt 
die Teile zusammengedrückt 



Man erhalte das Gesicht des Kopfes, wenn man 
daran arbeitet, so sauber wie möglich; namentlich hüte 
man sich, Schrammen oder dergl. zu reissen. Es ist des- 
halb zweckmässig, zunächst das Haar aufzumachen und 
auf dem Wirbel zu einem Knoten zu schlingen ; an diesem 
Knoten handhabt man den Kopf. 

Das nötige Werkzeug. 

Man braucht nicht viel und keine teuren Werkzeuge. 
Ein einfaches Tischmesser (3), ein Küchenmesser (wie 4) 
mit langer, biegsamer Spitze, mit der man auch in die 
Mundwinkel und andere Ecken und Vertiefungen gelangen 
kann, genügen. Ein solches Messer sollte erhitzt und die 
Spitze umgebogen werden (5); man bekommt dadurch 
ein brauchbares Instrument für das Ausarbeiten der Nasen- 
löcher, Ohren usw. Die Messer oder Spachtel werden 
beim Arbeiten stets heiss gemacht und zwar über einer 
Gasflamme oder einer Alkohollampe. Es arbeitet sich 
natürlich viel leichter in Wachs mit warmem Messer, man 
darf aber mit dem Benzin oder Terpentin der Alkohol- 
iampe nicht zu nahe kommen. 

Das Aiifiüllen der Sprünge und Spalten. 

Zum Auffüllen der Spalten und Sprünge braucht 
man natürlich Extrawachs. Wenn man solches nicht hat, 
kann man unten am Halse oder an der Schulter des 
Kopfes etwas abschneiden. Dann füllt man die Sprünge, 
indem man das Wachsstück gegen das heisse Messer 
drückt und das geschmolzene Wachs in die auszufüllende 
Vertiefung fliessen lässt. Sobald es abgekühlt ist, schabt 
man mit der Spitze des Messers eine V-förmige Rinne 
den ganzen Sprung entlang, auch diese füllt man mit 
Wachs aus. Nachdem es abgekühlt ist, schabt man das 
überflüssige Wachs ab und glättet die Stellen mit dem 
warmen Messer, so dass sie kaum noch sichtbar sind. 

Wenn der Sprung gerade durch die Augenbrauen 
geht, ev. auch durch die Wimpern, so muss man die 
reparierten Stellen mit Haaren versehen. Man nimmt zu 
dem Zweck eine feine Nähnadel und bricht das Oehr zur 
Hälfte ab, so dass zwei kleine Spitzen daran stehen bleiben. 

Dann sticht man die Spitze der 

Nadel so tief in einen Pinselstiel 
oder dergl., dass sie fest sitzt (Ab- 
bildung 6). Man nimmt nun aus 
der Perücke des Kopfes ein oder 
zwei Haare, zieht es durch das ab- 
gebrochene Nadelöhr und drückt 
es mit dem Stiele in den Wachs- 
kopf, wo es hingehört. Dann zieht 
man die Nadel heraus, und das 
Haar bleibt im Wachs stecken. Dies 
wiederholt man, so oft es nötig ist. 
Hierauf schneidet man die Haare 
mit einer Schere gleichmässig. 











,lie^♦'• 






Das Färben und Schminken der Köpfe. 

Dafür gibt es verschiedene Methoden, die aber alle 
ziemlich gleich sind. Die leichteste und einfachste ist aller- 
dings auch die am wenigsten haltbare. Wir werden zwei 
der Methoden beschreiben. Zunächst muss alle alte Farbe, 
Schminke, Puder entfernt werden, und zwar wieder mit 
einem weichen Leinentuch, angefeuchtet mit der eingangs 
erwähnten Flüssigkeit (Terpentin, Benzin, Kerosin). Viel- 
leicht wurde aber dieser oder jener Kopf schon öfter 
gereinigt und hat alle plastischen Feinheiten verloren, 
z. B. die Nasenlöcher, die Mundwinkel, die Form der 
Lippen, die Augenlider usw. Da muss man erst ver- 
suchen, wieder Charakter in den Kopf zu modellieren, 
und zwar mit erwärmten Messerspitzen. Man beginnt 
am Munde, vertieft die Winkel. Wir geben hier einige 
diesbezügliche Skizzen. Abbildung 1 zeigt den Mund an 
einem oft reparierten Kopf. Abbildung 2 zeigt, wie 
man die Züge mehr hervorholt Abbildung 3 gibt eine 
Frontansicht des Mundes und besonders der Stellen, die 
remodelliert werden sollen. Dann kommt die Nase. Man 
macht die Nasenlöcher etwas tiefer, ebenso die Winkel, 
wo unten die Nase an die Wangen ansetzt 

In Abbildung 4 ist eine Profilansicht der Nase gezeigt, 
an welcher auch die bewussten Stellen markiert sind. Um 
dem Auge mehr Ausdruck zu geben, vertiefe man die 
Linien gerade über den Augenwimpern. Alles andere 
lasse man lieber, wenn man nicht im Modellieren geübt 
ist, Abbildung 5 zeigt die Linie, welche vertieft werden soll. 
Hierauf wäscht man den Kopf nochmals mit weichem, 
weissem Leinenstoff mit derselben Flüssigkeit, die schon 
einige Male angeführt wurde, auch den Hals und, wenn 
Schultern daran sind, diese. Man trocknet hierauf den 
Kopf wieder etwas ab und ist dann fertig für das Fär- 
ben. Hierfür verwendet man trockene, pulverisierte Farben. 
Diese bestehen aus zwei Teilen pulverisiertem Bimstein 
und einem Teil präzipitierter Kreide. Dieser Mischung 
setzt man entsprechend Karmin zu, und zwar in ver- 
schiedenen Abstufungen, so dass man mehrere Grade 
für Hautfarbe zur Verfügung hat Man trägt das Pulver 

— zuerst das weisse — mit einem 
Marderhaarpinsel von ca. 2 cm 
Durchmesser auf das Wachs, dann 
folgt ein zartes Rosa. Nun be- 
handelt man mit einem Stück Watte 
das Gesicht und koloriert dann 
die entsprechenden Stellen an 
Schläfen, Nase, Wangen usw. 
dunkler. An die Augenlider, 
Lippen usw. kommt die kräftigste 
rote Farbe. Aus den Augenbrauen, 
Haaren usw. bürstet man dann die 
überflüssige Farbe mittelst einer 
Zahnbürste oder dergleichen weg. 




^'rtiefen 



Vertiefen 



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^frUfffn 




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Die anderen Methoden arbeiten mit Oelfarbe, mit 
Terpentin vermischt. Auch hier wird ein runder Pinsel 
von 2 cm Durchmesser und mit ziemlich steifen Haaren 
gebraucht Als weisse Farbe nimmt man hier englisches 
Bleiweiss, für Rot eine Mischung von Krapp-Lack mit 
Rosa. Solch Oelanstrich ist wohl der dauerhafteste, den 
es gibt. Fingerflecke, Staub usw. können abgewaschen 
werden. Allerdings wirkt Oelfarbe etwas grob und nicht 
so natürlich wie Pulverfarbe. 

Hände werden in derselben Weise repariert wie die 
Köpfe. Das Frisieren der Haare kann jede geschickte 
Verkäuferin besorgen, wenn man keinen Friseur zur 
Hand hat 

Grosse Kälte veranlasst, dass die Wachsköpfe 
springen, gewöhnlich bei den Augen, da dies der dünnste 
Teil ist Auffallend grosse Hitze macht aber die Köpfe 
schmelzen. Sind sie zu sehr geschmolzen, so kann man 
sie nicht mehr reparieren; manchmal sind sie aber nur 



etwas aus der Form gekommen Der Hals ist eingefallen 
und der Kopf ist deshalb zu sehr nach vom gebogen. 
Um dies wieder in die richtige Linie zu bringen, hänge 
man den Kopf in einen Eimer und giesse genug heisses 
Wasser dazu, dass der verletzte Teil bedeckt ist Man 
lasse den Kopf solange im Wasser, bis das Wachs weich 
wird und versuche dann, den Hals wieder gerade zu 
bekommen. 

Je älter der Wachskopf ist, umso schwerer ist 
er zu reparieren; je älter das Wachs ist, umso spröder 
ist es auch und man darf sich nicht wundern, wenn bei 
der Arbeit der ganze Kopf in Stücke fällt 

Manche Sorten — billige Köpfe — werden aus 
Paraffin und ähnlichen Ingredienzen hergestellt Man 
erkennt diese an der viel blasseren und unnatüriichcn 
Farbe. Diese Köpfe sind schwer zu reparieren. Man 
achte deshalb gleich beim Einkauf darauf, dass man 
echte Wachsköpfe bekommt 



Allerlei Verbesserungen für modernen Geschäftsbetrieb. 



Das „sprechende" Reklameschild. 

,ySprechende Schilder", wie sie ganz treffend ge- 
nannt werden, sind nicht nur in der Dunkelheit leuch- 
tende Schilder, sondern durch die mechanisch bewirkte 
Abwechslung der Buchstaben werden zahlreiche Worte 




Heute 
Spezialtag 

für 

Srrijmpre&TriKofagen 




Wenn ein solches Schild wie das letztere schon eine 
bedeutende Verbesserung der permanent gleich leuchten- 
den Schilder bedeutet, so ist doch die Verbesserung eine 
viel wesentlichere bei einem Schild mit abwechselndem 
Text Ein sogenanntes sprechendes Schild, welches richtig 
verschiedene Worte oder Sätze zur Ansicht bringt, ist in 

demselben Verhältnis 
wertvoller als das Schild 
mit dem unveränder- 
lichen Text, auch wenn 
derselbe alle paar Se- 
kunden aufleuchtet und 
wieder verschwindet. 



Wenn man ein sol- 

und kürzere Sätze in gewisser Reihenfolge dem Publikum ches sprechendes Schild 
vor Augen geführt. Diese Schilder erzählen ihre Texte am Hause hat, kann man 
in einer vielleicht etwas einförmigen, aber effektvollen wohl sicher sein, die 
Art jedem Passanten, welcher seine Blicke auf sie lenkt, 
und das lässt sich kaum vermeiden. Viele der Schilder 
mit einem oder einigen Worten sind so eingerichtet, dass 
zwischen dem jedesmaligen Aufleuchten des Textes eine 
kurze Dunkelheitspause fällt, und wird die Wirkung als 
Reklamemittel dadurch noch gehoben. 



Aufmerksamkeit aller 
Passanten innerhalb des 
Gesichtskreises desselben 
anzuregen, und man 
kann ihnen mitteilen, 
was man will. 







142 



148 



Das Innere eines Ladens soll dem Äußeren entsprechen. 



Oft entspricht das Innere eines Detailgeschäfts durch- 
aus nicht der glanzvollen Aussenseite Der Geschäfts- 
inhaber, welcher dafür sorgt, dass die Front seines Ladens 
einen modernen Eindruck macht, dass die Schaufenster 
mit guter Ware auch gut dekoriert sind, hat sein mög- 
lichstes nach aussen getan, um die Leute zum Betreten 
des Geschäfts zu veranlassen. Aber nun kommt die 
andere Seite, das Innere des Ladens! Wie sieht es da aus? 

Wir haben Ladengeschäfte mit glänzender Aussen- 
seite, mit prächtig dekorierten und erleuchteten Schau- 
fenstern, sowie prahlerischen Firmenschildern. Dieser 
ganze Glanz hat sofort ein Ende, wenn man die Ladentür 
hinter sich hat. Ein enges, winkliges, schlecht erleuchtetes 
Lokal, veraltete Ute^nsilien, unbequeme Stühle, herum- 



liegende leere Kartons und anderes Packmaterial, und 
nur zu häufig minderwertiges Verkaufspersonal! 

Man hat nach dem glanzvollen Äusseren ein ebenso 
elegantes Verkaufslokal mit entsprechender Bedienung 
erwartet, und ist nun, vor Enttäuschung, direkt verblüfft. 

Vielleicht sind die meisten Leute nicht unverfroren 
genug, ein solches Geschäftslokal ohne Kauf wieder zu 
verlassen, aber viele werden dasselbe zum zweiten Male 
nicht betreten. 

Bei den meisten Geschäften entspricht allerdings 
heutzutage das Innere des Ladens auch der eleganten 
Aussenseite, aber es gibt tatsächlich, und sogar in Haupt- 
geschäftsstrassen Geschäfte, auf welche die obige Be- 
schreibung zutrifft. 



Wie und wo sollen die verschiedenen Abteilungen arrangiert werden? 



Die Antwort auf diese wichtige Frage hängt wesent- 
lich von der Grösse des Geschäfts und des Geschäfts- 
lokales ab. Wir wollen ein Warenhaus mit mehreren 
Stockwerken annehmen, und wollen versuchen, die ver- 
schiedenen Abteilungen zu verteilen. 

Erdgeschoß. 

Samt und Seide, Kleiderstoffe, Waschstoffe, Leinen, 
Flanelle, Futterstoffe, Baumwollenstoffe, Schlafdecken, 



waren, Koffer. Spielwaren, Uhren. Stahlwaren, Neu- 
silberwaren, Sportartikel und etwa Lebensmittel. 

Es gibt natürlich Umstände, welche diese ungefähre 
Anordnung stark verändern, es wird jedoch immer ver- 
schiedene Meinungen über die richtige Lage dieser oder 
jener Abteilung geben. Man sollte annehmen, dass das 
Erdgeschoss am besten für die Manufakturwarenabteilung 
passt, aber eine Anzahl grösserer Häuser haben diese 
in den ersten Stock gelegt und sind damit sehr zufrieden. 
Steppdecken usw. Kurzwaren und Besatzartikel, Spitzen, Jedenfalls sollte die Abteilung für Seiden- und Kleider- 



Stickereien, Bänder, Garne, Weisswaren, Schleier, Taschen- 
tücher, Handschuhe, Schirme, Strumpfwaren, Schmuck- 
sachen, Leder- und Galanteriewaren, Toilettenartikel, 
Papierwaren, Herrenwäsche und -artikel, Herrenhüte, 
Herrenkonfektion. 

I. Stockwerk. 

Damenkonfektion, Mäntel, Jacketts, Kostüme, Röcke, 
Blusen, Mädchen- und Backfischkleidung, Pelzwaren, 
Korsetts, Morgen- und Schlafröcke, Kinder- und Knaben- 
garderpbe, Putzwaren, Jupons, feine Wäsche und Schuhe. 

IL Stockwerk. 

Gardinen, Portieren usw., Rouleaus, Linoleum, Wachs- 
tuch, Teppiche, Läufer, Matten usw. Optische und photo- 
graphische Artikel. Künstler-Material. Handarbeitsartikel 
aller Art. Musikalien, Noten. Nähmaschinen. Kleinere 
Ziermöbel. 

III. Stockwerk. 

Porzellan, Glas, Lampen, Nippes. Blechwaren, Haus- 
haltungsartikel aller Art Ofen, Körbe, Besen usw. Kinder- 



stoffe so liegen, dass sie möglichst viel Tageslicht erhält 
Manche Firmen verlegen diese Abteilungen nach dem 
hinteren Teile des Geschäftslokales, weil dort die Kunden 
ruhiger aussuchen und wählen können. Stapelwaren an 
Leinen, Decken usw. werden häufig in der Nähe der 
Bettstellen, Federn usw. verkauft. 

Herrenartikel sollten stets im Erdgeschoss verkauft 
werden, manche Firmen haben diese Abteilung in den 
ersten Stock gelegt, wir halten dies aber für unrichtig. 
Herrenkonfektion kann dagegen in das erste Stockwerk 
plaziert werden. Die Abteilung für Herrenartikel, Wäsche, 
Hüte sollte auch nicht zu fern vom Eingang liegen und 
ohne vieles Suchen zu finden sein. Die Schuhabteilung 
haben wir als im ersten Stock liegend angeführt; wenn 
im Parterregeschoss noch Raum vorhanden ist, kann sie 
auch dort plaziert werden. Korsetts werden in vielen 
kleineren Warenhäusern im Parterregeschoss verkauft; 
wenn die Abteilung aber eine recht lebhafte ist und ent- 
sprechend ausgestattet werden soll, empfiehlt es sich, 
dieselbe in den ersten Stock zu verlegen. Die Trikotagen- 



144 



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i«HJl,l IPTT^ 



abteilung kann ebenfalls getrennt werden, indem Unter- teilungen für Kurzwaren und Schmucksachen werden ge- 

zeuge, Socken usw. für Herren bei den Herrenartikeln wohnlich in dem Erdgeschoss arrangiert, und zwar am 

verkauft werden, Damen- und Kinderartikel der Branche Hauptgang, nahe dem Eingang, so dass die Kundinnen 

jedoch im ersten Stock, nahe der Damenwäsche. Die Ab- daran vorbei müssen. 



Die Instandhaltung der Stellagen und Inneneinrichtungen. 



Ohne Fürsorge verliert eine Ladeneinrichtung sehr 
bald ihren Glanz. Der Kaufmann, welcher ängstlich die 
Kosten für Instandhaltung und Renovierung seiner Stel- 
lagen berechnet, hat eine falsche Ansicht bezüglich der 
Sparsamkeit Nicht nur, dass das Ansehen des ganzen 
Geschäfts darunter leidet, sondern es verlangt auch eine 
vernachlässigte Einrichtung eine viel schnellere Erneuerung 
und wird dadurch viel kostspieliger. Wir geben deshalb 
einige Mittel zur Erhaltung der Geschäftsutensilien; die 
Mittel werden von praktischer Seite als erprobt und be- 
währt empfohlen. 

Um Fettflecke von Kokos- oder anderen Matten 
zu entfernen, feuchtet man eine Fingerbürste mit schwach 
gesalzenem Wasser an, seift dieselbe mit Castileseife ein 
und scheuert die Stelle tüchtig. Dann macht man das 
Wasser kochend und bürstet so lange, bis der Fleck 
verschwunden ist Darauf wäscht man mit einem reinen 
Lappen nach und reibt die Stelle trocken. Man reibe 
immer längsweise mit dem Gewebe. 

Um Linoleum ein frischeres Aussehen zu geben, 
wäscht man dasselbe mit warmem Seifenwasser, spült es 
ab und trocknet es gründlich. Nachdem es trocken ist, 
geht man über die Oberfläche mit folgender Mischung: 
Man schmilzt 50 Teile Bienenwachs mit 100 Teilen 
Camanbawachs (Copernicia cerifera). Man entfernt es 
vom Feuer und rührt 450 Teile Terpentin dazu und 
genug Benzin, um 100 Teile voll zu machen. Damit 
überstreicht man abends Linoleum und poliert es am 
nächsten Morgen mit wollenen Lappen. 

Zum Staubwischen ist ein geölter Lappen besser 
wie ein ganz trockener, zum Auffegen ein geölter Besen 
besser wie einer ohne Öl. Man nehme ein passendes 
Stück Stoff und tränke es mit Petroleum ; dann lasse man 
es liegen, bis das Öl ziemlich verdunstet ist. Vor dem 
Gebrauch probiere man den Lappen erst an einem Brett 
und benutze es erst, wenn er auf diesem keine 
streifen melir hinterlässt Das Tuch sollte nach dem 
Gebrauch gut ausgeschüttelt und einmal in jedem, Monat 
neu geölt werden. 

Eine Pomade, wodurch man mit ein wenig Arbeit 
Messing- und andere Metallstellagen in guter Ordnung 
erhält, ist folgendermassen herzustellen: Man tut eine 
Quantität Abschabsei von gewöhnlicher Seife in einen 



alten Blechnapf (eventuell alte Konservenbüchse) und 
giesst so viel kochendes Wasser darauf, dass die Seife 
bedeckt wird. Man lasse das stehen, bis die Seife weich 
wird, und rührt es dann mit einem Stock zu einem Teig. 
Man verdünnt diesen mit einer entsprechenden Quantität 
Wasser und tut nach und nach genügend gepulverten 
Tripel dazu, dass eine Salbe entsteht. Wenn die Artikel 
sehr angelaufen und schmutzig sind, wird sich der Zusatz 
einer gesättigten Lösung von Ammoniak-Wasser mit 
Oxolsäure sehr nützlich erweisen. 

Zum Reinigen und Polieren von Marmor gibt es 
zwei Methoden: 1. Man wäscht die Oberfläche mit einer 
Mischung von fein pulverisiertem Bimsstein und Essig, 
dann wartet man einige Stunden, um es flüchtig abzu- 
bürsten und es dann rein zu waschen. Wenn es trocken, 
reibt man es mit spanischer Kreide und einem Leder- 
lappen ab. 2. Schmierseife 4 Teile, spanische Kreide 
4 Teile, doppeltkohlensaures Natron 1 Teil. Diese Teile 
mischt man gründlich und reibt sie mit einem Stück 
Flanell auf dem Marmor, dann wäscht man mit reinem 
Wasser ab und reibt mit Flanell oder Filz trocken. 

Spiegel, Schaukasten- und Fensterscheiben reinigt 
und poliert man auf folgende Weise: Kohlensaures 
Natrium 30 Gramm, gepulverte Kreide 120 Gramm; 
starkes Ammoniakwasser 30 Gramm, Alkohol 120 Gramm, 
Wasser genug, um 360 Gramm zu erhalten. Man mische 
gut und trage es mit einem Schwamm auf. Wenn es 
trocken ist, reibt man ab und poliert nach. 

DieOberfläche von Spiegeln und anderen geschliffenen 
Scheiben wird oft unansehnlich, wenn sie nicht mit der 
entsprechenden Sorgfalt behandelt wird. Wenn die 
Schrammen und Kratzstellen nicht zu tief sind, können 
dieselben entfernt und das Glas zu seinem früheren 
Glanz gebracht werden. Dies geschieht durch die Be- 
handlung mit folgendem Pulver: Kölnische Kreide 
60 Teile, Tripel 30 Teile, Bolus 15 Teile. Alles fein 
pulverisiert und gemischt. Dann benetzt man die Ober- 
fläche des betreffenden Gegenstandes leicht mit Wasser, 
nimmt ein Stück Leinwand, taucht es in die Mischung 
und reibt nun, bis der alte Glanz entsteht. 

Wer diese Rezepte nicht selbst mischen mag, kann 
sie nach diesen Angaben vom Drogisten zusammengestellt 
bekommen. 



145 



19 



Das Aufstellen der Regale, Tische usw. 

Das praktische Aufstellen der Ladeneinrichtung ist 
natürlich eine Sache von höchster Wichtigkeit für jeden 
Geschäftsinhaber und sollte schon beim Mieten eines 
Lokales gut überlegt werden. Es handelt sich darum, ein 
Arrangement zu schaffen, welches durchaus praktisch ist, 
gut aussieht, und nicht eine übergrosse Anzahl von Ver- 
kaufspersonal bedingt. 

Um dies zu erreichen, müssen die Ladenmöbel dem 
Raum so angepasst werden, dass weder das Publikum noch 
das Verkaufspersonal unnötige Schritte machen muss. 
Auf die Hauptgänge und Durchlässe ist besonders zu 
achten. Die Regale und Tische müssen für das Lagern 
und Verkaufen der verschiedenen Waren eingerichtet sein 
und sich für den betreffenden Artikel eignen. Man soll 
zu kleine Verkaufstische vermeiden, da dieselben auch 
in der stillen Zeit stets eine oder zwei Personen zur Be- 
dienung verlangen. 

Lange, gerade Verkaufsabteilungen mit ebensolchen 
Regalen, Schränken, Tischen usw. tragen sehr zur Ver- 
minderung der Salärliste des Verkaufspersonals bei. 



Der Raum muss möglichst ausgenutzt werden, aber 
die Gänge dürfen nicht zu schmal sein, das Publikum 
muss sich ungehindert bewegen dürfen, auch wenn ein 
ziemlicher Andrang stattfindet. 

Vitrinen und Ladenschränke aus Glas. (S. 154.) 
Die Glasladenschränke und Glasladentische haben 
sich so bewährt, dass man sie wohl nicht noch zu 
empfehlen braucht. Die Glasvitrinen werden natürlich für 
gewisse Artikel speziell gebaut und eingerichtet, und man 
muss sie stets als Aüsstellungs- und nicht als Lager- 
schränke betrachten. Sie sind mit Glasregalen, Nickel- 
armen, Trägern usw. ausgestattet. Auch Spezialschränke 
für Bänder, Spitzen, Schmucksachen, Toilettenartikel, 
Leder und Galanteriewaren, Schirme, Silberwaren sind 
auf dem Markt, ebenso solche für Schuhe, für feine 
Wäsche, für Spitzenkostüme, für Hüte — man kann sagen, 
dass fast für alle Artikel, welche in einem Schrank auf- 
bewahrt werden, Spezial-Glasschränke gefertigt werden. 
Die Beleuchtung dieser Schränke ist ähnlich wie die der 
Schaufenster, nämlich durch an der Decke, indirekt leuch- 
tend, angebrachte Röhren-Glühlampen. 



Kontektionsschränke. 




Über Li eher 



Seit Jahren findet man 
in den amerikanischen Kon- 
fektionsgeschäften, nament- 
lich in denen der Herren- 
konfektion, statt der be- 
kannten Konfektionsständer 
und Tische sogenannte Te- 
leskopschränke aufgestellt. 
Die neue Einrichtung hat 
sich in vielen Beziehungen 
ausserordentlich bewährt. 
Zunächst stauben die Waren nicht so ein wie 
auf offenen Tischen und Ständern, sie bleiben 
ausserdem mehr in Fasson und zeigen keine 
unangenehmen Liegefalten, wie solche Ware, 
die auf Tischen aufgestapelt ist. Weiterhin sieht 
ein mit diesen Schränken eingerichtetes Ge- 
schäftslokal viel eleganter aus als ein Laden 
mit der alten bei uns eingebürgerten Ein- 
richtung. 

Wir zeigen diese Konfektionsschränke in 
5 Abbildungen. Die eine zeigt einen Schrank, 
welcher nur für Ueberzieher eingerichtet ist, die 
andere zeigt den Schrank für Jacketts und 
Beinkleider. Die dritte einen solchen für 
Jacketts und Röcke usw. Die Glastür hängt 
mit dem Bodenteil und den Aufhängestangen 



und der Rückwandkonstruktion eng zusammen, ist unten 
mit Rädern versehen und lässt sich, wenn auch durch 
Konfektionsware beschwert, ganz leicht herausziehen 
und wieder einschieben. Das Bodenbrett lässt sich auch 
zum Aufstapeln von Westen verwenden. Eine weitere 
Erklärung erscheint fast überflüssig. Wir wollen noch 
hinzufügen, dass diese Schränke in allen Holzarten an- 
gefertigt werden können. Die erste Anlage solcher 
Schränke mag ziemlich kostspielig erscheinen, doch 
durch verschiedene Vorzüge werden sich die Kosten 
bezahlt machen. 




146 








Zu dem Artikel „Konfektionsschränke". 




Feuergefährliche Weihnachts - Dekorationen. 



Mechanische Effekte wenden die Warenhäuser und 
grösseren Geschäfte gern in ihren Schaufenster- Deko- 
rationen an. 

Wir wollen jedoch davor warnen, Weihnachts- 
dekorationen im Schaufenster oder im Laden selbst 
aus feuergefährlichem Material herstellen zu lassen. 
Fast in jeder Weihnachtssaison entstehen Brände in Laden- 
geschäften. Wenn sie auch glücklicherweise meist ohne 
Verluste an Menschenleben verliefen, so bringt ein solcher 
Brand doch unendlich viel Schaden und Störung mit sich. 

Unternimmt jemand die Installierung der elektrischen 
Glühbirnen, der wirklich herzlich wenig davon versteht, 
so entsteht vielfach Kurzschluss; die ganze Herrlichkeit, 
das Tannengrün, die leichten Stoffe, Seidenpapiere usw. 
stehen in hellen Flammen. Wenn man Glühlampen ver- 
wendet, lasse man solche nur von einem Berufselektriker 
installieren. 

Im allgemeinen ist ja unsere Feuerpolizei ausser- 
ordentlich auf dem Posten; Anhäufung von leicht brenn- 
barem Material in lu grosser Nähe der Beleuchtungs- 
körper oder der elektrischen Leitungen wird nicht gestattet. 
Manche effektvolle Dekoration im Lichthof oder Schau- 
fenster, welche viel Zeit und Mühe gekostet hatte, musste 
ohne weiteres auf Befehl der Feuerpolizei entfernt werden. 
Da es gegen die Anordnungen dieser Behörden keinen 
Appell gibt, so ist es entschieden ratsam, denselben die 
Pläne und Ideen für die Dekorationen vorzulegen, ehe 
man mit diesen anfängt. 

Auch die vorhandenen Löschgeräte, Feuereimer, che- 
mische Feuerlöscher usw. soll man vor der Weihnachts- 
saison, vor dem Andrang der Massen prüfen lassen, ebenso 



wie man scharf darauf achte, dass nicht etwa Seiten treppen, 
Notausgänge und dergleichen durch Kisten, bei Seite ge- 
stellte Waren usw. versperrt sind. In allen grösseren Ge- 
schäften instruiere man das Personal genau, wie es sich 
bei einem etwa ausbrechenden Feuer. zu verhalten hat, 
und veranstalte ev. eine Alarmprobe. 

In jeder Weihnachtssaison kann man bemerken, dass 
es immer weniger Geschäfte werden, welche speziell weih- 
nachtlich dekorieren; gewiss sieht man schöne, hervor- 
ragende Dekorationen von allen möglichen, für das Fest 
berechneten Artikeln, aber die eigentlichen Weihnachts- 
embleme fallen immer mehr und mehr weg. Hauptsäch- 
lich sind es heutzutage die Warenhäuser, welche ihre 
Dekorationen sowohl im Innern des Hauses wie in den 
Schaufenstern so prunkvoll ausstatten, dass dieselben Sehens- 
würdigkeiten ersten Ranges bilden. Und zwar nicht etwa 
nur zur Weihnachtszeit, sondern auch zu den „weissen 
Wochen", zu den Saisoneröffnungen , zu den Sp>ezial- 
verkäufen und ähnlichen modern geschäftlichen Ver- 
anstaltungen. 

Wie kann man Stoffe gegen Feuersgefahr 
imprägnieren ? 

Wenn man Dekorationen arrangiert und man will 
ganz sicher sein, dass die Stoffe nicht auf irgend eine 
Weise Feuer fangen können, so imprägniere man die- 
selben vorher folgendermassen : 

Man stelle eine Mischung von 180 Gramm chemisch 
reinem phosphorsaurem Ammoniaksalz und 90 Gramm 
chemisch reinem schwefelsaurem Ammoniaksalz her, ver- 

147 I9« 



\ 



dünnt mit ca. 10 Liter leicht erwärmtem Wasser. Man 
taucht den Stoff, den man zu imprägnieren wünscht, ein 
und rührt gut um. Die Mischung verliert bei längerem 
Stehen ihre Kraft und muss deshalb erst zusammengesetzt 



werden, kurz bevor man sie gebrauchen will. Nach Ge- 
brauch soll dieselbe zugedeckt werden. Stoffe, welche 
lange in der Nähe der elektrischen Birnen liegen, soll- 
ten stets auf diese Weise behandelt werden. 



; 



'/ 



Das Photographieren von Schaufenstern. 




Das Photograph ieren ist eine der einfachsten und 
dabei interessantesten Künste, d. h. wenn man das ganze 
Verfahren gründlich versteht. Um ein Schaufenster gut 

zu photographieren, 
muss man allerdings 

„photographieren 
können". 

Es gehen uns täg- 
lich Photographien 
von Schaufenster-De- 
korationen zu, deren 
Einsender alle erwar- 
ten, dieselben veröffentlicht zu sehen. Davon müssen 
wir aber in vielen Fällen absehen, da oft die Aufnahmen 
derartig verunglückt sind, dass sich dieselben absolut 
nicht zur Reproduktion eignen. Wir geben deshalb im 
Nachstehenden einige praktische Winke und Ratschläge 
für das Photographieren, damit bestehende Fehler für die 
Zukunft vermieden werden können. 

Man hat herausgefunden, dass die Zeit von 7 Uhr 
vormittags bis 1 Uhr nachmittags die geeignetste für die 
Aufnahme eines Schaufensters ist, weil in dieser Zeit das 
beste Licht ist und die Aufnahme schnell vor sich geht. 
Die Zeit des Exponierens richtet sich nach dem Ob- 
jektiv und dem Grade der Beleuchtung und verlängert 
oder verkürzt sich natürlich auch nach der Jahreszeit und 
nach der Witterung. Je heller die Beleuchtung, umso 
kürzer die Expositionszeit. Die Blendenöffnung wird man 
im allgemeinen klein einstellen, um ein möglichst scharfes 
Bild zu erhalten. 

Viele Amateurphotographen lassen sich durch reflek- 
tiertes Licht täuschen, z. B. wenn im Winter der Boden 
mit Schnee bedeckt ist, gibt die Weisse des Schnees der 
ganzen Beleuchtung einen hellen Schein, aber das Licht 
wird dadurch doch nicht so hell, um die Aufnahmezeit 
abzukürzen, viele Platten sind durch diesen Irrtum ver- 
dorben worden. Die richtige Zeit für jede Aufnahme zu 
finden, ist nur durch Erfahrung und scharfe Beobachtung 
zu erlernen. Die Aufnahme ist aber unbedingt die Haupt- 
sache des Photograph ierens, und alles andere, wie Ent- 
wickeln, Drucken geht mechanisch nach ganz bestimmten 
Regeln vor sich. 



Es gibt Platten verschiedener Grade, wie Schnell-, 
Mittel-, Langsam- und farbenempfindliche Platten. Lang- 
same Platten nimmt man zur Aufnahme von Gemälden 
und dergleichen. Die Mittelplatlen werden mehr wie 
alle andern gebraucht, z. B. zu Porträts, Gruppen, Marine, 
Maschinen, Häuser usw. Die schnellen Platten werden 
verwendet, wo nur ein Augenblick für die Aufnahme 
verwendet werden kann. Beim Gebrauch der schnellen 
Platten muss man sich vor Ueberexponieren und Dunkel- 
kammerdunst in acht nehmen, den letzteren beschreiben 
wir später. Schaufenster werden am vorteilhaftesten mit 
den „Nonhalation". oder Isolarplatten aufgenommen, da 
dieselben gewisse Eigenschaften haben, welche gegen das 
Ueberexponieren bis zu einem gewissen Grad schützen. 
Man braucht diese Platten auch für das Photographieren 
starker Lichteffekte, oder wo sehr verschiedene Grade von 
Licht vorhanden sind. Zum Beispiel, wenn ein weisses 
Kleid oder weisse oder hellfarbige Attrappen in einer 
Dekoration vor einem dunklen Hintergrund stehen. 

Die orthochromatischen oder farbenempfindlichen 
Platten braucht man für Farbenschemas. Zum Beispiel, 
man photographiert eine Sache, welche die folgenden 
Farben enthält: Rot, Schwarz, Gelb, Orange, Grün, Weiss, 
Grau und Rosa. Wenn man nun eine gewöhnliche Platte 
benutzte, würde das Rot schwarz erscheinen, ebenso Gelb 
und Orange, das Weiss würde hellgrau, das Grau eine 
natürliche Farbe, und Rosa dunkelgrau erscheinen; wenn 
aber die orthochromatische Platte benutzt wird, kommen 
die Farben in ihren natürlichen Abstufungen zum 
Vorschein. 

Durch näheres Herangehen an die Fenster oder durch 
Wahl einer grösseren Brennweite können die Dekorationen 
meist selbst viel grösser und dadurch viel deutlicher pho- 
tographiert werden. Amateure pflegen häufig Schaukasten, 
die an der Seite angebracht sind, oder Firmenschilder 
mit zu photographieren und dadurch das Wesentliche, 
die Schaufenster-Dekorationen, viel kleiner zu bekommen, 
als nötig ist. 

Das Wesentliche muss stets so gross eingestellt werden, 
wie es das Plattenformat nur irgend zulässt. Im all- 
gemeinen ist bei dem Photographieren von Schaufenstern 
folgendes zu berücksichtigen: 



l 



148 



Die Scheibe des Schaufensters reflektiert zuweilen so 
stark, dass von den ausgestellten Gegenständen fast nichts, 
dafür von dem Pflaster, den gegenüberliegenden Häusern 
und Bäumen um so mehr zu sehen ist. Um dies zu 
vermeiden, muss der Photograph mit dem Licht photo- 
graphieren, also zu einer Zeit die Aufnahme machen, in 
welcher die gegenüberliegende Seite im Schatten liegt, 
während die Sonne in die zu photographierenden Schau- 
fenster hineinscheint. 

Das Licht nimmt im quadratischen Verhältnis zur 
Entfernung ab. Daher sind die im Hintergrund des Schau- 
fensters befindlichen Gegenstände unverhältnismässig 
schlecht beleuchtet. Es müsste hierauf schon beim Arran- 
gieren der Schaufenster Rücksicht genommen werden, 
insofern, als man die helleren Gegenstände nach hinten 
und die dunkleren nach vorn bringt. 

Falls gute Schaufenster-Beleuchtung vorhanden ist — 
verdecktes Bogenlicht — , würde es sich empfehlen, die 
Aufnahmen bei dieser zu machen, wenn möglich in der 
Dämmerung, so dass das Tageslicht auf die vordersten 
Gegenstände noch mit einwirkt. 

Bei Beachtung dieser Winke und nach Erwerbung 
einiger Erfahrung wird das Photographieren von Schau- 
fenstern keine besonderen Schwierigkeiten mehr bieten. 

An Stelle von Glasplatten können auch die soge- 
nannten „Films" Verwendung finden Die Aufnahme- 
Regeln sind für dieselben die gleichen wie für Glasplatten. 
Nur hüte man sich, dass die Films sich zu stark rollen. 
Sie sollen glatt gespannt getrocknet werden, was für die 
Kopie von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. 



Die Dunkelkammer. 

Für das Arbeiten in einer Dunkelkammer dürfte es 
allgemein bekannt sein, dass dies nur bei rotem (Rubin-) 
Licht geschehen darf. Es ist besser, wenn sich in der 
Lampe oder dem Fenster zwei Lagen roten Glases über- 
einander befinden, so dass Licht von wirklich tiefroter 
Farbe entsteht, welches den Dunkelkammernebel neu- 
tralisiert, der entsteht, wenn das Licht zu grell ist. Es 
ist das beste, so wenig Beleuchtung wie möglich zu be- 
nutzen, auch beim Füllen der Kamera. 



Für das Photographieren von Schaufenstern 

gibt es gewisse Regeln, die man wohl beachten soll. 
Häufig wird nichts aus der Aufnahme, weil die Platte 
zu alt oder defekt ist, oder die Chemikalien minderwertig 
oder zu alt sind. Zuerst: Die Platte zur Aufnahme von 
Objekten mit Lichtkreisen muss eine Isolarplatte sein. 
Beim Entwickeln dieser Platte darf das Licht in der 
Dunkelkammer nur matt leuchten. 



Zweitens: Man achte darauf, dass die Kassette stets 
staubfrei ist; wenn Staubteile auf die Platte geraten, so 
entstehen nachher schwarze Flecke an den ungeeignetsten 
Stellen des Bildes. 

Drittens: Man achte darauf, dass in der Kassette die 
Platten stets mit der Filmseite nach oben kommen, d. h. 
nach der Linse zu. Um dies in der Dunkelheit heraus- 
zufinden, feuchtet man Daumen und Zeigefinger an und 
presst sie an eine Ecke der Glanzplatte. Der Film klebt 
etwas an der Haut. Bei einer schnellen Platte ist dies 
unnötig, da an dieser die Filmseite sehr stumpf ist, aber 
bei den andern Platten ist dieselbe so glatt und blank 
wie die Glasseite, und es ist nur für sehr Erfahrene 
möglich, die richtige Seite sofort zu erkennen. Die Film- 
seite der Isolarplatten sieht für den Unerfahrenen genau 
so aus wie die Glasseite. 

Zum Abstauben der Platten vor dem Einschalten 
in die Kassette nimmt man einen breiten, aber feinen 
Pinsel. Nun muss der Photograph zunächst sehen, ob 
keine Lichtreflexe von der andern Strassenseite in dem 
aufzunehmenden Fenster zu sehen sind, auch auf im 
Fenster befindliche Spiegel muss geachtet werden, damit 
dieselben nicht die Kamera und den Of)erateur wieder- 
geben. 

Eines der wichtigsten Punkte ist die Zeit der Auf- 
nahme bei künstlicher Beleuchtung. Z. B. wenn man ein 
Fenster mit Kulissenbeleuchtung und die Dekoration aus 
dunklem Material aufnehmen will, so sollte etua 6 Mi- 
nuten bei einer ganz offenen Linse exponiert werden. 
Wenn die Dekoration aus hellen Stofien besteht, genügen 
3 Minuten. Wenn der Hintergrund dunkel und die De- 
koration hell ist, nimmt man die Aufnahme für hdl und 
vice versa beim umgekehrten Falle. Sollte der Photo- 
graph eine gemischte Dekoration vor sich haben, hänge 
oder lege er, wenn irgend möglich, zwei oder drei Glüh- 
lampen vor die dunkleren Objekte, dadurch wird ge- 
wöhnlich die Aufnahme eben und gleich. Wenn ein Kron- 
leuchter oder ein Kandelaber das Fenster behindert, so 
drehe man das Licht, wenn irgend möglich, während 
der Aufnahme aus und drehe les etwa 30 Sekunden, 
ehe man die Klappe schliesst, wieder an. Dadurch 
erhält man eine gute, abgerundete, klare Aufnahme und 
keine Lichthöfe. 

Sind unten vom am Fenster Beleuchtungskörper 
angebracht, so stelle man die Kamera so, dass diese nicht 
mit in die Aufnahme kommen. Wenn es durchaus nicht 
geht, so klebe man einen Streifen von rotem Seiden- 
papier von entsprechender Länge und Breite an beiden 
Enden der Schaufensterscheibe fest oder lasse es während 
der Aufnahme vor das Licht halten. Wenn die Bdeuch- 
tung durch Bogenlicht geschieht, muss dieses nach vom 
zu durch eine runde Scheibe von roter Gelatine abge- 
deckt werden. 



149 



1 



-^'■' ■ 



\/ 



Blitzlicht ist nicht ratsam für das Photographieren 
von Schaufenstern, in neun aus zehn Fällen entstehen 
Reflektionen und verwischte Stellen. 

Beim Aufstellen der Kamera achte man darauf, dass 
sie genau senkrecht zum Objekt steht. 

Wenn man den Brennpunkt sucht, muss die Linse 
ganz offen sein. Man nehme den Brennpunkt besonders 
scharf an Gegenständen, welche sich in der Mitte der 
Dekoration befinden. 

Man beachte auch, dass kein Papier oder andere 
helle Gegenstände vor der Kamera liegen. 

Praktisch ist es auch, ein grosses, hohes, schwarzes 
Tuch an zwei Stangen zu befestigen, welches man so vor 
das Schaufenster halten lässt, dass die gegenüberliegenden 
Häuser, Fuhrwerke usw. nicht spiegeln können, dabei 
muss aber der Apparat hinter dem Tuch stehen und das 
Objektiv desselben durch ein Loch des Tuches durch- 
gesteckt werden. 

Man photographiere Schaufenster nicht bei zu win- 
digem Wetter. 

Das Entwickeln. 

Regeln für die Dunkelkammer. 

Die Entwicklungsschale muss stets sauber gehalten 
und etwa zwei Drittel voll mit Entwickler gefüllt sein. 

Man bedecke die Entwicklungsschale mit einerScheibe 
Kartonpapier, während sich die Platte in der Flüssigkeit 



befindet, nach etwa 12 Minuten des Entwickeins halte 
man diese vor die Lampe. Wenn das Negativ nun dicht 
genug erscheint, nehme man dasselbe aus dem Entwickler, 
spüle dasselbe gut in einer Schale mit reinem Wasser, 
etwa eine halbe Minute lang, ab und lege es dann in 
das Fixierbad. Das Negativ soll doppelt so lange im 
Fixierbad bleiben, wie es Zeit nimmt, um alles Weisse 
verschwinden zu lassen. 

Nun wäscht man die Platte in fliessendem Wasser, 
etwa 20 Minuten, und lässt sie dann trocknen. 

Das Fertigen der Abdrücke. 

Um Kopien anzufertigen, ist das Gelatinepapier das 
beste, weil die Oberfläche rein ist und deshalb ein 
schärferes Bild herauskommt. 

Zum Einrahmen und zur permanenten Erhaltung ist 
Platin- oder Kollodiumpapier vorzuziehen. 

Nachdem die im Kopierrahmen befindlichen Bilder 
dunkel genug erscheinen, dunkler als man sie fertig 
haben will, kommen sie in das Tonbad, wo sie wieder 
etwas heller werden, und dann für etwa zwei Stunden 
in ein reines Wasserbad 

Wenn diese Regeln befolgt werden, so wird man, 
in Verbindung mit einiger Erfahrung und einem ge- 
wissen Verständnis für die Sache mit brauchbarem Apparat 
und Material auch zweckentsprechende Aufnahmen er- 
reichen. 



150 



Anhang IL Teil 



Das richtige Stellen der Dekorationsständer. 



I rosse Fehler werden zumeist von Anfängern 

Gin der Dekoration dadurch begangen, dass 
sie die Dekorationshilfsmittel — hier meinen 
cxx)oooooo| wir speziell die Kleiderstoff - Dekorations- 
ständer — nicht richtig hinzustellen und anzuwenden 
wissen. Es ist entgegen mancher falschen Anschauung 
gar nicht so gleichgültig, wie der Ständer stehen soll. 
Manche verunglückte Dekoration, sowie mancher Sach- 
schaden, der durch das Umfallen eines dekorierten 
Ständers im fertigen Fenster entstanden ist, ist nur 
allein auf die falsche Anwendung des Hilfsmittels 
zurückzuführen. Jeder Dekorateur achte deshalb ganz 
besonders darauf, dass die benutzten Ständer richtig ge- 
stellt zur Anwendung kommen. 

Die am meisten benutzten Dekorationsständer sind 
nachstehend abgebildet. 

Bei den Ständern Abbildung 1 und 4 sind die oberen 
Kopfplatten nach Belieben und Geschmack des Deko- 
rateurs auswechselbar. Es gibt solche Kopfstücke in 
schmal rechteckiger, viereckiger, runder und ovaler flacher 
Form in Gestalt von starken Brettern. Daneben gibt es 
aber auch halbkugelförmige volle Kopfstücke zum Auf- 
setzen, wie solche in Abbildung 2 und 3 zu sehen sind. 
Alle diese verschiedenen Formen lassen sich flach und 
schräg verwenden. Bei einzelnen Dekorationsfiguren 
werden überhaupt keine Kopfstücke benutzt, sondern 
direkt an dem Ausziehstab sind die Stoffe festgesteckt. 
Diese sämtlichen Ständer sind aus glatt gehobeltem Holz 
gefertigt und bis auf den Ständer der Abbildung 2 
sämtlich in der Höhe verstellbar. 

Um ein zu leichtes Umfallen der Ständer zu ver- 
meiden, werden die Füsse und Fussplatten der Ständer 
oft mit einer schweren Bleieinlage versehen. Dies 
ist beim richtigen Gebrauch der Ständer durchaus 
überflüssig und ausserdem zu kostspielig in der An- 
schaffung. 

Der absolut sichere und feste Stand der Holz- 
dekorationsständer ist gewährleistet, wenn der Ständerfuss 
richtig und sachgemäss gestellt ist. Bei dem Ständer 

der Abbildung 1 ist ein Drei- 
fuss vorhanden. Der Stand 
der Füsse ist richtig, wenn 
ein Fuss nach vorn, die beiden 
anderen Fussteile schräg nach 



richtig 



ialscli 



hinten stehen. BeiAbbildung4 
ist ein viereckiger Fuss mit 
kleinen Sockeln darunter ver- 
anschaulicht. Der richtige 
Stand ist, wenn eine Spitze vom vom 

des Fussbrettes genau nach vorn gerichtet steht Ebenso 




richtig 



falsch 



richtig 



falsch 



^ 


/9 





vorn 



vorn 



steht demnach der Ständer der 
Abbildung 3 nur richtig, wenn 
ein Kreuzbalken des Fusses 
nach vorn gerichtet ist 

Werden die Ständer anders 
aufgestellt als wie hier angegeben, so fallen dieselben 
unbedingt und sehr leicht um, da der Schwerpunkt des 
Fusses nicht richtig gelegt worden ist 

Abbildung 2 zeigt einen Dekorationsständer, welcher 
nicht verstellbar ist Ein solcher Ständer 
soll ebenfalls richtig stehen und zwar 
darf keine der vier aufrechtzeigenden 
Verbindungsleisten nach vom oder 
hinten gestellt werden. In diesem Falle 
würde sich der Stoff an 
diesen Stellen stets mar- 
kieren. Der Ständer muss 
daher richtig wie neben- 
stehend abgebildet stehen. 
Diese kleinen Winke sind, so wertlos sie 
auch erscheinen mögen, doch durchaus 
wichtig zu beachten. Abbiidunc i- 





vorn 






7 




vorn 



vorn 



Abbildung 2. 



Abbildung 3. 



AbbiMai« 4. 



151 



7 



Verschiedene praktische Dekorationshilfsmittel. 



Verstellbare Böcke aus Brettern zusammengenagelt 
eignen «ich vorzüglich zu Stapeldekorationen. Es lassen 
sich durch Auflegen von Brettern über paarweise ge- 
stellte Böcke die besten Terrassen aufbauen. 

In besseren Geschäften kommt der freistehende Metall- 
Dekorationsständer (Abbildung 1 und 2) mit Kristallglas- 
Platten-Auflage vielfach und gern zur Anwendung. Der- 
selbe lässt sich zu aljen möglichen Dekorationen benutzen. 



Alle diese Dekorationshilfsmittel sind in Holz und 
Metall käuflich in entsprechenden Geschäften für Laden- 
und Geschäftseinrichtungen zu haben. Natürlich gibt 
es noch eine Menge anderer praktischer Hilfsmittel, 
welche zu beschreiben hier aus Platzmangel nicht an- 
gängig ist. Diese findet der Dekorateur in den Katalogen 
der Spezial-Geschäfte. 





Abbildung 1. 



Abbildung 2. 



Das Aufbewahren leicht zerbrechlicher Dekorations-Utensilien. 

Von Wichtigkeit für den Dekorateur ebenso wie für aber besser eine besondere Holzwand. Ist eine Mauer 
den Geschäftsinhaber ist das sorgfältige, gegen Bruch vorhanden, so müssen erst senkrecht stehende breite Holz- 
und sonstigen Schaden sach- und fachgemässe Aufbe- latten auf dieselbe angeschlagen werden, ehe die Gläser 



wahren leicht zerbrechlicher Gegen- 
stände. Zu diesen gehören in aller- 
erster Reihe Gegenstände aus Glas 
und Wachs. 

Spiegel und grössere Kristall- 
glasplatten sollen an einer möglichst 
separierten Stelle des allgemeinen 
Aufbewahrungsraumes stehen, damit 
sie bei dem Hin und Her, welches 
im Arbeitsraum herrscht, nicht an- 
gestossen werden können. 

Der Glasraum besitzt eine fest 
stehende Wand. Entweder Mauer, 




Abbildung 1. 

152 



dagegen gelegt werden. 

Die Gläser stehen allesamt auf- 
recht, niemals der Breite (Quere) nach. 
Zwischen jedes einzelne und dem 
darauf angelehnten nächstem Glas 
werden am oberen Ende je zwei 
kurze gleichmässig starke Holzstück- 
chen geklemmt. (Abbildung 1.) Eben- 
so kommt am Fusse der Glastafel 
eine längere Holzleiste. Diese Leisten 
oben und unten verhindern, dass 
sich die Gläser reiben, und dass der 
darauf abgesetzte Staub, der ja nie- 



mals ganz zu vermeiden ist, Schrammen auf der Glas- 
fläche oder in dem Spiegelbelag hinterlässt. Niemals 
lege der Dekorateur oder sein Substitut die Gläser und 
Spiegel Glas auf Glas! 




Abbildung 2. 

Zum Aufbewahren von kleineren Dekorations-Glas- 
platten, Glasplattenständern, Glasvasen und Säulen usw., 
lasse sich der Dekorateur eine genügend grosse und lange 
Stellage aus einseitig glatt gehobelten starken Holzlatten 
bauen. Je nach Umfang des Geschäfts und nach Anzahl. 
Form und Mannigfalligkeit der Glas-Utensilien, besitzt 
dieses Regal zwei oder mehr übereinander liegende, 
mehrere Abteilungen verschieden breiter Einzel -Abteile. 
(Abbildung 3). Da das Gewicht des Glases ziemlich 
schwer ist, so muss das Gestell auch genügend stark ge- 
baut sein. Der Boden der Einzelgefache ist voll ausge- 
schlagen und darf kein offenes Lattenwerk sein In die 
unteren Gefache kommen die grösseren Glasgegenstände, 
in die oberen die einzelnen Glasdekorationsplatten. Diese 
werden jedoch, entgegen der Spiegelaufbewahrung, nicht 
hoch gestellt, sondern gekantet aufbewahrt. Das Gestell 
muss deshalb mindestens eine Tiefe von 60 bis 75 cm 



besitzen. Längere Glasplatten werden wie die Spiegel 
gestellt. Zwischen die einzelnen Gläser bauscht man 
ein wenig Seidenpapier (an Stelle der oben genannten 
Holzteilchen) damit auch hier Schrammen und Kratzer 
vermieden werden. 

Für Wachsköpfe und Wachshände, die leicht be- 
schädigt werden, soll sich der Dekorateur eine genügende 
Anzahl Kisten bereit halten, welche inwendig gepolstert 
sind (Abbildung 2.) In einem grossen Geschäfte wird 
es dem Dekorateur ein Leichtes sein, solche Kisten zu er- 
halten. Der Deckel der Kiste ist durch einen Haken zu 
verschliessen. Aussen auf eine Seite derselben wird durch 
Aufschrift der Inhalt angegeben. Also z. B. Knabe, 8 Jahr, 
oder Mädchen 3 Jahr usw. Es ist dadurch ein schnelleres 
Aufsuchen des jeweils gebrauchten Kopfes möglich. 




Abbildung 3'. 



Der moderne Etagentisch. 



Der abgebildete Tisch 
wurde von einer Berliner 
Firma entworfen und bereits 
in vielen Geschäften einge- 
führt. Derselbe ist durch die 
Ausnutzung des Flächenraumes 
besonders praktisch für Wirt- 
schaftslager, Glas- und Por- 
zellangeschäfte, Spielwarenge- 
schäfte usw. Es lässt sich auf 
demselben mehr Ware wie in 
einem Regal unterbringen, und 
überdies hat das Publikum die 
Annehmlichkeit, die ausgelegte 




Ware von allen Seiten be- 
sichtigen zu können. Zentral- 
regale werden durch den 
Tisch fast überflüssig. — 
Ein Kopenhagener Waren- 
haus hat seine sämtlichen 
Souterrainräume, in denen 
sich die Abteilungen für Glas, 
Porzellan usw. befinden, und 
die der zweiten Etage mit 
dem Wirtschaftslager mit 
derartigen Tischen ausstatten 
lassen und ist äusserst zu- 
frieden damit 



153 



\NTENT\ONAL SECOND EXPOSURE 



1/ 



Verschiedene praktische Dekorationshilfsmittel. 



Verstellbare Böcke aus Brettern zusammengenagelt 
eignen «ich vorzüglich zu Stapeldekorationen. Es lassen 
sich durch Auflegen von Brettern über paarweise ge- 
stellte Böcke die besten Terrassen aufbauen. 

In besseren Geschäften kommt der freistehende Metall- 
Dekorationsständer (Abbildung 1 und 2) mit Kristallglas- 
Platten-Auflage vielfach und gern zur Anwendung. Der- 
selbe lässt sich zu aljen möglichen Dekorationen benutzen. 



Alle diese Dekorationshilfsmittel sind in Holz und 
Metall käuflich in entsprechenden Geschäften für Laden- 
und Geschäftseinrichtungen zu haben. Natürlich gibt 
es noch eine Menge anderer praktischer Hilfsmittel, 
welche zu beschreiben hier aus Platzmangel nicht ati- 
gängig ist. Diese findet der Dekorateur in den Katalogen 
der Spezial-Geschäfte. 





Abbildung 1. 



Abbildung 2. 



Das Aufbewahren leicht zerbrechlicher Dekorations-Utensilien. 



Von Wichtigkeit für den Dekorateur ebenso wie für 
den Geschäftsinhaber ist das sorgfältige, gegen Bruch 
und sonstigen Schaden sach- und fachgemässe Aufbe- 
wahren leicht zerbrechlicher Gegen- 
stände. Zu diesen gehören in aller- "^-^ 
erster Reihe Gegenstände aus Glas 
und Wachs. 

Spiegel und grössere Kristall- 
glasplatten sollen an einer möglichst 
separierten Stelle des allgemeinen 
Aufbewahrungsraumes stehen, damit 
sie bei dem Hin und Her, welches 
im Arbeitsraum herrscht, nicht an- 
gestossen werden können. 

Der Glasraum besitzt eine fest- 
stehende Wand. Entweder Mauer, 




Abbildung 1 
152 



aber besser eine besondere Holzwand. Ist eine Mauet" 
vorhanden, so müssen erst senkrecht stehende breite Holz- 
latten auf dieselbe angeschlagen werden, ehe die Gläser 

dagegen gelegt werden. 

Die Gläser stehen allesamt auf- 
recht, niemals der Breite (Quere) nach. 
Zwischen jedes einzelne und dem 
darauf angelehnten nächstem Glas 
werden am oberen Ende je zwei 
kurze gleichmässig starke Holzstück- 
chen geklemmt. (Abbildung 1.) Eben- 
so kommt am Fusse der Glastafel 
eine längere Holzleiste. Diese Leisten 
oben und unten verhindern, dass 
sich die Gläser reiben, und dass der 
darauf abgesetzte Staub, der ja nie- 



O 



mals ganz zu vermeiden ist, Schrammen auf der Glas- 
fläche oder in dem Spiegelbelag hinterlässt. Niemals 
lege der Dekorateur oder sein Substitut die Gläser und 
Spiegel Glas auf Glas! 




Abbildung 2. 

Zum Aufbewahren von kleineren Dekorations-Glas- 
platten, Glasplattenständern, Glasvasen und Säulen usw., 
lasse sich der Dekorateur eine genügend grosse und lange 
Stellage aus einseitig glatt gehobelten starken Holzlatten 
bauen. Je nach Umfang des Geschäfts und nach Anzahl. 
Form und Mannigfaltigkeit der Glas-Utensilien, besitzt 
dieses Regal zwei oder mehr übereinander liegende, 
mehrere Abteilungen verschieden breiter Einzel -Abteile. 
(Abbildung 3) Da das Gewicht des Glases ziemlich 
schwer ist, so muss das Gestell auch genügend stark ge- 
baut sein. Der Boden der Einzelgefache ist voll ausge- 
schlagen und darf kein offenes Lattenwerk sein In die 
unteren Gefache kommen die grösseren Glasgegenstände, 
in die oberen die einzelnen Glasdekorationsplatten. Diese 
werden jedoch, entgegen der Spiegelaufbewahrung, nicht 
hoch gestellt, sondern gekantet aufbewahrt. Das Gestell 
muss deshalb mindestens eine Tiefe von 60 bis 75 cm 



besitzen. Längere Glasplatten werden wie die Spiegel 
gestellt. Zwischen die einzelnen Gläser bauscht man 
ein wenig Seidenpapier (an Stelle der oben genannten 
Holzteilchen) damit auch hier Schrammen und Kratzer 
vermieden werden. 

Für Wachsköpfe und Wachshände, die leicht be- 
schädigt werden, soll sich der Dekorateur eine genügende 
Anzahl Kisten bereit halten, welche inwendig gepolstert 
sind (Abbildung 2.) In einem grossen Geschäfte wird 
es dem Dekorateur ein Leichtes sein, solche Kisten zu er- 
halten. Der Deckel der Kiste ist durch einen Haken zu 
verschliessen. Aussen auf eine Seite derselben wird durch 
Aufschrift der Inhalt angegeben. Also z.B. Knabe, 8 Jahr, 
oder Mädchen 3 Jahr usw. Es ist dadurch ein schnelleres 
Aufsuchen des jeweils gebrauchten Kopfes möglich. 




Abbildung 3'. 



Der moderne Etagentisch. 



Der abgebildete Tisch 
wurde von einer Berliner 
Firma entworfen und bereits 
in vielen Geschäften einge- 
führt. Derselbe ist durch die 
Ausnutzung des Flächen raumes 
besonders praktisch für Wirt- 
schaftslager, Glas- und Por- 
zellangeschäfte, Spielwarenge- 
schäfte usw. Es lässt sich auf 
demselben mehr Ware wie in 
einem Regal unterbringen, und 
überdies hat das Publikum die 
Annehmlichkeit, die ausgelegte 




Ware von allen Seiten be- 
sichtigen zu können. Zentral- 
regale werden durch den 
Tisch fast überflüssig. — 
Ein Kopenhagener Waren- 
haus hat seine sämtlichen 
Souterrainräume, in denen 
sich die Abteilungen für Glas, 
Porzellan usw. befinden, und 
, die der zweiten Etage mit 
dem Wirtschaftslager mit 
derartigen Tischen ausstatten 
lassen und ist äusserst zu- 
frieden damit 



153 



^^.^^-ghiTi _ iVrairt rff * ~itik'*'''^'Mi . 



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ly 



1/ 



Waren -Ausstelltische tind Schränke aus Glas. 



In früheren Jahren und jetzt leider vielfach noch in 
kle neren Geschäften war die ganz falsche, von unseren 
Grosseltern uns überkommene unangebrachte Sitte vor- 
herrschend, dieWaren 
des Lagers und des 
Verkaufs in Kästen 
und Kasten unterzu- 
bringen, sie wurden 
also dem Auge des 
Publikums dadurch 
ent sogen. 

Heutigen Tages 
sieht man, mit Recht, 
das gerade Gegenteil 
davon als nützlich 
und zweckmässig an. 
Nicht die Ware ver- 
stecken, sondern so 
viel wie nur irgend 
angängig davon soll 
der auf erhöhten Um- 
satz bedachte, mo- 
derne Kaufmann von 
seinen verschiedenen 

Warensorten dem 
Käufer vor Augen 
führen. Dazu sind 




Abbildung 1. 




Garne, Strumpfwaren usw. Jedes einzelne Gefach ist 
herausnehmbar. Abbildung 3 und 4 zeigen zeitgemässe 
Glasschränke, sogenannte Vitrinen, die speziell mehr zu 

Ausstellungszwecken 
im Innern des Ver- 
kaufsraumes dienen. 
Die Kataloge der 
Spezialgeschäfte für 
Geschäfts-Innenein- 
richtungen enthalten 
vielerlei Abbildungen 
von praktischen Glas- 
tischen und -Schrän- 
ken. Doch hüte man 
sich durch mehrma- 
lige Einzelanschaf- 
fungen solcher Stücke 
dem Laden den Ein- 
druck einer Altmöbel- 
handlung zu geben. 
Es ist am Besten, 
gleich bei der Neu- 
einrichtung des Ge- 
schäfts, diese Glas- 
möbel mit zu bestellen, 
damit die Gesamt- 
einrichtung ein ein- 



Abbildung 2. 

natürlich entsprechende Regale, Tische und Schränke heitliches und kein zerrissenes Bild ergibt 

nötig, die neben Eleganz des 
Aeusseren und Staubsicherheit 
der ausgestellten Ware, die prak- 
tische Einrichtung zum Verkauf 
in sich vereinen. Wir bringen 
von bewährten Glasladentischen 
und Vitrinen hier beistehend 
einige Abbildungen als Vorbilder 
zu Anschaffungen, 

Abbildung 1 veranschaulicht 
einen Glas-Verkaufs- und Aus- 
stellungstisch für Bijouterien, 
Kurzwaren, Weisswaren unddergl. 
Abbildung 2 zeigt einen eben- 
solchen in Abart der Fächerein- 
teilung für Kurzwaren, Stickseide, 

154 





Abbildung 3. 



Abbildung 4. 



Dekoration von Kleiderstoff-Attrappen. 



Bevor zur eigentlichen Dekoration geschritten wird, 
stelle der Dekorateur die Holzgestelle, welche hier als 
Attrappe dienen, im Fenster derart auf, dass jeder einzelne 
dieser Ständer seinen Platz nicht mehr zu verändern 
braucht. Es ist durchaus nicht gleichgiltig, wie der 
Ständer steht. 

Wo er einmal steht, soll 
er nach vollendeter Dekoration 
stehen bleiben, denn jede nach- 
trägliche Platzveränderung be- 
dingt eine Verschiebung des 
Faltenwurfs der Stoffe. 

Man stellt die Ständer so, 
dass die Stäbe genau parallel 
zum Schaufenster stehen. Würde 
der Ständer etwa derart stehen, 
dass ein Stab dem Publikum 
zugekehrt, zwei andere Stäbe 
seitlich davon sich befinden, so 
würden die Faltendraperien des 
Stoffes stets mangelhaft sein 
und ein akkurates und gleich- 
massiges Dekorieren der Stän- 




Kiehtigl 



Abbildung 1 



herunterfällt Der vor den Ständer herabhängende Stoff soll 
auf den Boden fallen und dort noch in reichen Falten den 
Ständerfuss ringsum verdecken. Die noch nicht gleich- 
massigen Falten werden nunmehr (Abbildung 3) von vom, 
doch nicht von oben, sondern vom Boden aus arrangiert 
Zunächst wird die Kante des Stoffes untergestecWt, dann 

durch Zusammenschieben und 
Lockern des Stoffes die Puffen- 
gruppe um den Ständer ge- 
ordnet. Dann wird mit dem 
gleichmässigen Legen des über 
den Ständer befindlichen Falten- 
wurfes begonnen. Der Brach 
bildet, wie schon erwähnt, die 
Mitte der Dekoration und wird 
nunmehr nach unten hin straff 
angezogen (Abbi'dungS). Vom 
Bruch aus beginnt dann die 
Faltenlegung und 2 war derart, 
dass man den Bruch nach 
innen zu g^^n den Stän- 
der drückt und die zwei 
Falten, welche sich rechts 




Falscii 



der unmöglich machen. Beigegebene Abbildung 1 zeigt und links vom Bruch bilden, eng zusammenhält Man 
links die richtige, rechts die falsche Stellung eines solches kann dabei als Verhältnis annehmen, dass die vordersten 



Ständers 

Nachdem der Dekorateur 
den zur Benutzung be- 
stimmten Stoff vom Stück 
abgewickelt hat, rafft er den- 
selben gleich massig mit den 
Händen nach der Brust zu 
in Falten, die auf den aus- 
gestreckten Armen locker 
nebeneinander liegen. Nun tritt 
der Dekorateur hinter den Stän- 
der (Abbildung 2) und lässt den 
Stoff, den Strich desselben 
nach unten verlaufend, über 
den Ständer hinuntergleiten. 
Zu beachten hat er hierbei, dass 
erstens der Bruch des Stoffes 
genau in der Mitte des Standers 
nach vorn liegt und dass die 
grössere Stoffhälfte nach vorn, 
die kleinere nach hinten 




Abbildung 3 

155 



Falten am Boden gemessen, etwa 15 cm vom Bruch 

entfernt gebildet werden Zum 
Kontrollieren, ob die Falten 
im gleichen Abstand zu beiden 
Seiten von der Mitte sich be- 
finden, trete man hinter den 
Ständer und prüfe den Falten- 
wurf. Hierbei entdeckt man 
eher Fehler im Arrangement, 
als wenn man solches von 
vom betrachtet. Ist die Sym- 
metrie der Dekoration fest- 
gestellt, so drapiert man die 
zwei letzten hintersten Falten 
in Form eines umgeschlagenen 
Faltenwurfs. Man fasst zu 
diesem Zweck beide Falten 
am Stücksaum mit Daumen 
und Zeigefinger zusammen 
(Abbildung 4), hebt sie am 
Saum hoch und bewirkt 



20» 



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den Umschlag, denselben dadurch unterstützend, dass 
man die freie Hand sanft gegen den Winkel an 
der Stelle des Umschlags hält (Abbildung 5). Die 
umgeschlagene Falte wird hinter den Ständer mittels 
Stecknadel unmittelbar am herniederhängenden Stoff, 
etwa handbreit unter der Ständerplatte, befestigt (Ab- 



bildung 6). Die andere Seite der Stoffalten ordnet man 
in gleicher Weise. Nachdem nunmehr das Arrangement 
vollendet und auf exaktes Fallen der Falten geprüft ist, 
kann man die Bezeichnungsschilder anbringen, die ent- 
weder durch kleine käufliche Ösen oder mit Stahlsteck- 
nadeln befestigt werden. 




AbbildungJ12. 




Die einfache Spitze. 

Drapierung 1. 



Hierzu wird ein verstellbarer Ständer, ohne Kopfplatte 
benutzt. Abbildung 1. Der Ausziehstab steht ungefähr 
auf 125 cm Höhe. Der Stoff, am besten 
eignet sich hierfür einfach breit liegender 
Stoff, etwa 3 bis 4 Meter lang, wird in 
der Mitte an einer Webekante gefasst 
und bis zur gegenüberliegenden Webe- 
kantenmitte in gleichmässige Falten 
gebrochen. Geschickte Dekorateure 
machen dies freihändig, ohne den Stoff gleiten, immer 
auf eine Tischplatte zu legen. Dazu von oben nach 
nimmt der Dekorateur den Stoff, rechte 
Seite nach aussen, linke Seite des Stoffes 
seinem Körper zugekehrt, vor sich hoch 
bis in Brusthöhe und greift mit den 
Fingern der rechten Hand Stück für 
Stück in den Stoff hinein, nach jedem 
Griff die weitere Stofflage als Falte 
nach hinten zur Handfläche zu um- 
Abbiidung 1. brechen. Es gehört nur kleine Uebung 
dazu, um diese Fingerfertigkeit zu erreichen und die 
Falten gleich massig zu raffen. 

Ist die Breite der Stoffbahn von Webekante zu Webe- 
kante zu einer Faltenlage gebrochen und gefasst (die linke 



Abbildung 3. Nun werden die noch ungleichen Falten 
in gleichmässig fallende Falten gezupft und geordnet 
Dazu kann man 
mit den Finger- 
spitzen leicht in 
die einzelnen 
Falten fahren 
und in den- 
selben herab- 





unten, nie um- 
gekehrt, wäh- 
rend die linke 
Hand den Stoff 
am Boden fest- 
hält, rasch die 
Falte, die man 
gerade ordnet, 
durch Strecken 

des Stoffes nach Abbildung 3. 

vorn oder seitlich, je nachdem es die Sachlage erfordert, 
richtend. 

Die Falten werden, um nicht wieder zusammenzutallen. 



* 



Hand arbeitet nicht mit, sondern hält nur eine Seite des rings um den Ständer am Fussboden ebenfalls mit Sleck- 

überschüssigen Stoffes leicht anhebend hoch und fest, nadeln festgesteckt, falls der Stoff nicht in sich selbst so 

damit die rechte Hand gut greifen kann), wird die Mitte schwer fällt, dass ein Verrutschen der Falten nicht zu bc- 

der Faltenlage auf die stumpfe Spitze des Stabes gelegt fürchten ist. 





Abbildung 5. 



Abbildung 6. 



156 




Abbildung 2. 



und dort mit einer 

Stecknadel be- 
festigt. 

Man benutzt 
hierzu am besten 

schwarze Steck- 
nadeln, nicht zu 
kurz und nicht zu 
dick , aber nur 
solche mit scharfer 
Spitze und aus 

Stahl gefertigte 
Nadeln. Siehe Ab- 
bildung 2. Jetzt 
fällt der Stoff zu 
beiden Seiten des 
Ständers lose her- 
ab, die Enden auf 
demBoden liegend. 



Die noch übrig- 
gebliebenen Stoff- 
enden auf dem 

Boden werden 
zuletzt, wie es 
die fertige Abbil- 
dung 4 zeigt, in 
grobe Wulstfalten 

zusammen- 
geschoben und ge- 
ordnet, so dass 
sie nunmehr den 
Ständerfuss im 
Halbkreis um- 
geben und diesen 
dadurch gleich- 
zeitig nach allen 
Seiten hin unsicht- 
bar verdecken. 




Abbildung 4. 



157 



Die komplizierte Spitze. 

Draperie 2. 



\ 



Auch hierzu gehört zum Aufmachen ein Ständer 
(Abbildung 1) von zirka 125 cm Höhe, im ausgezogenen 
Stande gemessen. Von dem Stoff, den man dekorieren 




Abbildung 1. 



will, sind ungefähr 5 bis 6 Meter nötig, je nach der 
Höhe des Ständers, welchen man benützt. Natürlich 
kann man auch niedrigere und im Hintergrund des spitze und steckt in Falten fest, wie in Abbildung 3. Durch 



Stoff an dieser Stelle ebenso wie in der vorher be- 
schriebenen Draperie in Falten zusammengegriffen worden 
ist (Abbildung 2). Dann führt man die längere Stoffbahn 
nach rechts weiter, erst 
wieder bis zum Fussboden 
zurück, wobei derselbe 
leicht mit einem kurzen 
Ende aufliegen muss, und 
dann weiter hinter dem 
Ständer laufend nach der 
stumpfen Spitze des Stabes, 
wie bei Abbildung 3 er- 
sichtlich ist. Dort wird der 
Stoff wieder von Webe- 
saum zu Webesaum, aber 
rechtwinklig zur Stoffkante, 
in Falten gegriffen und am 
Stabkopf befestigt. Nun- 
mehr führt man die noch 
vorhandene längere Stoff- 
bahn, an der Webekante 
weitergreifend, am Vorder- 
teil des Ständers bis reichlich über die Ständerschraube 
hängend herab, knickt die Stoffbahn um und führt wieder, 
immer vor dem Ständer bleibend, nach oben bis zur Stab- 




Abbildung 3. 



1/ 



Fensters höhere Ständer, ^Is oben angegeben, ver- 
wenden, nur muss man dann auch die Stofflänge ent- 
sprechend lang wählen. Auch zu dieser Darstellung eignet 
sich schmal liegender Stoff besser als doppelt breit lie- 
gender. Will man jedoch diesen letzteren trotzdem ver- 
wenden, so lässt man die 
doppelte I Breite als ein- 
fache Breite zusammen- 
geschlagen liegen, aber 
achte darauf, dass die 
rechte Seite des Stoffes 
nach aussen gelegt und 




dieses Ab und Auf bildet sich die obere Tütenfalte von 
selbst. Das nun noch übrigbleibende Stoffende wird hinter 
dem Ständer hängend versteckt. Jetzt zeigt sich die Ab- 
bildung 4. Die rohe Darstellung ist fertig. Zur gänz- 
lichen Fertigstellung und zum exakten Aussehen werden 
zuletzt die Falten wieder glatt gespannt, gleichmässig 
ausgestrichen, die Tüten- 
falten geordnet und ge- 
ebnet. Alles durch Hinein- 
greifen der Finger in die 
Falten und durch Ab- 
wärtsstreichen derselben 



gezeigt wird. Man greift an den Falten brüchen, wie 



die Stoffbahn an der 
Webekante, und zwar nur 
ein kurzes Stück der ab- 
gewickelten Stoffbahn, und 
führt dieses, zuerst am 



wir es auch in der vor- 
hergehenden Draperie be- 
schrieben haben. Die un- 
teren, noch sperrenden 
Stoffbahnen werden zu- 



unteren Ende des Ständers sammengezogen und zum 
mit der Arbeit beginnend, Schluss der auf dem 



Abbildung 2. 



bis zur Stellschraube des 
Ständerfusses. Dort steckt 
man das kurze Ende fest; 
zu beachten ist, dass der 



Boden liegende reichliche 
Stoff in Wulstfalten um 
den Ständer halbkreis- 
förmig geordnet 




Die einfache Kugel. 

Draperie 3. 




Abbildung I. 




Abbildung 2. 



Zu dieser Aufmachung wird ein 
Ständer, wie die Abbildung 1 zeigt, 
benutzt. Derselbe ist bei einer 
Höhe bis zu 150 cm fest, also nicht 
verstellbar. Zu höher dekorierten 
Figuren nimmt man diese Ständer 
mit verstellbarem Oberteil. 

Hier betrachten wir eine Auf- 
machung von etwa 125 cm Höhe. 
Diese Draperie eignet sich für alle 
Stoffe, schwere Seiden- und Woll- 
stoffe, Kostümstoffe und dergl. Zur 
Herstellung der Attrappe werden fünf 
bis sechs Meter Stoff benötigt, bei 
höheren Ständern entsprechend mehr. 
Der Stoff wird an der Webekante 
gefasst und von vorn nach hin- 
ten laufend über die Mitte (aber 
ungefähr einen Fingerbreit mehr als 
die genaue Mitte ist) 

des halbkugeligen 
Ständerkopfes gelegt. 
Siehe Abbildung 2. 
Hinter dem Ständer 
hängt die Stoffbahn 
herunter, nicht weiter, 
als es gerade nötig 
ist, um die Stoffbahn, 
dort umknickend wie- 
der hinter dem Ständer 
nach aufwärts zu füh- 
ren, über die noch 
freie Hälfte des Kugel- 
kopfes von hinten 
nach vorn zu legen — 
Abbildung 2 — und 
am Vorderteil des 
Ständers biszum Fuss- 
boden zu leiten — 



Abbildung 3. 
Bei Beginn der 
Arbeit und bei 

Beendigung 
derselben muss 
soviel Stoff auf 

dem Boden 
liegen bleiben, 
dass man die 
noch zu arran- 
gierenden 
Wulstfalten um 
den Ständerfuss 
ordnen kann. 
Beim zweiten 
Ueberlegen des 
Stoffes über die 
Halbkugel ist 




Abbildung 3. 



zu beachten, dass hierbei die Webekante des Stoffes 
umgekniffen wird, sodass 
dieselbe bei der fertigen 
Draperie nicht zum Vor- 
schein kommen kann. 
Nötigenfalls wird der 
Stoff am oberen Teil 
des Kugelkopfes mittels 
Stahlstecknadeln festge- 
steckt.] 

Seitiich der Stoff- 
drapierung hat sich ein 
antiker Faltenfall ge- 
bildet, der zur Fertig- 
stellung der Aufmachung 
gleich dem übrigen Fal- 
tenwurf glatt gezogen 
und geordnet werden 
muss. Die fertige Deko- 
ration ist in Abbildung 4 
veranschaulicht. AbbUdnng *. 




Abbildung 4. 



158 



159 



Attrappe. 

Draperie 4. 



) 



Diese Aufmachung eignet sich besonders gut für 
Bordüren und Voilestoffe. Es gehören bei einer 
Ständerhöhe von 125 cm etwa sechs Meter Stoff zur 
Fertigstellung der Attrappe. 

Abbildung 1 zeigt den festen, 125 cm 
hohen Ständer mit Kugelkopf. Bei dieser 
Aufmachung wird der Ständer ausnahms- 
weise so gestellt, dass sich eine von 
den aufrechten Strebelatten derselben 
in der Mitte vorn befindet. Aus Zweck- 
mässigkeitsgründen ist dies jedoch von 
uns in den Zeichnungen nicht darge- 
stellt. Der Ständer muss also diesmal 
so stehen. Der Stoff wird so gefasst, 
dass ein genügend langes Stoffende 
auf dem Boden links vom Ständer 
vor Beginn der Abbildung liegen bleibt, 
um dieses dann zu den letzten Hand- 
griffen reichlich zur Verfügung zu haben. 
Die Mitte des abgeschnittenen Stoffes 
liegt in dem unteren Ende der über- 
hängenden Tütenfalte, wodurch jeder 
Dekorateur in der Lage ist, selbst abzuschätzen, an 
welcher Stelle des Stoffes er mit der Arbeit beginnen 
kann. Das Drapieren geschieht folgendermassen : 

Die Stoffbahn wird hinter dem Ständer wie in Ab- 
bildung 2 heraufgeführt, die Webekante etwas über der 
Hälfte des Kugelkopfes, wie in Draperie 3 beschrieben, 
übergelegt, dann weiter vor dem Ständer (Stoff immer 
an dem Webesaum weitergreifend) bis reichlich zu zwei 
Dritteln der Ständerhöhe herabgeführt, dort umgeknickt, 




Abbildung 2, und wieder (an der Webekante gefasst) an 
der Vorderseite des Ständers nach oben geführt. Jetzt 
kommt die eingeschlagene Webekante dieser herauf- 
geführten Stoffbahn auf die Mitte des Kugelkopfes von vorn 
nach hinten zu liegen 
und fällt dann der 
noch restliche Stoff 
hinter dem Ständer zur 
Erde nieder. Abbild. 3. 
Nun ergreift man 
die links und rechts 
vom Ständer auf dem 
Boden liegendenStoff- 



Abbildung 1. 




enden, führt sie von 
hinten nach vorn um 
den Ständerfuss her- 
um, siehe ebenfalls 
Abbildung 3, hebt sie 
dort, erst die eine, 
dann die andere Seite 
hoch, indem man 
die Schnittfläche des Abbildung 4. 

Stoffes quer über die Stoffbreite weg in Falten greift 
(Beschreibung bei Draperie 1), und steckt diese zusammen- 
gerafften Falten unter der überhängenden Tütenfalte an 
dem vorderen Holzstab des Ständers mit einer Stecknadel 
fest. Siehe Abbildung 4. 

Nachdem man nun wieder sämtliche Falten geordnet, 
vertieft, glatt gezogen und gestrichen hat, ordnet man 
die Wulstfalten um den Fuss des Ständers und hat die 
fertige Draperie stehen, wie sie in Abbildung 5 gezeigt wird. 





Abbildung 2. 





«4f 



Abbildung 3. 

160 



Abbildung 5. 



Draperie 5 und Draperie 6, 

zwei Variationen der Tflten-Attrappe, sind beide der 
vorhergehenden Tüten-Attrappe angegliedert. Die Auf- 
machungen unterscheiden sich nur in der Art, wie die 
Tütenfalten gezogen werden. Der Lauf der Arbeit ist 

bei Draperie 5 und 6 
der gleiche, wie der in 
Draperie 4 beschriebene, 

und genau dement- 
sprechend vorzunehmen. 
Nachdem dann die un- 
leren Bahnen festgesteckt 
und die Wulstfalten ge- 




legt worden sind, zieht 
der Dekorateur, falls er S^^^S^ "^^^ ^om her- 
die Tüte so legen will, ""^^r bis zu zwei 
wie in Draperie 5 ver- 
anschaulicht, die äusseren 
Faltenbahnen der Tüte 
etwas mehr in die Breite 



und Verlauf der Arbeit ist der gleiche. Nur besteht der 
Unterschied gegen diese Drapierung darin, dass über 
den Kugelkopf des Ständers zwei eng nd>eneinander- 
liegende Tüten gebildet werden. Der Stoff wird also, 
nach Abwickeln eines entsprechend grossen Tdfcs, 
welches zum Schluss 
nach vorn geführt, 
dort gehoben und 
festgesteckt wird, zu- 
erst hinter dem Stän- 
der nach oben über 
ein Viertel des Kugel - 
kopfes (gegen das Ab- 
rutschen feststecken) 




und schlägt dieselben 
nach vorn auf, so dass 
die griechische Kanten- 
^"P"''^ 5- falte herauskommt. Soll 

dagegen die Draperie 6 geboten werden, so bleibt die 
Tüte an sich unberührt Nur werden hierfür die äussersten 
überhängenden seitlichen Falten 
nach vorn geschlagen, der griechische 
Kantenwurf geordnet und die unter- 
gesteckten Bahnen etwas mehr in 
die Breite gezogen. 

Beide Abbildungen lassen sich 
leicht arrangieren, sobald man die 
Draperie 4 vollständig beherrscht. 
Einige Kunstgriffe, die noch nötig 
sind, um sich die Arbeit zu erleich- 
tem, und die schwer in die Form einer 
Beschreibung zu bringen sind, er- 
lernen sich schnell und vonganzallein 
bei den Wiederholungen in der Arbeit. 



Die „doppelte Tüte". 
Draperie 7. 

Auch diese Attrappe ergibt sich 
aus der Draperie 4. Der Anfang 



Draperie 6. 




Draperie 7. 



Drittel der Höhe des 

Ständers geführt, dann 

umgeknickt, wieder 

nach vom aufwärts 

über das zweite Viertel 

des Kugelkopfes gelegt (jetzt ist also erst die eine linke 

Hälfte der Kugel mit Stoff bedeckt) und fällt nach hinten 

herab. Nun ist eine Tüte fertig. 

Genau so legt man jetzt die zweite Tüte neben die 
erste auf die bisher noch freie Kugelhälfte, indem man 

den Stoff wieder weiterführt, wie 
oben und wie in Draperie 4 be- 
schrieben. Man vergesse jedoch nie 
den Webesaum beim Überl^jen über 
den Kopf umzuschlagen und recht 
glatt und fest über den darunter 
liegenden Stoff zu spannen. Den 
Zusammenstoss der beiden Stoff- 
bahnen soll man bei einer gut ge- 
lungenen Figur fast nicht sehen 
können. Nachdem beide Tüten arran- 
giert sind, wird der übrige Stoff wieder 
in der Mitte vom unterhalb da- Tüten 
an der Leiste des Ständers festgesteckt, 
die Wulstfaden geordnet, die Tüten- 
falten geglättet und die Figur ist 
dann fertig. 

Es gehören, der doppelten Tüten 
wegen, zirka 6 bis 8 Meter Stoff zu 
dieser Dekoration. 



161 



21 




Abbildung I. 




Die gebundene Tüte. Draperie 8. 

Bei dieser Dekoration wird der Stander, 
entgegengesetzt der allgemeinen Regel, mit 
einer seiner senkrechten Leisten nach vorn 
stehend in Gebrauch genommen. 

Zur Herstellung dieser Draperie be- 
nötigt man zirka 6 bis 8 m Stoff. Ein 
leichter Sommer-, Seiden- oder leichter Woll- 
stoff eignet sich am besten zur Figur. Die 
Arbeit fängt an, indem man den Stoff an 
einer Webekante fasst, ungefähr 125 cm 
vom Ende resp. Anfang der Stoffbahn an 
gerechnet. Dort wird derselbe wieder quer 
zur Stoffbahn in Falten gerafft und die |zu- 
sammer geraffte Stelle in '/• Höhe des 
Ständers am vorderen Leistenstab festge- 
steckt. Abbildung 1. Dann führt man den 
Stoff, an der Webekante weitergreifend, um 
den Ständer herum, Abbildung 2, nach 
hinten hinauf, legt den Stoff, wie bei der 
Tütendekoration beschrieben, über den 
halben Kugelkopf des Ständers, nach vorn 
überfallen lassend, knickt um, führt den 
Stoff wieder vorn herauf über die andere 
Kugelhälfte nach hinten (Webekante ein- 
schlagen!) Abbildung 3, zieht den Stoff 
seitlich hinten herum, knickt und schlingt 
das letzte Stoffende, in gleichmässig tiefe 
Falten gelegt, schräg um die Tüte und die 
Rundung des Ständerkopfes nach hinten. 
Dort versteckt man die überhängende Stoff- 
bahn. Abbildung 4. 




lIAbbildung 3. 




Abbildung 2. 



Abbildung 4. 



Drapierung 9 (Abbildung S. 163) 

nennen wir einfache Kugel mit 
Wasserfallltante. Dieselbe wird auf- 
gemacht wie die Drapierung 3 ein- 
fache Kugel. Als Unterschied gegen 
die dortige Beschreibung wird die 
zweite Stoffbahn, welche von hinten 
nach vorn übergelegt wird, vor dem 
Auflegen schräg in Falten gegriffen, 
sodass die Wasserfallkante entsteht. 
Diese wird dann in der Mitte der 
Dekoration, dem Bilde ähnlich, über- 
gelegt und ausgezogen. 




Drapierungen. V (Text S. 163.) 



162 



Drapierung 10 (Abbildung S. 163) 

wird ähnlich dekoriert wie die Dra- 
perie — die Tüte. Es wird, nachdem 
die Attrappe im Unterteil und in der 
Tüte nach der dort verzeichneten Be- 
schreibung fertiggestellt worden ist, 
nochmals eine kurze Tüte über die 
bereits tief hängende Tüte arrangiert, 
jedoch diesmal in der Weise, dass die 
Webekanten jedesmal vor Legen der 
einzelnen Tütenhälften schräg in Fal- 
ten gegriffen worden sind. Beim Auf- 
legen des Stoffes wird dann die Webe- 




kante nach aussen gel^ also obenauf, und 
zum Schluss nach rückwärts leicht angezogen 
und festgesteckt. Dadurch stellen sich die 
Wasserfallkanten selbsttätig auf. 

Drapierung 11 

soll eine Anregung dafür geben, dass man 
diese Stoffarrangements, welche wir bis jetzt 
beschrieben haben, nicht unumgänglich not- 
wendig, nur auf dazu hergestellte Deko- 
rationsständer verwendet. Wir zeigen mit 
dieser Abbildung eine geschmackvoll deko- 
rierte Tütenaufmachung über einen niedrigen 
Dekorationssockel arrangieri Diese Sockel 
in Gestalt von glatt gehobelten Kisten, bezogen 
oder poliert, dürften wohl fast in jedem Ge- 
schäft vorhanden sein. 




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Drapierung 9. 



Drapieiong 10. 



In Abbildung 1 zeigen wir ein einfaches symme- 
trisches Arrangement. Dieses Fenster misst zirka 5 m in 
der Breite und 3 m in der Tiefe. Derselbe Plan kann 
auch für kleinere Fenster verwendet werden durch Ver- 
ringerung der Ständer, jedoch plaziert man diese in 
gleicher Ordnung. 

Diese Anordnung der Ständer ist für eine Verkaufsdeko- 
ration gedacht, in welcher 
alle Ware denselben Preis hat. 
Die Waren können in ver- 
schiedenen Farben, Schat- 
tierungen und in verschiede- 
nen Mustern gezeigt werden. 

Die Vorderreihe der 
Ständer wird in einer 
geraden Linie aufgestellt. 
Dieselben sollen zirka 1 m 
von der Scheibe entfernt 
sein, um'auslaufenden Stoff- 
bahnen Raum zu gewähren. . Abbildung i. 




Die Stoffbahnen sollen nie bis ganz an die Scheibe 
laufen, es soll immer ein wenig Raum dazwischen 
bleiben. Die beiden Ständer rechts und links werden in 
gleicher Entfernung von den entgegengesetzten Seiten 
des Fensters aufgestellt, und der Mittelständer muss genau 
in der Mittestehen. In der hinteren Reihe werden dieStänder 
ca. 40 cm vom Hintergrund aufgestellt, da alle auslaufenden 

Bahnen nachvom gehen. Die 
beiden Seitenständer in der 
hinteren Reihe sind nahe den 
Ecken aufgestellt, und die 
Entfernung zwischen den- 
selben wird durch zwei 
Ständer in drei gletchwette 
Zwischenräume geteilt 

Für ein Fenster dieser 
Grösse sollen die Vorder- 
ständer ca. 1 m, die der 
hinteren Reihe ca. 2'/t m 
hoch sein. 



168 



21« 



In Abbildung 2 ist ein gutes symmetrisches Arrange- 
ment für eine volle Dekoration gegeben, für welche es 
wünschenswert erscheint, möglichst viele Stoffe aus- 
zustellen. Die Ständer, welche hier gezeigt werden, sind 
besonders leicht zu dra- 
pieren und beanspruchen 
nicht viel Stoff. Die vier- 
eckigen Kopfbretter ver- 
anlassen, dass der Stoff 
in hübschen Falten fällt. 
Sie passen sowohl für 
die schwersten wie für 
die leichtesten Stoffe. 

Die Vorderreihe wird- 
so plaziert, dass die 
Ständer sich etwa 60 cm 
von der Scheibe ent- 
fernt befinden. Sie stehen 




drei oder vier Reihen gebraucht werden, sollen die hin- 
teren Reihen verhältnismässig erhöht werden. 

Die Vorderständer sind etwa 1,10 m hoch, während die 
Stander in der Hinterreihe eine Höhe von etwa 1,75 m 

haben. Das Drapieren 
richtet sich nach der 
Art der Ware, die ausge- 
stellt wird. 

Abbildung 4. Die 
Ständer mit runden und 
ovalen Kopfbrettern sind 
geeignet zur Dekoration 
von Tuchen, Samt, Seide 
oder andern glänzenden 
Stoffen. Durch die run- 
den oder ovalen Kopf- 
bretter fallen die Stoffe 
in eleganten , runden, 



alle in gleicher Entfernung voneinander. Die Ständer gleichmässigen Falten hernieder, wodurch der Glanz be- 

in der hinteren Reihe haben schräge Kopfbretter und sind sonders gut zur Wirkung kommt. 

dicht an der Hinterwand plaziert, jeder Stander genau Nach diesem Plan muss die Vorderreihe der Ständer 



der hinteren Reihe zirka 



hinter dem vordersten 
vor ihm stehenden. Dies 
erscheint in der Zeich- 
nung durch die Per- 
spektive anders. Die drei 
Ständer in der Mitte 
haben ebenfalls schräge 
Kopfbretter und stehen 
genau in der Mitte 
zwischen Vorder- und 
Hinterreihe. 

Die Vorderständer 
sind etwa l'/i m hoch, 
die Ständer der Mitte 
2 m und die Ständer 
2V4 m hoch. 

Abbildung 3. Die scharfen geraden Ecken der winkel- 
förmigen Ständer und 
die breiten glatten Flä- 
chen dienen dazu, jede 
Art von Stoff vorzüglich 
zur Schau zu bringen. 

Dieses Arrangement 
ist gleich gut geeignet 
für schmale wie für 
grosse Fenster. Wenn 
das Fenster sehr gross 
und tief ist, kann man 
die Anzahl der Ständer 
vermehren, und weitere 
Reihen können hinzu- 
gefügt werden. Falls 




Abbildung 3. 




Abbildung 4. 



SO plaziert werden, dass 
diese etwa 60 cm von 
der Scheibe entfernt 
stehen. Diese Ständer 
sind 1,25 m hoch. Die 
hintere Reihe steht dicht 
an der Hinterwand, und 
jeder Ständer steht 
genau hinter dem ent- 
sprechenden Ständer der 
Vorderreihe. Die beiden 
Ständer in der Mitte 
stehen dazwischen und 
sind etwas nach aussen 
gerichtet, und zwar in demselben Grade wie die beiden 
Seitenständer der hinteren Reihe. Die Ständer der 
hinteren Reihe sind etwa 2,25 m hoch, die in der Mitte 

1,75 m. Die Ständer in 
der Vorderreihe werden 
so dekoriert, dass die 
Kopfbretter wagerecht 
statt schräg stehen. Die 
Mittelständer werden wie 
die der Vorderreihe 
drapiert, nur haben 
sie das schräge Kopf- 
brett. Die Ständer der 
hinteren Reihe können 
so drapiert werden, 
dass der Stoff fast 
gerade auf den Boden 
herabfällt 



164 



Die Bandschleife als Verzierung im Schaufenster. 



Die Bandschleife im Schaufenster gibt Zeugnis von 
dem künstlerischen Standpunkt des Dekorateurs, gibt 

Zeugnis von der Geschick- 
lichkeit seiner Hand. Ist 
es nicht eine eigenartige 
Erscheinung, dass gerade 
ungeschickte Hände bei 
der Dekoration sich gerne 




die fabelhaftesten Linien hervorzauberte. Den stärksten 
Gegensatz hierzu liefert uns die biedere Biedermeier- 
schleife und zugleich, wenn auch als ganz anderer 
Typus, der ebenfalls als Gegensatz zur koketten Rokoko- 
linie, die Schleife der neueren Zeit aus dem weichen 
Libertyband. Hier haben wir 
nicht nur drei Stilarten, auch 
drei verschiedene Stimmungen 




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der Schleifenverzierung be- 
dienen? Wo kleben, hängen 
und liegen nicht überall die Schleifen in den Schau- 
fenstern. Man könnte versucht werden, für ihre gänz- 
liche Verbannung aus den Schaufenstern zu wirken, 
wenn sie nicht durch geschickte Hand am rechten Platz 
verwendet, so ungeheuer reizvoll und belebend wirken 

könnten. Es lohnt sich also 
darüber zu reden. — Vielfältig 
wie das Material, aus dem 
sie ersteht, ist ihr Charakter. 
Launig, stilvoll, stimmungsvoll, 
wie ein Mensch kann sie sein 
— ja, ist sie, wenn die rechte 
Hand sie an den rechten 
Fleck gebracht. Schleifenver- 
zierungen gab es fast zu allen 
Zeitaltern, ihr Stil wurde aus 
dem jeweiligen Modestoff ge- 
boren. Das kapriziöse Rokoko- 
schleifchen war nur möglich 
durch das damalige Seiden- 
material, das bei jeder Raffung 




dürften uns diese drei Schleifentypen geben: „Die 
Fröhlichkeit und den koketten Zauber, die ruhige Würde 
und Biederkeit und drittens die sanfte Geschmeidigkeit 
und wenn wir wollen auch Traurigkeit." Diesen Reichtum 
schenkt uns nur die Linie der verschiedenen Schleifen — 
einen weiteren Reichtum finden wir für die Dekoration 
in der richtig gewählten Farbe der Schleife. 

Wollen wir eine Farben- 
komposition aufhellen oder 
herabstimmen im Ton, oder 
wollen wir eine neue belebende 
Note ins Fenster bringen, so 
finden wir in der fein ge- 
wählten, geschickt angebrach- 
ten Bandschleife ein herrliches 
Hilfsmittel. — Der Stil im 
Schaufenster spielt eine grosse 
Rolle, ihn durchzuführen bis 
ins kleinste ist eine Haupt- 
bedingung für eine künst- 
lerische Leistung in der Deko- 
ration. Die Schleife, wenn 
auch nur als Begleitobjekt in 




165 






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der Schaufensterdekoration auftretend, hat also auch 
diesen künstlerischen Stil- Anforderungen zu genügen. 
E)aniit ist schon ein Verbot für den willkürlichen Ge- 
brauch von Schleifenverzierung im Schaufenster aus- 
gesprochen. 

Kompliziert, veränderlich, launisch wie das Bild der 
heutigen Zeit, ist das äussere Bild des Menschen, ist 



alles gefasst, auf alles vorbereitet, und so sehen wir 
heute knisternde steife Taftseiden, morgen fliessende 
weiche Gewebe in seinen Schaufenstern. Der Hand 
des Dekorateurs bleibt es überlassen, den Stoffen Leben 
zu schenken. Aus seiner Hand fliessen die Stofflinien, 
von seiner Hand sehen wir die kunstvollen Raffungen, 
die, je natürlicher sie wirken, desto künstlerisch wert- 






alles, was der heutige Mensch zu seinen Bedürfnissen 
zählt. Steckt das Modepüppchen heute in steifen 
Schleifen, wie in Engelsflügeln verborgen, so trägt sie 
die Schleife morgen vielleicht schon als weiches schlep- 
pendes Etwas hinter sich her. Der Kaufmann ist auf 



voller einzuschätzen sind. Dieser geschickten Hand 
soll es nun auch gelingen, die Schleife dem Stil und 
der Farbe des übrigen Schaufensters einzufügen. „Ein- 
fügen" heisst die Schleife der Komposition des Schau- 
fensters organisch einzuordnen. Den an Wand und 



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166 




Stellagen hängenden, klebenden Schleifen, denen wir 
so oft in den Schaufenstern b^^^neten, ist hiennit 
das Urteil gesprochen. 

Eine Schleife zu binden oder zu legen, ist eine 
große Kunst. Hat der Dekorateur nicht gleich den 
richtigen Griff für Anfang und Ende des zu verarbei- 
tenden Bandes, so wird ihm die Schleife schwerlich 
gelingen, denn ein „Ausprobieren" gibt es nicht ein 
verarbeitetes Band wirkt nicht mehr. Die Schleife 
zur Füllung kahler Flächen im Schaufenster hat 
zur Kriegszeit, wo es so oft an genügend Waren 



mangelte, ihre Triumphe gefeiert. Verbindungs- 
linien, wie einsam gelegte Schleifen, dürfen wir 
als Hilfsmittel in der Dekoration überall dort 
empfehlen, wo ihr Charakter als „Begleitobjekt* 
respektiert wird. Sie fordert aber .stets die ge- 
schickte Hand. 



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167 



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Praktisch bewährte Dekorations-Hilfsmittel. 




In den nachstehenden vier Abbildungen zeigen 
wir eine vielseitige Verwendbarkeit einer Dekorations- 
Attrappe. Dieselbe stellt in ihrer Urform einen recht- 
eckigen Körper mit einer bogenförmigen Aushöhlung 
an der einen Längsseite dar. Diese Attrappe kann 
sich jeder Dekorateur 
leicht selbst herstellen, 
indem er der gewünsch- 
ten Länge entsprechend 
Holzlatten zusammen- 
nagelt und das Ganze 
mit Pappe und weiter- 
hin mit Stoff bezieht. 
Geschäfte, welche die 
Dekoration des öfteren 
verwenden wollen, las- 
sen sich diese Attrappen 
der Dauerhaftigkeit hal- 
ber vom Tischler anfer- 
tigen. Die Stärke der 
Attrappe kann ungefähr 
25 — 30 cm betragen, 
doch ist auch hierfür 
keine Norm gegeben, 
sondern es muß jedem 
Dekorateur überlassen 
bleiben, je nach der 
Größe des Fensters die 
Länge, Höhe und Stärke 
der Attrappe selbst zu 
bestimmen. 

Zu den Abbildungen 1 
und 2 werden nur je ein 
Halbkreis resp. eine At- 
trappe benötigt, wäh- 
rend zu den Abbil- 
dungen 3 und 4 deren 
zwei Stück auf- resp. 
aneinander gestellt ge- 
braucht werden. 

Abbildung 1. Die 
Attrappe (wir wollen 
dieselbe, weil sie sich 
versetzen läßt, das „Ver- 
satzstück" nennen) ist 
mit ihrer geraden Längs- 
seite auf dem Boden auf- 



Abbildung 1. 



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AhbildutiR 2. 

168 



gestellt, so daß die halbkreisförmige Ausschnittöffnung 
nach oben zeigt. Dahinter erheben sich fünf Attrappen, 
von denen der dekorierte Stoff in Falten herabfällt und 
werden die Enden der herabfallenden Bahnen in zwang- 
losen gefälligen Falten und Tuffen über die Rundung 

hinweg nach dem Vor- 
dergrunde des Fensters 
geführt. Auf den Seiten- 
podesten des Versatz- 
stückes werden Por- 
zellanfiguren aufgestellt. 
Abbildung 2. Hier 
steht das Versatzstück 
umgekehrt wie in Ab- 
bildung 1 und bildet eine 
Art Brücke. Dahinter 
stehen zwei spitze At- 
trappen, von denen ver- 
schiedene Stoffe sowie 
Einsatzspitze herabfal- 
len, welche teils unten 
durch die Brücke ge- 
zogen auf dem Boden 
dekoriert sind, teils je- 
doch über das eine 
Ende der Brücke hin- 
weggelegt sind. Eine ge- 
schmackvolle Blumen- 
vase steht auf einem 
weiteren buntfarbigen 
Stoffe, welcher an der 
einen Seite der Brücke 
aufgelegt ist und von 
da herabfällt. Die Enden 
dieses Stoffes vereinen 
sich auf dem Boden 
des Fensters mit den 
Enden der von den 
Ständern herabfließen- 
den Stoffbahnen. 

Abbildung 3. Hier 
steht das Versatzstück 

als Mitteldekoration. 
Zwei Versatzstücke sind 
übereinander so aufge- 
stellt, daß in der Mitte 
des Fensters ein kreis- 







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Abbilclun§r 3. 



rundes Loch entsteht. Hinter diesen 
Versatzstücken stehen vier Jupons 
auf Ständern, während drei weitere 
Jupons vor den Versatzstücken auf 
niedrigen Ständern dekoriert sind. 
Im kreisförmigen Ausschnitt sind 
einige Strümpfe dekoriert und 
das Ganze ist durch ein Band- 
arrangement verziert, dessen Auf- 
machung aus der Abbildung er- 
sichtlich ist. 

Abbildung 4. Das Versatzstück 
als liegende Mitteldekoration. Hier 
sind zwei Versatzstücke flach auf 
den Schaufensterboden gelegt, so 
daß eine brunnenähnliche Deko- 



ration entsteht. Auf den vier Ecken 
der Versatzstücke stehen vier große 
Vasen, aus denen lange Ketten aus 
Holzperlen hängen- In der Mitte des 
Loches kommt eine hohe Attrappe 
zu stehen, welche zur Aufnahme des 
oder der zu dekorierenden Stoffe 
dient. Die Stoffbahnen fallen zuerst 
bis zu dem Schaufensterboden herab, 
füllen dann das mittlere Loch der 
Versatzstücke voll aus und werden 
über den hochstehenden Rand nach 
allen Seiten des Fensters in Falten 
ausgelegt. 




Abbildung 4. 



169 



22 



mTENT\ONAL SECOND EXPOSURE 






I 



Praktisch bewährte Dekorations-HiUsmittel. 




In den nachstehenden vier Abbildungen zeigen 
wir eine vielseitige Verwendbari<eit einer Del<orations- 
Attrappe. Dieselbe stellt in ihrer Urform einen recht- 
eckigen Körper mit einer bogenförmigen Aushöhlung 
an der einen Längsseite dar. Diese Attrappe kann 
sich jeder Dekorateur 
leicht selbst herstellen, 
indem er der gewünsch- 
ten Länge entsprechend 
Holzlatten zusammen- 
nagelt und das Ganze 
mit Pappe und weiter- 
hin mit Stoff bezieht. 
Geschäfte, welche die 
Dekoration des öfteren 
verwenden wollen, las- 
sen sich diese Attrappen 
der Dauerhaftigkeit hal- 
ber vom Tischler anfer- 
tigen. Die Stärke der 
Attrappe kann ungefähr 
25—30 cm betragen, 
doch ist auch hierfür 
keine Norm gegeben, 
sondern es muß jedem 
Dekorateur überlassen 
bleiben, je nach der 
Größe des Fensters die 
Länge, Höhe und Stärke 
der Attrappe selbst zu 
bestimmen. 

Zu den Abbildungen 1 
und 2 werden nur je ein 
Halbkreis resp. eine At- 
trappe benötigt, wäh- 
rend zu den Abbil- 
dungen 3 und 4 deren 
zwei Stück auf- resp. 
aneinander gestellt ge- 
braucht werden. 

Abbildung 1. Die 
Attrappe (wir wollen 
dieselbe, weil sie sich 
versetzen läßt, das „Ver- 
satzstück" nennen) ist 
mit ihrer geraden Längs- 
seite auf dem Boden auf- 



Abbilüung 1. 




Abbildung 2. 

168 



gestellt, so daß die halbkreisförmige Ausschnittöffnung 
nach oben zeigt. Dahinter erheben sich fünf Attrappen, 
von denen der dekorierte Stoff in Falten herabfällt und 
werden die Enden der herabfallenden Bahnen in zwang- 
losen gefälligen Falten und Tuffen über die Rundung 

hinweg nach dem Vor- 
dergrunde des Fensters 
geführt. Auf den Seiten- 
podesten des Versatz- 
stückes werden Por- 
zellanfiguren aufgestellt. 
Abbildung 2. Hier 
steht das Versatzstück 
umgekehrt wie in Ab- 
bildung 1 und bildet eine 
Art Brücke. Dahinter 
stehen zwei spitze At- 
trappen, von denen ver- 
schiedene Stoffe sowie 
Einsatzspitze herabfal- 
len, welche teils unten 
durch die Brücke ge- 
zogen auf dem Boden 
dekoriert sind, teils je- 
doch über das eine 
Ende der Brücke hin- 
weggelegt sind. Eine ge- 
schmackvolle Blumen- 
vase steht auf einem 
weiteren buntfarbigen 
Stoffe, welcher an der 
einen Seite der Brücke 
aufgelegt ist und von 
da herabfällt. Die Enden 
dieses Stoffes vereinen 
sich auf dem Boden 
des Fensters mit den 
Enden der von den 
Ständern herabfließen- 
den Stoffbahnen. 

Abbildung 3. Hier 
steht das Versatzstück 

als Mitteldekoration. 
Zwei Versatzstücke sind 
übereinander so aufge- 
stellt, daß in der Mitte 
des Fensters ein kreis- 




Abbilduiig 3. 



rundes Loch entsteht. Hinter diesen 
Versatzstücken stehen vier Jupons 
auf Ständern, während drei weitere 
Jupons vor den Versatzstücken auf 
niedrigen Ständern dekoriert sind. 
Im kreisförmigen Ausschnitt sind 
einige Strümpfe dekoriert und 
das Ganze ist durch ein Band- 
arrangement verziert, dessen Auf- 
machung aus der Abbildung er- 
sichtlich ist. 

Abbildung 4. Das Versatzstück 
als liegende Mitteldekoration. Hier 
sind zwei Versatzstücke flach auf 
den Schaufensterboden gelegt, so 
daß eine brunnenähnliche Deko- 



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ration entsteht. Auf den vier Ecken 
der Versatzstücke stehen vier große 
Vasen, aus denen lange Ketten aus 
Holzperlen hängen. In der Mitte des 
Loches kommt eine hohe Attrappe 
zu stehen, welche zur Aufnahme des 
oder der zu dekorierenden Stoffe 
dient. Die Stoffbahnen fallen zuerst 
bis zu dem Schaufensterboden herab, 
füllen dann das mittlere Loch der 
Versatzstücke voll aus und werden 
über den hochstehenden Rand nach 
allen Seiten des Fensters in Falten 
ausgelegt. 




Abbildung 4. 



169 



22 



Der „Sockel", 

Sockeldekorationen sind fast immer wirkungsvoll. Bereicherung des Bestandes an allgemeinen Dekorations- 

Die auf diesen erhöhten Plätzen ausgestellten Gegenstände hilfsmitteln. In den nachstehenden Abbildungen geben 

werden bei einer Dekoration stets in ganz besonderem wir einige Anregungen für die gefällige Ausstattung der 

Masse auffallen und sind daher für die verschiedensten Sockel. 




Abbildung 1. 

Verwendungszwecke bestens geeignet. Auch diese Deko- 
rationssockel können in ihrer Grösse ganz verschieden 
angefertigt sein. Je nach dem Gebrauchszwecke oder dem 
zur Verfügung stehenden Raum inmitten der übrigen 
Dekoration wird die Grösse des Sockels bestimmt sein- 
Für viele Zwecke genügt dem Dekorateur eine passende 
kleine oder grössere vorhandene Kiste mit glatten, ohne 
Leisten versehenen Wänden, Postkistchen, sowie Versand- 
kartons und ähnliches. Diese rohen Formen werden durch 
Ueberziehen mit Stoff, farbigen Papieren, oder ähnlichen, für 
das Auge des Publikums angenehm verändert. Wenn dann 
noch die äussere Fläche des Sockels durch Blumen, Band 
und anderem beliebigen Material geziert wird, so bildet 
eine solche Sockeldekoration eine sehr schätzenswerte 




Abbildung 3. 




Abbildung 2. 

Abbildung 1. Der Sockel ist hellgrau, zu dem Fuss- 
boden passend bezogen. Die obere Fläche und eine mit 
Perlen umrahmte kreisförmige Stoffläche sind dagegen 
schwarz. An der Kreisfläche ist eine Blütenranke befestigt, 
die scheinbar aus dem Sockel herausfällt. 

Abbildung 2. Hier sind zwei Kreisflächen angebracht 
und an jeder ist eine Ranke befestigt. 

Abbildung 3. Der dunkelgraue Grund der Stoff- 
bespannung wird durch eine grellbunte Blütenranke unter- 
brochen, und ist der Sockel mit kornblumenblauer Seide 
belegt. 

Abbildung 4. Bunte Töpfereien sind auf einem flach 
stufenförmigen Doppelsockel aufgestellt. Holzperlenschnüre 
lassen sich hierbei gut zur Dekoration verwenden. 




Abbildung 4. 



Zur Dekoration der Eisenwaren-Schaufenster. 



Die am meisten benutzten Stellagen in den Eisen- 
warenfenstern sind einfache, meist selbst angefertigte, 
die sich auf verschiedene Weise verwenden lassen. 
Sie werden gewöhnlich, dem Charakter der auszu- 
stellenden Ware entsprechend, massiv hergestellt. Kon- 
solbretter sind unentbehrlich in der Eisenwarendekoration 
und können für die Hinterwand, wie für die Seitenwände 
verwendet werden. Durch ihre Hilfe kann man eine 



Menge Artikel zur Schau stellen, ohne das Fenster 
zu überfüllen. 

In der Skizze Abbildung 1 zeigen wir verschiedene 
Formen dieser Konsole, welche aus einem Brett aus- 
geschnitten und auf einer Winkelstütze befestigt sind. 
Das kreisförmige Konsolbrett dürfte für alle Zwecke 
geeignet sein. Die Bretter macht man 20, 25 und 30 cm 
gross. Man kann denselben einen Anstrich durch 



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170 



Beize oder durch Farbe geben. Man bespanne erst Ständern braucht man in der Eisenwarenbranche 

Konsole mit Stoff. Wenn es die Konstruktion der Treppenstellagen. 

Seitenwände erlaubt, können die Konsolen direkt daran Die beiden Skizzen, Abbildung 2 und 4 zeigen 

festgeschraubt werden, sonst befestigt man dieselben eine halbrunde und eine rechtwinklige Treppe, die 




Abbildung 1, 

an lange, starke Holzleisten, welche genau zwischen 
Boden und Decke passen. Viele Eisenwarengeschäfte 
befestigen auch lange Wandbretter an der Hinterwand 
und den Seitenwänden entlang; diese sind dann zum 
Abnehmen eingerichtet. 

Treppen und Podien sind sehr brauchbar für das 
Dekorieren von kleinen Waren. Für ein Fenster gewöhn- 
licher Grösse soll eine Garnitur von Treppen ver- 
schiedener Höhe, zwischen 25 cm bis zu einem Meter 
zur Verfügung stehen. Man gebraucht Sockel und 
Säulen in Verbindung mit Glasplatten und kann dadurch 
die verschiedensten Arrangements erzeugen. 

In der Skizze, Abbildung 3, werden drei beliebte 
Formen für Sockel und Säulen gezeigt. 

Die Säule links ist ein einfacher _ Schaft, auf einem 
quadratischen Brett befestigt, welches durch vier niedrige 
Füsse getragen wird. Die Seitenbretter machen diesen 
Ständer besonders brauchbar, auch dienen sie als 
Stützen für Glasplatten, so dass man mit Hilfe von 
zwei oder drei dieser Ständer und Glasplatten einen 
Aufbau für die Dekoration von kleineren Artikeln her- 




Abbildung 2. 

Stellen kann. Der Mittelständer ist ebenfalls sehr ein- 
fach, runde Säule mit rundem Fuss und Kopfbrett. 
Die niedrigere Säule rechts ist besonders kräftig, die 
Form ist einfach. Ausser den Konsolbrettern und den 



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Abbildung 3. 

Proportionen sind angegeben. Natürlich ändern sich 
die Masse nach den Waren, die man ausstellen will 
und nach der Fenstergrösse. Treppenstellagen werden 
gewöhnlich drapiert, deshalb brauchen dieselben keinen 
Anstrich ; es genügt, wenn man sie beizt. Diese Stel- 
lagen sollen besonders solid hergestellt werden, so 
dass man sie lange verwenden kann, ohne dass sie 
wacklig und klapprig werden. Wenn man die Treppen 
nicht im Schaufenster braucht, sind sie im Laden zur 
Schausteilung von Ware gut zu verwenden. Zu diesem 
Zweck sind auch Etagentische zu empfehlen mit zwei 
oder drei nach oben kleiner werdenden Etagen. 

In jedem Eisenwarengeschäft von einiger Bedeutung 
spielt der Umsatz in Messerschmiedewaren eine t>e- 
deutende Rolle. Es gehört ziemlich viel Erfahrung 
dazu, um solche zweckmässig und schonend zu deko- 
rieren. IJedermann braucht Messerschmiedewaren, seien 




Abbildung 4. 

es nun Taschenmesser, Rasiermesser, Scheren. Tisch- 
messer oder etwas anderes. Besonders feine -Artikel 
dieser Gattung stellt man in einem flachen Glaskasten 
im Schaufenster aus. 



4 



171 



22» 



Neue Dekorationsständer für Herren-Konfektion. 

Abbildungen 1 und 2 zeigen einen neuen Dekorationsständer aus Metali, der mit zwei Etagen 
federnder Klemmer versehen ist. Diese halten die Herrenhosen selbsttätig fest. Abbildung 2 hat 
nur eine untere Etage Federklemmer und einen oberen Ring, an welchem Röcke auf Bügel hängen. 

Abbildung 3 und4 zeigen eine neue 

Herrenbüste, Frackfasson. Hier 

sind die Schulterstücke verstellbar, 

um das Ausstopfen der Achselteile 

mit Papier vermeiden zu können. 



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Abbildung 1. 



Abbildung 3. 



Abbildung 4. 



Abbildung 2. 



Jupon-Ständer. 

Der Ständer trägt statt des bekannten Metall- 
Ringes einen Reifen aus federnden Stahlschleifen. Die 
Jupons werden zum Aufhängen zwischen die einzelnen 
Federteile gebracht und werden so klemmend fest- 
gehalten. Die Säule des Ständers besteht aus Holz, 
die schweren Füsse laufen auf Rollen. 




Reihen von oben jjesehen (ohnt' Säulf). 




Moderne Büsten und Ständer. 




Damenbtiste. 



Herrenbüste. 



Damenbüste. 






»6 



4^ 



Blusen-Dekorations- 
Ständer» verstellbar, 
(geschlossen 35 cm hoch). 



172 



Elegante Blusenbüste. 



173 



Metall-Beinkleidständer. 



Moderne Dekorationsständer. 





Metallständer 

zur modernen Aufmachung von 
Jupons mit rundem Oberteil. 



Ausstellungs-Ständer mit vieri<antiger Platte, 
letztere schräg stellbar. 





Jupon-Ständer 

mit Oberteil aus ver- 
zinntem Draht. 





Dekorations-Ständer 

für Stoffe aller Art, 

Oberteil rund, 
Pappmache kaschiert. 




Dekorations-Ständer 

für Stoffe aller Art, 
Pappmache kaschiert. 




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Metallständer mit Drahtkapotte für Theaterhauben, 

verstellbar. 



174 




Moderne Dekorationsständer« 





Eleganter Dekorationsständer 

mit Oberteil zur Dekoration von Stoffen 
aller Art. 




Ständer zur Dekoration von Decken. 




Ausstellungs-Ständer für Deckchen aller Art, verstell- 
bar, bis zur Schraube 30 cm hoch, Fuss und Platte Holz. 



Einfacher Metallständer 

zum Dekorieren von Kor- 
setts, mit Draht-Oberteil. 




Die hier abgebildeten Dekorationsbüsten und -Ständer sind dem Katalog 
der Firma Paul Baschwitz, Berlin, entnommen. 



175 



Einzeldekorationen von Stoffen. 




Die Stoiftreppe von mittelschwerer Seide. 

Über eine schmale Treppe, Abbildung 1 b, aus 
einzelnen Podien gebaut, sind verschiedene Stoffe 
in abschattierter Reihenfolge drapiert, und zwar 
so, dass über eine jede Stufe ein anderer Stoff 
fällt. Man kann die Stoffe nun so folgen lassen, 
daß man von vorn vom Hellen ins Dunkle oder 
umgekehrt übergeht, je nachdem Licht und Hinter- 
grund beschaffen sind. 



Seitlich im Schaufenster ist eine glatt mit Stoff 
bespannte Holzkiste aufgestellt, über die von einem 
nach unten zu geneigten Seitenarm leichte Seiden- 
stoffe herabfliessen. — An der dem Publikum zu- 
gekehrten Seite dieser Kiste ist ein Arrangement 
von Modeartikeln angebracht. 



11 I 





Jubiläumsschaufenster. 



Fünf T-Stän^der und ebensoviel gewöhnliche Ständer 
mit Tellerplatte sind abwechselnd in zwei Reihen 
aufgestellt. — Über die T-Ständer ist der Stoff ganz 
glatt gelegt, wird dann auf die Tellerständer geführt 
und hier zu großen Bauschen geordnet. 



176 



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Einzeldekorationen von Stoffen. 





Der Stoff ist in natürlicher Art über einen Lehn- 
stuhl gelegt. — Der quer darüber liegende Schirm 
und lose Blumen lassen das Ganze flott erscheinen. 



Drapierung von zweierlei Stoffen an einem 
hohen Ständer mit einem halben Kinderreifen. 

Die Kleiderstoffe sind in der aus der Abbildung 
ersichtlichen Weise an dem Ständer befestigt und 
fallen in vollen Falten auf den Boden herab. 





Dieser Dekorationsaufbau ist. mit Hilfe von einigen 

gewöhnlich hohen Ständern und rechts und links 

davon aufgestellten T- und Tellerständern leicht 

und mühelos zu arrangieren. 



Drapierung von Stoffen verschiedener Farbe 
und Art an einer Balustrade. 

Hinter einer Balustrade sind zwei ungleich 
hohe T-Ständer aufgestellt, über denen Stoffe herab- 
fallen. Zum Teil sind diese Stoffe auch über die 
Balustrade drapiert. 

Auf letzterer steht eineVase mit Blumen, ausserdem 
liegen ein Fächer und ein Paar Handschuhe darauf. 



177 



23 



Einzeldekorationen von Wäsche usw. 



Die Vierblatt-Blume. 



Das Tuch wird flach auf einem Tisch ausgebreitet. 
Der Daumen und Zeigefinger der linl<en Hand greift 
die Mitte des Tuches (Abbildung 1). Die rechte 

Hand fasst die 
Ecke B, indem der 
Daumen und Zeige- 
finger links und 

rechts von der 
scharfen Ecke B das 

Tuch zusammen- 
knifft, so dass sich 
eine Falte von A 
nach B bildet und 

legt diese Ecke 

auf C. In Ab- 
bildung 2 greift die 

Hand in gleicher 
Weise diese Ecke 
und legt nun beide 

Enden B und C 
auf D. Es entsteht 
jetzt Abbildung 3. 
Nun wird B, C und D ^<y ^ 




auf E gefaltet, so dass (Abbildung 4) ein Dreieck ent- 
steht. Dieses Dreieck wird in seiner Längsausdehnung 
durch zwei Einschläge gebrochen. Die Einschläge sind 

so gelegt, als ob ein 

Fächer gefaltet 
werden sollte (Abbil- 
dung 5). Die obere 
Ecke A wird zu 's 
umgekippt (Abbil- 
dung 6) und mit 
der umgeschlagenen 
Ecke an dem auf- 
gestellten Holzstab, 
Wand oder dergl. 
hochstehender Un- 
terlage mittels einer 
Stecknadel befestigt 
(Abbildung 7). Die 
vier Zipfel des Tu- 
ches B,C,D, Estehen 
nach oben und wer- 
den etwas umgebo- 
gen (Abbildung 8). 



Die einfache und die komplizierte Tüte. 



Von einer über die Ecke geschlagenen Serviette 
werden die Ecken a und b des Dreieckes nach hinten 
ineinandergeschlagen. Aufgestellt ergibt sich die ein- 
fache Abbildung 1. 

Bei Servietten, die sonst der Länge nach dreifach 



zusammen gelegt sind, geht das Formen dieser Figur 
sehr schnell von Statten. Man schlägt die obere Lage 
der zusammen gelegten Serviette zurück, gibt Figur A. 
Man fasst die beiden vorderen Ecken a a und schlägt 
dieselben nach der hinteren b Mitte zurück, gibt Ab- 




A 


a 



Abbildung J. 






Abbildung 2. 



Abbildung 3. 



bildung B. Man wendet Abbildung B um, gibt Ab- 
bildung C. Man legt den rechten Zeigefinger auf 
Punkt e, nimmt mit der linken Hand die Ecke c und 
schlägt diese zurück auf Punkt d. Man hat auf diese 
Weise ein kleines Dreieck links, neben dem grossen 
Dreieck rechts erhalten. Dieses grössere Dreieck 
rechts schlägt (wickelt) man, wie Abbildung D zeigt, 
über das kleinere Dreieck links. 

Abbildung 2. Hierzu muss man unbedingt die 
Serviette im Quadrat 4 fach zusammenlegen, vier 
Saumseiten nach dem Körper zu, vor sich liegen 



haben. Man schlägt hierauf die hintere Hälfte der 
ganzen Lage, also die Saumseiten nach vorn Ober 
und erhält hierdurch fast wieder Abbildung A, 
nur dass die Saumlinie in der Mitte fehlt, was 
sein muss. 

Abbildung 3. Man hält mit der linken Hand die 
Figur hinten fest und zieht mit den Fingern der rechten 
Hand die vier Saumlagen einzeln nach oben, mit der 
linken Hand nur zögernd nachlassend, und Abbildung 3 
ist fertig. Diese Abbildung ziert bedeutend mehr als 
Abbildung 2. 



<- 



178 



Einzeldekorationen von Wäsche. 





Stapeldekoration für Handtücher. 

Diese vier Vorlagen sind so deutlich, dass eine 
Beschreibung sich erübrigt. 



Ein Tisch mit grosser ö oder D schräg gestellter 
Tischplatte ist belegt mit einer eleganten Tisch- 
decke, von der man nicht allein das Gewebe-Muster, 
sondern auch die elegante Kante zeigen will. Auf 
der schrägen Fläche sind 6 zum Muster gehörige 
Servietten in Tüten gelegt festgesteckt. 





Stapeldekoration für Wäschestoffe. 



Tischdecke mit Blumenkorb und 
Bandschleifenarrangement. 



179 



23* 



Einzeldekorationen von Wäsche, Strümpfen usw. 





Korsetts 
auf Stangenstellage für Stapelienster. 



Seidenunterrock mit aufgerollten Strümpfen. 



Auf zwei Glassäulen liegt eine a-Kristallglas- 
platte. Darauf sind auf einem untergestellten Glas- 
ständer sechs Strümpfe gelegt. Die Strumpflängen 





Seidene Damenstrümpfe mit aufgerollten 
Strümpfen in Form von Rosetten. 



sind übereinander, die Füsslinge fächerförmig aus- 
gebreitet gelegt. Obenauf, sowie neben den Füssen 
auf der Platte ist je ein einzelner Strumpf über 
seinen Bruch zusammengerollt als Rose resp. 
Rosette dekoriert. Vor dem Arrangement auf 
dem Boden liegen noch zwei Strümpfe in Falten 
zusammengerafft. 




Auf einer Glasplatte geschickt drapierte Damen- 
wäsche als Dekorations-Einzelheit. 



180 



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Einzeldekorationen von Putz- 



Einzelmotive aus den Schau- 
fenstern der Firma A. Wertheim, 
Berlin, Leipziger Platz, die sich als 
Hauptmotive für kleine Schaufenster 
eignen. Ein ausgestopfter Flamingo 
(Abbildung 1) in den zarten Tönen 
seines rosenfarbenen Gefieders hält 
in seinem Schnabel Band. Die drei 
Schattierungen der drei aufein- 
andergelegten und unten ausein- 
anderfallenden Bänder harmonieren 
mit den Blumen auf dem Hute und 
schliessen sich in ihren weichen, 
satten, grünen und braunen Tönen 
dem auf dem Boden liegenden 
Blumenstrauss an. Das Ganze ist 
überhaupt in erster Linie ein Farben- 
spiel. In ähnlicher Weise ist bei 




den beiden Dekorationen 3 und 4 
Wert auf die Harmonie der Farben 
gelegt, die sich gerade durch Bän- 
der in verschiedenen Schattierungen 
hervorragend erzielen lässt. Ge- 
schmack und Farbensinn können 
in solchen Kleinigkeiten etwas 
Grosses leisten. 

Ein Hutfenster mit gleichartigen 
Formen (Abbildung 2), die durch 
die klare einfache Aufstellung stark 
vom Hintergrund sich abheben. 
Der Chiffon-Hintergrund, in Blau- 
grau gehalten, wird durch orange 
belebt. Die grosse freie Fläche des 
Sammetbahnen - Untergrundes ist 
von einem gemusterten Stoff zum 
grössten Teil bedeckt 



Abbildung 1. 







Abbildung 2. 

181 



Einzeldekorationen von Putz. 




Sinzelmotive 

aus dem Schaufenster 

der Sirma 

31. Wertheim, 

g. m. b. SK., 

'Berlin. 

(Siehe Seite 181.) 



Abbildung 3. 



Jedes Geschäft, welches Herren- 
oder Damenhüte führt, hat unter 
den Dekorationsstücken Hut- oder 
Putzständer. Diese Ständer lassen 
sich auch für andere Artikel be- 
nutzen, als wie für die, welche sein 
Name andeutet. Man wird bald 
viele andere Verwendungsarten 
für den Putzständer herausfinden. 
Derselbe kann ebenso gut z. B. 
für Stoffe, Stickereien, Spitzen, 
Pelzwaren, Bänder, Herrenartikel 
usw. verwendet werden. 




Abbildung 4. 



Der Hut- oder Putzständer. 




Der gewöhnliche Hut- oder Putz- 
ständer hat einen Fuss, eine Stange 
(einfach oder verstellbar) und eine 
kleine Platte. Die Ständer variieren 
von einer Höhe von ca. 20 cm 
bis zu ca. 140 cm und sind aus 
Holz oder aus Metall; der ein- 
fachste dieser Ständer ist aus Holz 
gedrechselt und poliert. Derselbe 
ist noch viel im Gebrauch. Der 
Metallständer, welcher erhöht oder 
erniedrigt werden kann, ist aber 
vielseitiger anwendbar. 





182 



Einzeldekorationen von Putz. 





Die kleinen Hutdekorationen sind verbunden 
mit Bändern und Blumen. Schirme und Handschuhe 
liefern die nötige Ergänzung, die man stets braucht. 




II 




Hüte, Schleier, Blumen,Schirme, Handschuhe usw. 
sind in der Mitte oder etwas seitlich im Schaufenster 
auf eine elegante Gondel gelegt. Der obere Hut wird 
von einem hinter dieser Sitzgelegenheit aufgestellten 
Ständer getragen. Von diesem aus fällt Schleierstoff 
zur Gondel und über diese seitlich herab zum Boden. 



Diese 2 Abbildungen zeigen die einfachste aber 
doch geschmackvollste Art einen Hut mit einem 
dazu passenden Schleier auszustellen. 





Abbildung 1. 



Abbildung 2. 



In Abbildung 1 ist der Schleierstoff mehrere 
Male in seinem Fall angehoben und untergesteckt, 
während in Abbildung 2 der Schleier in natür- 
lichen Fallen herabhängt. 



183 



In neuerer Zeit ist es 
beliebt, schön ausgestattete 
Hutkartons im Schaufen- 
ster mit zur Deltoration zu 
verwenden. Diese Hutkar- 
tons geben, wenn sie 
geschmackvoll hergestellt 
sind, eine besondere Re- 
klame für die Firma ab. 
Solche Kartons werden von 
Kartonnagenfabriken her- 
gestellt und geliefert. Aber 
mancher geschickte und 
mit Geschmack begabte 
Dekorateur fertigt sich 
diese Reklamefenster-Kar- 
tons selbst an und sind z. B. 
alle hier wiedergegebenen 
Muster nach selbstgefer- 
tigten Hutschachteln ge- 
zeichnet. Es genügt zur 
Anfertigung jeder.beliebige 
weisse oder andersfarbige 
Hutkarton, dazu kommt 
Buntpapier zum Bekleben 
oder Farben zum Bemalen, 
Stoffstücke und Reste und 
dergl. mehr. 

Abbildung 1 zeigt 
4 verschieden beklebte 
und bemalte Schachteln. 
Eine davon zeigt eine Be- 
klebung mit modernem 
Stoff, eine andere ein auf- 
Abbildung 3. Zusammenstellung von 




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Abbildung 1. 





Hutkartons im Schaufenster. 

gemaltes Landschaftsbild, 

eine dritte eine zweifarbige 
Schachtel mit Aufschrift der 
Firma, die letzte eine 
Streifenbeklebung in 3 ver- 
schiedenen farbigen Strei- 
fen nebeneinander. 

In Abbildung 2 ist ein 
Hutkarton verwandt, wel- 
cher mit schwarzweissen 
Damenbrettfeldern beklebt 
wurde. Darauf klebt man 
dann noch vorhandene 
Geschäftsadresskarten als 
Firmenaufschrift. Hinter 
dem Karton steht ein Hut 
mit Schleier auf Hutständer. 
Zwischen beiden Gegen- 
ständen wird ein niedriger 

Ständer mit schmaler, 
schräg angebrachter Kopf- 
leiste aufgestellt, über wel- 
chen man Seidenstoff, einen 
Spitzenschal oder irgend 
einen anderen Stoff resp. 
fliessenden Gegenstand 
dekoriert. Daneben können 
irgend welche beliebigen, 
von Damen bevorzugte 
Kaufartikel stehen. Parfüm 
oder Zerstäuberflasche, 
Handschuhkasten, 
Schmuckkästchen und was 
dergl. mehriist. 
Abildung 4. Ein mit Schleierstoff umbundenen 
Hutständer. Der Fuss wird vom Schleierstoff ganz 
eingehüllt und der Stoff von da aus in losen Bogen 
am Ständer hochgeführt, zur 
Schleife gebunden und seitlich 
um den dort stehenden Re- 
klamehutkarton herumgelegt. 
Auf dem Karton liegt Schirm 
und Ledertäschchen zum Hut 
passend. 




Abbildung 2. 



5 ver- 
schiedenen Re- 
klamehutkasten 
inmitten einer De- 
koration von Hut, 

Schirm, Hand- 
schuhkasten und 
Pelzboa. 




Abbildung 3. 



Abbildung 4. 



184 



Einzeldekorationen von Putz. 




Diese Dekoration ist etwas anspruchsvoll in bezug 
auf die Hilfsmittel. In erster Linie gehört dazu ein ele- 
gantes modernes Ruhebett. Das Ganze soll den Ein- 
druck machen, als wenn die Besitzerin all dieser 



Herrlichkeiten, eine elegante, bewegliche Dame, in Ele 
soeben ihr Boudoir verlassen hat. Das Schosshünd- 
chen, in diesem Falle aus Porzellan, schaut noch ganz 
beleidigt drein, dass seine Herrin ihn zu Hause Hess. 




Bei dieser Abbildung sind ein Hut, ein Stock, 
Handschuhe und ein Stück grossgemusterter Seiden- 
brokat in der einfachsten Weise auf eine elegante 
Sitzgelegenheit gelegt, die in der Mitte des Schau- 
fensters aufgestellt ist. 




Hutdekoration mit gleichartigen Formen 
in einfacher Aulsteliung. 



185 



24 



Einzeldekorationen von Konfektion- 



Blusen-Dekoration, schwarz bespannter Ständer mit 
blau eingefaßten Ecken. -Weiße Seidenbluse, unter 
dem Gürtel fallen Schleifen aus blauem Seidenband 





hervor. Am Fuße des Ständers liegt eine gefällig 

gebundene große Bandschleife mit einer Perlenkette 

und einigen Rosen verschlungen. 



Ein moderner Stuhl, daneben ein hoher Ständer, von 
welchem Kleiderstoff teils zur Erde, teils über die 
Lehne des Stuhles und unter dem rechten Seitenarm 
hindurch über den Sitz hinweg zum Boden geführt 
wird. Ein Mantel wird über die andere Seitenlehne 
des Stuhls gelegt. Schirme, Pompadour auf dem 
Stuhlsitz und ein Hut auf dem Ständer sind zur 
Vervollständigung ausgestellt. 



Diese Dekoration 
ist leicht herzustellen. 
Hierzu benötigt man 
ein flaches Podium, das 
mit Dekorationspapier 
beklebt ist. Am Fusse 
des Blusenständers liegt 
ein Strauss Rosen, von 
welchem die übrige 
Dekoration ihren Aus- 
gang nimmt. Leichter 
Seidenstoff ist in reichen 
Falten auf der einen 
Teppich bildenden Fort- 
setzung des Papiers aus- 
gebreitet und auf der 
linken Seite mit einer 
schmalen Schleife fest- 




gehalten. Von der Mitte 
aus verteilt sich in 
Schleifenarrangement 
eine reiche breite Band- 
garnitur. Diese Deko- 
ration befand sich als 
Mittelstück in einem 
Fenster des Hauses 

Herrmann Gerson, 
Berlin. Links von dem 
kleinen Podium standen 

auf Ständern zwei 
Kostüme, zu welchen 
die Bluse passen sollte, 
und das Fenster war 

also mit wenig 
Mitteln geschmackvoll 
dekoriert. 



186 




Einzelheiten aus Schauienstem 
ftir Damenkonfektion. 








Einzelheiten aus Schaufenstern 
für Kindergarderobe. 






187 



24* 



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188 




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190 



Einzeldekorationen von Herrenartikeln. 






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194 



195 



25» 



Einzeldekorationen von Herrenartikeln- 





Dieser Aufbau besteht aus Hemden und Herrenstoffen, 
letztere sind über Ständer von verschiedener Höhe 
drapiert, daran sind drei Hemden, zum Teil mit Kragen 
und Krawatten befestigt. Außerdem sind in der Deito- 
ration noch einige Stöcke und Krawatten verwendet. 



Praktische Verkauls-Stellage für Selbst- 
binder, Hosenträger, Gürtel, Strümpfe usw. 

Die Stellage besteht aus vier durch Latten ver- 
bundenen Spielreifen und ist weiß lackiert 





Originell ist der Jackettanzug 
dieser mittleren Abbildung an 
diesem Ständer aufgemacht. 
Das Jackett hängt mit dem 
Rückenteil gegen den Beschauer, 
ist aber so arrangiert, daß Kragen 
und Revers gut zu sehen sind, 
dazu ein Stock, gute Hand- 
schuhe und Krawatte. 




196 



Einzeldekorationen von Herrenartikeln« 




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197 



' 'i "^ÜiltfWfctf .lüMTCai-SlTrir I iMiial 









Dekorationsmotive für die Reisezeit. 





Eine geschlossene Reisehandtasche, durch deren 
Bügel ein Spazierstock gesteckt ist. Eine Reisemütze 
und Reisehandschuhe liegen auf dem Taschen- 
verschlussbügel. 



Eine geöffnete Reisehandtasche. Über den ge- 
öffneten Taschenbügel sind Kleidungsstücke gelegt, 
wie Ober- und Nachthemd, Sockenhalter, helles 
Sommerbeinkleid, Handschuhe und Stock. 






Ein aufgestellter Kabinenkoffer, 
darüber gelegt ein Strandbeinkleid, 
Reisemütze oder Strandmütze. An- 
gelehnt an den Koffer ein Stock 
oder Hockeyschläger mit ange- 
bundenen Handschuhen. 



Ein aufgestellter Reisekoffer. 
Darüber gelegt Sommerbeinkleid, 
Reisemütze. In den Riemen des 
Koffers gebunden Schirm und Stock. 



Ein aufgestellter Koffer mit Hut 
und Tennisschläger. 



Eine Reisetasche. 
Darüber liegt ein 
Oberhemd. Durch 
den Bügel der Tasche 




ist einTennisschläger 
gesteckt, auf dessen 
Handgriff ein leichter 
Sommerhut hängt. 



198 



Einzeldekorationen von Handschuhen und Strümpfen. 



In Geschäften, welche Herren- und Damen- 
Lederhandschuhe führen, hat sich das Kartonleren 
der Handschuhe als besonders leicht für den Mehr- 
Verkauf der Waren eingebürgert. Speziell zur Weih- 
nachtszeit sieht man überall in den Fenstern dieser 
Geschäfte hübsch ausgestattete Kartons liegen, meist 
3 oder 6 Paar Handschuhe, oft auch nur 1 Paar der- 
selben enthaltend. Diese Aufmachungen sind bei 
der Kundschaft als Geschenkartikel sehr beliebt. 
Deshalb bringen|wir auch hierfür einige Anregungen. 



Fächer-, Kreis- oder beliebiger anderer Figur. Die 
mit gutem, elegantem Bezug versehenen Deckel der 
einzelnen Geschenkkästchen sind jedesmal schräg 
über ihren Unterkasten gelegt. Dieser zeigt den 
Wareninhalt, darauf liegen Gutscheinkartender Firma, 
dazwischen entweder andere kleinere Verkaufswaren 
oder z. B. wie zur Weihnachtszeit grüne künstliche, 
resp. natürliche Tannenzweige. 




• Abbildung 1. 

Abbildung 1. Es liegen einige Kartons mit Hand- 
schuhen, Deckel untergeschoben, offen in Reih und 
Glied (oder in Fächer- oder Kreisform) nebeneinander. 
Dazwischen stehen, schräg durch ihre eigenen Deckel 
gestützt, weitere offene Kartons gleichen Inhalts. 
Über die Ecken der liegenden Kartonagen sind je 
ein Paar Handschuhe aufgeknifft. Weiter kann man 
zur Ausfüllung der Lücken zwischen den] Kartons 
Irgend welche andere Artikel, Manschettenknöpfe auf 
Karton gezogen, Krawatten und dergl. benutzen. 
Auch legt man gern Geschäftskarten oder Gut- 
scheinkarten zwischen oder schräg auf die Waren. 




Abbildung 2. 




Aus einer Handschuhaaslage. 

Der Handschuh ist auf einen kleinen, gewöhnlichen 
Ständer gezogen und kommt In flotter Art gut 

zur Geltung. 




Abbildung 2 bietet eine andere Dekorationsform Dekoration von Socken auf einem runden Podium 
Auch hier liegen die Kartons nebeneinander, in mit Ständern. 



199 



Einzeldekorationen von Schirmen. 





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